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Salut! – wenn ein Dresdner einer Französin begegnet

Egal in wel­chem Land ich mich befinde: Wenn ich auf der Straße zufäl­lig ita­lie­nisch spre­chen höre, bekomme ich sofort ein son­ni­ges Urlaubs­ge­fühl und mir wir­ken die Ita­lie­ner spon­tan sympathisch.

Wieso denken Dresdner eigentlich bei Frankreich immer an eine Zug? Foto: Erich Westendarp, Pixabay
Wieso den­ken Dresd­ner eigent­lich bei Frank­reich immer an eine Zug? Foto: Erich Westendarp, Pixabay

Anschei­nend geht es den Deut­schen genauso mit den Fran­zo­sen. Als Ver­tre­te­rin eines Lan­des, das hier sehr beliebt ist, wurde ich immer mit Neu­gier und warm­her­zig emp­fan­gen. Ich brau­che gar nichts tun: Kaum hört ein Dresd­ner mein Akzent und schon ist seine Vor­liebe für Frank­reich erweckt. Er möchte mehr über mich erfah­ren, mir von sei­nen Erfah­run­gen mit Frank­reich oder der fran­zö­si­schen Spra­che erzäh­len. Als würde er aus unse­rem Gespräch her­aus ein Stück Pro­vence mit nach Hause nehmen. 

Aber was sagt denn genau ein Dresd­ner, wenn er einer Fran­zö­sin begeg­net? Hier sind ein paar wie­der­keh­rende Reak­tio­nen, die mich immer wie­der überraschen.

Sophie Marceau

Liebe Bäcke­rin, lie­ber Büro­lei­ter, und liebe Men­schen, die ich nicht mal kenne: Es ist sehr freund­lich von Ihnen, mich mit „Salut“ zu begrü­ßen, aber vor allem sehr selt­sam. Liebe Fran­zö­sisch­leh­rer: Sagt doch bitte euren Schü­lern, dass wir uns nur unter bes­ten Kum­pels mit “Salut” begrü­ßen! Ein­fach „Bon­jour“ ist viel angemessener.

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Mir wurde erzählt, der fran­zö­si­sche Film „Die Fete“1 sei auch in Deutsch­land erfolg­reich gewe­sen und habe die­ses „Salut“ ver­brei­tet (so begrü­ßen sich stän­dig die Jugend­li­chen in dem Film). Wie lus­tig! Ich hatte nicht damit gerech­net, die­sen fran­zö­si­schen Kult­film der Acht­zi­ger­jahre hier wiederzufinden.

Louis de Funès

Oh, Frank­reich! Ken­nen Sie Saint-Tro­pez? Ich liebe Louis de Funès“. Ich hätte auch nicht gedacht, dass Louis de Funès hier so berühmt und beliebt wäre, und ins­be­son­dere der Film „Der Gen­darm von Saint-Tro­pez“. Komi­scher­weise wird Louis de Funès auf Deutsch ohne S genannt, also „Louis de Funé“. Pech gehabt: Hier spricht man das S am Ende aus­nahms­weise doch mit!

Und was hat Sie denn nach Dresden geführt?“

…wol­len immer alle zu Recht wis­sen. Dar­auf ant­wor­tete ich anfangs gerne aus­führ­lich warum und wes­halb ich in diese Stadt kam. Aber nach zehn Jah­ren Leben in Deutsch­land ver­kürze ich nur noch etwas schroff: „Die Arbeit und die Liebe“. Das tut mir leid, weil ich oft das Gefühl habe, mei­nen Gesprächs­part­ner dabei zu ent­täu­schen, der meis­tens ehr­lich inter­es­siert ist. Aber ich habe ein­fach keine Lust mehr, diese Frage zu beant­wor­ten, die mir zu oft gestellt wurde … Außer­dem möchte ich manch­mal gerne nicht sofort als Aus­län­de­rin betrach­tet wer­den, son­dern ein­fach als Dresdnerin.

Oh Frankreich, was für ein wunderschönes Land!“.

Ich bin immer wie­der fas­zi­niert, wie sehr die Deut­schen meine Hei­mat lie­ben und oft beson­ders gut ken­nen. Dort ver­brin­gen sie auch gerne ihre Ferien, die sie mir ebenso gerne in Details erzäh­len: „Oh, letz­ten Som­mer haben wir eine Fahr­rad­tour in der Pro­vence gemacht“, „Aaah die Atlan­tik­küste, dort machen wir jedes Jahr Cam­ping­ur­laub“, „Ah die Bre­ta­gne“, „Die Alpen, was für fan­tas­ti­sche Berge“, „Wie schön und abwechs­lungs­reich die Land­schaft ist“, usw.

