Vonovia und Deutsche Wohnen

Die Stadtverwaltung prüft mögliche Fusion zwischen den Immobilienkonzernen Vonovia und Deutsche Wohnen – die Auswirkungen könnten in Dresden erheblich sein, der Anteil an Mietwohnungen des fusionierten Unternehmens könnte bei rund 18 Prozent liegen.

Vonovia-Neubauten am Albertplatz - Foto: Archiv
Vonovia-Neubauten am Albertplatz – Foto: Archiv

Die Landeshauptstadt Dresden will mögliche Auswirkungen einer Fusion zwischen der Vonovia und Deutsche Wohnen für den Wohnungsmarkt der Stadt prüfen. „Wir werden insbesondere analysieren, wie die Situation sich in einzelnen Stadtteilen und Wohngebieten darstellt“, sagt Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP). „In einer ersten Betrachtung wäre der Anteil am Wohnungsbestand des fusionierten Unternehmens in Dresden doppelt so hoch wie in Berlin.“

18 Prozent nach Fusion – gewisses Unbehagen

Der Anteil an Mietwohnungen des Unternehmens läge nach ersten Schätzungen in Dresden bei 18 Prozent, in Berlin wohl bei 9 Prozent. Hilbert: „Die Zahlen dürften in einigen Stadtbezirken weit höher liegen.“ So ist zum Beispiel das Jägerpark-Viertel in der Radeberger Vorstadt fast komplett in Besitz der Vonovia. Das Unternehmen hatte dort zuletzt auch ein neues Haus gebaut.

Vonovia-Neubau im Jägerpark-Viertel. Foto: Archiv Anton Launer
Vonovia-Neubau im Jägerpark-Viertel. Foto: Archiv Anton Launer

„Aus wohnungspolitischer Sicht löst dies bei uns schon ein gewisses Unbehagen aus“, so der Oberbürgermeister. Inwieweit dieses Unbehagen in politische oder rechtliche Aktivitäten mündet, werde nach der Analyse entscheiden. Für diese Analyse will die Stadtverwaltung juristische und wohnungswirtschaftliche Expertise einholen.

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Nach den Zahlen, die der Stadt vorliegen, besitzt Vonovia rund 38.700 Wohnungen und die Deutsche Wohnen 6.800 in Dresden. Die Deutsche Wohnen bietet in der Neustadt unter anderem Mietwohnungen auf der Tannenstraße und der Stauffenbergallee an. In Vonovia-Eigentum sind unter anderem die markanten Plattenbauten am Albertplatz.

In Berlin läuft derzeit ein Volksentscheid zur Enteignung der großen Wohnkonzerne, weitere Infos in der Wikipedia. Im Zuge der Übernahme hat das Unternehmen der Stadt Berlin 20.000 Wohnungen zum Kauf angeboten, weitere Infos dazu im Berliner Tagesspiegel.

Sozialbürgermeisterin Kristin Klaudia Kaufmann (Linke) sagt: „Die gute Nachricht: die Gagfah-Sozialcharta bleibt auch bei einer Fusion von Vonovia und Deutsche Wohnen in Kraft. Allerdings wird die Vonovia an Marktmacht gewinnen“. Das betrachte sie mit großer Sorge. „Wir werden ein wachsames Auge auf die Wohnungsbestände werfen und das weitere Vorgehen mit allen Beteiligten besprechen“, so Kaufmann weiter.

Dresdens größter Vermieter

Nach eigenen Angaben bietet die Vonovia in Dresden insgesamt rund 80.000 Menschen in 38.500 Wohnungen ein Zuhause. Dazu gehören mehr als 10.000 Sozialwohnungen, also Belegungsrechte für Menschen mit Wohnberechtigungsschein. „Wir sind beim Thema soziales Wohnen für die Landeshauptstadt Dresden ein verlässlicher Partner. Für uns gehört dies zu unserer Verantwortung als Unternehmen, das ein Teil der Stadtgesellschaft ist“, sagt Martina Pansa, Regionalbereichsleiterin von Vonovia in Dresden. Das Unternehmen habe im vergangenen Jahr insgesamt 87 Millionen Euro in Dresden investiert, für 2021 sind 104 Millionen Euro geplant.

