Der Alaunplatz

Alaunplatz in den 1930er Jahren.

Alaunplatz in den 1930er Jahren.

Dass auf dem Platz noch im vergangenen Jahrhundert Soldaten exerzierten, ist heute nicht mehr vorstellbar. Den Namen „Platz der Thälmannpioniere“ haben auch schon die meisten vergessen. Der Alaunplatz, gern schlicht „Park“, von Freunden des Diminutiv auch „Alauni“ genannt, ist heute so etwas wie die Wiese hinterm Haus für die ganze Neustadt. Hier wird in Bergen aus Müll und Grillkohleresten gehockt, jongliert, geschlafen, Speedminton gespielt und musiziert.

bunte Bäume auf dem Alaunplatz

bunte Bäume auf dem Alaunplatz

Nachtblinde verfangen sich in der Dämmerungszeit gelegentlich in Slacklines und werden von Kinderhorden mit Leuchtfrisbees verdroschen. Ansonsten geht es meist friedlich zu im Park, seit die Exhibitionisten sich nicht mehr im hohen Gebüsch verstecken können und die Polizei herumkreiselt, um minderjährige Shisha-Raucher einzulochen. Ein Schnäppchen ist das öffentliche Urinieren: gibt’s hier schon ab fünfzig Euro. Die dazu passende Verhinderungsstelle wurde jahrelang geplant und kostete Tausende. Eröffnet wurde das Häuschen 2016 im Frühjahr.


Sonntags schroten die Fußballgötter über den zerfransten Rasen und bieten ein Schauspiel für verquollene Augen und verkaterte Ohren. Ein Relikt aus Garnisonszeiten: es wird scharf geschossen! Für Leisetreter wurde die Grünfläche Richtung Kamenzer erweitert. Hier kann man wie Ferdinand der Stier unter Bäumen sitzen und an Blumen schnuppern. Im Winter bietet sich der Hang im hinteren Alaunpark zum halsbrecherischen Backblechrodeln an und im unwahrscheinlichen Falle einer erheblichen Schneedecke wird zur Skisprungmeisterschaft geladen.

Skispsringen von der Pionierschanze am Alaunplatz

Skispsringen von der Pionierschanze am Alaunplatz

Donnerstags und sonnabends durchzieht ein unveganer Duft nach Broiler das neustädtische Grün. An beiden Tagen gibt der Wochenmarkt eine ganztägige Vorstellung mit frischer Pasta, Obst, Gemüse, Brathähnchen, Fisch, rollendem Kaffeevollautomat und Gulaschkanone.

Seinen Namen verdankt der Platz einer Alaunflusssiederei, die hier im 18. Jahrhundert betrieben wurde, damals strotzte das Viertel noch vor Bäumen und nannte sich Wald. Alaun ist ein Stoff, der damals vor allem zum Gerben von Fellen und in der Tuchherstellung gebraucht wurde.

Straßen im Ortsamtsbereich Neustadt

Der Alaunplatz - Foto: Marc McLovin

Der Alaunplatz – Foto: Archiv/Marc McLovin

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29 Kommentare zu “Der Alaunplatz

  1. Alauner
    20. August 2014 at 02:44

    +1

  2. Ali Mente
    20. August 2014 at 08:12

    liest sich etwa wie ein Schulaufsatz.

    Ali

  3. Scharnickel
    20. August 2014 at 08:35

    Gefällt mir :D

  4. Funzt
    20. August 2014 at 09:19

    @Ali:

    Komisch! Wie unterschiedlich die Geschmäcker sind: wollte gerade lobend die „äußerst kreative Wortfindung“ des Artikels hervorheben….aber da gibt es wohl unterschiedliche Meinungen. :-(

  5. Philine
    20. August 2014 at 09:43

    Danke, Ali! Dann habe ich dich, wie man so schön sagt, „dort abgeholt, wo du stehst“. Mehr kann von einem Laien-Journalisten wahrlich nicht erwartet werden. Viel Spaß bei den nächsten Artikeln!

  6. Förster
    20. August 2014 at 10:07

    1+ mit Sternchen
    eine wunderbare Inspiration für Geschichten von der Krippe nach Hause… Danke
    Und der kleine Neustadt-Fuchs beobachtet das Treiben aus seinem Fuchsbau heraus…

  7. Klahra
    20. August 2014 at 10:19

    schöner Artikel, hat mir gut gefallen

  8. Ali Mente
    20. August 2014 at 11:18

    Fein, dass Du das einsiehst.

    “ Mehr kann von einem Laien-Journalisten wahrlich nicht erwartet werden. “

    Ali

  9. E-Haller
    20. August 2014 at 15:28

    @ Ali: Man kann nach jedem Artikel von Philine auf Deinen sinnlos-vernichtenden Kommentar warten. Ist das was persönliches zwischen euch??? Es nervt jedenfalls!

