Dienstag: Postkolonialwarenladen eröffnet

Im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus eröffnet Edewa, der Postkolonialwarenladen die erste Filiale im Kunsthaus auf der Rähnitzgasse.

Edewa ist eine interaktive Wanderausstellung und ein Bildungsprojekt, initiiert durch die Kommunikationswissenschaftlerin und Soziologin Natasha A. Kelly. Edewa versteht sich als Einkaufsgenossenschaft antirassistischen Widerstandes, es bietet in Form eines postkolonialen Supermarktes die Möglichkeit, sich mit dem deutschen Kolonialismus zu beschäftigen.

Nach Ansicht der Ausstellungsmacher spiegeln Supermärkte die Alltäglichkeit von Rassismen und Sexismen in Deutschland wider. Diese widerum seien eng mit der deutschen Kolonialgeschichte verknüpft.

Mit den Produkten in den eigenen Warenregalen, einem Audio-Guide, einem Angebot von Literatur zu Widerstands- und Emanzipationsbewegungen wirbt Edewa für einen selbstbewussten und selbstbestimmten Umgang in der Überwindung des kolonialen Erbes. Es soll dabei helfen, die Entstehung begrifflicher Rassismen in der Sprache zu verstehen und zur Entsorgung dieser Begriffe aus unserem Alltag und Denken auf selbstbestimmte und humorvolle Weise beizutragen.

Postkolonialwarenladen im Kunsthaus auf der Rähnitzgasse

Postkolonialwarenladen im Kunsthaus auf der Rähnitzgasse

Die Besucherinnen und Besucher sind dazu eingeladen, sich auf die historischen Kämpfe einzelner Feministinnen, wie zum Beispiel May Ayim, einzulassen, die historischen Verflechtungen von Kolonialwarenhandel, Kapitalismus und patriarchaler Unterdrückung kennenzulernen und ihnen auf Führungen im Dresdner Stadtraum sowie in einer eigenen Veranstaltungsreihe vertiefend nachzugehen.

„Dresden kann dabei als Ausrichtungsort nicht besser getroffen werden“, sagt Initiatorin Mareike Fritz. Die vergangenen Jahre gesellschaftspolitischer Aktionen zur Stärkung der kulturellen und sozialen Vielfalt als lebhaftes Beispiel des Miteinanders stünden alltäglichen und andauernden Proklamationen und Übergriffen entlang von Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Nationalismus und weiteren Formen der Ausgrenzung gegenüber – sei es im Kontext der Zuwanderung von Geflüchteten und den rassistischen Demonstrationen dagegen oder den häufigen rechtsradikalen Angriffen auf Notunterkünfte und Menschen of Color.

„Viel subtiler“, so Mareike Fritz, „aber nicht weniger gefährlich sind Diskriminierungen im Alltag, die von der weißen, ableisierten, christlichen Mehrheitsgesellschaft ausgehen.“ Dresden als Ausstellungsort stehe damit für ein historisches und politisches Klima, das zu Interventionen aufrufe und zum solidarischen Handeln einlade.

Edewa, der Postkolonialwarenladen

  • Eröffnung, 13. März, 19 Uhr im Kunsthaus Dresden, Rähnitzgasse 8, 01097 Dresden
  • Anschließend an die Eröffnung gibt es ein Konzert mit der Musikerin Dikumbi.
  • Die Ausstellung ist vom 14. bis 28. März zu den Öffnungszeiten des Kunsthauses zu sehen. Der Eintritt ist frei.
Musikerin Dikumbi

Musikerin Dikumbi

linie

35 Kommentare zu “Dienstag: Postkolonialwarenladen eröffnet

  1. Klaus W.
    12. März 2018 at 15:52

    „… Diskriminierungen im Alltag, die von der weißen, ableisierten, christlichen Mehrheitsgesellschaft ausgehen…“. Also bei „ableisierten“ mußte ich tatsächlich erst mal im Internet nachschauen, aber die Fundstellen sind goldig.

  2. Franzl Lang
    12. März 2018 at 16:34

    It’s ok to be white.

  3. 12. März 2018 at 16:38

    Wer ist schon wirklich weiß, ich erinnere da gern an den Song von Tongue Forest – You Got The Nerve To Call Me Coloured.

