Mirko Sennewald gestorben

2014 gab es den letzten BRN-Lustgarten - Mirko Sennewald blickt vom Parkhaus auf das Festival-Gelände - Foto: Amac Garbe
2014 gab es den letzten BRN-Lustgarten – Mirko Sennewald blickt vom Parkhaus auf das Festival-Gelände – Foto: Amac Garbe
Schwarze Hose, schwarze Lederjacke, schwarzes Stirnband in den schwarzen langen Haaren. Das Äußere des dürren Kerls zu beschreiben, fällt leicht. Seine jahrelange Arbeit für Kultur, Kunst, die Freiheit und nicht zuletzt die Bunte Republik Neustadt angemessen zu würdigen, bedürfte eines dicken Buches.

In der Nacht zum Sonntag ist Mirko Sennewald im Alter von 43 Jahren nach langer Krankheit verstorben.

Jahrelang hat er als Vorsitzender des Vereins „Kultur Aktiv“ den künstlerischen und musikalischen Austausch mit Osteuropa befördert. Mirko war auch der engagierteste Kämpfer für den BRN-Lustgarten, der von 2003 bis 2014 die vielleicht schönste Seite der Bunten Republik zeigte. Den Republik-Gedanken hat Mirko stets hochgehalten, er war die treibende Kraft für den Austausch mit anderen Mikronationen. Selber immer mit in der Schwafelrunde engagiert, forderte er schon 2015 die Auflösung, die dann zwei Jahre später erfolgen sollte.

Aus dem Traum wurde nichts: Mirko Sennewald wollte den BRN-Lustgarten auf den Russensportplatz verlegen.
Aus dem Traum wurde nichts: Mirko Sennewald wollte den BRN-Lustgarten auf den Russensportplatz verlegen. Foto: Archiv
Bevor Mirko 1. Vorsitzender des „Kultur Aktiv“ wurde, war er Pressesprecher des „Flower-Power-Festivals“ und Manager der Rockgruppe „The Ancient Gallery“. Er gründete 1999 die Deutsch-Tschechische Musikagentur transmusic.


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Ein wichtiges Projekt, dass vielleicht hier in der Neustadt gar nicht so wahrgenommen wurde, war der „Zug der Freiheit“. 2009, zwanzig Jahre nach dem Mauerfall, ließ der „Kultur Aktiv“ noch einmal den Zug von Prag nach Hof rollen, gefüllt mit Zeitgeschichte und Kunst (lesenswerter Spiegel-Artikel über Projekt und Hintergründe).

Aber auch für Lokalpolitik engagierte sich Mirko, die FDP war seine Heimat schon kurz nach der Wende geworden. Eine Karriere in der großen Politik hatte er aber nie angestrebt. Dafür setzte er sich vor Ort ein, zuletzt ganz stark bei der Umgestaltung des Scheune-Vorplatzes. Das nun entstandene Beton-Karree war ihm ein Gräuel. Auch die Pläne für eine kulturelle Nutzung der Alten Feuerwache an der Katharinenstraße hatte er stark mit vorangetrieben.

Die Neustädter kannten ihn. Wenn ich mit Mirko mal vor seinem Haus auf der Louisenstraße oder an irgendeiner Straßenkreuzung schwatzte, grüßte fast jeder Zweite beim Vorbeigehen.

Für seine Arbeit beim Kultur Aktiv wurde Mirko 2015 mit dem „Förderpreis der Kulturstiftung“ für seine innovative und unkonventionelle Projektarbeit in Sachsen und in Mittel- und Osteuropa ausgezeichnet. Im Mai diesen Jahres ehrte ihn die Wilhelm-Külz-Stiftung für „seine jahrzehntelangen Bemühungen Dinge anzupacken und nicht so viel darüber zu reden“.

Mit Mirko Sennewald verliert die Neustadt und Dresden einen engagierten Kämpfer und Streiter für Kunst, Kultur und Freiheit.

Mirko Sennewald auf dem BRN-Lustgarten 2014 - Foto: Amac Garbe
Mirko Sennewald auf dem BRN-Lustgarten 2014 – Foto: Amac Garbe

Beisetzung

Am kommenden Montag wird Mirko auf eine weitere Reise geschickt. 20. November, 13 Uhr auf dem Markusfriedhof in Trachenberge, Hubertusstraße 1.

Danke an Amac Garbe für die Fotos.

15 Kommentare zu “Mirko Sennewald gestorben

  1. sehr traurig. du warst ein aufrichtiger engagierter kämpfer auf den viel öfters hätte gehört werden sollen (siehe das scheune-vorplatz-desaster). ruhe in frieden & mögen andere deinem beispiel folgen…

  2. Einer, der fehlen wird! @Anton: informier uns doch bitte, wenn es eine Gedenkfeier in der Neustadt geben sollte – am besten Musik und Getränken – das wäre angemessen.

  3. Спасибо тебе за всё, светлый Человек в чёрной одежде! Спасибо тебе за дружбу и помощь, за понимание и безотказность! За то что, хоть и не долго, но ты был рядом. Покоя тебе!
    „Club St.Petersburg e.V“.

  4. Schade, das jemand der sich für Menschen und Kultur in einem besonderen Maße eingesetzt hat so früh die Bühne verlassen muß. Ein Mensch der mir immer ein Rätsel war, ein aktiver auch für Randgruppen der die Partei des neoliberalen Sozialkahlschlags verteidigte und gleichzeitig das kritisierte wofür die Partei steht. Alles Gute Mirko…

  5. Mirko, du warst nicht nur ein engagierter Neustätter und Europäer, sondern auch über Jahrzehnte ein treuer Freund. Wir kannten uns auch jenseits schwarzer Sachen und Stirnband. Ich erinnere mich gern an den Werbellinsee, den Großen Teich und den Näsijärvi, an Strba, Poprad und Krpacovo, an Freiberg, Dresden, Cottbus und Berlin, an Tampere und Naantali, und immer Zehntausend Fuss Luft unter den Tragflächen. Du warst ein erheblicher Teil unseres Lebens und so bleibt es. Danke!

  6. Wir haben uns nur einmal getroffen, die Begegnung ist in tiefer Erinnerung bei mir. Machs jut Mirko, da wo du jetzt bist gehts dir sicher supi, da bin ich mir sicher. Trotzdem, komm schnell wieder zurück, solche Leute wie dich braucht die Welt grad mehr denn je! Gruß!
    Markus

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