Was Putzi und eine Druckerei gemeinsam haben

Das Neustadt-Geflüster hat sich vier Unternehmen rausgesucht. Vier Unternehmen, die unterschiedlicher nicht sein können, gegenwärtig aber ein ähnliches Schicksal teilen. Sie stehen als Beispiel für all die anderen Neustädter Betriebe, die in den Hinterhöfen und Nebenstraßen der Neustadt arbeiten. Sie alle müssen jetzt einen Umgang finden. Einen Umgang mit dem Wort, das seit einigen Wochen durch die Medien kursiert: Corona und die damit einhergehenden Beschränkungen. Und weil die Unternehmen so verschieden sind, reicht auch ihr momentaner Handlungsspielraum von so normal wie möglich bis begrenzt unmöglich. In Teil 1 haben wir zwei kleinere Betriebe vorgestellt, heute schauen wir in zwei größere Neustädter Firmen.

Thomas Pertermann hat bisher noch keine Einbußen trotz Corona.
Thomas Pertermann hat bisher noch keine Einbußen in der Corona-Krise.

Beide Unternehmen sind über sächsische, ja sogar über deutsche Grenzen hinweg bekannt. Die eine Firma stellt Zahnpasta verschiedenster Geschmacksrichtungen her, die andere druckt für große Markennamen auf Papier und Metall. Erstere gründete sich 1907 und ist besonders durch die Kinderzahnpasta „Putzi“ bekannt geworden. Zweitere feiert dieses Jahr eigentlich ihr 30-jähriges Jubiläum. Beide trifft die Corona-Krise, und beide gehen unterschiedlich damit um.

Druckfrisch trotz Corona

Die Druckerei WDS Pertermann liegt versteckt in der Seifenhennersdorfer Straße. Nur ein Plakat lässt ahnen, dass hinter den Mauern riesige Druckmaschinen stehen, die aus Papier und Metall Buchumschläge, Grußkarten oder Kalender herstellen. Besonderes Augenmerk liegt in der Fertigung von Verpackungen, zum Beispiel für Schokolade oder Pflegeprodukte. Die Spezialität des Hauses spielt dabei eine große Rolle: Metalldruck.

Gründer Thomas Pertermann: "Immer höher, immer weiter hat irgendwann ein Ende."
Gründer Thomas Pertermann: „Immer höher, immer weiter hat irgendwann ein Ende.“

Schon beim Betreten der Firma fällt auf, irgendwas ist anders: Die Eingangstür ist abgeschlossen, kritisch wird an der Klingel nach Namen und Anliegen gefragt. „Normalerweise ist unsere Tür geöffnet“, erklärt Gründer und Leiter Thomas Pertermann. „Wir machen das jetzt, damit wir die Meldekette nachverfolgen können und tragen alle Besucher in ein Buch ein.“

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Corona-Infektionen gab es bisher noch keine.

Im Kundenkontakt habe sich nicht viel geändert: Das allermeiste erfolge ohnehin per Online-Bestellung, weshalb sich die Auftragslage seither noch nicht verschlechtert habe. Kurzarbeit oder gar Stillstand musste die Druckerei deswegen noch nicht anmelden. „Momentan haben wir jeden Tag 20 bis 30 Druckaufträge. Wir gehen aber davon aus, dass sich das ändern wird“, sagt Thomas Pertermann. „Irgendwie haben wir aber auch damit gerechnet, dass das nicht immer so weitergehen kann. Immer höher und immer schneller hat irgendwann ein Ende.“

Vielleicht habe er auch deshalb dieses Jahr einen Spezial-Kalender mit dem Thema Dresden gewählt, um sich wieder zurückzubesinnen. Nicht mehr weiter und weiter zu globalisieren. Mit der Anfertigung der Spezial-Kalendern hatte für die Druckerei in den 1990er Jahren alles angefangen. Der ersten Druckmaschine entsprang der Künstler-Kalender „Kartoffeldruck“, der von Oktober 1997 bis Oktober 1998 jeden Monat ein themenbezogenes Werk Dresdner Künstler*innen zeigte. Seitdem entwickelt die Druckerei jedes Jahr einen Spezial-Kalender mit den verschiedensten Themen. Auch regionale Künstler wie Lars P. Krause oder Fotografen wie Michael Lange und Günter Starke brachten sich ein.

Home-Office: Ja oder Nein

Bei einer Führung durch die Druckerei fällt auf den ersten Blick kaum auf, dass es Corona gibt. Es herrscht reges Treiben. Die Maschinen rattern, die Mitarbeiter*innen werkeln, falten und packen ein. „Mundschutz erweist sich bei uns als unpraktisch, der Abstand unter den Mitarbeitern wird aber eingehalten.“ Dass jetzt aber in jeder Ecke Einweghandschuhe liegen, sei neu. Und nicht alle Mitarbeiter*innen arbeiten momentan in der Firma. Einige Grafikdesigner*innen hat Pertermann ins Home-Office geschickt. Gedruckt wird also weiterhin auf Abstand. Die Angst vor einer ungewissen Zukunft ist aber etwas gestiegen.

Dental-Kosmetik

Ganz anders dagegen sieht es bei dem Unternehmen Dental-Kosmetik GmbH & Co. aus: „In der Verwaltung haben wir uns gegen Home-Office entschieden, schließlich können unsere Mitarbeiter in der Produktion auch nicht von zu Hause arbeiten“, sagt ein Sprecher der Firma. Home-Office scheint dort also aus Solidarität abgewählt. Dienstreisen wurden jedoch auch in diesem Unternehmen ausgesetzt und der Kundenkontakt auf ein Minimum reduziert. So hat sich die Firma auch gegen ein persönliches Interview entschieden.

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Der Eingang zum Unternehmen "Putzi".
Der Eingang zur Dental – Kosmetik.

Zähneputzen garantiert

„Die Produktion von Zahnpasta ist gesichert. Hohe Hygiene- und Desinfektionsstandards sind in unserem Traditionsunternehmen die Regel. Wir sind hoffnungsvoll, dass wir alle gesund durch diese anspruchsvolle Zeit kommen und wir ökonomisch keinen größeren Schaden nehmen“, teilt ein Sprecher des Unternehmens mit. Heißt also: Auch in Zeiten von Corona ist das dreiminütige Zähneputzen garantiert.

Wen trifft Corona besonders?

Insgesamt zeigte sich, dass alle vier vorgestellten Unternehmen auf ihre Art mit den Beschränkungsmaßnahmen zu kämpfen haben, die einen mehr, die anderen weniger. Besonders deutlich wurde aber: Je mehr Kundenkontakt und je weniger digitalisiert, desto mehr leidet das Unternehmen an den Folgen der Corona-Krise.

Die Unternehmen:

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