Fahrradstadt Dresden: Visionen und Wirklichkeit

Am Mittwoch Abend luden Vertreter der Stadt Dresden, der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) und die Grünen zu einer öffentlichen Informations- und Diskussionsrunde in die Grüne Ecke ein. Michael Ton führte die Podiumsteilnehmer und das Publikum durch die angeregte Debatte rund um das Thema „Visionen und Wirklichkeit“ der Dresdner Radverkehrsplanung.

Michael Ton moderierte am Mittwoch Abend die Diskussion zur Zukunft des Radverkehrs in Dresden
Michael Ton moderierte am Mittwoch Abend die Diskussion zur Zukunft des Radverkehrs in Dresden
Den Auftakt wagte Konrad Krause, Geschäftsführer des ADFC, mit einer ausführlichen Präsentation zur „Renaissance des Fahrrads in Dresden“. Zu den Erfolgen der sächsischen Landeshauptstadt zählt Krause nicht nur die stetig steigenden Zahlen der Radverkehrsteilnehmer, sondern er lobte vor allem die deutliche Verbesserung der Oberflächenqualität des Straßennetzes in den letzten Jahren. Die Probleme, welche sich durch den zunehmenden Radverkehr ergeben, seien jedoch erheblich: Eine unsichere Infrastruktur führe zu verhältnismäßig hohen Unfallzahlen, sichere Abstellmöglichkeiten fehlen und der Verknüpfung von ÖPNV und Radverkehr werde bisher zu wenig Beachtung geschenkt. „Die Interessen der Radfahrer stehen bisher nicht auf der Prioritätenliste der kommunalen Verwaltung“, so Krause. Auf die Nachfrage des ADFC zur Errichtung von Fahrradabstellplätzen am Hauptbahnhof schrieb die DB Station&Service AG:

(…) Grundsätzlich ist es so, dass der „ruhende Verkehr“ in der Verantwortung der jeweiligen Kommune liegt. Mit der Stadt Dresden suchen wir schon seit längerer Zeit gemeinsam einen Betreiber für eine Fahrradstation. Bisher gelang es uns leider nicht, einen kompetenten Betreiber zu finden.

Das Fazit des ADFC-Geschäftsführers hieß: „In den letzten Jahren hat sich Dresden mehr und mehr zu einer Fahrradstadt entwickelt“, jedoch sei „der Radverkehr in Dresden unterfinanziert“. An dem Entwurf des Radverkehrskonzepts für die Gesamtstadt Dresden, wie 2005 im Stadtrat beschlossen, und dessen Umsetzung, müsse von Verwaltungsseite konsequenter gearbeitet werden.

Einen detaillierteren Einblick in das erwähnte Konzept gewährte Dresdens Radverantwortliche Nora Ludwig. Im März soll eine Zwischenpräsentation stattfinden, welche Aufschluss über die Ziele und Quellen des Radverkehrs 2014 liefern soll. Wird der aktuelle Zeitplan eingehalten, so soll im Dezember der Entwurf des Gesamtkonzepts „Radverkehr“ vorliegen. Die politische Debatte sei für das kommende Jahr vorgesehen. Ob dieses Ziel so umsetzbar ist, bleibt zweifelhaft: „Der Zeitplan ist äußerst sportlich“, so Ludwig.

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Grünen-Stadträtin Margit Haase nutzte den Abend, um das 10-Punkte-Programm ihrer Partei für den Radverkehr Dresden vorzustellen, welches an die wesentlichen Forderungen des ADFC anknüpft. Die Grünen bemängeln vor allem die unzureichende bzw. teilweise verwirrende Beschilderung von Radverkehrsstraßen und die derzeit noch zahlreich vorhandenen Lücken im Elbradweg. Außerdem fordern sie ein eigenes „Radverkehrsbüro mit entsprechendem Personal und Befugnissen, damit der Radverkehr in der Planung gleichberechtigt behandelt und die Probleme effizient und gut gelöst werden“.