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Kritik an Vonovia

Im März hat sich in Dresden das Netzwerk Vonoviamieter*innen Neustadt gegründet. Mit kreativen Aktionen will das Bündnis auf die Verdrängung aus der Dresdner Neustadt aufmerksam machen. Unter der Losung „Keine Rendite mit der Miete!“ wiesen die Mitglieder auf Verdrängung durch Mietsteigerung, steigende Nebenkosten und Luxusmodernisierungen hin. Am Aktionstag, dem 20. März wurden an zahlreichen Häusern Banner aus den Fenstern gehängt, Flyer an Mieter*innen verteilt und an einem Infostand an der Prießnitzstraße über die Vonovia informiert. Über die kreativen Aktionen wurde auf Twitter und Instagram berichtet.

Exemplarisch berichtet das Bündnis über ein Vonovia-Haus in der Neustadt, das zu 60 Prozent leer stünde. Teils würden die Wohnungen schon mehr als fünf Jahre leerstehen. Das Netzwerk fordert daher ein sofortiges Zweckentfremdungsverbot und den Schutz der bestehenden Mieter*innen durch den Erlass einer Milieuschutzsatzung, welche es der Stadt ermöglicht, Luxussanierungen zu untersagen und ein Vorkaufsrecht auszunutzen. Ebenso wurde der kontinuierliche Mietanstieg kritisiert. Für Vonovia-Wohnungen betrug der nach Recherchen des Portals finanzen.net im Jahr 2020 rund 3,3 Prozent.

Woba-Verkauf 2006

Zum Hintergrund: Die Landeshauptstadt Dresden hatte im Frühjahr 2006 seinen kommunalen Wohnungsbestand an das Unternehmen Fortress (ab Oktober 2006 Gagfah) für einen Reingewinn von knapp einer Milliarde Euro veräußert. Über die Abstimmung im Stadtrat war seinerzeit die Linke-Fraktion auseinandergebrochen.

Zum damaligen Zeitpunkt lag die Leerstandsquote in Dresden bei knapp 14 Prozent, heute nur noch bei 6,6 Prozent. Mit dem größten Teil des Verkaufserlöses wurden die Schulden der Stadt vollständig getilgt. Teil des Kaufvertrages war eine umfassende Sozialcharta für die Mieterinnen und Mieter der damals rund 48.000 Wohnungen. Der größte Teil dieser Wohnungen befindet sich heute im Besitz der Vonovia. Während zu Gagfah-Zeite noch einzelne Objekte, wie zum Beispiel das Gelände an der Stauffenbergallee, verkauft wurden, kauft die Vonovia nur noch zu.

  • Infos zur geplanten Übernahme der Deutschen Wohnen durch die Vonovia auf zeit.de
  • Infos zum Woba-Verkauf auf dresden.de
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27 Ergänzungen zu “Vonovia und Deutsche Wohnen

  1. Als ehemaliger Mieter der Südost-Woba, der den Verkauf damals in einem unsanierten Altbau mitgemacht hat, wundere ich mich etwas über die Aussagen. Die Sozialcharta galt meiner Erinnerung nach nur für 10 Jahre, oder habe ich da was versäumt? Das Verbot der Luxus-Sanierung konnte umgangen werden, indem zumindest einzelne Häuser wie unseres verkauft und leergewohnt wurden.

    Wobei ich die Eigentümer damals schon verstehen konnte, denn für seit den 90ern nie erhöhte 2,30Euro/qm konnte man natürlich nichts erhalten, angesichts des Zustandes aber auch nicht mehr verlangen – ein Teufelskreis. Eine Weile geht das, man erinnert sich der schönen Tage, in denen alle im Sommer im wilden Garten (noch ohne Stellplätze) saßen oder im Winter die Kohlen schleppten, aber irgendwann war dann einfach Ende, und ich war froh, den Absprung geschafft zu haben.

    Ja und die Tweets – „Wir sind alle solidarisch“, sogar: „Wir haben Platz“, aber mal ehrlich: Man wohnt auf Kosten der Substanz des in der Vergangenheit Geschaffenen, und billig war es halt nur, solange nicht soviele Menschen hier leben wollten. Mir gefällt auch nicht, wie mein altes Haus heute aussieht, aber ohne den bösen Kapitalismus wäre es längst zusammengefallen und niemand würde mehr da wohnen.

