Auf dem Hof bei Onkel Franz

Das quietschgrüne Gebäude teilt sich Onkel Franz mit der Dresdner Kaffee- und Kakaorösterei

Das quietschgrüne Gebäude teilt sich der „Onkel Franz“ mit der Dresdner Kaffee- und Kakaorösterei

Auf dem Innenhof im Industriegelände, an den „Onkel Franz“, die Dresdner Kaffee- und Kakaorösterei und der Club „objekt klein a“ angrenzen, stehen an diesem Vormittag keine Tanzwilligen Schlange, sondern ein Zulieferer vom Geflügelhof Großenhain packt Eierkartons aus dem Sprinter auf eine Palette. „Nehmt ihr vielleicht noch einen mehr?“, fragt er Markus Wenzel, der gerade im Lager- und Verkaufsraum Fleisch portioniert. Klar, schließlich ist bald Ostern.

Regionale Lebensmittel

„Onkel Franz“ ist ein Vertrieb von regionalen Lebensmitteln. Und Markus Wenzel ist einer der beiden Inhaber. Obst, Gemüse, Milchprodukte, Fleisch, Backwaren, Getränke und Genussmittel werden aus der gesamten Region bei circa 100 kleinen Produzenten eingekauft und von hier an Gastronomie und Privatkunden vertrieben. Zu den Lagerverkaufstagen werden die Theken vor Ort befüllt. Freitags liefert die DHL die Bestellungen in Thermoboxen an Haushalte aus, ganzwöchig tun es die Lieferautos von „Onkel Franz“ an gastronomische Betriebe. „Wir bestellen bei den Anbietern das, was die Kunden bei uns bestellen“, erklärt Markus Wenzel. So entsteht kein Überschuss, der Gefahr läuft, ungenutzt entsorgt zu werden. „Wir haben nichts unbegrenzt“, sagt Markus Wenzel und fasst damit im Vorübergehen die Mahnung der Konsumkritiker und Umweltschützer unserer Zeit zusammen.

Auf Schnäppes muss niemand verzichten, der regional einkaufen will.

Auf Schnäppes muss niemand verzichten, der regional einkaufen will.

Markus Wenzel arbeitete jahrelang im Großhandel. Ein Kollege bekräftigte ihn in dem Vorhaben, auf den Zug „Regionalität“ aufzuspringen und sich selbstständig zu machen. Das geschah 2014 gemeinsam mit Martin Wett. In einem zweistündigen Brainstorming mit der Werbeagentur des Vertrauens entstand das Label „Onkel Franz“ als Pendant zur guten alten „Tante Emma“. Franz steht für „Frisch Regional Ausgezeichnet Natürlich Zentral.“ Die Hinwendung zu einem bewussteren Kauf und Verzehr griff zwangsläufig auf das Privatleben über: „Seit der Gründung habe ich Lebensmittel nicht mehr beim Discounter eingekauft“, sagt Markus Wenzel.

Kritik an Spottpreisen

Was die Lebensmittelindustrie dem Verbraucher zu Spottpreisen anbietet, bedenkt Markus Wenzel mit einem vielsagenden Kopfschütteln. Erschreckende Fakten über Inhaltsstoffe und Haltungsbedingungen sorgen bei den Verbrauchern noch längst nicht für ausreichende Auswirkungen. „Wir möchten erreichen, dass die Menschen ihren Verbrauch und die Qualität ihres Essens noch mehr überdenken“, sagt Markus Wenzel. „Essen muss Geld kosten.“

"Unsere Produzenten schlachten nicht auf Verdacht, sondern auf Bestellung.

„Unsere Produzenten schlachten nicht auf Verdacht, sondern auf Bestellung.“

Begonnen hat die Geschichte von „Onkel Franz“ mit einem Ladengeschäft auf dem Weißen Hirsch, von dem aus parallel die Gastronomie beliefert wurde. Bald stieg die Nachfrage aus der Gastronomie „zu schnell und zu stark.“

Keine Chance für Tante Emma

Ein Tante-Emma-Laden, erklärt Markus Wenzel, sei zu diesen Zeiten Wunschdenken. Die Pflege der Produkte und des Ladens koste bei Weitem zu viel Zeit und Aufwand. Die Produkte müssen gepflegt werden: Fleisch wird gewaschen und abgetupft, Gemüse abgezupft. Dazu kommt Bürokram und „der Blick in die Glaskugel, was der Kunde heute will.“

In der Neustadt mag das noch anders sein, spekuliert Markus und bezieht sich auf erfolgreiche Pioniere wie den Lose-Laden. Aber er kenne ähnliche Läden in Chemnitz und Zwickau, die hart kämpften. Im August 2017 schloss der Laden auf dem Weißen Hirsch und man entschied sich für die Anmietung eines Lagerraums auf der Meschwitzstraße 5, um sich auf das zweite Standbein Gastro zu konzentrieren.

"Man muss die Menschen bisschen piesacken"

„Man muss die Menschen bisschen piesacken“

Vier Mitarbeiter stemmen hier die Arbeit. Das Interieur erinnert an einen Hofladen. Ein hölzerner Tresen, große Kühlschränke mit Käse und Wurst, Tiefkühltruhen, Obstkisten, Getränkekistenstapel mit naturtrübem Apfelsaft. „Ich mag es hier“, sagt Markus. Im Eingangsbereich stehen Mehl, Weine, Konfitüren im Regal. Wenn jemand kurzfristig telefonisch etwas anfragt, versucht man das mit den Produzenten zu regeln. „Wir hoffen, dass die Lagerverkäufe noch mehr Zuspruch finden“, sagt Markus. Der nächste findet am Gründonnerstag statt. Das Thema ist passenderweise „Osterlamm“.

Onkel Franz – Vertrieb regionaler Erzeugnisse in Dresden

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1 Kommentar für “Auf dem Hof bei Onkel Franz

  1. abc
    2. April 2018 um 11:42

    Schade, der Laden auf dem Hirsch war mir leider nicht bekannt.

    Mir ist jetzt noch nicht so ganz klar, wie ich als Privatkunde bei Bedarf (gerne auf Vorbestellung) zu etwas Frischfleisch der regionalen Höfe komme. Also ab und zu und nicht regelmäßig. Ist das überhaupt möglich bzw. gewollt?

    Und als Endkonsument würde mich natürlich auch interessieren, welche Gastronomie in Dresden mit diesen Produkten kocht – teilweise oder ganz.

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