  4. Franzl Lang
    12. März 2018 at 19:05
  5. Marcus
    12. März 2018 at 19:42

    Wo ist eigentlich die „christliche Mehrheitsgesellschaft“? Gerade im Osten?

  6. Lenbach
    12. März 2018 at 22:30

    Natasha A. Kelly ist übrigens die Geistesgröße, die der Meinung ist, Fotografie sei per se rassistisch, da von Weißen erfunden. Der Nobelpreis wartet.

    https://www.heise.de/tp/features/Ist-Fotografie-grundsaetzlich-rassistisch-3830367.html

    Wer solche Leute noch ernst nimmt, dem ist eh nicht zu helfen. Der eigentliche Skandal ist, daß solche Leute nicht ausgelacht und stehengelassen werden, nein, sie werden an Unis mit Steuergeldern gepampert, wo sie ihre wissenschaftliche Nullrelevanz mit unsäglichen Soziologengeschwurbel zudecken. Nebenbei wird entweder der weiße Mann, der weiße Christ oder alle Weißen überhaupt zum Feindbild erklärt. Das ist aber anscheinend alles kein Problem, mit Rassismus hat das komischerweise auch nix zu tun, „Menschen of Color“ denken halt anders, das muß man doch verstehen.

  7. 13. März 2018 at 07:01

    Hier bin ich! Ich tu aber nur so. Eigentlich bin ich die egoistische Mehrheitsgesellschaft – nicht zu verwechseln mit der schlechten Mehrheitsgesellschaft.

    „Ihr anderen, die ihr an eure Oma zuerst denkt, an eure Tochter, an euren Sohn, denen ihr erst mal Geld geben wollt, bevor ihr es jemandem Fremdes gebt, die denken egoistisch. Gut. Aber weil du egoistisch denkst, bist du ein schlechter Mensch. Und damit fangen die Probleme an. […]“
    Tellkamp

    „Das egoistische Zeitalter kennt keine Ehre; denn die Ehre braucht andere Leute, die sie doch voraussetzt, der Egoist setzt nur sich.“
    Goethe

  8. 13. März 2018 at 08:51

    Lenbach,

    hätte das Kaiserreich Abessinien mehrfach versucht das faschistische Italien zu erobern; hätte sich eine Allianz westafrikanischer Länder vorgenommen, Frankreich zu besetzen; hätten die Herero und Nama Völkermord an den Deutschen begangen; hätten Stämme der Azteken und Inkas das spanische und das portugiesische Reich ausgelöscht und des Goldes beraubt, hätte „Sitting Bull“ Indien gesucht und Europa entdeckt… dann sähe der europäische Kontinent heute etwas anders aus. Die Kreuzzüge und die Inquisition waren ganz sicher kein Akt der christlichen Nächstenliebe und Barmherzigkeit.

  9. bob
    13. März 2018 at 09:42

    „…wirbt Edewa für einen selbstbewussten und selbstbestimmten Umgang in der Überwindung des kolonialen Erbes.“

    Ich hab jetzt nochmal kurz auf den Kalender geschaut. Aber ist ja noch gar nicht erster April. Womit man sich so beschäftigen kann !?

    @orgilap
    wie originell, seinen Namen mal rückwärts zu schreiben. Werd ich in Zukunft auch machen.

  10. 13. März 2018 at 11:14

    Und ich dachte, das machst du schon seit ca. einem halben Jahr so, bob.

    Zur Orientierung auf deinem römisch-katholischen Kalender: Du befindest dich im Jahr 2018 nach Christus, also unserer Zeitrechnung. Dem Jahr, in dem wir in Afrika Rohstoffe ausbeuten und unseren Müll und alte Waffen wieder möglichst profitabel nach Afrika „exportieren“. (Die modernen Waffen bekommt der Nahe Osten.)

    Das folgende Video erklärt dir möglicherweise, warum man sich damit beschäftigt:
    https://www.youtube.com/watch?v=V1eZ8Ilgbfs

  11. oha
    13. März 2018 at 11:47

    „Menschen of Color“…

    Durch geschickte Kombination der 3 Grundfarben auf dem Bildschirm ist es möglich, den Eindruck im Auge enstehen zu lassen, den wir als Farbe „Weiß“ bezeichnen. In der Natur wird das Weiß üblicherweise aus (nahezu unendlich) vielen Lichtwellen unterschiedlicher Wellenlänge zusammengesetzt. Schwarz hingegen bedeutet die Abwesenheit von allen entsprechenden Lichtwellen. Das kann daran liegen, dass ein Material Licht weder durchlässt noch reflektiert, noch nennenswert abstrahlt. Deshalb ist Schwarz eigentlich keine Farbe, sondern die Abwesenheit von Farbe.

