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Brüste – Saloppe – Rendez-vous

So viele Miss­ver­ständ­nisse im Le­ben ei­ner Fran­zö­sin in Deutsch­land! Be­son­ders am An­fang. Glück­li­cher­weise wer­den diese, mal pein­li­chen, mal lus­ti­gen, Fett­näpf­chen dank der Zeit, dem Spra­chen­ler­nen und der Er­fah­rung im­mer seltener.

Ei­nes Ta­ges kün­digte mir eine Kol­le­gin, mit der ich be­reits seit meh­re­ren Jah­ren zu­sam­men­ar­beite, plötz­lich am Ende ei­nes Ge­sprächs an: „Üb­ri­gens, ich bin Bir­git“. Ich sagte nichts, aber ich dachte: "Na und? Das weiß ich doch."

Selt­sam … Es war nicht das erste Mal, dass mir so et­was pas­sierte. Bis jetzt dachte ich im­mer, meine Kol­le­gen woll­ten mich da­mit in­di­rekt darum bit­ten, mei­nen ko­mi­schen Na­men zu wie­der­ho­len, den sie sich so schwer mer­ken konn­ten. Aber dies­mal konnte ich es mir gar nicht er­klä­ren: Bir­git kannte mich doch gut!

Spä­ter wurde mir dann klar, dass dies die deut­sche Art ist, je­man­dem das "Du" an­zu­bie­ten. Lo­gisch. Üb­li­cher­weise sagt man "Frau … Sie“, "Vor­name … Du".

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Rich­tig wäre ge­we­sen, zu ant­wor­ten „Und ich bin Peps“, und ihr da­bei die Hand zu rei­chen. Oh­lala, ich möchte gar nicht wis­sen, wie viele Ar­beits­kol­le­gen noch im­mer den­ken, ich sei unhöflich.

Mitt­ler­weile kenne ich die­ses Ri­tual zwar, finde es aber wei­ter­hin selt­sam. Je­des Mal muss ich in­ner­lich la­chen und denke, es wäre schon ein biss­chen we­ni­ger künst­lich, sich di­rekt zu fra­gen: „Wol­len wir uns duzen?“.

Hast Du meine Brüste gesehen? - Zeichnung: Jean-Pierre Deruelles
Hast Du meine Brüste ge­se­hen? – Zeich­nung: Jean-Pierre Deruelles

Bloß zwei Buch­sta­ben ver­tauscht und schon steht man im nächs­ten Fett­napf: "Sagt mal, habt ihr meine Brüste ge­se­hen?", er­kun­digte ich mich ei­nes Ta­ges bei mei­nen ver­dutz­ten Mit­be­woh­nern. Na­tür­lich meinte ich meine (Haar)-Bürste, die ich nicht mehr fin­den konnte. „Brüste“, „Bürste“ ver­wech­selt man lei­der oft als Nicht-Muttersprachler.

Kön­nen Sie mir ein Ren­dez-vous ge­ben?“ fragte ich den Bän­ker, und holte Stift und Ka­len­der aus mei­ner Hand­ta­sche. Ich wollte näm­lich gerne ein deut­sches Konto er­öff­nen. Der arme Mann wurde auf ein­mal ganz rot.

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Na ja. „Ren­dez-vous“ ist zwar ein fran­zö­si­scher Be­griff, der aber in bei­den Nach­bar­län­dern völ­lig un­ter­schied­li­che Be­deu­tun­gen hat: Ich wusste da­mals nicht, dass ein deut­sches „Ren­dez-vous“ nur im ro­man­ti­schen Sin­nen an­ge­wen­det wird. In Frank­reich ist es nur noch ein Syn­onym für „Ter­min“ oder „Tref­fen“. Mich würde amü­sie­ren zu wis­sen, wie viele Fran­zo­sen (und wem) auch so ein Date an­ge­bo­ten haben.

Im Büro der Ki­talei­tung wa­ren wir mit der An­mel­dung un­se­res Soh­nes fast fer­tig, als ich noch eine Frage stellte: „Ach ja, muss un­ser Kind sau­ber sein?“. Die Lei­te­rin guckte mich plötz­lich ganz ko­misch an und zum Glück kam mein Mann zur Ret­tung: „Also hmm, meine Frau meint be­stimmt tro­cken“. Tat­säch­lich. "Propre" (sau­ber), so nennt man auf Fran­zö­sisch ein Kind, dass keine Win­del mehr trägt. Ich sehe noch heute den ver­dut­zen Blick der ar­men Lei­te­rin, die an­nahm, ich hätte da­mit ge­meint, ob es okay ist, dass un­ser Sohn nur sel­ten ge­ba­det wird.

