Eros unter der Erde – Der Kunstkeller

Galerie Kunstkeller

Galerie Kunstkeller

Keller, die Hüter des Verborgenen. Spinnen, Kettenrasseln, Rattenfallen, ungelüftete Geheimnisse, Moder und Falltüren. Im Falle dieses Kellers an der Radeberger Straße pfeffert eine weitere Komponente die schräge Erwartungshaltung an das Klischee unter der Erde: die Erotik. Schlüpfriges im Kellerloch? Mitnichten. Ein Besuch in der Galerie Kunstkeller, die sich seit 1996 der Ästhetik des Eros verschrieben hat.

Der Galerist und Künstler Volkmar Fritzsche empfängt am sonnigen Morgen. Legeres Jeanshemd, offenes, weißes Haar. Durch die ebenerdigen Fenster fällt Licht. Vor dem Haus mit der Nummer 15 hat der Frühling die Forsythien zum gelben Bersten gebracht. Und auch im Keller, einer ehemaligen Hausmeisterwohnung, geht es farbenprächtig zu. Bunte Lichtmuster bedecken bloße Haut. Die Nacktheit kommt, dem Grundsätzen Fritzsches Kunstverständnis folgend, dezent zur Geltung.

Kunstkeller Dresden: Der Begriff Erotik wurde von der Pornoindustrie okkupiert

„Der Begriff Erotik wurde von der Pornoindustrie okkupiert“

Den Kunstkeller hatte er 1996 gegründet und stellte Grafiker, Maler, Bildhauer und Karikaturisten aus, die sich „mit dem schönen Thema Eros beschäftigten.“ Nach der Wende, so Fritzsche, gestaltete sich das Überleben als Metallgestalter schwierig. Die Galerie sollte sein zweites Standbein sein. „Der Begriff Erotik wurde von der Pornoindustrie okkupiert“, sagt Fritzsche.

Er sitzt entspannt in seinem Stuhl, spricht bedacht und lässt den Gedanken Zeit zu wirken. Im Mittelpunkt steht für den Künstler nicht die sexuelle Interaktion, das entblößte Geschlecht, der zur Schau gestellte Körper, sondern die Anspielung, die Fantasie. „Wer Porno will, hat ja heute kein Problem mehr sich zuzuschütten. Die Erotik wurde an den Rand gedrängt.“ Nicht so im Kunstkeller. Hier stehen ihr sämtliche Wände zur Verfügung.

Volkmar Fritzsche: "Ich finde jeden Körper auf seine Weise schön"

Volkmar Fritzsche: „Ich finde jeden Körper auf seine Weise schön“

In der DDR nutzte er ein künstlerisches Weiterbildungsangebot: „Einen Kurs Formgestaltung für Kunsthandwerker mit Dozenten der Burg Giebichenstein, befreit von Staatsbürgerkunde und allem politischen Mist.“ Er gestaltete Wohnaccessoires aus Metall, daneben – Anfang der 2000er Jahre – organisch geformte Accessoires für den weiblichen Körper, insgesamt zwölf Kollektionen.

Da Metall als Bekleidungsstück, wenn es keine Ritterrüstung sein soll, eher schmückt als bekleidet, fielen die Präsentationen auf dem Laufsteg in der Galerie dementsprechend freizügig aus. Dazu erdachte sich Fritzsche zusammen mit seinen Darstellerinnen Choreografien. „Uns war das schon ganz gut gelungen“, bewertet er seine Arbeit rückblickend. „Bis heute habe ich sowas nicht nochmal gesehen.“

Es waren seine Performance-Darstellerinnen, die ihn ermunterten: „Mach doch mal Fotos!“. So kam Fritzsche zur Aktfotografie und begann zu experimentieren. Mit dem Computer entwarf er farbige Strukturen, brachte diese auf Dias und beleuchtete damit den Körper. Die Resonanz war verblüffend. Er bekam zahlreiche Anfragen, hauptsächlich von begeisterten Damen. „Ich hatte garnicht daran gedacht, das auftragsmäßig zu machen“, sagt er.  2006 entschied er sich, seine Galerie ausschließlich der zeitgenössischen Aktfotokunst zu widmen.

"Ich weiß es nicht, was es ist, was den Frauen Spaß macht dabei"

„Ich weiß es nicht, was es ist, was den Frauen Spaß macht dabei“

Auf einem Tisch im hinteren Bereich der Galerie füllen seine Bilder etliche Kataloge. Mit Charme, Wohlwollen und Respekt nähert sich Fritzsche dem menschlichen Körper. Sein ältestes Modell ist 79 Jahre alt. Als befreiend bezeichneten manche Modelle das Erlebnis, nackt inszeniert zu werden. „Ich weiß es nicht, was es ist, was den Frauen Spaß macht dabei“, gibt Fritzsche zu. „Ich finde jeden Körper auf seine Weise schön.“

Volkmar Fritzsche feiert heuer seinen 75. Geburtstag, seine Galerie ihren 20.  „Ich habe noch Lust auf 30, 40 Jahre!“, sagt er lachend. Zum Abschied winkt er und ist schon halb im Gehen begriffen, Richtung Galerie. Er hat noch viel vor.

Galerie Kunstkeller – Informationen und Öffnunsgzeiten

  • Radeberger Straße 15, 01099 Dresden
  • Dienstag 15 bis 21:30 Uhr, Mittwoch und Donnerstag 16:30 bis 18:30 Uhr oder nach Absprache unter 0162 682 93 79
  • sämtliche Termine im Internet unter www.kunstkeller-dresden.de
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