    Klingt KOMISCH ist aber so! :P

  12. Franzl Lang
    13. März 2018 at 13:10

    @orgilap:

    Woran lag es deiner Meinung nach denn, dass Abessinien Italien nicht erobern wollte, dass Westafrika Frankreich nicht besetzt hat, dass die Azteken Europa nicht entdeckt haben? Lag es vielleicht an der Herzensgüte dieser Menschen?

  13. Erichsen F.
    13. März 2018 at 15:29

    Das Erlernen von Wissen und Fähigkeiten, die für die heutige Welt nötig sind, ist mir eindeutig zu anstrengend. Meine Abi-Noten waren auch nicht die Welt, und sowieso, mit Arbeiten hatte ich eh noch nie was am Hut.

    Also studiere ich irgendwelche Scheiße. Mein weiterer Lebenslauf ist damit klar: Taxifahrer, Pizzabote oder arbeitslos. Oder ich schaffe mir mein Pöstchen selbst. Ein bisschen Hetze hier, ein bisschen Hetze da, und schon hab ich nen hochdotierten, steuergeldfinanzierten Klugscheißerjob. Das macht mir dann auch Spaß, das kann ich gut, das mach ich schon seit Kindesbeinen: meine Ernährer und Durchslebentrager für Arschlöcher erklären, sie bevormunden und belehren wie sie mich zu verwöhnen haben, ihnen auf den Sack gehen.

    Falls mir dann sogar noch die Aktualität zu anstrengend ist, ich müsste ja fürs Denken Energie verschwenden, krame ich mal in der Mottenkiste. Ham die doch früher die Menschen in Höhlen wohnen lassen, was war das menschenverachtend, dafür kriegen die jetzt auf die Fresse. Ich bin nämlich Widerstandskämpfer. Widerstandskämpfer gegen Nichtmehrexistentes. Widerstandkämpfer gegen die Luft. Ich bekämpfe Luft mit heißer Luft.

    Damit dann auch wirklich der Letzte merkt dass ich irgendwie bisschen dumm bin, spiele ich Jukebox. „Rassismus, Sexismus, Antisemitismus, Nationalismus und weitere Formen“ sind meine Schlagworte. Alle 3 Sekunden, mindestens 1x in jedem Satz. Sinnvolle, inhaltsschwangere, faktenbezogene Sätze zu bilden überfordert mich. Macht aber nix, ich fühl mich gut.

  14. 13. März 2018 at 19:04

    Ja, Franzl, zum Teil. Zudem ist Europa sehr arm an Bodenschätzen! Woran liegt es deiner Meinung nach, dass wir uns die Bodenschätze mit allen Mitteln unter den Nagel reißen?

  15. 13. März 2018 at 19:21

    Dass du weiß bist, Fanzl, ist im Übrigen völlig in Ordnung. Kannst ja nichts dafür!

  16. oha
    13. März 2018 at 19:43

    Warte auch nur noch drauf, dass Leute ihre weißen Zähne verrotten lassen. Weiß ist definitiv out …, wie man gerade in Südafrika sieht!

  17. Pitti
    13. März 2018 at 22:02

    @ Franzl

    „Lag es vielleicht an der Herzensgüte dieser Menschen?“

    Nein, es lag daran, dass diese Kulturen nicht auf ständigem Wachstum beruhten. Im Gegensatz zu unserer europäischen. Außerdem waren sie wahrscheinlich weniger überheblich.

  18. Pitti
    13. März 2018 at 22:34

    „Menschen of color“ – seltsamer Begriff. Warum nicht im Original („person bzw. people of color“ oder gar „citizens of color“? Überhaupt könnte man es ganz antirassistisch bei „rechtsradikalen Angriffen auf Menschen“ belassen, denn es ist Unsinn, einerseits gegen die Einteilung nach Hautschattierungen zu kämpfen, aber gleichzeitig diese Trennung wieder vorzunehmen.

