Die Augustusbrücke

Augustusbrücke um 1900

Augustusbrücke um 1900

Sagt man „Wir treffen uns auf der Augustusbrücke“, kann dieser Satz spitzfindig hinterfragt werden. Denn Augustusbrücke war die Brücke, die Altstadt und Neustadt verbindet nur eine relativ kurze Zeit. Vor der Intervention des Königs war sie namenlos und anschließend wurde sie abgerissen, neu aufgebaut, weggesprengt und umgetauft. Ende diesen Jahres geht die Werkelei weiter. Wieviel August steckt in der Augustusbrücke?

Die Augustusbrücke oder besser ihre Vorgängerin gilt als erste steinerne Elbquerung und erfüllte als Handelsverbindung nach Norddeutschland zwischen Dresden, Leipzig und Prag eine wichtige Funktion. Zum Zeitpunkt ihrer Erbauung – die Chronisten sind sich über den genauen Zeitpunkt uneinig, eine erste Konstruktion aus Stein mit einem Holzoberbau soll 1222 beendet worden sein – waren Altstadt und Neustadt zwei ummauerte königskindliche Festungen, die durch die Brücke miteinander verbunden waren.

August der Starke, bulliger Kurfürst und König, beauftragte die Baumeister Pöppelmann und Johann Gottfried Fehre mit einem barocken Umbau der Brücke, der diese zwar schicker, aber auch kürzer machte: einst 23 Bögen lang, maß sie jetzt nur noch 17. Bis zu diesem Zeitpunkt galt sie als längste Deutschlands, ja, sogar Europas. „Man sagte, die zu Regensburg sei die schönste, die zu Prag die stärkste und die zu Dresden die längste.“(Die alte Dresdner Augustusbrücke). Ihre Bedeutung für den regen Verkehr schmälerte die Verkürzung nicht – und auch als Alwine Augustus, ein mit Ziegeln beladener Elbkahn 1906 gegen den Namensvetter rasselte, hielt der Sandstein stand.

Blick in Richtung Neustadt

Blick in Richtung Neustadt

Weichen musste die Brücke weder Hochwasser noch einer anderen göttlichen Gewalt, sondern – beklagt von vielen Dresdnern – dem frühneuzeitlichen Verkehr. Das älteste Baudenkmal Dresdens wurde 1907 abgetragen und aus Beton neu aufgebaut. Einige alte Sandsteinteile fanden noch Verwendung an der Fassade. Drei Jahre lang werkelten zwei Firmen an dem Projekt, nunmehr der Friedrich-August-Brücke. 

Sie war es, die 1936 vom ersten olympischen Fackelträger auf dem Weg nach Berlin überquert wurde – ein dunkles Omen. 1945 wurde der sechste Pfeiler von der Wehrmacht in die Luft gejagt. Aus dem Provisorium erstand die Georgij-Dimitroff-Brücke auf. Im Volksmund behielt sie allerdings ihren gewohnten Namen, den sie seit dem 30. September 1990 auch wieder offiziell trägt.

Kriege, Fluten und Verkehr – die Augustusbrücke hat ziemlich viel ertragen. Nach der Albertbrücke ist sie das nächste Urgestein, das zwei Jahre lang saniert wird. Zeit, sich die Brücke spazierend genauer zu betrachten.

Canalettoblick auf die Augustusbrücke

Blick auf die Augustusbrücke

Auf der Neustädter Seite stehen das Denkmal des sächsischen Hofnarren Joseph Fröhlich, der sein achteckiges Narrenhäusel eine Flussbreite von seiner täglichen Wirkungsstätte entfernt ans Ufer baute. Auf der Altstädter Seite hockt ein ähnlich lustiger Geselle: das Brückenmännchen, auch Matz-Fotze genannt. Eine besonders fantasiereiche Eindeutschung des Erbauernamens Matteo Foccio.

Die Augustusbrücke ist ein Zeitzeugnis, gepuzzelt aus alten und neuen Stücken, erbaut von vielen Händen, getreten von Millionen Füßen. Das alles ist einen Gedanken wert, bei der nächsten Überquerung.

Die Augustusbrück

Straßen und Plätze im Ortsamtsbereich Neustadt

Die Augustusbrücke: ein historischer Flickenteppich

Die Augustusbrücke: ein historischer Flickenteppich

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12 Kommentare für “Die Augustusbrücke

  1. ein anderer Stefan
    12. Oktober 2016 um 17:38

    Da der Georgenbau auf den historischen Postkarten noch den Zustand vor dem Umbau der Schlossfassaden zeigt (dieser Umbau war 1901 abgeschlossen), und auf dem zweiten Postkarte auch das Brühlsche Palais noch steht, dürften die Aufnahmen vor 1900 entstanden sein.

    Literaturtipp: Die alte Augustusbrücke in Dresden, Arbeitsheft Nr. 22 des Landesamtes für Denkmalpflege Sachsen, Dresden 2014. Wer noch Fragen zum Vorgängerbau hat: mehr Antworten als hier drin werden sich kaum finden lassen.

  2. Forelle Blau
    12. Oktober 2016 um 18:10

    „Urgestein, das zwei Jahre lang von Passantenschuhsohlen massiert wird, bevor der individuelle Autoverkehr wieder rollen darf.“ – ich denke, der individuelle Autoverkehr wird von der Brücke verbannt, hab ich was verpasst?

  3. 12. Oktober 2016 um 19:27

    @Forrelle Blau: Du denkst richtig. Artikel wurde korrigiert.

  4. Lenbach
    12. Oktober 2016 um 21:26

    Ich weiß ja, daß auf diesem Blog Ideologie vor Wissen kommt, aber über Dresden zu schreiben, und dann ein beliebiges Foto von der Augustusbrücke als „Canalettoblick“ zu bezeichnen, Hut ab!

  5. 12. Oktober 2016 um 22:53

    Nee, der Friseur-Artikel wurde auf Wunsch einer unvorteilhaf abgelichteten Dame entfernt.

  6. Philine
    13. Oktober 2016 um 16:28

    Hi Lenbach! An der Stelle war eigentlich ein anderes Bild geplant. Zu dem neuen passte die Unterschrift tatsächlich nicht. Danke für den Hinweis!

  7. 13. Oktober 2016 um 18:07

    Ich vhairstehe…

  8. christoph
    13. Oktober 2016 um 19:28

    muss Sie vll vorm Fototermin mal zum Friseur ;)

  9. goldi
    13. Oktober 2016 um 21:44

    naaach, wenn man einmal im keller wohnt:
    eure argumente sind doch an den haaren hairbeigezogen.

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