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Nach sol­chen Rei­se­be­rich­ten kann ich nicht anders: Ich bekomme sofort Heim­weh. „Aber ver­mis­sen Sie nicht Frank­reich?“ wol­len man­chen anschlie­ßend wis­sen. Na vor­hin nicht, aber jetzt schon!

Deutsch oder Englisch?

An meine Eltern, wenn sie mich besu­chen: „Oh, Sie besu­chen Ihre Toch­ter? Woher kom­men Sie, hat­ten Sie eine schöne Reise, und wie lange blei­ben Sie denn?“ usw. Total nett! Aber: Auf Deutsch. Als wäre es ganz selbst­ver­ständ­lich, dass meine Eltern flie­ßend Deutsch (oder sogar Säch­sisch) spre­chen! Man sagt oft, Fran­zo­sen kön­nen keine Fremd­spra­chen. Aber viele Dresd­ner bemü­hen sich auch nicht, lang­sa­mer, ohne säch­si­schen Akzent oder gar auf Eng­lisch zu sprechen!

Was aber nur halb so schlimm ist. Denn spricht mich einer (meis­tens von der jün­ge­ren Genera­tion) auf Eng­lisch an, fühle ich mich sofort belei­digt: Habe ich so viele Feh­ler beim Bier Bestel­len gemacht, dass der mit­lei­dige Kell­ner mir lie­ber auf Eng­lisch ant­wor­tet? Oder liegt das an mei­nen fran­zö­si­schen Akzent, den ich nie los­werde? Mist…

Auch wenn es gut gemeint ist, emp­finde ich das oft als Kri­tik gegen meine Akkli­ma­ti­sie­rungs­be­mü­hun­gen. „Wie wagen Sie es, mich für eine Tou­ris­tin zu hal­ten? Ich bin eine Dresd­ne­rin“, denke ich immer, und setzte dann meine Ehre daran, in mei­nem schöns­ten Deutsch zu ant­wor­ten, als hätte ich die eng­li­sche Anrede nicht gehört.

Es tut mir leid, ich kann kein Französisch.“

Süß, wie viele Deut­sche sich bei mir dafür ent­schul­di­gen, dass sie kein Fran­zö­sisch können!

    „Ich hatte mal Fran­zö­sisch in der Schule. Lei­der habe ich alles vergessen.“
    „Ich weiß nur noch wie man sagt: “Mon père est con­duc­teur de TGV2
    „Ich kann bloß ‘je ne com­prends pas’3 sagen“.
    „Oh, mein Sohn lernt Fran­zö­sisch in der Schule! Aber er ist sehr schlecht … “

Nun, was soll ich dazu sagen? Das ist doch nicht so schlimm!

TGV versus ICE

Die merk­wür­digste Bemer­kung, die ich je gehört habe:

Bist du eine echte Fran­zö­sin?”, fragte mich ein Ver­käu­fer im Fahr­rad­la­den und sah mich ver­blüfft an. Ich nickte etwas ver­wun­dert, denn ich fand der Aus­druck „echte Fran­zö­sin“ ziem­lich wit­zig: Dabei fühlte ich mich plötz­lich wie eine Außer­ir­di­sche… „Bist du schon mal mit dem TGV gefah­ren?“ wollte er noch wis­sen. „Und stimmt das, dass der so schnell fährt? Viel schnel­ler als unser ICE?“

Also ehr­lich gesagt hatte ich keine Ahnung aber ja, mit dem TGV war ich schon gefah­ren. Hätte ich ihm gesagt, dass ich schon mit einer Rakete zum Mond geflo­gen bin, wäre seine Begeis­te­rung nicht gerin­ger gewesen.