  2. Abgesehen davon, dass das erste Drittel des Beitrages wortwörtlich aus der Verlautbarung der Stadt auf dresden.de übernommen ist, stellen sich mehrere Fragen @Anton:
    1. Wie hoch ist der Anteil von Vonovia und/oder Deutsche Wohnen Wohnungen in der Neustadt und hat auf Grund des Anteils die Fusion Auswirkung auf den Mietspiegels der Neustadt?
    2. Hätte Dresden, anders als das Kartellamt, eigentlich ein Einspuchsrecht bei der Fusion?
    3.Gibt es eine andere Großstadt als Dresden in Deutschland, in der der größte Vermieter mehr als 1/4 seines Bestandes als Sozialwohnungen zur Verfügung stellt?

  3. 1. Ist mir nicht bekannt. 2. Möglicherweise kann Dresden dem Kartellamt Einwendungen zuarbeiten. Mehr Einfluss gibt es meines Wissens nicht. 3. Ist mir nicht bekannt, meines Wissens ist aber Dresden die einzige Großstadt in Deutschland, die ihren kommunalen Wohnungsbestand nahezu komplett verkauft hat.

  4. „… meines Wissens ist aber Dresden die einzige Großstadt in Deutschland, die ihren kommunalen Wohnungsbestand nahezu komplett verkauft hat.“

    @Anton … Wer hat diese Entscheidung getroffen?

  5. richtig @DS
    ich muss auch immer lachen wenn die ewig gestrigen sagen wie geil die DDR doch war und man da für 50Mark Miete wohnen konnte.. diejenigen sollten sich einfach mal Bilder der Neustadt von 1990 ansehen! Vom Komfort ganz zu schweigen, ich würde die Leute gern mal fragen ob sie es heute noch cool finden würden auf der halben Treppe ne Gemeinschaftstoilette zu haben wo dann im Winter das Wasser einfriert und du mit der Klobrille zu einer Einheit wirst weil es so kalt ist, dafür dann aber weniger Miete zu zahlen.. :-D ich glaube kaum.

    https://www.youtube.com/watch?v=95kDp5Mp_tk&t=589s
    hier gibts ein super Video zur Mietbremse, und warum die eigentlich völliger Quatsch ist…

    Achso und noch positives Beispiel der „Deutsches Wohnen“.. meine Eltern wohnen in Prohlis und haben auf der Elsterwerdaer Str. eine umfassende Modernisierung bekommen (Fahrstuhl ans Haus, Grünflächen neu, neue Briefkästen und Fahrradbügel, behindertengerechter Zugang, neue Farben im Treppenhaus und neue Geländer) und die zahlen für eine 4 Raumwohnung lächerliche 600€ NACH der Sanierung! Sich über solche Summen aufzuregen ist schlicht absurd.

    Man sollte einfach mal die Kirche im Dorf lassen, schön und modern wohnen und gleichzeitig 5€/qm bezahlen lässt sich schlicht nicht (mehr) bewerkstelligen.

    Und die die immer am lautesten schreien hätten in Dresden SO viele Möglichkeiten gehabt leerstehende Häuser zu kaufen und zu renovieren, wenn sich die ewig motzenden einfach mal zusammengetan hätten und vielleicht jeder 10.000€ eingebracht hätte, dann könnte man auch so wohnen wie man selbst will, aber man wartet natürlich lieber bequem bis es jemand anderes für einen tut, um sich DANACH wieder zu echauffieren das es jemand auch nur wagt aus der Ruine Wohnungen zu bauen die das eigene Budget übersteigen.

  6. @Tim: Ja, man hätte noch vieles kaufen können in den 00er-Jahren. Hatte selbst überlegt beim Auszug aus meiner AB-WG, eine sanierte Neustadt-Wohnung gab es 2008 für 1200-1300 Euro/qm, aber sonst sprach alles dagegen.

