Der Dresdner Stadtrat hat am Donnerstag, dem 29. Januar 2026, über die Zukunft des Alten Leipziger Bahnhofs entschieden. Das Gremium sprach sich mit knapper Mehrheit für eine Fortführung der Entwicklung des Standorts zu einem Gedenkort aus.

Der Beschluss betont die besondere Bedeutung einer Bildungs- und Begegnungsstätte an diesem Ort – für die Stadt Dresden, den Freistaat Sachsen und darüber hinaus. Die Landeshauptstadt soll ihrer historischen Verantwortung gerecht werden.
Dem Beschluss liegt ein gemeinsamer Antrag der Fraktionen Bündnis 90/Die Grünen, SPD und FDP/FB zugrunde. Er sieht eine Projektförderung in Höhe von 100.000 Euro vor. Davon sollen 75.000 Euro in die Weiterentwicklung des Nutzungs- und Betriebskonzepts sowie in Forschungs-, Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit fließen. Weitere 25.000 Euro werden bereitgestellt, wenn bis zum 30. September 2026 ein Konzept zur Weiterentwicklung vorliegt. Dieses Konzept soll Bildungsangebote, eine Kooperationsstrategie mit anderen Gedenkstätten in Dresden und einen Zeitplan für einen Pilotbetrieb enthalten.

Die Entscheidung fiel mit 36 zu 35 Stimmen denkbar knapp aus. CDU, AfD und das Team Zastrow stimmten gegen den Antrag. Die Stadtratssitzung (mit den entscheidenden Tagesordnungspunkten 4 und 5) lässt sich auf dresden.de/livestream ansehen.
Klepsch: Wichtiger Schritt
Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke), sprach von einem wichtigen Schritt. Gleichzeitig äußerte sie sich besorgt über die knappe Mehrheit. Gedenkorte seien unverzichtbar für die Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen und für die politische Bildungsarbeit.
Bereits im April 2021 hatte der Stadtrat einstimmig beschlossen, den Alten Leipziger Bahnhof zu einem Lern- und Gedenkort zu entwickeln. Dort wurden Jüdinnen und Juden aus Dresden deportiert. Das Gelände gehört derzeit dem Unternehmen Globus. Verhandlungen über eine Rückübertragung an die Stadt laufen.
Ulla Wacker, kulturpolitische Sprecherin der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, betonte die Bedeutung der Entscheidung. Die Konzeptarbeit könne nun nach einer einjährigen Pause wieder aufgenommen werden, unabhängig von der Eigentumsfrage. Sie kritisierte zugleich den knappen Ausgang der Abstimmung. Die zunehmende gesellschaftliche Relativierung der NS-Verbrechen und der wachsende Einfluss rechtsextremer Gruppen seien ein Warnsignal.

Wissenschaftliche Forschung und pädagogische Arbeit bilden laut Beschluss die Grundlage für den Gedenkort. Noch lebende Zeitzeugen könnten ihr Wissen nur noch begrenzt weitergeben. Ihre Berichte und die Ergebnisse der Aufarbeitung sollen auch in museale und kulturelle Konzepte in Dresden einfließen.
Wacker forderte die CDU auf, ihren Kurs zu überdenken. Diese habe vor fünf Jahren und im laufenden Doppelhaushalt der Entwicklung des Gedenkorts selbst zugestimmt. Angesichts aktueller gesellschaftlicher Herausforderungen sei es entscheidend, ob demokratische Bekenntnisse Bestand hätten.




















