Die Zukunft des geplanten Gedenkortes am Alten Leipziger Bahnhof ist weiter ungewiss. Trotz eines ausgearbeiteten Konzepts und breiter Unterstützung durch zivilgesellschaftliche Initiativen gab es im Kulturausschuss keine Mehrheit für eine Finanzierung. Am Donnerstag soll das Vorhaben in einer Aktuellen Stunde im Stadtrat diskutiert werden.

Vom Alten Leipziger Bahnhof aus wurden während des Nationalsozialismus Jüdinnen und Juden unter anderem in das Ghetto nach Riga deportiert. Seit Jahren ist geplant, an diesem historischen Ort eine Gedenk- und Bildungsstätte einzurichten. Das Konzept des Förderkreises sieht eine Shoah-Gedenkstätte, ein Dokumentationszentrum zur NS-Zeit und eine Begegnungsstätte vor. Allerdings gehört das Grundstück, auf dem sich der ehemalige Bahnhof befindet, nicht der Stadt Dresden, sondern dem Investor Globus, der gern in Dresden einen Einkaufsmarkt bauen möchte. Verhandlungen über einen entsprechenden Grundstückstausch kommen seit Jahren nicht voran.
Bereits 2023 hatte der Stadtrat die Errichtung der Gedenkstätte einstimmig beschlossen. Doch seit der Vorstellung des Konzepts im Oktober 2025 ist die Finanzierung umstritten. Eine Mehrheit aus CDU, AfD, FDP/FB und Team Zastrow lehnt das Modell in seiner jetzigen Form ab. Der Hauptkritikpunkt: Das Gelände gehört nicht der Stadt und man wolle nicht Geld in ein Projekt stecken, das sich möglicherweise gar nicht realisieren lasse.
Der kulturpolitische Sprecher der CDU, Mario Schmidt, sagt: „Grundlegende Voraussetzung für die Entwicklung des Gedenk- und Begegnungsortes am Alten Leipziger Bahnhof ist die Klärung der Eigentumsfrage.“ Seit Jahren befinde sich die Stadt in Verhandlungen mit dem derzeitigen Eigentümer. Diese Verhandlungen endlich abzuschließen, sollte das gemeinsame Ziel sein. „Solange die Stadt keinen Zugriff auf das Grundstück hat, ist es aus unserer Sicht wenig sinnvoll, an Details eines Gedenkkonzepts weiterzuarbeiten“, so Schmidt.
Dies sei eine billige Ausrede, sagt Piraten-Politikerin Anne Herpertz, die auch die Aktuelle Stunde heute beantragt hat. „Die rechten Fraktionen reden sich damit raus, dass das Grundstück noch nicht in städtischer Hand ist“, so Herpertz. Dabei gehe es aktuell noch gar nicht um das Grundstück, sondern um die Arbeit am Konzept der Gedenkstätte.
Vorschlag Kulturbürgermeisterin
Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch (Die Linke) hatte vorgeschlagen, dem Verein zumindest 100.000 Euro für 2026 zur Weiterarbeit zu bewilligen. Der Antrag scheiterte jedoch im Kulturausschuss. Die ehrenamtlich tätigen Mitglieder des Förderkreises sehen sich dadurch in ihrer Arbeit massiv eingeschränkt. Bereits geplante Projekte, darunter internationale Kooperationen oder die Einbindung von Nachfahren der Opfer, können nicht fortgesetzt werden.
Renate Aris, Mitglied im Förderkreis Alter Leipziger Bahnhof, 90 Jahre, eine der letzten Holocaust-Überlebenden in Sachsen, sagt: „Ich bin entsetzt. In einer Zeit, in der sich der Faschismus breitmacht, drücken sich CDU-Politiker der Stadt Dresden vor ihrer Verantwortung um die Geschichte.“ Aus fadenscheinigen Gründen würden sie die Fortsetzung der Entwicklung eines Gedenk-, Lern- und Begegnungsorts am Alten Leipziger Bahnhof ablehnen.

André Lang, Sprecher des Förderkreises und Mitglied der Jüdischen Gemeinde Dresden, ergänzt: „Entgegen aller Bekundungen arbeitet die Dresdner CDU-Stadtratsfraktion gegen den Gedenkort am Alten Leipziger Bahnhof.“ Mehrere Gesprächsversuche mit der Fraktionsvorsitzenden seien gescheitert. „Wir erwarten von der CDU ein klares Bekenntnis sowie die Freigabe der bereits eingeplanten Mittel, damit das Konzept weiterentwickelt werden kann“, so Lang.
Laut dem kulturpolitischen Sprecher der CDU, Schmidt, habe man weder vom Förderkreis noch von der Kulturbürgermeisterin eine klare Auskunft dazu erhalten, welche Leistungen im Jahr 2025 erbracht wurden, die eine erneute – quasi nachträgliche – Zuwendung für das laufende Jahr rechtfertigen würden. Auch eine Förderung für 2026 wurde abgelehnt. Dennoch betont die CDU in einer Pressemitteilung, dass man sich zur historischen Verantwortung Deutschlands bekenne und die geplante Errichtung eines Gedenk- und Begegnungsortes am Alten Leipziger Bahnhof unterstütze. Voraussetzung dafür ist jedoch der Übergang des Grundstücks in städtisches Eigentum.
Weitere Informationen
- Informationen zum geplanten Gedenkort: alter-leipziger-bahnhof.net und auf dresden.de
- Stadtratssitzung im Livestream ab 16 Uhr: dresden.de/livestream






