    Aber so ist es leider oft, man sieht den Rassismus der anderen und denkt mit umgekehrten Vorzeichen wäre es das Gegenteil.

    Mein Videotip: http://www.youtube.com/watch?v=ikOTpqBoGD4

  19. Seldon
    14. März 2018 at 08:14

    Hallo Erichsen,
    ein Job in dem Du „… (d)eine Ernährer und Durchslebentrager für Arschlöcher erklären, sie bevormunden und belehren (kannst) wie sie mich zu verwöhnen haben, ihnen auf den Sack gehen…“
    BWLer? Leistungs(weg)träger? „Unternehmer“?
    Aktualität zu anstrengend? Keine Energie für’s Denken? … Merkt man: Das (Neo)Kolonialismus an der Tagesordnung ist, würdest Du sonst sicher nicht in Frage stellen.

    Neokolonialismus ist ein Sammelbegriff für die Gesamtheit der verschiedenen Formen und Methoden der Ausbeutung und Unterdrückung der ökonomisch schwächeren Länder und beherrschten Gebiete. Er tritt nicht so offen und brutal in Erscheinung wie der Kolonialismus. Tatsächlich ist es aber Ziel, die Profite in den Neokolonien zu sichern bzw. auszubauen. Die imperialistischen Mächte haben ein Interesse daran den Rückstand der Entwicklungsländer im Bereich des Produktivkräfte- und Arbeitsproduktivitätsniveaus aufrecht zu erhalten. Schaffung eines nur einseitigen Exports in den Entwicklungsländern. Das Entwicklungsland wird dazu verdonnert energie-, rohstoff- und arbeitsproduktive und umweltbelastende, wenig produktive bzw. technisch zweitrangige Produktionsprozesse oder ganze Produktionszweige zu übernehmen und damit die Reproduktion der imperialistischen Zentren zu erweitern. Die imperialistischen Zentren sorgen für eine Arbeitsteilung und sie selbst nehmen die Stellung ein, hochproduktive Bereiche zu beherrschen und kontrollieren somit auch den wissenschaftlich-technologischen Fortschritt.

    Durch die Einseitigkeit der Wirtschaft von Entwicklungsländern kontrollieren die imperialistischen Mächte die Reproduktion dieser Länder.
    Die imperialistischen Mächte arbeiten beim Ausbau ihrer neokolonialen Macht mit verschiedenen Methoden wie:

    Schaffung ökonomischer Abhängigkeit durch Wucherkredite an den Staat (Staatsverschuldung) oder an Konzerne (die dann quasi imperialistischen Banken gehören).

    Ökonomischer Druck, wie z.B. auch Boykottdrohungen unter irgendwelchen formalen Vorwänden (z.B. Kampf gegen Terrorismus).

    Ausbeutung über ein monopolistisches Preisdiktat.

    Ausbeutung mittels des Monopols im Bereich der Technologie und Wissenschaft.

    Ausbeutung im Zuge des Informationsmonopols.

    Ausbeutung durch Brain Drain.

    Durch die Einseitigkeit der Wirtschaft von Entwicklungsländern kontrollieren die imperialistischen Mächte die Reproduktion dieser Länder.

    Durch das Aussaugen der Länder, wird die Abhängigkeit gefestigt.

    Militärische Intervention (von Truppenstationierung bis zum imperialistischen Krieg).

    Unterstützung einer Regierung bzw. einer Opposition, die auf die enge Kooperation mit der jeweiligen imperialistischen Macht setzt, sich z.T. direkt korrumpieren lässt. Damit entsteht auch ein Einfluss auf Entscheidungen des politischen Überbau, des Staates etc.

    Propaganda gegen antiimperialistische Bewegungen bis hin zur direkten Unterstützung der bewaffneten Bekämpfung solcher Kräfte.