    Mach doch einfach Deinen eigenen Blog auf und schreib Deiner Meinung nach vernünftige Artikel. Es zwingt Dich niemand, hier zu sein…

  10. Richard
    20. August 2014 at 16:00

    Lustig. Leider fehlt die seit neuestem vorgeschriebene satirische Kennzeichnung des Textes (http://www.der-postillon.com/2014/08/satire-satirische-satireartikel-dank.html). Schnell nachholen, bevor die erste Abmahnung ins Haus flattert!

  11. Urs
    20. August 2014 at 17:30

    Zwei inhaltliche Fehler:
    1. Der Rasen ist erstaunlich unzerfranst
    2. Der Broilerstand ist am Samstag nicht da.

    Erwähnt werden sollten noch die Softeis-schleckenden Kinder am Nachmittag.

  12. 20. August 2014 at 19:04

    Danke Philine……

    toller Beitrag…..

    mein Vater hat immer son Alaunstift benutzt wenn er sich beim rasieren geschnitten hat…

    also bitte mehr !!

    grussi… :lol:

  13. Ali Mente
    20. August 2014 at 19:21

    @ Richard, wie sagte sie ?

    ” Mehr kann von einem Laien-Journalisten wahrlich nicht erwartet werden. ”

    Ali

  14. oha
    20. August 2014 at 19:27

    @E-Haller

    evntl. sind es die Alimente….:-)

  15. Tom
    20. August 2014 at 19:59

    Ich finde den Artikel gut geschrieben. Leider ist der schöne Park meist sehr verschmutzt von sogenannten Möchtegern Neustädtern. Ich freue mich schon auf weiter Artikel und Infos über die Neustadt.

  16. Philine
    20. August 2014 at 20:00

    Danke für das Feedback! Dem Hähnchen-Frank bin ich auf der Spur – eigentlich stand der immer da :) Meldung folgt!

  17. auch ein Stefan
    20. August 2014 at 20:13

    Gerne mehr davon. Wenn jeder Schulaufsatz mit so viel Witz geschrieben wäre, täte die Korrektur den Lehrern sicherlich mehr Freude bereiten, Ali Mente.

  18. Ali Mente
    20. August 2014 at 21:57

    @ Stefan, dein Lehrer täte das rot angestrichen haben und täte wenig Freude daran haben.

    Aber zurück zum eigentlichen Thema;die selbsternannte Laien – Journalistin Philine schreibt eben nur einfach und simpel, leider fällt das gegenüber der Klasse von Anton sehr auf.

    Ali

  19. Buchstabensalon
    20. August 2014 at 22:45

    Schöner Text! :)

  20. Olaf
    21. August 2014 at 00:10

    tatsächlich isses so, dass ich als grundsicherungsempfänger gen frühen mittag aus den heidepilzen kommend und ein köstliches sterni verknuspernd den alaunplatz, egal an welchem tag, nur mit grillresten und diversen ehemals fastfood beinhaltenden einwegtragetaschen und ihren resten vorfinde.
    andererseits isses ja auch schön, dass sich die mülltonnen so wunderbar einfach zu fusballtoren umrollen lassen.
    ich schimpf nich, wenn ich ruhe & grün will, geh ich wie oben angedeutet ein paar meter richtung norden. wobeis da auch schon teilweise gruselich aussieht. :)

  21. E-Haller
    21. August 2014 at 08:55

    @ oha: Klingt plausibel! ;) Aber dann käm er ganz schön rum, ich sag nur: Lisa.

  22. Lollo
    21. August 2014 at 16:46

    Das Foto aus den 1930iger Jahren ist sofern interessant, als
    das die St.Pauli Kirche noch mit Turmspitze zu sehen ist…
    Mal abgesehen von der Kaserne wo jetzt die Klettarchitektenklötzchen stehen…

  23. Lollo
    21. August 2014 at 16:47

    Klettarchitekten = Klotzarchitekten

  24. auch ein Stefan
    22. August 2014 at 07:53

    cool Ali, dann mach doch einfach mal nen grandiosen journalistisch ausgefeilften Beitrag für die Seite hier, anstatt immer nur über andere Gastbeiträge herzuziehen.

    (…den werden WIR dann natürlich alle richtig schön herabwürdigen. Ist doch klar :-P)

  25. Neustadtpflanze
    22. August 2014 at 17:13

    Hi Philine,
    lese normalerweise deine Beiträge nur, ohne sie groß zu kommentieren. Aber da Ali dich ja ganz besonders ins Herz geschlossen zu haben scheint, nun auch von mir: Freue mich auf jeden deiner Beiträge. Ich finde sie erfrischend und klug geschrieben, danke!!! Und das mit dem Broilerstand am Samstag lässt sich ja nachliefern (ich weiß es leider auch nicht, da sich meine Leidenschaft fürs Federvieh eher in Grenzen hält)

  26. 22. August 2014 at 20:10

    Klasse Idee, das mit der lockeren Vorstellung verschiedener Orte im Alphabet. Und ja, ich finde es sehr gut, dass es einen zweiten Stil neben dem von Anton gibt. Kann dem Geflüster nur guttun ;)

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