Französischer Bonus“

Im Grunde genom­men, Fran­zö­sin zu sein, emp­fand ich hier immer als Vor­teil. Nicht nur weil man sich gleich so will­kom­men fühlt, son­dern auch weil es mir und mei­ner deutsch-fran­zö­si­sche Fami­lie schon meh­rere Türen geöff­net hat. Bei der Suche nach einer Tages­mutti, einer Kita, einem bereits vol­len Kin­der­arzt oder eine Woh­nung hat uns die attrak­tive Her­kunft unse­rer deutsch-fran­zö­si­schen Fami­lie immer gehol­fen. Inzwi­schen haben mein Mann und ich sogar einen Begriff dafür erfun­den: Wir nen­nen es unse­ren „fran­zö­si­schen Bonus“.


1 Auf Fran­zö­sisch: „La Boum“
2 „Mein Vater ist TGV-Fahrer“
3 „Ich ver­stehe nicht“.

Die Französin Peps in Dresden - Zeichnung: Jean-Pierre Deruelles
Die Fran­zö­sin Peps in Dres­den – Zeich­nung: Jean-Pierre Deruelles

Ein Gast­bei­trag von Peps, der Fran­zö­sin in der Neu­stadt. Aus der Reihe “C’est la vie! – Chro­ni­ken einer Fran­zö­sin in der Neu­stadt”. Illus­tra­tio­nen: Jean-Pierre Deru­el­les. Fort­set­zung folgt.

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3 Ergänzungen

  1. Liebe Peps, es hört sich lus­tig an, von “einem bereits vol­len Kin­der­arzt” zu spre­chen. Das sug­ge­riert, dass die­ser Kin­der­arzt ein Alko­ho­li­ker ist, zudem man mög­lichst früh am Tag geht. Da ist er noch nicht betrun­ken oder umgangs­sprach­lich “voll”. Bitte ver­stehe das nicht als Kri­tik. Es passt nur gut in deine schöne Artikelserie.

  2. Liebe Peps,
    Wir sind in den letz­ten 15 Jah­ren fast jedes Jahr ein mal in Frank­reich im Urlaub gewe­sen. Und ja Frank­reich ist nicht nur eines der schöns­ten Rei­se­län­der in Europa die Men­schen sind viel unvor­ein­ge­nom­me­ner Frem­den gegen­über sie sind sehr warm­her­zig ( auch die Bre­to­nen ! ) ! Wir haben es schon oft erlebt wenn wir mit Bon­jour grü­ßen das die Leute mer­ken das wir Deutsch sind und sich freuen das wir uns Mühe geben. Auch wenn wir die Spra­che nicht spre­chen mit dem Augen­kon­takt oder Ges­ten und einer Por­tion Humor geht alles gut.Jetzt wo wir Rent­ner sind wer­den wir es hof­fent­lich bald wie­der genie­ßen„ wie Gott in Frank­reich„ zu leben und die­ses Land mit sei­nen wirk­lich freund­li­chen Leu­ten wei­ter­hin zu besu­chen. Als die schreck­li­chen Abschläge in den let­zen Jah­ren in Frank­reich waren haben wir mit getrau­ert und als in Paris Notre Dame brannte waren auch wir in Gedan­ken bei den Franzosen.
    Freund­li­che Grüße Uwe

  3. Wie immer sehr schön geschrie­ben. Das Inter­es­sante ist doch: die Fran­zö­sin nervt in Deutsch­land das glei­che, wie den Deut­schen in Frank­reich. Man mag es kaum glau­ben, aber es ist wahr: Auch in Frank­reich wird einem mitt­ler­weile mit­un­ter auf Eng­lisch geant­wor­tet, auch wenn man sich größte Mühe gibt, in Lan­des­spra­che zu kom­mu­ni­zie­ren. Im Gegen­satz zur in DD hei­misch gewor­de­nen Fran­zö­sin schwin­den für den deut­schen Touri in Frank­reich damit aber lei­der auch die Mög­lich­kei­ten, sich zu verbessern.

    Es gibt aber auch das Gegen­teil, wo die Bitte, doch etwas lang­sa­mer zu spre­chen so lange aus­ge­schla­gen bleibt, bis man dann dar­auf hin­weist, dass man kein Fran­zose ist – dann geht’s sofort lang­sa­mer wei­ter! Viel­leicht gibt es in Frank­reich ja auch Dia­lekte, die einem säch­sisch gespro­che­nen Fran­zö­sisch ähneln?

    Was das Grü­ßen angeht: Ich finde es ultra-sym­pa­thisch, dass man in Frank­reich in jedem Kaff von wild­frem­den Men­schen auf der Straße nett gegrüßt wird (mit “Bon­jour”)… gibt’s hier nicht so…

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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