Letzten Sommer rückten Angestellte der Landeshauptstadt aus und demontierten die etwas verborgene Kultschaukel samt dazugehörigem Ast am Prießnitzgrund aus Sicherheitsgründen. Kurze Zeit später kündigte ein Kollektiv an, eine neue Schaukel anzubringen. Inzwischen hat Dresden seinen Geheimtipp wieder.

Mit heller Schrift auf das bunte Brett geschrieben, animiert ein als Frage getarnter Vorwurf in Reimform nicht nur zur Nutzung des phantastischen Baumelgeräts. Zugleich lässt er sich als Reaktion auf die städtische Begründung lesen, mit der die frühere Schaukel im vergangenen Jahr entfernt wurde: Nicht Schaukeln an sich seien gefährlich gewesen, sondern der konkrete Fall habe Sicherheitsbedenken aufgeworfen.
Immer höher & immer weiter bis der Ast abbricht
Meine Eltern sagen kluge Kinder schaukeln so nicht
Aber Mama, aber Papa, wieso folgen wir dann
Diesem Wälder zerstörendem Wachstumswahn???

Wer für Schaukel und Sinnspruch verantwortlich gemacht werden darf, ist nicht bekannt. Aber die Aktion gibt Dresden mit Sicherheit ein verlorenes Kleinod an der Neustädter Prießnitzmündung zurück.

Dialektik des Wiederaufbaus
Der Zugewinn dieses neuen Sehnsuchtsortes ist mit einem Verlust verbunden. Keine hundert Meter weiter, auf der anderen Seite der Prießnitz, standen noch am vergangenen Pfingstwochenende Kinder Schlange. Sie kletterten auf eine umgestürzte Weide und schwangen sich auf einer improvisierten Schaukel meterhoch über das Elbufer.
Von dieser Schaukel zeugen jetzt nur noch die Reste, das kaputte Seil hängt angespannt am Baum, der dazugehörige Ast in der Baumkrone ist abgebrochen. Scheinbar wurde zu heftig geschaukelt.

Vielleicht sollte der Sinnspruch auf der nun neu bestehenden Schaukel also nicht wortwörtlich genommen und demnach nicht bis zum Astabriss geschaukelt werden.




















In Österreich nennt man solche Schaukeln Hutschn, und die sind sehr angesagt. Vor allem Vorarlberg stellt oben in den Bergen welche hin.
https://www.hutschn.de/post/land-der-schaukeln
Dräsdne sollte das an markanten Aussichtspunkten oder geeigneten Orten auch tun, z.B. Königsufer, Wolfshügel, Waldschlösschen, Ostraberg Friedrichstadt, Südpark. Immer schön mit Aussicht, ganz für Erwachsene, Restrisiko trägt der Kunde. Seien mir ährlisch, Lähm is immor läbens-gäfährlisch! (Erich K.)
@Radka: fetzig!
Also wenn man den Sinnsprich wirklich wörtlich nimmt, dann weiß man „kluge Kinder schaukeln so nicht“, bis dass der Ast abbricht. Hoffen wir, dass bald viele kluge Erwachsene erkennen, dass das auch in anderen Kontexten gilt…