    Für Schulden zahlte man deftige Zinsen, wirtschaftliche Aussichten ungewiss. Zuzug gab es weder auf Fachkräfte- noch auf Flüchtlingsebene. Die Einwohnerzahl sank rapide bis 2000, bis 2005 ging es nur sehr langsam bergauf. Wohnungen waren problemlos verfügbar, Plattenbauten wie die Sternhäuser wurden mangels Belegung sogar abgerissen. Die einheimische Bevölkerung zeigt wenig Ambitionen, sich zu vermehren. Insbesondere: nirgendwo war kurz- oder langfristig Änderung in Sicht, deutschlandweit wurde ein drastischer Bevölkerungsrückgang prognostiziert. Insofern war auch das Abstoßen des Wohnraums durch die Stadt nur logisch – weg damit, solange es noch etwas wert war.

    Wer Mitte der Nuller-Jahre in Wohnraum investierte, hatte entweder viel Mut, viel Weitsicht oder beides. Denn wer hätte damit gerechnet, dass man ab 2008 „whatever it takes“ anfängt, Geld zu drucken, die (Minimal-Einkommens-)Grenzen für Außer-EU-Fachkräfte fallen, die für Flüchtlinge ebenso,…? Dazu ein allgemeiner Trend, wieder in der Stadt zu wohnen. So treffen viel Geld und viele Leute auf einen unflexiblen Markt, in dem man nicht wie bei Smartphones mal eben eine 2. Produktionslinie hinstellen kann. Und so kostet ein baufälliges Haus an der lauten Straße wie die RuLe1 plötzlich 1,3Mio statt 650T Euro.

    Wenn ich dann z.B. diesen Tweet des Netzwerks Vonoviamieter*innen lese: https://twitter.com/nvn_neustadt/status/1373371788701265920 – für sich selbst Milieuschutz fordern und gleichzeitig „wir haben Platz“ erklären. Grenzen sind voll AfD, aber um mein Haus möchte ich gerne eine große Mauer, die mich vor Eindringlingen und Verdrängung schützt, denn im abgeschotteten Biotop war es so kuschelig und gemütlich.

    Tja, einen Tod muss man halt sterben. Selber schuld, kann ich da nur sagen. Man hätte ÖDP wählen können, die einzige Partei die generell „weniger“ fordert. Die anderen wollen alle immer mehr, auf die ein oder andere Weise.

  7. @ Tim: Hervorragend zusammengefasst. Die absurd niedrigen DDR-Mieten, die zum Verfall der Häuser geführt haben, kann man wirklich nicht als Maßstab nehmen. Ich verstehe auch nicht, warum Vonovia und Deutsche Wohnen immer als das personifizierte Böse dargestellt werden. Vonovia vermietet auch in der Neustadt zum Teil sehr günstig für unter 6 Euro pro Quadratmeter.

  8. @ Thomas: Wer sich von der Vonovia ausgebeutet fühlt, kann sich dort auch einfach einkaufen. Ab 51 Euro/Aktie ist man dabei. Dann erhält man das Geld in Form von Dividende zurück, derzeit 3,46% laut Comdirect. Quasi als Alternative zur ETW für nicht so Begüterte. Würden es viele Mieter tun, könnte man sich auch zusammenrotten und signifikant Stimmrecht ausüben. So teuer ist die Vonovia gar nicht (ca. 75000 Euro/Wohnung), und so eine AG ist ein recht demokratische Angelegenheit.

  9. Als Handwerker ( Elektriker ) der für mehrere Wohnungsbau Unternehmen und auch für städtischen Wohnungsverwaltung gearbeitet habe muss ich sagen das die Wohnungen der privaten in einem wesentlich besseren Zustand sind als die der Städte, da sie oft zumindest in der Region Rhein Ruhr, auf Grund von Kosteneinsparungen der Kommunen in einem erschreckenden bis fast unbewohnbarem Zustand sind, da die Städte weit weniger investieren, dafür dann aber auch weniger Miete nehmen. Die Lohnnebenkosten im Handwerk müssen gesenkt werden damit wieder investiert werden kann. Ich selbst mag meinen Beruf gerne habe mich allerdings aus finanziellen Gründen gehen den Verbleib im Handwerk entschieden, da man mit 2400€ brutto als Alleinverdiener 2021 nicht weit kommt. Und selbst für dieses niedrige Entgeld müsste mein Arbeitgeber mit meinen Stunden fast 8000€ an mir verdienen um kein Minus zu machen um Nebenkosten, KFZ und Urlaub/ Krankheit zu finanzieren.
    Weiterbildung war leider nicht drinnen das währe zu teuer geworden, also wundert euch nicht wenn euch die Immobilien in der nächsten Zeit verkommen wenn nicht investiert wird, und natürlich muss das auch finanziert werden.
    Fazit: nicht Mindestlohn sondern Verdienstobergrenze und Vermögensteuer muss her damit das Leben und auch die Mieten bezahlbar bleiben.