Häufig herrscht Unsicherheit unter den Radfahrern: Welche Straßen darf ich benutzen und welche nicht?
Häufig herrscht Unsicherheit unter den Radfahrern: Welche Straßen darf ich benutzen und welche nicht?
In der anschließenden Diskussion wurde vor allem – in Anbetracht der jüngsten Wetterereignisse – der städtische Winterdienst beklagt: „Ich als Radfahrer fühle mich regelrecht verarscht“, lautete eine Wortmeldung aus dem Publikum. Ludwig verwies auf den ADFC Fahrradklima-Test und betonte, dass dies ein bundesweites Problem sei und Dresden sich bereits um einen halben Punkt verbessert habe. Bisher sei für den Radverkehr eine flächendeckende Räumung nicht vorgesehen: „Ich kann den Schnee nicht wegbeamen oder wegschmelzen“, so Dresdners Radverkehrsverantwortliche.
Die Grüne Ecke war gut gefüllt.  In der abschließenden Diskussion stellte sich das Podium den Fragen des Publikums.
Die Grüne Ecke war gut gefüllt. In der abschließenden Diskussion stellte sich das Podium den Fragen des Publikums.
Zur Forderung von Fahrradabstellplätzen in den Bahnhöfen äußerte sich Stephan Szuggat, Amtsleiter des Stadtplanungsamtes der Stadt Dresden, äußerst nüchtern: „Es ist finanziell unter den gegenwärtigen Bedingungen zurzeit nicht leistbar.“ Was künftig eine Vision bleiben wird und was Wirklichkeit werden könnte, konnte an diesem Abend nicht zufriedenstellend beantwortet werden. Die Befürchtung der Anwesenden, dass ihre Anregungen und Wünsche nach Ende der Informationsveranstaltung im Sande der Bürokratie verschwinden würden, wies Frau Ludwig zurück: „Für weitere Fragen stehe ich Ihnen gerne persönlich in meinem Büro zur Verfügung.“ Krause hingegen warb für ein ehrenamtliches Engagement im ADFC: „Wir suchen immer Leute, die bei uns mitmachen – so kommen Ihre Anregungen einfach direkter an.“

  • Weitere Informationen Rund um den Radverkehr Dresden erteilt Nora Ludwig: Freiberger Straße 39, Tel.: 0351 4883459 oder E-Mail an fahrradverkehr@dresden.de
  • sowie der ADFC Dresden: Bischofsweg 38, Tel.: 0351 5013915 oder unter: www.adfc-dresden.de

17 Kommentare zu “Fahrradstadt Dresden: Visionen und Wirklichkeit

  1. Ich wäre ja mal für ein vom sonstigen Verkehr weitesgehend entkoppeltes Radwegnetz ähnlich dem in Kopenhagen.
    Gerade im Berufverkehr im Winter wenn es dunkel ist, ist es regelrecht unheimlich zwischen den ganzen Autos fahren zu müssen. So ein umfangreiches Radwegnetz ist sicher zunächst teuer (ab bestimmt auch billiger als bspw. die WSB), würde aber auf lange Sicht gesehen den Verkehr in Dresden deutlich entlasten und zudem die Lebensqualität erheblich steigern.

  2. Ich habe Verständnis dafür, daß nicht sämtliche Radwege vom Schnee beräumt werden können. Könnte man dann aber bitte den anderen Verkehrsteilnehmern sowie vielen Polizisten noch mal an den § 2 Abs. 4 der StVO (keine Benutzungspflicht bei ungeräumren Radwegen) erinnern!
    Mir wurde auch schon gesagt, dass ich bei Schnee überhaupt nichts mit dem Rad im Strassenverkehr zu suchen hätte.
    Ein bißchen mehr gegenseitige Rücksichtnahme, vor allem gegenüber schwächeren Verkehrsteilnehmern, also Auto-Rad, Rad-Fußgänger, dann kämen auch ohne Radwege und entkoppelten Verkehr alle sicher durch den Winter.

  3. @Studi:Das würde mich dann aber mal interessieren wie das aussehen soll/kann. Ich kann es mir nicht vorstellen. Was heißt entkoppelt? Eigene Wege/Straßen nur für Radfahrer? Wo sollen diese langführen?

    Ich sehe es so: Es gibt nur begrenzt Platz in einer Stadt und diesen muss man versuchen, sinnvoll aufzuteilen. Ein eigenes Radwegnetz würde zusätzlich Platz in Anspruch nehmen, der meist nicht vorhanden ist. Außerdem führen die jetzigen (Hauptverkehrs-)Straßen auf dem kürzesten Weg durch die Stadt. Ich will als Radfahrer nicht unbedingt Umwege fahren. Besser wäre doch ein gutes Miteinander aller Verkehrsarten und keine Separierung. Wobei ich dann allerdings auch für Einschränkungen für den motorisierten Verkehr bin, damit die Sicherheit und die Lebensqualität steigt.

  4. @Booby: Kannst Du bitte nochmal nachschauen?
    Unter http://dejure.org/gesetze/StVO/2.html finde ich erstmal keine direkte Begründung, warum ich bei ungeeignetem Radweg auf die Straße darf.
    Habe da leider ähnliche Erfahrungen wie Du machen müssen.