    Beispiele würdest Du bei weniger Denk- und Lesefaulheit wahrscheinlich selber finden…
    Landgrabbing, Krieg um Öl, Zerstörung Libyens, Mali, …

    „Das transnationale Kapital beutet Afrika auf viele Arten aus. Afrika erhält Entwicklungshilfe und gleichzeitig gibt es ausländische Direktinvestitionen. Die werden aber nicht ausgehandelt, um die Situation der Bevölkerung zu verbessern, sondern die transnationalen Konzerne schließen Verträge mit den lokalen Behörden, die es ihnen ermöglichen, Steuern zu hinterziehen. Auf illegalem Wege fließen so 70 Milliarden Dollar pro Jahr in den globalen Norden. Wie konnte das geschehen? Ursächlich hierfür ist die ungleiche Beziehung, die schon zu Kolonialzeiten existierte und seitdem immer weiter ausgebaut wurde. Verantwortlich waren teilweise unsere eigenen Politiker, aber auch Institutionen, wie der Internationale Währungsfonds und die Weltbank, die immer wieder Projekte und Programme vorschlagen, die der Bevölkerung vor Ort schaden.“
    (Nnimmo Bassey aus Nigeria ist Dichter, Umweltschützer und Träger des Alternativen Nobelpreises 2010)

  20. 16. März 2018 at 23:22

    „Es soll dabei helfen, die Entstehung begrifflicher Rassismen in der Sprache zu verstehen und zur Entsorgung dieser Begriffe aus unserem Alltag und Denken auf selbstbestimmte und humorvolle Weise beizutragen.“

    Die begrifflichen Rassismen werden doch seit Jahrzehnten entsorgt. Und durch neue ersetzt. Mir kommt’s vor wie ein nicht enden wollender Wettbewerb. In den 60ern sang <a href=“https://www.youtube.com/watch?v=h5HtelX5z7o>Manfred Krug ein Lied, was zur Solidarität mit dem Befreiungskampf der Neger aufrief. Später sollten Neger lieber als Dunkelhäutige bezeichnert werden, dann als African Americans und in zehn Jahren wird People of Color vermutlich verpönt sein.

    Ich habe in dem Zusammenhang gestern ein Buch entdeckt und zu lesen begonnen („Pfaller, R. Erwachsenensprache, 2018“), das die These vertritt, dass die sprachlichen Vorsichtigkeiten (a.k.a. political correctnesses) mit dem Abbau von Minderheiten- und Bürgerrechten seit den 70ern einhergehen und diese verdecken. So argumentiert der Autor, dass in den USA heutzutage so viele schwarze Menschen zum Opfer von Polizeigewalt werden, wie nie zuvor, dass Bürgerrechte heutzutage durch zunehmende Überwachung so untergraben werden, wie nie zuvor, dass Arbeitsverhältnisse seit Thatcher/Reagan/Blair/Schröder so prekär sind, wie lange nicht mehr und dass die Schere zwischen Arm und Reich so weit auseinanderklafft, wie nie zuvor. Zum Glück wird über all das aber gender- und minderheitengerecht gesprochen.

    Weiter meint das Buch, dass dort wo jede_rX/s ihre/seine/seine Befindlichkeit als Unterangehörige*_R einer Minderheit oder Unter-Minderheit zelebriert, kaum Solidarisierungen zwischen Menschen passieren, die ungerecht behandelt werden. Die eigene Identität sei wichtiger als das gemeinsame Leid. Gemeinsame Anstrengungen gegen Ungerechtigkeiten, die sich gegen den Großteil der Menschen auf diesem Planeten richten, werden dort unwahrscheinlicher, wo man sich als von den Anderen unterschieden wahrnimmt.

    Fand ich spannend…

  21. 17. März 2018 at 12:32

    Interessanter Ansatz.

