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Traumhafte Wohngemeinschaften

An A. und A., meine alle ers­ten Mit­be­woh­ne­rin­nen und bes­ten Freundinnen.

Das Leben in einer WG ist auch einer Französin vertraut. Zeichnung: Jean-Pierre Deruelles
Das Le­ben in ei­ner WG ist auch ei­ner Fran­zö­sin ver­traut. Zeich­nung: Jean-Pierre Deruelles

Vor der Tür des mit bun­ten Graf­fiti be­deck­ten Ge­bäu­des zeigt eine Reihe von Klin­geln alle ak­tu­el­len und ehe­ma­li­gen Be­woh­ner des Hau­ses an. Man ist noch nicht rein­ge­gan­gen, da lässt be­reits diese chao­tisch an­ein­an­der­ge­reihte Samm­lung hand­schrift­li­cher Na­mens­schil­der ein sym­pa­thi­sches In­nen­le­ben erahnen.

Der Haupt­ein­gang öff­net sich zu ei­nem Flur, der mit al­len mög­li­chen Fahr­zeu­gen zu­ge­stellt ist. Mit al­ten Stadt­rä­dern, die mit Ge­päck­ab­la­gen, ex­tra Sat­teln für Mit­fah­rer und zu­sätz­lich noch Kin­der­sit­zen hin­ten ver­se­hen sind. Au­ßer­dem ste­hen dort noch Hand- und Holz­wa­gen, Kin­der­wa­gen und Bug­gys al­ler For­men und Al­ter, und im Win­ter auch ei­nige Holzschlitten. 

Der Flur führt bes­ten­falls in ei­nen grü­nen Gar­ten, der als fan­tas­ti­scher Spiel­platz für die Klei­nen oder Grill­platz für die Er­wach­se­nen dient: Dort fin­det man Blu­men und Ge­müse, viel­leicht eine Rut­sche, ei­nen Sand­kas­ten oder ein Baum­haus, Bob­by­cars und ver­ges­se­nen Trak­to­ren, eine ge­müt­li­che Sitz­ecke um eine Feu­er­tonne, Wä­sche die auf ei­ner Wä­sche­leine trock­net, noch wei­tere Fahr­rä­der in ei­ner Hütte ge­parkt … Da­von be­kommt man so­fort Lust, sich mit den Nach­barn und Freun­den zu treffen.

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Im Flur gibt es auch eine Tür, die in den Kel­ler führt. Es gibt mo­derne Kel­ler oder sol­che mit al­ten Stein­ge­wöl­ben. Manch­mal sind sie leer, da­mit man dort Par­tys fei­ern kann oder sie sind mit Mö­beln ge­füllt. Ab und zu trifft man auf ei­nen Sta­pel Holz, der zum Be­feu­ern der Öfen dient, die es im­mer noch in man­chen Woh­nun­gen in mei­nem Vier­tel gibt.

In den Trep­pen und den Gän­gen: noch ein paar Fahr­rä­der, die manch­mal am Ge­län­der hän­gen; grüne Pflan­zen an den Fens­ter­bret­tern, die al­len ge­hö­ren müs­sen; Schuh­re­gale, Bier­käs­ten, Pfand­glas oder Pa­pier­müll­kar­tons. An den Wän­den: Pos­ters, Kin­der­zeich­nun­gen und „Hier le­ben: … “ Auf­kle­ber, die je­dem Woh­nungs­ein­gang eine per­sön­li­che Note ge­ben. So viele Be­weise von Le­ben und Aus­tausch. Im Trep­pen­haus un­sa­nier­ter Alt­bau­ten, in de­nen man noch mit ei­nem Ofen heizt und es so schön nach Feuer riecht, steht ein Ei­mer mit Asche vor je­der Fußmatte.
Ganz oben gibt es ei­nen rie­si­gen Dach­bo­den in dem man, wie im Kel­ler, Wä­sche auf­hän­gen, Krem­pel la­gern oder ein­fach fei­ern kann.

Man geht rein und ent­deckt hohe De­cken und ei­nen rie­si­gen Flur, der als chao­ti­scher La­ger­raum dient: Hier ein Ki­cker, da ein Sofa, dort ei­nen Wä­sche­stän­der und wei­tere Bier­käs­ten. Pos­ter, Kar­ten und Fo­tos an de­ren Her­kunft sich wahr­schein­lich kei­ner er­in­nern kann, schmü­cken die Wände. Die Zim­mer sind meist grö­ßer als die ganze Ein­raum­woh­nung ei­nes fran­zö­si­schen Stu­den­ten und in je­dem Fall gemütlich. 

Mit et­was Glück ist die Kü­che groß ge­nug, um dort alle Mit­be­woh­ner zum ge­mein­sa­men Es­sen un­ter­zu­brin­gen. Sie bie­tet den bes­ten Kom­fort mit Wasch­ma­schine, Ge­schirr­spü­ler, Kühl­schrank in Fa­mi­li­en­größe in dem je­der Mit­be­woh­ner seine Etage hat. Be­steck und sons­tige Uten­si­lien wur­den von al­len Zwi­schen­mie­tern der ver­gan­ge­nen WGs ge­sam­melt und in Re­ga­len oder hüb­schen ur­alten Buf­fets auf­ge­räumt. Um den Tisch: un­ter­schied­lichste Stühle oder alte Ses­sel, die auf Floh­märk­ten oder auf der Straße ge­fun­den wur­den. Am Fens­ter­brett: Ker­zen, Blu­men, ein Aschen­be­cher. Musik.

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Oft ge­hört zu je­der Woh­nung ein le­ben­di­ger bun­ter Bal­kon, wenn nicht so­gar zwei. Dass diese auch ge­nutzt wer­den, be­zeu­gen die Wein­glä­ser vom Vor­abend auf dem vom Wachs kle­ben­den Tisch, die fri­sche Asche im Grill, die vie­len Erd­töp­fen, Blu­men, Ba­si­li­kum- Ros­ma­rin- und sons­tige Kräuterpflanzen.

Na­tür­lich passt diese traum­hafte Be­schrei­bung nicht auf jede WG. Aber auf sehr viele, die ich ken­nen­ler­nen durfte. Die Woh­nungs­su­che war meine erste Auf­gabe als Neu­an­kömm­ling in Dres­den und diese Woh­nun­gen der erste Ein­druck, den ich vom Le­ben der Deut­schen bekam.
Als frisch di­plo­mierte Fran­zö­sin konnte ich nur stau­nen: Wäh­rend mei­nes ge­sam­ten Stu­di­ums hatte ich ganz al­leine in klei­nen über­teu­er­ten Ein­raum­woh­nun­gen ge­wohnt, wie die meis­ten Stu­den­ten in Frankreich.

Des­we­gen war ich völ­lig aus dem Häus­chen, als ich diese traum­haf­ten Ge­mein­schaf­ten, in de­nen man sich für klei­nes Geld ein­mie­ten kann, ent­deckte. Al­lein we­gen die­ser im­mensen Le­bens­qua­li­tät wusste ich, ich würde Dres­den nie verlassen!

Die Französin Peps in Dresden - Zeichnung: Jean-Pierre Deruelles
Die Fran­zö­sin Peps in Dres­den – Zeich­nung: Jean-Pierre Deruelles

Ein Gast­bei­trag von Peps, der Fran­zö­sin in der Neu­stadt. Aus der Reihe "C’est la vie! – Chro­ni­ken ei­ner Fran­zö­sin in der Neu­stadt". Il­lus­tra­tio­nen: Jean-Pierre De­ru­el­les. Fort­set­zung folgt.

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Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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