Hätte Nazideutschland den Krieg gewinnen können – vielleicht dank geplanter „Wunderwaffen“ wie der Rakete V2 oder eines 1.000 Tonnen schweren Superpanzers? Das Museum ordnet ein: Das war vor allem Propaganda. Eine neue Sonderausstellung zeigt, wie dieser Mythos entstand und bis heute fortwirkt.

„Die Sonderausstellung vermittelt, wie im Nationalsozialismus Waffentechnik genutzt und propagandistisch inszeniert wurde“, sagt Oberst Rudolf Schlaffer, Direktor des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr. Sie zeige erstmals in großer Bandbreite die Funktion und Wirkung propagandistisch bedeutsamer Waffensysteme. Krieg findet nicht nur auf dem Schlachtfeld statt. „Er war und ist stets auch ein Kampf um die Gedanken und Überzeugungen der Menschen“, so Schlaffer.
Einordnung durch die Kuratoren
Für die Gestaltung der Ausstellung sind vor allem die Kuratoren Jens Wehner und Thoralf Rauchfuß verantwortlich. „Wunderwaffen gibt es nicht“, sagt Wehner. Solche Begriffe seien Propagandabehauptungen, die den Glauben an die Stärke und Siegeschancen der eigenen Streitkräfte stärken und die Kriegsmoral heben sollten. Er verweist dabei auch auf ein aktuelles Beispiel: die russische Propaganda rund um die Hyperschallrakete Kinschal.

Sturzkampfflugzeuges (Stuka) – Foto: Florian Varga
Die Ausstellung zeigt, wie die Nationalsozialisten den Mythos der Wunderwaffen bewusst schürten, um die Hoffnung auf den „Endsieg“ am Leben zu halten. Die Propaganda folgte dabei einem klaren Leitmotiv: „Mit den besten Waffen wird gesiegt!“
Am Ende des Rundgangs widmet sich eine Abteilung den Legenden und Mythen, die nach dem Krieg entstanden. Kurator Rauchfuß erklärt: „In der Nachkriegszeit verbreiteten Hochstapler die Legende von Fluggeräten mit überlegenen Eigenschaften, die gegen Kriegsende angeblich einsatzbereit gewesen seien.“ Später verschmolzen solche Geschichten mit Berichten über UFO-Sichtungen. „Derartige Verschwörungserzählungen entbehren jeder Grundlage, dienen aber immer wieder als Inspiration für neue Varianten“, so Rauchfuß.

Die Ausstellung scheut sich nicht, eingesetzte und geplante Wunderwaffen zu entzaubern. So war etwa die Treffergenauigkeit der Raketen sehr gering. Der 1.000-Tonnen-Panzer wurde nie gebaut, und auch der oft mythisch überhöhte Panzer „Tiger“ war kein kriegsentscheidendes Gefährt.
Die Sonderausstellung „Wunderwaffen“ zeigt auf rund 600 Quadratmetern die Mechanismen der NS-Propaganda und ihre Feindbilder. Zu sehen sind Großobjekte, militärtechnische Entwicklungen und Projekte, sowie Projekte, die nie über das Reißbrett hinauskamen. Medienstationen und rund 200 Reproduktionen ordnen die Exponate historisch ein. Zum Abschluss greift die Ausstellung auch die aktuelle Verwendung des Begriffs „Wunderwaffe“ im Ukraine-Krieg auf.

Öffnungszeiten und Adresse
- Montag 10 bis 21 Uhr, Dienstag bis Sonntag 10 bis 18 Uhr, Mittwoch geschlossen
- Letzter Einlass: 30 Minuten vor Schließung, Letzter Kartenverkauf: 17 Uhr, Gutschein- und Bücherverkauf am Infotresen
- Die Ausstellung ist seit dem 13. März 2026 bis zum 9. März 2027 zu sehen.
- Es gibt Kuratorenführungen mit Jens Wehner, Anmeldung beim Besucherservice, erste Termine: 16. März, 18 Uhr, 12. Mai, 13.30 Uhr, 1. September, 16 Uhr.
- Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Olbrichtplatz 2, 01099 Dresden
Eintrittspreise
- Dauerausstellung: regulär: 5 Euro, ermäßigt: 3 Euro (Eintritt in die Ausstellung „Die Bundeswehr in der Ära Merkel“ ist darin inbegriffen)
- Sonderausstellung: regulär: 5 Euro, ermäßigt: 3 Euro
- Kombi-Ticket: regulär: 7 Euro, ermäßigt: 4 Euro
- Jahreskarte: regulär 15 Euro, ermäßigt: 10 Euro
- Bezahlung mit EC- und Kreditkarte ist möglich.
- Freier Eintritt und Ermäßigungen u.a. für Angehörige der Bundeswehr sowie Kinder und Jugendliche. Montags freier Eintritt ab 18 Uhr.
















