Die Louisenstraße

Sie ist so etwas wie die Diva unter den Neustädter Straßen. Erfolgreich wehrt sie sich seit Jahren gegen eine Sanierung. Das Kopfsteinpflaster zwischen Görlitzer und Kamenzer lässt Rad- und Autofahrer zittern. Schmal ist sie, die Louise und doch voller Verkehr. Schlendernde Passanten lassen sich von rasenden Lieferwagen ebensowenig stören, wie Radfahrer vom Ampellicht an der „schiefen Ecke“.

Stets gut belebt: Die Soziale Ecke.

Stets gut belebt: Die Soziale Ecke.

Auf rund 860 Metern streckt sie sich fast genau von Ost nach West. Herrliche Sonnenuntergangsbilder garantiert. Zwischen Königsbrücker und Prießnitz­straße logieren nicht nur unzählige Kneipen und Imbisse, sondern auch einige der wunderbaren Neustadt-Originale, die das Viertel so liebenswert machen.

Ein kurzer Schlendergang

Unmittelbar an der Königsbrücker backt Herr Rißmann feinste Brötchen und lecker Eierschecker. Für Sachen auf’s Brot wechsle man die Straßenseite zum Fleischer Creutz, nicht ohne vorher einen Blick ins Erotik-Schaufenster und in Starkes Atelier geworfen zu haben. Adams „Black Sheep“ ist ja leider nicht mehr. Und auch die Feuerwehr hat sich verkrümelt. Neue Pläne für den Gebäudekomplex gibt’s derzeit nicht.

Benannt nach Prinzessin Louise von Lucca

Benannt nach Prinzessin Louise von Lucca

Nun kommt die wohl bekannteste Neustadt-Kneipe, die Planwirtschaft. Ich erinnere mich noch gut, als ich vor rund 25 Jahren zum ersten Mal hier ein Bierchen zischte. Damals war die „Plane“ eine von vielleicht fünf Szene-Kneipen. Sie hat es dann auch als erste in die Reiseführer geschafft und verdient heute das „Szene“-Attribut beim besten Willen nicht mehr. Aber gutes Bier und lecker Speisen gibt es immer noch.

Weiter geht’s: Imbisse, Cafés, ein wunderbarer Buchladen und plötzlich scheint mir die Sonne ins Gesicht. Ich steh an der Kreuzung zur Alaunstraße, zu meiner Rechten der Scheunevorplatz, linkerhand geht’s rauf zum Alaunplatz.

Das Kuchenloch - Alaunstraße Anfang der 1990er - Foto: Lothar Lange

Das Kuchenloch – Alaunstraße Anfang der 1990er – Foto: Lothar Lange

Ich dreh mich. Drei der vier Ecken sind bebaut, nur die alte Reifenbude (Katys Garage) lässt noch etwas Sonnenschein herein.

Kuchenloch

Man stelle sich das mal vor. Kein Schwalbennest, keine mehrgeschossige Burgerbude und auch kein Seniorenpark mit Shisha-Lounge. Einfach nur grüne Wiese mit ein paar Bänken. Angeblich sollen hier einst zwei Schwestern Kuchen gebacken und verkauft haben, manch alter Neustädter wird sich noch an den Namen „Kuchenloch“ erinnern. Kurz nach der Wende war hier das Zentrum der Neustadt.

Das ist jetzt weiter gezogen, gen Osten. Die schiefe Ecke, auch Krawalle oder Assi-Eck genannt, ist der abendliche Treffpunkt. Von hier starten Kneipentouren oder Kurzausflüge zu den angrenzenden Spätshops.








Auch am Tage ist die Ecke voller Leben. Das schönste Straßenschild versteckt sich unter der Tranquillo-Markise. Ein Blick zurück in die Senke. Auf der Südseite thront das Gymnasium, im Norden locken Theater, Glühweinbuden, Kneipen und eine weiteres Szene-Urgestein – die Pinta.

Die soziale Ecke befindet sich geografisch fast in der Mitte der Louisenstraße, einst rumpelte hier die Bahn gen Kamenzer lang. Heute gibt’s kleine Geschäfte, viele Imbisse und Kneipen und noch immer das Nordbad. Weiter gen Osten wird die wilde Louise immer friedlicher und leiser. Spätestens ab der Martin-Luther-Straße, aber ganz sicher ab Bui ist sie brav und leise. Fast ne reine Anwohnerstraße. Am Stadtteilhaus und der Prießnitzstraße endet sie, noch ein Blick zurück. Im weihnachtlichen Lichterglanz zur Abendstunde immer ein Genuss.

Louisenstraße mit Weihnachtsbeleuchtung - Foto: Youssef Safwan

Louisenstraße mit Weihnachtsbeleuchtung – Foto: Youssef Safwan

Geschichtliches

Angelegt wurde die Straße schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts, ursprünglich hieß sie Badgasse. Im ältesten Haus der Straße ist heute das indische Restaurant „Jaipur“ zu Hause. Ursprünglich war das mal ein Waisenhaus, eröffnet 1789. Den Namen der Prinzessin Louise von Lucca erhielt die Straße 1840. Allerdings hatte es die Prinzessin nicht leicht, musste sie doch mit 23 den schon 66 Jahre alten Prinzen Maximilian von Sachsen heiraten. Die Feuerwache wurde 1916 eröffnet, für 100 Jahre fuhr die Feuerwehr von hier zu ihren Einsätzen. Seit April 2016 nicht mehr. Das Gymnasium „Dreikönigschule“ war zu DDR-Zeiten die 22. POS „Dr. Richard Sorge“ und das Kinerhaus Louise war einst eine Hilfsschule.

Straßen und Plätze und Brücken im Ortsamtsbereich Dresden Neustadt

linie

8 Kommentare zu “Die Louisenstraße

  1. 30. Dezember 2016 at 16:05

    Oh, da fallen mir noch ganz andere, vergangene Versuche ein. Das Baqs z. B. oder der klägliche Versuch des Mio, welches dann von dem kleinen Elefanten… aber lassen wir das.

  2. 30. Dezember 2016 at 17:47

    Alles aus Deiner kurzen Neustadt-Zeit … ;-)

  3. Alauner
    30. Dezember 2016 at 23:23

    Feiertagsartikel? Leider nicht gelungen.

  4. 31. Dezember 2016 at 07:23

    schöner Artikel –Danke…….was ist mit Philline ? entlassen ? ich finde auch,mit der Alaunstrasse zusammen die beiden interessantesten ……

    grussi…….

  5. 31. Dezember 2016 at 07:41

    Danke.
    Philine schreibt natürlich weiter. Die Straßen werden wir uns aber künftig teilen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

linie