  22. Erichsen F.
    17. März 2018 at 14:02

    @Torsten: Da hast du dich auf den richtigen Pfad begeben. Allerdings, lass dich von Pfaller nicht wieder mit kommunistischem Dünnpfiff verarschen und verwirren.
    Tatsache ist Folgendes: Sowohl das menschliche Wesen als auch die menschliche Vergemeinschaftung haben gewisse Eigenarten. Daran wird sich niemals etwas ändern. Zwangsläufig können sich manche Menschen nicht leiden, was sich (zumindest anfänglich nur) in Ablehnung und negativen Emotionen äußert. Diese wollen ausgedrückt werden und ein Ventil finden. Besser wohl verbal, in Form von Klartext, Wahrheit und ggf. auch Beleidigungen, als physisch oder psychisch. (Bereits hier erleben wir Sexismus: Männer werden für ein bloßen „nein“ verteufelt, Frauen wenn’s geht noch gefeiert gelobt, wenn sie physisch und psychisch gewalttätig und brutal werden… Aber zurück.)
    Kompliziert wird es, wenn zunächst völlig wertfreie und unschuldige Worte/Bezeichnung für Personengruppen als Beleidigungen missbraucht werden. (Hier kurz vorgegriffen: Eine Änderung von Bezeichnungen ändert gar nichts. Außer die Bezeichnungen.)
    Aber weiter der Reihe nach: An dieser Stelle wäre es also angemessen, vornehmlich die Kinder und Jugendlichen mit einem ordentlichen Satz gediegener Ohrfeigen zu erziehen und Denkprozesse anzustoßen. Hier offenbart sich erneut der dekadent/dünnpfiffe, links“progressive“ Zeitgeist. Lieber lässt man die Kinder weiter machen und entmündigt die Betroffenen, denen man jetzt eine neue Bezeichnung überhilft. Diese haben sich ab jetzt so und so nennen zu lassen, ob’s ihnen passt oder nicht. Genau so lange, bis der alte Begriff langweilig geworden ist und der Neue als Beleidigung verbrannt wird. Und auf in die nächste Runde des ewigen Spiels…

    Fazit: Manchmal isses ganz einfach. Wenn man aber nicht in der Lage und/oder Willens ist, an der Lösung tatsächlicher Probleme mitzuarbeiten, erfindet man Pseudoprobleme, anhand derer man dann schlau daherreden und sich selbst bestätigen kann, dass man gar nicht so blöde und unfähig wäre, wie man tatsächlich ist.

  23. mm
    17. März 2018 at 16:56

    „Manchmal isses ganz einfach. Wenn man aber nicht in der Lage und/oder Willens ist, an der Lösung tatsächlicher Probleme mitzuarbeiten, erfindet man Pseudoprobleme, anhand derer man dann schlau daherreden und sich selbst bestätigen kann, dass man gar nicht so blöde und unfähig wäre, wie man tatsächlich ist“.

    Respekt, Erichsen! Soviel selbstkritisches Potenzial haben dir die Meisten hier vermutlich gar nicht zugetraut.

  24. 17. März 2018 at 22:11

    @ Erichsen F., der „kommunistische Dünnpfiff“ reichte mir eigentlich schon als Warnung. Dennoch habe ich weitergelesen. Der oberschlaue Duktus mit dem Du Banalitäten zur krassen Erkenntnis stilisierst, ist widerlich. Abgesehen davon ist das meiste, was Du schreibst relativ leicht zu widerlegen, z.B.

    „Tatsache ist Folgendes: Sowohl das menschliche Wesen als auch die menschliche Vergemeinschaftung haben gewisse Eigenarten. Daran wird sich niemals etwas ändern“. Der erste Satz ist so banal und allgemein, dass er völlig inhaltslos ist. (Man könnte auch schreiben „Werden wir uns doch endlich einmal klar, dass Steine eine bestimmte Beschaffenheit haben. Das wird immer so sein“) Und die Antwort auf den zweiten ist, dass nichts beständig ist.

    Und Deine Ansicht mit den Ohrfeigen… Alter, wann lebst Du? Kann es sein, dass sich DEIN Wesen in den letzten 100 Jahren nicht geändert hat? Hast Du das Unbill, dass Du da lobst selber erleiden müssen oder durch jahrelange Beobachtungen in der Nachbarschaft als Norm kennengelernt? In beiden Fällen tust Du mir leid und ich bin froh, nicht in Deiner Welt leben zu müssen.

  25. Pitti
    19. März 2018 at 01:36

    @ Erichsen:

    „An dieser Stelle wäre es also angemessen, vornehmlich die Kinder und Jugendlichen mit einem ordentlichen Satz gediegener Ohrfeigen zu erziehen und Denkprozesse anzustoßen.“

    Normale Erwachsene stoßen bei Kindern Denkprozesse durch Sprechen, Spielen und Vorlesen an. Ist Dir augenscheinlich nicht vergönnt gewesen.

    „Männer werden für ein bloßen „nein“ verteufelt…“

    Auch hier ist es fahrlässig, von sich auf andere zu schließen. Wenn Deine „bloßen Neins“ so klingen wie Deine Kommentare, könnte die Abgewiesene tatsächlich schlussfolgern, dass nur Ohrfeigen Deine Denkprozesse anstoßen.

