Ursprünglich sollte in diesem Sommer Baustart sein. Die Stadtverwaltung hat bereits entsprechende Maßnahmen im Umfeld der Straße umgesetzt. So wurde auf dem Dammweg kürzlich ein Zebrastreifen errichtet, Eschen- und Schönbrunnstraße bekamen neuen Asphalt, und auch die Tannenstraße wurde vorbereitet. Planungen und Umplanungen zum Ausbau der Straße dauerten mehrere Jahrzehnte, diverse Varianten wurden entworfen. Die aktuelle Variante wurde vor fast zehn Jahren beschlossen und inzwischen vollständig durchgeplant.

Baustart verschoben
Überraschend heißt es nun aus dem Rathaus, dass der Baustart doch nicht wie geplant im Sommer erfolgen kann. Das hat offenbar mit den Aktivitäten einer bestimmten Fraktion im Stadtrat zu tun. Deren Chef weist seit Jahren darauf hin, dass der aktuelle Baubürgermeister keine Straßen neu baue, sondern lediglich Farbe auftrage, um Radwege einzuzeichnen. Diese Aussage wiederholte er mantraartig so oft, dass die komplette Leitung des Straßen- und Tiefbauamtes offenbar in eine gewisse Trance verfiel.
Nun zeigt sich: Aus einem noch unveröffentlichten Geheimpapier geht hervor, dass die Königsbrücker Straße gar nicht mehr saniert werden soll. Stattdessen soll die Straße lediglich einen neuen Anstrich bekommen.

Doppelter Farbeinsatz geplant
Die Straßenbahngleise werden grün lackiert, die Pflastersteine rot. So entsteht ein Grüngleis, das vor allem optisch überzeugt. Radfahrende erhalten einen angenehm breiten, wenn auch weiterhin unerquicklich holprigen Radweg. Der bisherige Platz für den motorisierten Individualverkehr entfällt. Ein Insider berichtet, dass Autofahrende künftig die Verbindung über Dammweg, Eschen- und Schönbrunnstraße nutzen sollen. Der Lieferverkehr soll das neue Grüngleis mitnutzen können.
Wie aus dem Papier des Straßen- und Tiefbauamtes hervorgeht, könnte die Stadt Dresden dadurch rund 86,7 Millionen Euro einsparen. Es gehen Gerüchte, dass ein Großteil dieser Summe in den Ausbau eines Parkplatzes am Fernsehturm fließen soll.
Kritik von DVB und SachsenEnergie
Weniger begeistert zeigen sich die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB). Ein Sprecher stellt nüchtern fest: „Das Grüngleis ist ja nur Fake, da wird kein bisschen CO₂ gebunden. Außerdem bleiben die Gleise eng beieinander, und wir können nicht mit den breiteren Bahnen nach Klotzsche fahren.“ Details, die im großen Farbkonzept offenbar eine untergeordnete Rolle spielen.

Auch das Problem der maroden Leitungen unter der Straße bleibt bestehen. Eine Sprecherin der SachsenEnergie prognostiziert vorsorglich Ausfälle in der Wasserversorgung – möglicherweise ebenfalls nur temporär, bis jemand auf die Idee kommt, auch diese einfach zu überstreichen.
Inzwischen haben die neuen Pläne offenbar auch den Fraktionschef erreicht, dessen ursprüngliche Kritik das Ganze ins Rollen gebracht haben soll. Via Instagram ließ er mitteilen, der Baubürgermeister sei nun endgültig durchgedreht. Eine eigene Beteiligung an der Entwicklung kann er hingegen nicht erkennen – was immerhin konsequent ist.
















