Getroffen im Kaffee Combo – zwischen Kollektivgedanken und Kaffeeduft

Schon mit zwölf Jahren schrieb Tini Bot ihre ersten Songs, spielte Klavier und Gitarre, beeinflusst von ihrer Großmutter, die als Organistin der Dorfkirche arbeitete. Früh kam die Faszination für Chöre und ungewöhnliche Klänge – Aerophone, Glasharfen, Theremin, modulare Synths oder Meeresorgeln. Sogar Dresdner Klanginstallationen wie die Klangsäulen auf dem Postplatz haben es ihr angetan.
Erste Bühnenerfahrungen sammelte sie mit 15 – in einer FLINTA-Punkband1. Heute ist sie solo als Singer-Songwriterin unterwegs, mit Band klingt das Ganze nach Punk, Pop, Rock und Indie – immer ehrlich, politisch und, wie sie sagt, „radikal liebevoll“.
Die Dresdner Szene erlebt sie als lebendig, aber strukturell schwierig. Viel Kultur entstehe aus Eigeninitiative, oft ohne ausreichende Förderung. Zwei Kollektive hat sie selbst mitgegründet – aus dem Wunsch, Blasen zu durchbrechen und mehr Austausch zu ermöglichen. In der Neustadt, sagt sie, finde dieser Austausch oft ganz beiläufig statt – bei Irish-Pub-Sessions oder Kneipengigs. Tini Bot wirkte mit am wohl schönsten BRN-Song aller Zeiten, anlässlich der ausgefallenen Feier im Jahr 2020.
Traumhafte genreübergreifende Kollabos?
Tini träumt groß – Parcels, Patti Smith, Joan Baez, PJ Harvey, Nick Cave oder Rosalía. Auch Banda Comunale steht auf der Liste. Und wenn’s über dieses Leben hinaus ginge, dann am liebsten ein gemeinsames Projekt mit Gundermann und Rio Reiser – vielleicht gleich zu dritt.
Aktuell plant sie mit ihrer Band eine Gefängnis-Tour – nach zwei Konzerten in der JVA Zeithain soll das Projekt größer werden. Auch sonst spielt Tini viel auf Demos, für soziale Träger und Gewerkschaften – Musik als Haltung, nicht als Dekoration.

Dresdner Acts, die man aus ihrer Sicht hören sollte:
Fortuna Kevin, Shannon Soundquist, Wannanelly, The Melmacs, Dry Skin, Riley & Voltz, Andi Valandi, Adrian Artmann – und natürlich den Kneipenchor.
Wichtige Orte:
Blechschloss, Chemiefabrik, Stadtteilhaus, Blue Note, Ostpol, die 100 – und Plattenläden wie Grooveamt Records.
Was sie sich für die Szene wünscht?
Offenere Strukturen, mehr Support für Newcomer, genreübergreifende Zusammenarbeit – und deutlich mehr politisches Engagement.
Ihr aktuelles Live-Album „Nachtigallsturm“ ist draußen – reinhören lohnt sich.
Und ganz am Ende noch ein Appell, der bleibt:
„Verändert wird gemeinsam – bildet Kollektive, geht auf die Straße und gestaltet Räume.“
Tini Bot

Über den Autor
Der Dresdner Fotograf Johannes Haupt nimmt in unregelmäßigen Abständen Dresdner Musikerinnen, Musiker und Bands vor die Linse. Auf diversen Konzerten kann man ihn in der Nähe der Bühne sehen. Heraus kommen wunderbare Eindrücke von Live-Auftritten. Seit einer Weile hat Johannes, der hauptberuflich als Krankenpfleger in der Notaufnahme arbeitet, sein Portfolio um Porträts erweitert. Dafür trifft er Musiker abseits der Clubs und interviewt sie. Das Neustadt-Geflüster wird in unregelmäßigen Abständen diese Interviews hier veröffentlichen.
- Johannes Haupt betreibt zwei Instagram-Kanäle: Auf www.instagram.com/haupt_motiv gibt es sein komplettes Portfolio zu sehen, die Interviews veröffentlicht er auf www.instagram.com/sounddcheck
1 FLINTA (alternativ auch FLINTA oder FLINT) ist ein Akronym, das für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, transgeschlechtliche und agender Personen steht.
