  10. @DS: Sorry, deine schlaumeierischen Ratschläge kannst du dir sparen. Um Stimmmehrheit bei der AG zu erlangen, müssten die Mieter:innen mal eben ca. 14 Milliarden Euro aufbringen (vorausgesetzt der Aktienkurs bliebe trotz so eines Runs stabil). Es ist einfach so: Wohnen gehört zur Grundsicherung und nicht in die Hände irgendwelche renditegetriebener Kapitalgesellschaften.

  11. @DS & @tsetse:
    Vonovia verkauft schon seit ein paar Jahren keine Einzelwohninhen mehr, da die Gewinne bei der Vermietung die kurzfristigen Erlöse bei einem Verkauf nie erreichen.
    Und natürlich ist wohnen ein Recht, aber auf Kosten von wem?
    Selbst gebaut, selbst genutzt – passt.
    Von anderem gemietet – passt auch.
    Andere für das eigene preiswerte schöne Leben verpflichten – passt nicht.

  12. @Guardien: Du hast Recht, wenn Immobesiterinnen für das eigene preiswerte schöne Leben (bzw. das leistungslose Einkommen) Mieter*innen und deren Grundbedürfnis nach Wohnen ausnutzen – das passt nicht. Eigentum verpflichtet. Das scheinen einige Besitzer*innen von vielen Immobilien gern zu vergessen. Also müssen sie damit klarkommen, dass sie demnächst enteignet werden. So einfach isses. Dann passt es auch wieder.

    Im übrigen: Es macht auch kein Sinn, wenn sich Leute in einer Großstadt alle ihr eigenes Haus bauen wollen. Das ist ressourcentechnisch vollkommener Unsinn. Und im übrigen halten Häuser (oft) wesentlich länger als Leute leben. Insofern ist mieten das viel naheliegendere Modell. Es ist flexibel für unterschiedliche Lebensentwürfe.

  13. @TseTse: Vonovia hat 410000 Wohnungen. Mit 5000 Euro pro Mieter könntest Du 7% der Aktien kaufen. Da hättest Du schon Einfluss.

  14. @DS: Welchen Einfluss? Dividende streichen kann ich schonmal nicht. Davon abgesehen, hab ich auch nicht mal eben 5000 Euro rumliegen. Geht auch sicherlich noch nen paar mehr Mieter:innen so. Außerdem seh ich es auch nicht ein. Vonovia oder DW haben vll. 5% der Buden, die sie besitzen, selbst gebaut, der Rest wurde unter Steuervermeidungspraktiken billig zusammengekauft. Deren ganzes „Geschäftsmodell“ geht zu Lasten der Allgemeinheit. Dann lieber den Eigentumstitel ändern und den Laden enteignen. Da gibts dann ein bissel Entschädigung, die über die nächsten 30, 40 Jahre abgezahlt werden. Und die Sache ist geritzt.

  15. @DS: Glaubst du denn die Vonovia agiert gerade solide? Die Vonovia gibt 3 bis 4 Monatsmieten jeder Wohneinheit direkt als Rendite an die Anteilseigner:innen weiter. Dieses Geld ist futsch. Davon wird nichts saniert, kein Umfeld gepflegt, nichts gewartet, nichts instandgesetzt, nicht mehr Wohnungen gebaut, keine fairen Löhne für Angestellte gezahlt oder Jobs geschaffen. Das wesentliche was die Vonovia gerade macht sind Modernisierungen – und die zahlen die Mieter:innen (Modernisierungsumlage). Wenn die Masche mal nicht mehr funktioniert, dann wird einfach runtergewohnt, dann gehts an die Substanz. Wie das aussieht, kannste dir im Ruhrpott anschauen. Das war das Prinzip Deutsche Annington – so hieß die Vonovia mal. Dann hat man sich umbenannt, weil der Ruf im Arsch war. Und das Spiel beginnt von vorne…

