„Die Antonstadt bekommt eine Galerie“

Künstlerisch geht es zu in dem unauffälligen Hauseingang der Kamenzer Straße 19.

Künstlerisch geht es zu in dem unauffälligen Eingang der Kamenzer Straße 19.

Eigentlich war Oliver Kratz zwölf Jahre lang im Militärdienst. Nach drei Auslandseinsätzen entschied er sich jedoch, zur Kunst zu wechseln und er begann eine steile Laufbahn auf dem Kunstmarkt. Ausgebildet wurde er bei der Galerie Gebrüder Lehmann. Später arbeitete er mehrere Jahre als freier Mitarbeiter für den Künstlerbund Dresden. 2016 und 2017 war er als Kurator für die Ostrale in Dresden tätig. Innerhalb von fünf Jahren besuchte er an die 1.000 Galerien, um Kontakte zu knüpfen. Nebenbei initiierte er 2016 im Dresdner Barockviertel die Produzentengalerie im Wallgäßchen, die junge Künstler vertritt.

Und nun gründete er im Februar 2018 zusammen mit Markwart Faussner die Galerie „Antonstadt“ in der Kamenzer Straße 19. Er will eine neue Hausnummer für abstrakte und figurative zeitgenössische Malerei in Dresden schaffen und den Ort als Primärgalerie etablieren. Am heutigen Sonnabend, 12. Mai werden die Räume um 18 Uhr mit Pianomusik von Tasso Schille eröffnet. Damit findet zugleich die Vernissage der neuen Gemeinschaftsausstellung „Ouverture“ statt.


Dabei stellen zehn verschiedene Künstler in jeweils einem Bild ihre Positionen dar. „Auswahl und Präsentation sind klassisch, vornehm zurückhaltend, mit klarer Komposition. Es sind stille, konzentrierte, sehr atmosphärische Arbeiten in kleinen, mittleren und großen Formaten, die an unseren Wänden auch atmen können – eine Genießerausstellung ohne politischen Fokus“, sagt Galerist Oliver Kratz, der die Künstler auswählte. Alle haben einen engen Bezug zu Dresden, sie wohnten mal hier, studierten an der Hochschule für bildende Künste oder arbeiten noch immer in der Nähe.

Im Gegenteil zur Produzentengalerie im Dresdner Barockviertel sind die Künstler der Galerie „Antonstadt“ sehr unterschiedlich, nicht nur was ihr Alter anbelangt, sondern auch ihre Position auf dem Künstlermarkt.

Galerist Oliver Kratz umgeben von Künster Julius Georgi und Heike Dittrich (rechts) sowie Matthias Bausch, Henri Deparade und Ekkehard Tischendorf (links)

Galerist Oliver Kratz umgeben von Künster Julius Georgi und Heike Dittrich (rechts) sowie Matthias Bausch, Henri Deparade und Ekkehard Tischendorf (links)

In der Gruppe sind junge Künstler, die gerade den Kunstmarkt für sich entdecken. Dazu gehört auch Julius Georgi. Er gibt seinem mittelgroßen Bild keinen Namen. „Ich komme aus dem Marketing und kenne die Strategien, wie Bilder manipuliert werden“, sagt Georgi. Er will das die Betrachter selbst entdecken und reflektieren.

Auch Henri Deparade und Heike Dittrich stellen aus – beide bringen jahrzehntelange Erfahrung aus dem Kunstmarkt mit und kennen die jüngere Dresdner Kunstgeschichte persönlich. Heike Dittrich arbeitete an ihrem Ausstellungsgemälde „Ida“ drei Jahre. „Das Gemälde hat viele übermalte Schichten“, sagt die Künstlerin, die sich vor allem in Bautzen einen Namen gemacht hat.

Henri Deparade stellt sich mit dem Bild „Marsyas drei“ vor. Es ist eines der größten Formate in der Ausstellung. „Ich sag lieber was über andere Bilder, als über eigene“, sagt der etablierte Künstler augenzwinkernd. In einer ganzen Serie beschäftigt er sich mit dem Thema Mythos und der Verknüpfung zur heutigen Zeit. So unterschiedlich die Künstler sind, so sehr lernen sie auch voneinander. „Die Jüngeren zeigen den Älteren, wie Facebook funktioniert und die Älteren erklären ihnen den Kunstmarkt“, meint Oliver Kratz.

Er konzipierte die Ausstellung ohne Beschriftungsschilder. „Ich will den Fokus auf das Bild legen“, erklärt der Galerist. Ausgangspunkt der Neugründung war die Ausdünnung der hiesigen Galerielandschaft in der Dresdner Neustadt. „Die Antonstadt hat nun neben der „Galerie drei“ wieder eine richtige Galerie“, sagt Oliver Kratz – und zwar eine Galerie mit Viertelbezug. Rahmen, Beleuchtung, Catering alles stammt aus der Neustadt. Sollte er sich jedoch mal auf einen Spaziergang durch die Neustadt machen, würden ihm mit Sicherheit noch so einige andere Galerien auffallen.

Ein Bild von Karen Gäbler: Nussknackerund Mäusekönig

Ein Bild von Karen Gäbler: Nussknackerund Mäusekönig

Die Ausstellung kann bis zum 4. August 2018 besucht werden, danach ist eine Tour in andere Städte vorgesehen. Für die Galerie in der Kamenzer Straße steht der Plan auch schon fest. Jeder der zehn Künstler bekommt eine eigene Einzelausstellung, um sich zu präsentieren. Außerdem soll der Ort für Lesungen, Künstlergespräche, Konzerte und Yoga-Kurse fungieren. Die zentrale Aufgabe der Galerie ist es jedoch, die zehn Künstler zu vertreten – auch auf nationalen und internationalen Kunstmessen.

Oliver Kratz freut sich über jeden Besucher. Natürlich wolle er vorwiegend das Interesse der Kunstkenner und Kunststudenten auf sich ziehen. Aber auch die Nachbarschaft sei herzlich eingeladen, einzutreten und über Kunst zu sprechen.

Weitere Informationen:

  • www.galerie-antonstadt.com
  • Öffnungszeiten der Galerie, Kamenzer Straße 19: Dienstag bis Sonnabend 13 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung
linie

5 Kommentare zu “„Die Antonstadt bekommt eine Galerie“

  1. Anders
    12. Mai 2018 at 12:54

    Biennale? :-0 ne oder?

  2. 12. Mai 2018 at 13:33

    Gell, das wäre mal ne Schlagzeile ;-). Nee, da ist der Autorin was durcheinandergerutscht und ich habs überlesen. Ist korrigiert.

  3. goldfish
    12. Mai 2018 at 14:55

    Heike Dittrich « love ===== >

  4. Mariesche
    12. Mai 2018 at 15:19

    Viel Erfolg!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

linie