Durch die Nacht mit Monkay, dem Phantom

Der Musikproduzent Monkay bringt am 17.11. sein erstes rein instrumentales Album mit dem Titel Ladies heraus. Höchste Zeit, den Untergrund-Burschen zu porträtieren. Ein erbauliches Gespräch über den Zustand „Kunstdruck“,  den „fetten inneren Schweinehund“ und den ganzen Rest vom Affenschwanz.

Die Erkennungsmerkmale zum Treffen lauten „Schmetterlinge am Mantel“ und „Eis am Ärmel.“ Nach erfolgreichem Identitäts-Check betreten wir die auf den Donnerstag mäßig gefüllte Groovestation. Monkay zieht ein Nebeneinander in der Sofaecke einem tischgetrennten Gegenübersitzen vor. Bloß keine Verhöratmospäre aufkommen lassen. Wir stoßen auf ein angenehmes Gespräch an.

Des Affen täglich Brot: Bananen.

Des Affen täglich Brot: Bananen.

Monkay beschreibt seinen Werdegang hin zum Produzenten als schleichend. „Ich hatte Bock“, stellt er fest. Musikalisch kommt er vom Körbewerfen auf Basketballplätzen und dem dazu gehörigen 90’s-Rap und Hip-Hop. „Deutscher Rap ging natürlich gar nicht“, erzählt Monkay. „Hamburg und Stuttgart waren verpönt. An Berlin war noch nicht zu denken.“ Die coolen Jungs dribbelten von Eastcoast zu Westcoast.

Im Jahr 2005 entdeckte Monkay mit der Software Reason 3 den Faustkeil und begann herumzutüfteln. Wenn er heute in diese Experimente hinein hört, sagt er, hält er das nicht lange aus. „Furchtbar klingt das natürlich.“ Denn wie jeder Primat ist Monkay in der Evolution vorangeschritten. In Foren und Communitys holte er sich Tipps und netzwerkte. „Meine Beats hängen von der technologischen Entwicklung ab. Ich lerne nie aus.“ Die entstandenen Stücke verbreitete er im Internet und knüpfte internationale Kontakte, die ihn bis in Hinterhofstudios in Brooklyn brachten.

Die Zusammenarbeit mit Underground-Rappern wie Gossenboss mit Zett verschaffte seiner Arbeit ein breiteres Publikum. Mit seinen Beats sorgte er für Aufhorchen in der Szene. Um seine Person macht er keinen Wirbel. „Ich bin kein Hier-bin-ich-Typ“, sagt Monkay.  Als stiller Beobachter erlebte er gelegentlich, wie Menschen über seine Musik und seine Person sprachen, ohne zu wissen, dass er ihnen gegenüberstand. Monkay grinst. „Die Leute sollen mal schön die Mugge feiern. Ich bin ein Phantom.“

Album-Cover zum Beatalbum "Ladies". In Öl geschaffen von der Künstlerin Noir.

Album-Cover zum Beatalbum „Ladies“. In Öl geschaffen von der Künstlerin Noir.

Mit wachsendem Fame wird das wohl schwerlich beizubehalten sein. Meine Kamera habe ich trotzdem umsonst mitgebracht. Es bleibt bei der Bebilderung mit Promo-Material, unter anderem dem Foto des Covers von Ladies. Das malte die befreundete Künstlerin Noir nach genauen Vorstellungen – das Erfolgserlebnis einer künstlerischen Symbiose. Das Kunstwerk ziert die Wand im Hause Monkay und löst beim Auftraggeber ehrliche Begeisterung aus. „Ich war inspiriert von den Covern der Soulmusik der 70er. Ich wollte meine eigene schöne Frau auf dem Cover haben“, sagt der Ästhet zufrieden.

Der Titel Ladies hat einen pragmatischen Hintergrund. „Wenn ich Beats bastle, sitze ich ewig da und mir fällt kein Titel ein. Ich habe beschlossen, nach Zufallsprinzip Frauennamen zu vergeben.“ Ich bekomme das Album direkt auf die Ohren. Monkay beobachtet entspannt das Tischtennisspiel, während ich in den Klängen versinke. Orelie verleitet zum Kopfnicken. „Warte, ich hab noch was zum Runterziehen“, sagt der Künstler und tippt Gwen an.

Runter zieht mich das nicht, aber plötzlich bin ich froh, Goldfäden im schwarzen Kleid zu haben, denn prompt verwandelt sich die Groovestation in einen rauchigen Jazzclub und mein Lößnitzer schmeckt wie Whisky Sour. „Es ist immer interessant, wie unterschiedlich die Musik ankommt. Hauptsache, sie löst etwas aus“, sagt Monkay.

Wichtiger als der Fotoauslöser ist, dass die Beats bei den Hörern etwas auslösen.

Wichtiger als der Fotoauslöser ist, dass die Beats bei den Hörern etwas auslösen.

Ich nehme die Atmosphäre mit den Kopfhörern ab, um nicht zu versinken. In der Schublade lagert bereits das nächste Tape, berichtet Monkay. Mal habe man Zeit und müsse den fetten Schweinehund überwinden, um sich in die Kreativität stürzen zu können. Mal habe man privat und beruflich viel um die Ohren, den fertigen Beat schon im Ohr und keine Möglichkeit, ihn rauszulassen. „Kunstdruck“ nennt Monkay diesen Zustand. Da geht es den Affen wie den Leuten.

Heute wird Berta der geneigten Hörerschaft mit Video vorgestellt. Am 17.11. folgt der Rest des beatigen Frauenkollektivs. Unbedingt prüfen!

Monkey – Ladies

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