  16. @tsetse
    Viele Vermieter agieren nebenberuflich, weil wirklich davon leben kann man nicht, wenn du nur ein bis drei Wohnungen vermietest. Niedrige Gewinne, bei viel Aufwand für Verwaltung und Instandhaltung. Stehen dann große Sanierungen an, wie z.B. RuLe1, ist es für einen Privaten u.a. wegen vielen staatlichen Auflagen finanziell oft unmöglich diese durchzuführen. Folge: Verkauf an Immobiliengesellschaften. Außerdem ist es falsch, dass sich die privaten Vermieter (bei Vonovia und DW ist das anders) wenig um ihre Wohnungen kümmern. Vielmehr bin ich daran interessiert, dass die Mieter zufrieden sind. Die Miete soll zuverlässig eintreffen, damit der Kredit bedient werden kann. Den letzten Cent noch herauszuquetschen, jede Möglichkeit zur Erhöhung zu nutzen oder bei der Betriebskostenabrechnung bewusst zu beschei… liegt mir fern. Ich habe die DDR-Wohnungswirtschaft selbst noch erlebt. Alles hat dem Kollektiv gehört, damit herrschte auch kollektive Verantwortungslosigkeit. Null Anreiz sich um die Anliegen der Mieter zu kümmern oder mal was instandzusetzen. Warum auch, der Genosse in der Wohnungsverwaltung bekam sein Geld auch so. Wieso sollte das heute bei einem Staatsunternehmen anderes sein?

  17. @Linie3: Klar, gibt auch korrekte Vermieter:innen, das stell ich gar nicht in Abrede. Und die mit zwei, drei Wohnungen sind nicht das Ziel der Enteignungsforderung. Es geht um die großen privaten Wohnunternehmen mit mehr als 3000 Wohnungen (und vll. um die fiesen mittleren oder kleinen, die harte Entmietungs- und Aufwertungslogiken folgen und dabei einen Scheiß auf Mieter:innen-Rechte geben). Momentan entscheiden wenige Leute über die Wohnsituation von ganz vielen Leuten und zwar zu deren Lasten (siehe CO2-Abgabe, die allein die Mieter:innen zahlen sollen, wenn es nach der CDU geht). Das ist schlicht undemokratisch und das gilt es zu ändern. Und Enteignung heißt nicht Verstaatlichung im DDR-Style. Ich denke, es hilft da nicht eine Besitzform, sondern es braucht Pluralität: kommunaler oder staatlicher Besitz gehört dazu, dazu dann Häuser in Mieter:innen-Hand über neue Wohngenossenschaften, Mietshäuser-Syndikate oder Hausvereine und auch die Kleinvermieter:innen. Da ist eine Mischung sinnvoll. Wichtig ist: Es braucht eine demokratische kontrollierte Miet- und Wohnpolitik, weil es hier um die Grundsicherung geht. Das ist bei anderen Sachen auch üblich: Dein Wasser kommt auch vom kommunalen Unternehmen, der ÖPNV auch, die Heizung, … Das Prinzip funktioniert.

    Und zur DDR: Ich glaube deine Beschreibung haut nur partiell hin. Klar, der Verfall bestimmter Viertel ist ein Manko und da spielt Verantwortungsdiffusion schon auch eine Rolle. Ich denke aber auch, es hat was mit Ressourcen zu tun. Und da die knapp waren, hat man andere Prioritäten gesetzt und halt seriellen Wohnungsbau vorangetrieben. Prohlis und Gorbitz sind ja jetzt nicht nichts (trotz fehlender Anreize?), sondern waren zu ihrer Zeit moderne und gefragte Wohnviertel quer durch alle Bevölkerungsschichten. Ob der Service dann gut war oder nicht, da hab ich keine eigenen Erfahrungen, weil zu jung. Aber ich sag mal der Service einer Vonovia gleicht auch eher eine Art Vorhölle. Und neue Wohnungen bauen die auch nur im Promillebereich. Also brauchen wir was neues, weil Markt funktioniert auch nicht. (Und die Kleinvermieter:innen sind da ja nach deiner Schilderung auch keine Lösung).