Hochzeit in der Schlampe?

Sa­loppe? Auf Fran­zö­sisch heißt „sa­lope“ (mit nur ei­nem P) nichts an­de­res als … "Schlampe". Und wie hieß der wun­der­schöne Dres­den Bier­gar­ten, wo mein Mann und ich un­sere Hoch­zeit ge­fei­ert ha­ben? Ge­nau, das war die "Sa­loppe".

Auf der Ein­la­dungs­karte für un­sere fran­zö­si­schen Gäste musste ich un­be­dingt dar­auf hin­wei­sen, dass "sa­loppe" auf Deutsch nichts mit dem fran­zö­si­schen Schimpf­wort zu tun hat. Nur meine Oma blieb skep­tisch, als ich ihr ver­si­cherte, dass die Dresd­ner "Sa­loppe" wirk­lich ein ganz an­stän­di­ges Par­ty­lo­kal ist.

Die Französin Peps in Dresden - Zeichnung: Jean-Pierre Deruelles
Die Fran­zö­sin Peps in Dres­den – Zeich­nung: Jean-Pierre Deruelles

Ein Gast­bei­trag von Peps, der Fran­zö­sin in der Neu­stadt. Aus der Reihe "C’est la vie! – Chro­ni­ken ei­ner Fran­zö­sin in der Neu­stadt". Il­lus­tra­tio­nen: Jean-Pierre De­ru­el­les. Fort­set­zung folgt.

Ergänzung aus der Redaktion

Die Ver­wechs­lung "Sa­loppe" mit "sa­lope" pas­siert of­fen­bar nicht nur fran­zö­sisch Spre­chen­den. Im Som­mer 2016 gab es ei­nen Farb-An­schlag auf den Bier­gar­ten mit der Bot­schaft "Schlampe tö­tet Hirsch". Auch da­mals wurde be­wusst oder un­be­wusst die ei­gent­li­che Her­kunft der "Sa­loppe" ignoriert. 

Der Name der Som­mer­wirt­schaft lässt sich auf das frühe 19. Jahr­hun­dert zu­rück­füh­ren. Da­mals gab es an die­ser Stelle ei­nen Ko­sa­ken­feld­pos­ten, der un­ter dem Na­men Wutki Cha­lupka (deutsch Schnaps­bude) bzw. Scha­luppe oder fälsch­lich Sa­luppe (deutsch Bret­ter­hütte) be­kannt war. Dar­aus hatte sich die heu­tige Be­zeich­nung Sa­loppe entwickelt.

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10 Ergänzungen

  1. Gast­au­tor?
    Nicht Gastautorin?
    Oder Gästin?
    Wenn man die Geis­ter (Mehr­zahl) ruft.…

  2. @Anton:
    Und warum nun wie­der das Sternchen?
    Sind es meh­rere Weib­lein und Männlein?
    Oder ist es eine Frau?
    Dann ist es eine Gast­au­torin ohne Stern­chen, Dop­pel­punkt, Schräg­strich, Un­ter­strich und was es sonst noch gibt.
    In Frank­reich gibt es jetzt eine Ge­set­zes­in­itia­tive, die das Gen­dern im of­fi­zi­el­len Sprach­ge­brauch ver­bie­ten will.
    Die Un­ter­stüt­zung in der Na­tio­nal­ver­samm­lung ist ziem­lich groß.
    Die Aca­dé­mie fran­çaise kämpft so­wieso schon im­mer ge­gen die Ver­än­de­rung der fran­zö­si­schen Spra­che, mit Aus­nahme von Be­rufs­be­zeich­nun­gen o.ä.
    Neu ist, dass jetzt auch auf eine bis­her ver­nach­läs­sigte Gruppe ge­schaut wird.
    Was ist mit den Blinden?
    Gen­der­spra­che in Brailleschrift?
    Was liest der Blinde, wenn er das Gen­der­stern­chen fühlt.
    Oder noch schlim­mer, die Dop­pel­pünkt­chen vor dem "in­nen"?

