Von einer Ausstellung und ganz schrägen Wänden

Nun steh ich hier herum. Kenne keinen Menschen. Überall Kunst, überall Künstler. Zumindest sehen sie so aus. Lange Haare, lange Parkas, fast jeder hier hat entweder eine Mütze oder einen Hut auf dem Kopfe. Einer der weder das eine noch das andere trägt, dafür mit einem kahlgeschorenen Schädel blitzt, spricht in ein Mikrofon. Spricht vom Tanz, den es hier wohl gleich geben soll und von Gebeten. Ein solches trägt er dann vor. Die jungen Menschen um mich herum schmunzeln und muntern ihn auf. Andere betrachten Zeichnungen an den Wänden, ich komme mir sehr verloren vor.

Eigentlich bin ich doch verabredet. Ein Freund hat mir von dieser Ausstellungseröffnung erzählt. „14 Tage“, so heißt das Projekt in dem alten Haus am Anfang der Glacisstraße. Er hat mich hierhin gelockt, doch nun ist er in dem Gewühl nicht zu finden. Irgendwen muss ich doch kennen, verzweifelt recke ich den Hals. So entdecke ich die Treppe, vielleicht hat er sich in einer oberen Etage versteckt. Doch auch hier wieder nur Kunst und Kunstverständige. Einige Zeichnungen und Modelle beeindrucken sogar mich als Kunstbanausen.

Im Dachgeschoss flimmert ein Fernseher. Neugierig taste ich mich näher. Eine Dokumentation? Ein junger Mann erklärt gerade die Vorteile eines schrägen Daches und vor allem die Vorteile, darunter zu leben. Jetzt bin ich neugierig, diesen Blick aus dem Fenster kenne ich doch. Ja, die Wohnung muss auf der Louisenstraße sein. Letzteres habe ich wohl laut gesagt, jedenfalls höre ich ein deutliches: „Stimmt“.

Als ich mich umdrehe, steht da besagter Freund und grinst. „War klar, dass Du wieder Fernsehen guckst.“ Doch der Film ist wirklich spannend, verschiedene Dachgeschossbewohner kommen zu Wort und dürfen ihre ganz persönlichen Eindrücke des schrägen Lebens schildern. Nach einer guten halben Stunde ist es vorbei und in dem Zimmerchen haben sich rege Diskussionen über Vor- und Nachteile schräger Wände ergeben. Wir ziehen uns zurück ins Erdgeschoss, wo jetzt doch noch fröhlich getanzt wird. Auch ein Bierchen gibt es hier. So lasse ich mir Kunst gefallen.


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