  18. @tsetse:
    Es gibt natürlich Menschen, die Leben nach dem Prizip Hoffnung. Andere versuchen einen Plan zu entwickeln.
    Das die Altersvorsorge mit der staatlichen Rente nicht mehr klappt ist bekannt, also sollte sich jeder was überlegen. Omasparen bringt nichts, da verliert man eher Geld (siehe aktuell die Postbank).
    Also was suchen, was das Geld für das Alter sichert und bestenfalls sogar vermehrt.
    Also Aktien. Oder eigene Immobilien.
    Oder besser, Immobilienaktien.
    Daher sind Verstaatlichungsfantasien gleichzeitig die Vorbereitung von Altersarmut.
    Denn Rentenzuschüsse aus Steuermitteln wird es nicht geben, wenn das Steuergeld für Entschädigungszahlungen ausgegeben wird.
    Man kann natürlich die Steuern, die Krankenkassen- und die Rentenbeiträge stark erhöhen und gleichzeitig verstaatlichten preiswerten Wohnraum anbieten.
    Aber wer baut dann noch neue Wohnungen? Wenn die Arbeitsstunde auf dem Bau plötzlich das Doppelte kostet. Und der Bauherr am Ende Angst vor Verstaatlichung haben muss.
    P.S. Das die Technischen Dienste in Dresden dazu angehalten sind Gewinne zu erwirtschaften und nicht ihre Leistungen für den Bürger so preiswert wie möglich anzubieten, ist ja wohl bekannt.
    Mit den Überschüssen werden dann defizitäre Unternehmen, wie z.B. die DVB, quersubvensioniert.
    Von Nichts kommt nur Nichts.

  19. @Tsetse: Genossenschaften sind ja so toll, demokratisch, solidarisch… – Die Praxis sieht anders aus. Mitbestimmung in Genossenschaft und Aktiengesellschaft ist in etwa so wie Demokratie DDR vs. BRD.

    Demokratie in der Genossenschaft manifestiert sich darin, gelegentlich einer im Hinterzimmer ausgekungelten Liste zustimmen zu dürfen. Bei einer Genossenschaft (Energieversorgung, nicht Wohnungsbau) möchte ich gerade gerne austreten. Stelle fest, da hat man zwischenzeitlich mal die Kündigungsfrist von 8 Monaten auf 2 Jahre erhöht, zum Abschluss des Geschäftsjahres. Dann findet eine „finanzielle Auseinandersetzung“ statt, aber Anspruch auf irgendwas habe ich nicht. Wenn ich was bekomme, dann nochmal 6 Monate später. Es dürfte also Mitte 2024 werden, bis ich raus bin. Warum erinnert mich das nur an einen Ausreiseantrag der DDR?

    Ne sorry, Genossenschaft nie wieder, jedenfalls nicht mit signifikant Geld, um sowas wie AKW-Ausstieg zu unterstützen. Wenn die Grün-beseelten zu dem Zwecke ein AG gründen, investiere ich gerne wieder. Da werde ich wenigstens einmal im Jahr zur Abstimmung eingeladen, darf meinen Unmut äußern, und wenn es mit nicht mehr gefällt, bin ich meinen Anteil mit ein paar Mausklicks auch wieder los.

    Hab übrigens mal mit jemandem vom Amselhof gesprochen. Die haben auch irgendwann reumütig von Verein auf ETW umgestellt.

  20. @ Guardien: Einen Plan entwickeln – ist das nicht schon verdächtig? :-) Aber im Ernst: Sinnvoll wäre halt ein Plan, der nicht nur für ein kleinen, exklusiven Teil der Gesellschaft funktioniert, der sich das (Immobilienaktien zur Altersabsicherung) leisten kann. Altersarmut muss ansonsten kein Problem sein: die Produktivität der Arbeit wächst, man könnte auch einfach stärker umverteilen, so dass die Produktivitätsgewinne nicht nur bei denen landen, die eh schon genug haben. Das wäre auch gesamtwirtschaftlich gut: Binnennachfrage usw. usf. Und was das Bauen angeht: Die Gesellschaft baut für die Gesellschaft, Gemeinnützigkeit als Ausgangspunkt. (Und nochmal: Das Wohnungsbauproblem lösen die Immobilienkonzerne nicht. Ein paar hundert Wohnungen im Jahr, mehr kommt da nicht. Wie auch, wenn nur Dividende im Vordergrund steht.) Drewag subventioniert DVB: Genau das ist das Ergebnis demokratischer Steuerung und eben nicht von Streben nach Gewinnmaximierung – und es hat viele Vorteile.

