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Dresden Wi(e)dersetzen – seit fünf Jahren gegen Opfermythen

Am 29. Januar stimmten CDU, Team Zastrow und die AfD gegen die Weiterentwicklung des Alten Leipziger Bahnhofs zu einem Ort, an dem der Deportationen während der Naziherrschaft gedacht werden soll. Auch wenn der Antrag letztlich mit knapper Mehrheit angenommen wurde, die Ablehnung hat Anne Herpertz erschüttert. Sie sitzt für die PIRATEN im Stadtrat, im Stadtbezirksbeirat der Dresdner Neustadt und ist eine der drei Sprecher*innen des Bündnisses Dresden Wi(e)dersetzen.

Naziaufmärschen Widersetzen! Dazu fordert Anne Herpertz vom Bündnis Dresden Wi(e)dersetzen alle Dresdner*innen auf. Foto: Victor Franke
Naziaufmärschen Widersetzen! Dazu fordert Anne Herpertz vom Bündnis Dresden Wi(e)dersetzen alle Dresdner*innen auf. Foto: Victor Franke

Was das mit dem Gedenken an die Bombardierung Dresdens zu tun hat? Für Anne Herpertz genau alles. Denn es sei symptomatisch, dass man in Dresden lieber der Opfer gedenkt – zu denen man in erster Linie sich selbst zählt. Nicht so gern der eigenen Täterschaft. Das Bündnis Dresden Wi(e)dersetzen will das ändern – mit Aufklärung und Bildungsangeboten, einer Fokussierung auf andere Gedenktage und dem Widerstand gegen Neonaziaufmärsche rund um den 13. Februar.

Das Bündnis Dresden Wi(e)dersetzen ist ein Zusammenschluss von Gewerkschaften, den Jugendorganisationen linker Parteien und anderer antifaschistischer Gruppen. Die Zahl der Beteiligten kann Anne Herpertz nur schwer beziffern. Weit mehr als einhundert Personen seien es aber auf jeden Fall.

Seit 2022 hinterfragen die Aktivist*innen des Bündnisses die Dresdner Erinnerungskultur in Bezug auf den Zweiten Weltkrieg. „Wie in keiner anderen deutschen Stadt ist das kollektive Erinnern geprägt vom eigenen Leid“, kritisiert Anne Herpertz. Dem setzt das Bündnis Bildungsangebote entgegen, die sich dezidiert mit der Täterschaft auseinandersetzen.

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Erinnerungsfokus verschieben

In diesem Zusammenhang kritisiert das Bündnis auch den Fokus der breiten Zivilgesellschaft. Für die Kirchen, Hochschulen und Kommunalpolitiker*innen ist die Menschenkette am 13. Februar zum zentralen Ausdruck des Gedenkens geworden. Tage, an denen nicht das eigene Leid, sondern an fremdes erinnert wird, haben dieselben Gruppen in den vergangenen Jahren wenig Beachtung geschenkt.

„Wollen wir wirklich an die Zerstörung einer Gauhauptstadt erinnern? An deutsches Leid im Zweiten Weltkrieg?“ Das sind für Anne Herpertz die zentralen Fragen. Diese werden für sie auch nicht mit dem Verweis beantwortet, die Menschenkette sei ein grundsätzliches Zeichen gegen Krieg und für Versöhnung. „Der Holocaust war ein singuläres Ereignis. Das darf nicht relativiert werden, indem man alle Opfergruppen gleichsetzt.“ Die Neonazis würden diese Erzählung mit dem „Bombenholocaust“ nur klarer ausbuchstabieren, was die Stadt ganz ähnlich meint.

Relativierung des Holocaust? Anne Herpertz findet, der Schrecken, der laut städtischer Inschrift "von Deutschland aus in alle Welt getragen" wurde, sollte nicht gleichgesetzt werden mit jenem, der "auch in unsere Stadt zurück[kehrte]". Foto: LogoX
Relativierung des Holocaust? Anne Herpertz findet, der Schrecken, der laut städtischer Inschrift „von Deutschland aus in alle Welt getragen“ wurde, sollte nicht gleichgesetzt werden mit jenem, der „auch in unsere Stadt zurück[kehrte]“. Foto: LogoX

Man kann der Opfer des Nationalsozialismus nicht am 13. Februar gedenken, ohne dadurch die Dresdner*innen als eigentliche Opfer zu fokussieren. Stattdessen wünscht sich Anne Herpertz das gleiche Engagement am 27. Januar, dem Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus. Oder am 9. November, an dem unter anderem an die Novemberpogrome 1938 gedacht wird. In den vergangenen Jahren hat das Bündnis auch Veranstaltungen am 21. Januar organisiert. An diesem Tag fanden 1942 die ersten Deportationen jüdischer Menschen vom Alten Leipziger Bahnhof statt.

Neonazis widersetzen

Ein anderes Argument der Initiator*innen der Menschenkette ist, man schütze die Innenstadt vor rechter Vereinnahmung, bilde eine symbolische Barriere vor Neonazis. Die Neonazis sind jedoch an einem anderen Tag rund um den 13. Februar unterwegs, in diesem Jahr am 14. Februar. Dann findet in Dresden der größte Neonazi-Aufmarsch Europas statt.

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Anne Herpertz findet, statt symbolischem Handeln wäre hier Gelegenheit für tatsächlichen Widerstand. Die Organisation des Gegenprotestes ist neben der Bildungsarbeit ein weiterer Fokus von Dresden Wi(e)dersetzen. „Vonseiten der Initiator*innen der Menschenkette gibt es keinerlei Aufruf, sich diesem Aufmarsch entgegenzustellen“, erbittert sich Anne Herpertz, denn, „aus deren Sichtweise wird das Ereignis von links und rechts gleichermaßen politisch instrumentalisiert“.

Friedliche Sitzblockaden, wie hier im vergangenen Jahr, sind laut Anne Herpertz als gestalterisches Mittel einer spontanen Versammlung legal. Foto: Bastian Stock
Friedliche Sitzblockaden, wie hier im vergangenen Jahr, sind laut Anne Herpertz als gestalterisches Mittel einer spontanen Versammlung legal. Foto: Bastian Stock

Diese Haltung, die Gleichsetzung eines Neonazi-Aufmarsches mit dem Gegenprotest, spiegelt sich auch in der Zusammenarbeit der Stadt mit dem Bündnis wider. „Die angemeldete Route der Neonazis bekommen wir nie.“

Die Teilnehmer*innen zu mobilisieren, wird laut Anne Herpertz dadurch enorm erschwert. „Auch deshalb sind Spontanversammlungen mit friedlichen Sitzblockaden das Mittel der Wahl“, sagt Anne Herpertz nicht ohne zu betonen, dass diese von der Versammlungsfreiheit gedeckt sind. Dennoch stünden in der Bilanz der vergangenen Jahre null verletzte Polizist*innen aber Dutzenden verletzten Demonstrant*innen.

Je mehr Beteiligte, da ist sich Anne Herpertz sicher, desto sicherer ist es für den Einzelnen. „Wo viele sind, ist kein Platz für Nazis.“ Und auch wenn sich Anne Herpertz eine höhere Beteiligung vonseiten der Dresdner Bevölkerung wünschen würde. Mit etwa doppelt so vielen Gegendomonstrant*innen wie Neonazis haben sie und ihr Bündnis den Platz für Nazis bereits deutlich eingeschränkt.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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