  3. Sehr schö­ner Text! "Kannst Du mir kom­men?" ist noch so eine Stil­blüte, die ich ge­le­gent­lich von der fremd­län­di­schen Liebs­ten höre. Was das kleine Wört­chen "zu" doch ausmacht.

    >@Anton:
    >Und warum nun wie­der das Sternchen?

    Noch schö­ner als der Text: Die Dis­kus­sion! Tja, so geht's, wenn man sich dem wo­ken Zeit­geist un­ter­wirft. Nie wird es ihm recht ma­chen. Auch der Text ent­hält das ge­ne­ri­sche Mas­ku­li­num an ver­schie­de­nen Stel­len (Kol­le­gen, Fran­zo­sen, …), bitte so­fort re­di­gie­ren und die Au­torin aus­schlie­ßen, bis sie Bes­se­rung gelobt.

  4. Sehr schö­ner Bei­trag. Ich ver­stehe al­ler­dings auch nicht, warum die Gast­au­torin mit ei­nem Gen­der­stern ver­un­stal­tet wird, vor al­lem, wenn es der ein­zige Stern im gan­zen Text ist…

  5. zum gendersprech:
    Der Ei­fer bei den Sprach- und Sprech­än­de­run­gen steht viel­fach im Miss­ver­hält­nis zu den Er­geb­nis­sen bei der rea­len Gleich­stel­lung. Drum noch ein­mal zur StVO – ge­rade auf die­sem Feld lässt sich et­was zei­gen. Als Vor­rei­ter im ge­setz­ge­be­ri­schen Gen­dern pro­fi­lierte sich der da­ma­lige Ver­kehrs­mi­nis­ter Pe­ter Ram­sauer aus der CSU. Er hatte es zwar nicht ver­mocht, seine freien Staats­se­kre­tärs­pos­ten mit Frauen zu be­set­zen – wozu er ver­pflich­tet ge­we­sen wäre –, aber er­satz­weise be­frie­digte er Sprach­wün­sche und ver­griff sich 2013 an der StVO. Wo frü­her ganz naiv von Fuß­gän­gern und Roll­stuhl­fah­rern die Rede war, heißt es seit­dem ver­quast: »An Fuß­gän­ger­über­we­gen« (dies Wort be­haup­tet sich!) muss »den zu Fuß Ge­hen­den und den Fah­ren­den von Kran­ken­fahr­stüh­len und Roll­stüh­len« Vor­rang ge­währt wer­den (§ 26). Tja, was wür­den die flei­ßig Ge­stal­ten­den und Re­for­mie­ren­den ohne das be­liebte Par­ti­zip Prä­sens an­fan­gen, wel­ches aber in der Ein­zahl nicht gut funk­tio­niert: »ein(e) Fah­rende® von Roll­stüh­len« (?) hol­pert sehr. Ne­ben­bei be­merkt: Nicht alle Dich­ten­den sind Dich­ter, und eine Trin­kende muss nicht Trin­ke­rin sein. Und hat diese Sprachän­de­rung schon ir­gendwo reale Gleich­be­rech­ti­gung gefördert?

  6. @Seldon: In An­leh­nung an ein al­tes Sprichwort:

    Erst wenn der letzte Gen­der­stern ge­setzt, die letzte Tä­tig­keit in Par­ti­zip Prä­sens um­ge­schrie­ben und der letzte Be­ruf­gruppe XYZ*innen ge­nannt wor­den ist, wer­det Ihr mer­ken, dass man die Texte schlech­ter le­sen kann, der Aus­schluss der Frauen aus dem ge­ne­ri­schen Mas­ku­li­num die­sen nicht zum Vor­teil ge­reicht und Aus­län­der jetzt noch mehr Schwie­rig­kei­ten mit dem Deut­schen haben.

  7. Danke für die schö­nen Texte, liebe Au­torin! Sie ge­ben mei­nem Neu­städ­ter Lieb­lings­blog eine neue Fa­cette, so daß ich es gleich noch bes­ser finde als bisher.

    Zum Gen­dern: der so­ziale Sinn da­hin­ter ist mir mitt­ler­weile wich­ti­ger, als über Stern­chen oder Dop­pel­pünkt­chen im Text stol­pern zu müs­sen. Also @Anton – bleib von mir aus gerne dabei.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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