  26. E-Haller
    19. März 2018 at 13:32

    @Torsten: Mir ist die weiterführende These untergekommen, dass über die Gender…etc.-Manie zumindest Teile der politischen Linke gebunden und in ein für den Kapitalismus/Neoliberalismus unkritisches Themenfeld geführt werden soll(t)en. Fand ich anfangs abstrus, inzwischen erkenne ich eine gewisse Plausibilität. Tatsächlich halten sie sich ja für links und meinen, über korrekte Sprache etc. die Welt verbessern zu können.

  27. Erichsen F.
    19. März 2018 at 14:26

    @Torsten: Wenn du bereits Einleitungen zur Herstellung einer gemeinsamen Diskussionsgrundlage als widerlich betrachtest, wirste halt weiterhin in deiner Welt leben.
    Darfst mich auch gerne weiterhin Alter nennen. Nur nennste dann hoffentlich die Alten People of Age. Weil wegen und so weiter. :-)

  28. 19. März 2018 at 22:00

    @ E-Haller: Ja, ich glaub so ähnlich argumentiert Pfaller auch. Linke geben sich mitlerweile mit Lösungen auf der symbolischen Ebene zufrieden, weil man für die konkrete Lösungen zu unfähig ist. So sorgt man dafür, dass Homosexuelle auf dem Partnerschaftsmarkt den gleichen konservativen, anstrengenden Heirats- und Scheidungsschnickschack mitmachen ‚dürfen‘, wie alle Anderen, statt nach befriedigerenden oder nicht-marktförmigen Möglichkeiten des Umgangs oder der Vergesellschaftung zu suchen. (Was weiß ich: freie Liebe, alle sind grundlos freundlich zueinander und helfen sich unaufgefordert … hab jetzt auch keine bessere Idee.)

    Für mich klingt allerdings der Gedanke, dass Sprache die Wahrnehmung und damit auch die Welt ändert, nicht ganz dumm. Nur ist es a) komplizierter als „Wir sagen jetzt alle ‚Bürger*Innen‘ und dann sind alle gleich.“ und es gibt b), wie man in den Kommentaren sehen kann, unerwartete Feedback-Effekte im Sinne von Trotz-Reaktionen, aktivem Unverständnis etc.
    Andererseits: was weiß denn ich schon…

    @Erichsen: „…wirste halt weiterhin in deiner Welt leben.“ – Mit Vergnügen.
    … People of age…“ – Followste jetzt der Köpping? Ich dachte immer, das wäre Dir zu linksversifft. – So kann man sich täuschen.

  29. Pitti
    19. März 2018 at 22:32

    @ E-Haller

    „…zumindest Teile der politischen Linke gebunden und in ein für den Kapitalismus/Neoliberalismus unkritisches Themenfeld geführt werden soll(t)en.“

    Es ist leider, so glaube ich, banaler. Viele Linke suchen sich selber diese Betätigungsfelder, weil man sich dann weder mit dem „gesamten“ politischen Erbe, noch mit dem eigenen Schubladendenken auseinandersetzen muss. Die dabei empfundene Gerechtigkeit für alle mündet leider sehr oft in eine Überheblichkeit, die der nationalistischen in nichts nachsteht.

  30. 20. März 2018 at 10:20

    Zu den spannenden Ansätzen von E-Haller und Pitti:

    Spitzenkandidaten und Vorstände politischer Parteien werden in aller Regel von den Landes- und Bundesparteitagen gewählt. Ziel der Partei und seiner Mitglieder ist natürlich die Erlangung von Einfluss (Macht). Es macht also für Parteimitglieder bzw. Parteitags-Delegierte durchaus Sinn ein prominentes Mitglied an die Spitze zu wählen (Stichwort: Medien). Die großen Medienhäuser haben aber meiner Meinung nach kein Interesse daran den Leuten zu erzählen, sie seien Kolonialisten und lebten auf Kosten anderer, nämlich der Kolonisierten. Das will kaum einer hören oder lesen (Stichwort: Verkaufszahlen). Die großen Medienhäuser bzw. deren Bosse profitieren zudem selbst von den kolonialen Bedingungen. Sie drucken dementsprechend nichts ab über Kandidaten, die ans Eingemachte gehen, sondern über diese, die Ablenkungspotenzial besitzen und machen sie so bekannt. Der Kreis schließt sich.
    Eine Lösung für diesen prekären Umstand!? Ich weiß auch nicht. Denn Bildungspolitik (Stichwort: Medienkompetenz) machen ja schließlich die bereits gewählten Vertreter.