    @DS: Gibt solche und solche Genossenschaften. Dass sie aber eben keine AG sind und das es nicht um maximalen Profit geht, das ist der Plan. Logischerweise gelten da auch andere Regeln und das ist eher langfristig organisiert. Und das da gerade auch im Bereich Wohnen von Genossenschaften viel Quark gemacht wird, davon können viele ein Lied singen. Allerdings hats dort halt auch was mit den Rahmenbedingungen zu tun und dem Fehlen von verantwortungsvoller Wohnpolitik. Baugruppen wie der Amselhof sind nochmal ein anderes Thema: Gibt halt auch andere Beispiele. Aber auch hier: Die Rahmenbedingungen machen solche Prozesse erstmal nicht einfacher. Aber keine Ahnung, warum es dort nicht geklappt hat.

  21. @Tsetse: Aktien sind für den „kleinen, exklusiven Teil der Gesellschaft funktioniert, der sich das leisten kann“?

    Gibt es irgendetwas günstigeres (An-/Verkaufskosten), flexibleres (kleinteiliger Zu-/Verkauf), als Aktien? Dazu ethisch auswählbar (z.B. keine Rüstungs-/Umweltsaufirmen), automatisch versteuert, Dein Besitz unabhängig von Bankenpleiten, selbst mit kleineren Altersvorsorgesummen (wenige 10000 Euro) breit streubar im Risiko, sogar etwas Mitspracherecht. Nicht zuletzt, per Mausklick wieder in Geld umgewandelt, wenn man es braucht.

    Der kleine, exklusive Teil der Gesellschaft investiert in eine Villa am Chiemsee, nicht in Vonovia-Anteile.

  22. @DS: „günstig“, „wenige 10000 Euro“ – interessante Perspektive, aber sehr weit weg, von dem was ich so erlebe. Wie dem auch sei: Das Risiko bleibt, dass am Ende weniger da ist als am Anfang, oder – wenns blöd läuft – nichts (Wirecard :D). Ethisch ist es so oder so nicht: Deine Gewinn entstehen ja nicht im Nirgendwo, irgendwer/irgendwas zahlt dafür einen Preis – und zwar keinen fairen (du willst ja Gewinn haben). Vll. wird der mit dem Lieferkettengesetz etwas fairer, vll. auch nicht – vll. gibts irgendwann eine CO2-Abgabe, die nicht zum Klimakollaps führt – vll. nicht. Um beim Thema zu bleiben: Einer der großen Aktionäre bei der Vonovia ist der Norwegische Pensionfond. Die Mieter:innen (und das sind in Dresden nicht die mit den hohen Einkommen) blechen jetzt also für norwegische Pensionär:innen. Die Pension sei denen gegönnt, aber was an dieser Konstruktion ethisch vertretbar sein soll, seh ich nicht. Aber erklär ruhig mal Helga (59 Jahre, 38 Jahre gearbeitet als Reinigungsfachkraft, dann wegen Krise auf Kurzarbeit) wieso sie die nächste Mieterhöhung schlucken muss, damit BlackRock und der Privatflugzeug-fliegende „Mittelschichtler“ Merz sich über ne schöne Dividende freuen können und wie sie darüberhinaus noch in schön gestreuten Aktienbesitz investiert. Das ist doch offenkundig albern.

    Aber setz du ruhig auf Aktien, ich setz auf Enteignung und Umverteilung. Wir werden sehen, was die Zeit bringt. Und falls mein Plan aufgeht, sei dir versichert: Auch für dich wird dann eine Wohnung da sein.

  23. @tsetse: Falls es arrogant klang – wir sprachen hier über Altersvorsorge, die man typischerweise ein Leben lang anspart. Wenn Du da nicht ein paar 10000 Euro zusammenbekommst, dann hast Du Recht, dann hilft Dir nur noch Enteignung. Und „Helga“ lebte nach 38 Jahren putzen in der DDR wahrscheinlich immer noch im unsanierten AB mit Außenklo und tröpfelndem Dach. Mir haben 10 Jahre gelangt.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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