Stoffwechsel macht die Türen auf

Marco und Daniel beim Skat spielen im Stoffwecheltreff.

Marco und Daniel beim Skat spielen im Stoffwechel-Treff.

Ralf Knauthe öffnet die Tür – willkommen im Stoffwechsel-Treff. In einer Ecke spielen Marco, Daniel und Thomas Skat. Alex hat gekocht und lädt zum Essen ein. Was sich hier als Ort für junge Menschen enpuppt, war vor 30 Jahren noch ein Schnapsladen.

Es ist genau 26 Jahre her, als Sabine Ball, Gründerin des Stoffwechsel e.V., erstmals durch die Louisenstraße in Dresden lief. Was sie sah, gefiel ihr gar nicht. Einige Straßenkinder und junge Frauen schienen hoffnungslos und gebrochen. Dem wollte die damals 67-Jährige ein Ende bereiten.

Ein Jahr später, am 24. April 1993, stand sie mit Ralf Knauthe, jetziger Leiter des Stoffwechsel e. V. in einem vollen Eckladen am Martin-Luther-Platz. Der vorherige Schnapsladen hatte zugemacht und die Beiden gründeten in den ehemaligen Verkaufsräumen den gemeinnützigen Verein Stoffwechsel. Hier sollte sich ein Ort entwickeln, der Menschen vom Rande der Gesellschaft aufnimmt und ihnen einen Raum der Ruhe, des Wohlfühlens, des Miteinanders bietet. Es entstand ein Café, ein Second-Hand-Shop und betreutes Wohnen.

Jetzt 25 Jahre später steht das große Jubiläum vor der Tür – leider ohne Sabine Ball. Sie starb 2009 an einem Herzinfarkt (Neustadt-Geflüster vom 9. Juli 2009).

In dem Vierteljahrhundert ist viel passiert im Stoffwechsel. „Wir sind gewachsen und wachsen weiterhin“, sagt Ralf Knauthe. Er leitet den Verein seit 2005. Der Stoffwechsel bietet momentan in vier Stadtquartieren soziale Projekte für Kinder, Jugendliche und Familien – in der Neustadt, Gorbitz, Prohlis und Pieschen. „Der soziale Brennpunkt Neustadt hat sich gewandelt. Jetzt werden wir in anderen Stadtteilen gebraucht“, meint Ralf Knauthe. Auch die Mitarbeiterzahl ist gewachsen. So verzeichnet der Stoffwechsel 16 Hauptmitarbeiter, zehn Bundesfreiwillige und zahlreiche Ehrenamtliche. „Ich selbst bin auch gewachsen. Hätte man mir vor 25 Jahren noch gesagt, dass ich einmal Bauherr, Vermieter, Leiter, Vereinsvorsitzender, Sozialpädagoge sein werde, hätte ich nur den Kopf geschüttelt“, sagt Ralf augenzwinkernd. Eigentlich hatte er Feinmechanik gelernt.

Über seine Arbeit spricht er gern – und auch Gott kommt in seinen Worten nicht selten vor. Da ist es augenscheinlich, dass der Stoffwechsel mehrmals als Sekte kritisiert wurde. Ralf, der das Graffiti „Sekte“ am Rollladen in Insekten umgeschrieben hatte, meint dazu: „Sobald wir Christen uns nicht Kirche nennen, da wir aus unterschiedlichen Gemeinden kommen, können viele Menschen das nicht zuordnen.“ Missionieren wolle der Verein auch nicht. „Bei uns sind alle willkommen. Jeder ist eingeladen mitzubeten, aber niemand ist dazu verpflichtet oder wird komisch angeschaut“, erklärt Ralf.

Der Verein wird komplett aus Spenden finanziert. Die Projekte in den Stadtvierteln sind sehr unterschiedlich. In Pieschen gibt es ein Familienzentrum und einen Abenteuerbauspielplatz für Kinder. In Reick/Prohlis steht ihnen das von Freunden ein Vierseithof mit Pferden, Streuobstwiese und Pizzaofen für die jungen Familien zur Verfügung. Aber immer wollen sie Menschen vom Rande der Gesellschaft Räume des Miteinanders und der Liebe geben. „Deswegen heißt der Verein auch Stoffwechsel – wir empfangen Gottes Liebe und wollen diese Liebe – diesen Herzschlag weitergeben und somit den Menschen helfen, wieder auf beiden Beinen zu stehen.“

Sphia besucht den Stoffwechsel regelmäßig mit ihrer Tochter.

Sophia besucht den Stoffwechsel regelmäßig mit ihrer Tochter.

Sophia, die vor dem Eingang des Stoffwechsels sitzt und ihrer Tochter beim Spielen zuschaut, erklärt: „Der Stoffwechsel ist für mich ein Ort der Erholung. Es ist ein Raum, wo jeder so sein darf, wie man will.“ Ralf zeigt auf die Tafel mit den nächsten Terminen. Darunter das große Highlight – ein Sommercamp für junge Erwachsene. Das ist meist der einzige Familienurlaub, den die betreuten Jugendlichen und Erwachsenen im Jahr haben. Aus dem Inneren dringt der Geruch von Kartoffelbrei und alle verschwinden im Stoffwechsel-Treff. Guten Appetit allesamt.

Wer mehr über die Arbeit des Stoffwechsels erfahren will, sollte die Filmpremiere am 27. April nicht verpassen. Der Film wurde vom Co-Leiter Matthias Klotz gedreht und geschnitten. Das Familienfest findet das ganze Wochenende statt und ist für alle offen.

Ein Überblick über das Programm:

  • Freitag, 27. April: 19 Uhr Stoffwechsel-Filmpremiere / Martin-Luther-Str.29
  • Sonnabend, 28. April: 14 – 17 Uhr Offene Stadtteilprojekte für Groß und Klein mit Spiel und Kaffee / Gorbitz (Espenstraße 1), Pieschen (Markusstraße 11) Altreick (Abenteuerland), Neustadt (Martin-Luther-Straße 12) und ab 19.30 Uhr Gott loben / Hasenberg 1
  • Sonntag, 29. April: 9.30 Uhr Festgottesdienst mit anschließendem Stoffwechselfilm und Mittag / St. Pauli Kirche, Königsbrückerplatz
  • Mehr Informationen unter: http://stoffwechsel.org
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