    Aber noch etwas anderes:
    Ich frage mich schon sehr, warum Kolonialismus mit Begriffen wie „Post“ oder „Erbe“ in Verbindung gebracht wird. Das klingt so nach Vergangenheit und Abgeschlossenem. Wir sind aber mitten drin!

  31. SHARP
    20. März 2018 at 11:10

    @ Pitti

    da hast Du sicher Recht, wobei solche Leute sich dann doch eher aus dem Wunsch, sich moralisch überlegen zu fühlen, als links-progressiv bezeichnen. Es aber nicht sind.

    Der Offenbarungseid kommt doch immer schon, wenn man die Frage nach dem eigenen Beitrag stellt. Konkret: Was tust Du selber? (Worauf bist Du zu verzichten bereit?)
    Naja, die Politiker sollen mal und überhaupt müsste man.
    Aber selber wollen viele keine Abstriche machen, sondern weiter jedes Jahr ’ne Fernreise mit dem Flugzeug und so ganz alternativ mit dem Rucksack machen (und anderen dann mit dem erhobenen Zeigefinger was vom Diesel-Feinstaub erzählen). Das Phänomen der Latte-Macchiato-Grünen eben.

    Die würde ich sicher nicht unter Linken zählen, das sind nur Dampfplauderer mit wie schon von Dir gesagt einer üblen Überheblichkeit, die den von Ihnen verteufelten „anderen“ sehr ähnlich ist.

  32. 20. März 2018 at 20:03

    @Sharp und @Pitti: Die Liebsten sind mir ja die faulen Dampfplauderer (oder -Kommentatoren), die ihre Faulheit und ihre moralische Überlegenheit aus dem Blick auf die anderen Faulen und Heuchler ziehen und alle Linken zu Stalinisten und alle Grünen zu Vielfliegern machen. Sehr bequem.

  33. Pitti
    21. März 2018 at 02:23

    @ Paligro

    Naja, das mit den Medien ist kein Teufelskreis. Dadurch, dass sich der Medienkonsum individualisiert hat, haben wir auch die Möglichkeit, ihn selbst zu steuern. Man kann sich auch ohne die großen Medienanstalten informieren und auch seine Informationen unbegrenzt und räumlich nicht eingeschränkt allen Interessierten zur Verfügung stellen. Immerhin kommentieren wir gerade in einem Stadtteilblog eine Veranstaltung, die noch vor 100 Jahren undenkbar gewesen wäre. Ich halte das für eine sehr gute Tendenz.

    @ Torsten

    Dabei gibts ja auch linke Vielflieger und grüne Stalinisten.

  34. Erichsen F.
    21. März 2018 at 12:27

    Torsten hat schon Recht. Nicht alle Linken sind Stalinisten, manche sind Maoisten. Und nicht alle Grünen sind Vielflieger, viele sind Tiefflieger. Geistiger Art.

  35. 21. März 2018 at 16:26

    an Pitti:

    Ich bezweifle, dass individuellerer Medienkonsum die gesellschaftliche Befriedung bzw. Bildung fördert. Eher sehe ich da eine Vereinzelung in der großen weiten Welt der Unwahrheiten und Propaganda. Es kann sich jeder nach seinem Gusto ablenken, unterhalten oder belügen lassen.
    Allerdings denke ich, dass wohl die meisten Internetnutzer letztendlich doch von der Bild und anderen Propagandisten „informiert“ werden, also Nachrichten via GMX, Web.de, Spiegel-Online, …
    Das Internet entspricht doch eher einer gefühlten Freiheit, denn so wie mein Kaufverhalten im Supermarkt ganz subtil (ohne es zu merken) gelenkt wird, geschieht das auch im Internet.

    Bei all meiner Skepsis möchte ich doch noch eine gute Adresse nenne, um sich über Politik und Wirtschaft zu informieren: http://www.nachdenkseiten.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

linie