    Auch §5 Abs.8 ist noch nicht bis zu allen Verkehrsteilnehmern durchgesickert…

  5. Wie soll ein vom sonstigen Verkehr entkoppeltes Radwegnetz aussehen? Geht das in einer Stadt wie Dresden überhaupt?
    Im Winter, wenn Schnee liegt kann man die Radwege kaum nutzen. Ganz toll finde ich auch die rotgestrichenen Radwege (teilweise in Striesen), bei Minusgraden sind sie arschglatt und kaum befahrbar.

  6. Immer mehr und immer größere Straßen in die Stadt zu pflastern geht doch auch, warum soll da kein Platz für separate Radwege sein? In Kopenhagen werden die Kreuzungen auch durch Über- bzw. Unterführungen realisiert, so dass man auch nicht ewig an iregdnwelchen Ampeln steht und die Autos durchlassen muss.

  7. Unterführungen und Tunnel werden/sind in Dresden out— werden zugeschüttet (Pirnaischer Platz und am Goldenen Reiter) bzw. nicht gebaut (Waldschlösschenbrücke und am Bauen Wunder).

  8. … Entwurf des Radverkehrskonzepts für die Gesamtstadt Dresden, wie 2005 im Stadtrat beschlossen,…
    das ist so lange her, dass sich schon niemand mehr erinnern kann, sich wohl deswegen nichts tut. Es wurde neun Jahre (!) verschleppt und dann heißt es tatsächlich:
    “Der Zeitplan ist äußerst sportlich”. Wahnsinn,
    ich fühle mich auch so was von verars***!
    Denke u.a. auch an die längst versprochene und dringend nötige Verbreiterung des Elberadweges zwischen Albertbrücke und Blauem Wunder, sie wird alle zwei Jahre erneut auf unbestimmt verschoben.
    Man kann darüber bestenfalls – ala Köni – nur den Kopf
    (ggf. der Plastersteine wegen) den Kopf schütteln.

  9. der Radweg zwischen Saloppe und Blauen Wunder ist ein historischer Weg-Wegebau (denkmalgeschützt :-) )und es ist dort schwer etwas zu verbreitern oder so – wegen Hang und Elbeufer je auf den Seiten.
    Ich finde es nicht so dramatisch wenn es da so bleibt -wie es ist— ist mal eine ruhige langsame Strecke (und die Fußgänger werden nicht von rasenden Radfahrern umgefahren).

  10. @anni @Nine: Mit Verbreiterung ist meines Erachtens der linkselbische Radweg gemeint. Es hat auch wenig mit rasen zu tun, sondern damit, dass ein Überholen kaum möglich ist und Gegenverkehr ziemlich gefährlich. Es sind einfach so viele Radfahrer, Fußgänger, InlineSkater, Kinderwagen, … dort unterwegs – da muss etwas getan werden.

    Rechtselbisch kann man den Radweg eigentlich überhaupt nicht befahren – auch nicht langsam. Das Kopfsteinplaster schüttelt einen dermaßen durch – egal wie langsam man fährt – da hört der Spaß auf und man bangt um sein Fahrrad und seine Gesundheit. Das die Anwohner gegen die Sanierung (und damit mehr Radverkehr und unsichere Verhältnisse zu Fuß) sind, kann ich nachvollziehen. Vielleicht findet sich aber eine Lösung, die allen gerecht wird.

  11. @Radler: Ich meinte die Neustadtseite und damit vorallen das Stück am Rosengarten. Das kann man meiner Meinung nach auch garni verbreitern, weil garkein Platz is.

  12. @Nine: Radler hat es richtig erfasst, es geht um die Verbreiterung des linkselbigen Radweges. Von der Neustadt aus kommend ist es mein täglicher Arbeitsweg hin und zurück. Da denke ich nicht ans rasen, sondern einfach nur daran nicht alle hundert Meter mit anderen Benutzern, gleich welcher Art, einen Zusammenstoß befürchten zu müssen. Die Verbreiterung ist notwendig und seit über zehn Jahren eigentlich beschlossen, ausgerechnet der Naturschutz blockiert – wie aberwitzig! Zwei Meter Gras würde nur asphaltiert. Viele Fußgänger weichen längst auf den auch die Wiese zerstörenden Trampelpfad aus, der parallel zum Radweg verläuft.

    An der Saloppe ist an Rad fahren, außer mit einem Downhill vielleicht, gar nicht zu denken und bräuchte keine Option sein.

  13. @Karschti: Na so weit hinten bin ich noch nicht mit dem Rad langgefahren.
    Hab ja nicht behauptet, dass alle rasen.

  14. Das Elbufer und die Elbwiesen sind halt unser Naturschutzgebiet — da kann man nicht einfach so Wege verbreitern und zu asphaltieren usw.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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