Nachdem die belastete Fläche im Dresdner Industriegelände jahrzehntelang brachlag, kommt nun Bewegung in das sanierte Areal. Auf dem Gelände des Fairwerk mit Munitions- und DDR-Industriegeschichte entstehen fünf Hallen in modularer Holzbauweise. Sie sollen künftig Start-ups, Handwerksbetrieben und kleineren Unternehmen Platz bieten. Mit einem sogenannten Hammerfest ist jetzt die Bauphase gestartet.

Altlasten und lange Industriegeschichte
Das Gelände im Dresdner Industriegebiet blickt auf eine lange industrielle Vergangenheit zurück. Seit 1875 befand sich hier eine Munitionsfabrik, die während des Ersten Weltkriegs Schauplatz einer schweren Explosion wurde. 1916 zerstörte die Detonation große Teile der Anlage und verteilte Schadstoffe über das Areal. Später nutzte das VEB Kraftfahrzeugsinstandsetzungswerk das Grundstück weiter, wodurch zusätzliche Belastungen wie Schwermetalle, Ölreste und andere gesundheitsgefährdende Stoffe in den Boden gelangten.
Weil der Boden stark belastet war, blieb die Fläche lange ungenutzt. Erst in den vergangenen Monaten wurde das Gelände aufwendig saniert: Belastetes Erdreich wurde ausgehoben und fachgerecht entsorgt. Unterstützt wurden die Arbeiten durch Fördermittel von Land und EU. Dresdens Wirtschaftsbürgermeister Jan Pratzka bezeichnete die Sanierung als wichtigen Schritt für die Entwicklung des Standorts: „Die Munitionsfabrik ist Geschichte. Die Schadstoffe im Boden mussten und konnten saniert werden.“ Erst nach dieser Sanierung konnte der Bau des neuen Gewerbehofs beginnen.

Fünf Hallen in modularer Holzbauweise
Mit einem sogenannten Hammerfest wurde nun offiziell der Start der Bauphase gefeiert. Auf dem Gelände entstehen fünf Hallen mit zusammen rund 4.900 Quadratmetern Mietfläche. Sie werden vollständig in modularer Holzbauweise errichtet. Viele Bauteile werden bei der Holzbau Moser KG in Reinsberg bei Nossen vorgefertigt und anschließend vor Ort montiert, was eine besonders kurze Bauzeit ermöglicht. Insgesamt sollen rund 550 Tonnen Holz verbaut werden.
Investor Georg Prinz zu Salm-Salm sieht darin auch ein Signal für nachhaltiges Bauen. „Man kann mit Holz wirtschaftlich bauen und gleichzeitig CO₂ binden. Genau diesen Weg wollen wir hier zeigen“, sagte er bei der Präsentation. Ziel sei ein moderner Gewerbehof, der funktionale Flächen mit nachhaltiger Bauweise verbindet. Insgesamt investiert sein Unternehmen rund zwölf Millionen Euro in das Projekt.
Der Bau selbst ist technisch anspruchsvoll. Weil Teile des Geländes früher mit aufgeschüttetem Material aufgefüllt wurden, mussten spezielle Gründungslösungen entwickelt werden. Rund 1.000 sogenannte Rüttelstopfsäulen aus Mineralgemisch wurden in den Boden eingebracht, teilweise bis zu neun Meter tief. Sie sorgen dafür, dass die Hallen später stabil auf dem schwierigen Untergrund stehen können.

Raum für Start-ups und das Handwerk
Insgesamt entstehen 20 zweigeschossige Mieteinheiten mit Flächen zwischen etwa 122 und 377 Quadratmetern. Gedacht sind sie vor allem für kleinere Unternehmen, Handwerksbetriebe und Start-ups, die flexible Gewerbeflächen suchen. „Gewerbeflächen, gerade für kleine und mittlere Unternehmen, werden in Dresden zunehmend knapp“, sagte Wirtschaftsbürgermeister Pratzka. Projekte wie dieses seien deshalb wichtig für die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt.
Die Lage im Industriegelände gilt dabei als besonders attraktiv. Das Areal liegt zwischen der Dresdner Innenstadt und den wachsenden Technologie- und Chipstandorten im Norden der Stadt. Das gilt auch mit Blick auf die neue „Smart Fab“ von Infineon, die noch in diesem Jahr fertiggestellt werden soll, sowie auf die geplante Chipfabrik des taiwanesischen Unternehmens ESMC, deren Inbetriebnahme für 2027 vorgesehen ist. Gerade für junge Firmen, Zulieferer und technologieorientierte Betriebe könnte das neue Angebot daher interessant sein.
Ein erster Mieter steht bereits fest: Das Dresdner Unternehmen ANYBRID hat eine der Hallen angemietet. Die Ausgründung der Technischen Universität Dresden entwickelt Anlagen für die industrielle Fertigung von Leichtbaukomponenten. Für Investor Prinz zu Salm-Salm ist das ein gutes Zeichen für das Konzept des Projekts: „Wir bauen hier bewusst für kleinere Gewerbebetriebe. Viele wollen die Hallen erst sehen oder fühlen, bevor sie sich entscheiden.“
- Weitere Informationen: fairwerk.immo/dresden




















