Der Stadtbezirksbeirat Neustadt kam am Montag, dem 19. Januar 2026, zu seiner 18. Sitzung zusammen. Die Sitzung im Bürgersaal des Stadtbezirksamtes Neustadt in der Hoyerswerdaer Straße 3 begann pünktlich um 17.30 Uhr.

Zu Beginn der Sitzung beantragte Felix Göhler eine komplette Vertagung aller Förderanträge. Hintergrund: Das Budget des Stadtbezirksbeirates beträgt aufgrund der aktuellen Haushaltssperre nur noch etwa die Hälfte des Vorjahres. Deshalb wollen sich die Räte erst einmal verständigen, wie generell in diesem Jahr mit Förderungen umgegangen wird. Die stellvertretende Amtsleiterin Mandy Pretzsch, die am Montagabend durch die Sitzung führte, erläuterte, dass einige Anträge eine gewisse Dringlichkeit hätten und teilweise schon mit Projekten begonnen wurde. Nach kurzer Debatte einigten sich die Räte, nicht pauschal alles zu vertagen, sondern je nach Projekt.
Umfrage zu Diskriminierung
Annett Heinich vom Zentrum für selbstbestimmtes Leben in Sachsen stellte die Umfrage zur Diskriminierung der Antidiskriminierungsstelle des Bundes vor. „Es geht darum, Diskriminierung sichtbar zu machen“, sagte Heinich. Sie wünscht sich eine hohe Beteiligung an der Umfrage. „Jeder der teilnimmt, hilft, auch wenn man das Gefühl hat, gar nicht diskriminiert zu werden“, sagt sie. Die Umfrage ist online zu finden: diskriminierung-umfrage.de Sie läuft noch bis zum 28. Februar.
Performanceprojekt in der Villa Wigman will Kunst und Kontrolle beleuchten
2026 will der Verein Villa Wigman für Tanz e. V. in Dresden das Projekt „Körper unter Druck – Kunst zwischen Freiheit und Kontrolle“ zeigen. Es thematisiert politische Einflüsse auf Tanz, Musik und Bildende Kunst. Ein performativer Rundgang führt durch die denkmalgeschützte Villa. Besucher*innen können Tanz, Klang und Kunst direkt erleben. Mit dabei sind Svea Duwe (Bildende Kunst), Amit Abend (Tanz) und Rosa Klee (Musik). Das Projekt bezieht sich auf die Geschichte der Villa und stellt aktuelle Fragen zu Macht, Anpassung und Ausdruck. Der Verein beantragt 5.000 Euro Unterstützung vom Stadtbezirk.

Sascha Möckel (Grüne) hob hervor, dass ihm aktuell eine kritische Auseinandersetzung des Vereins mit der Rolle von Wigman im Dritten Reich fehlt. Man sei dabei, sagte die Antragstellerin, das gründlich zu recherchieren. Es gebe eine große Ambivalenz und Vielschichtigkeit in der Person, die man unter anderem auch mit der geplanten Veranstaltungsreihe darstellen wolle. Auch eine überarbeitete Version der Website sei in Planung.
Felix Göhler (SPD) fragte nach, ob die Förderung auch im Februar beschlossen werden könne. „Jede Verschiebung ist schwierig, da die Künstler*innen auf den Startschuss arbeiten“, sagte die Vereinsvertreterin. Anschließend stellte Göhler den Vertagungsantrag. Dagegen sprach Charlotte Brock (Die Partei), schließlich könnten die Antragstellenden nichts dafür, dass sich der Rat noch nicht sortiert hat. Norbert Rogge (Grüne) fragte nach, ob mit weiteren Anträgen in diesem Jahr von dem Verein zu rechnen sei. Dies ist nicht der Fall. Mit elf Ja-Stimmen bei drei Enthaltungen wurde der Förderantrag vertagt.
Akustikkollektiv will Liedermacherinnen und Liedermacher auf die Bühne bringen
Auch 2026 will die Kultopia gGmbH unter dem Titel „Akustikkollektiv 2026“ regelmäßig Konzerte im Atelier des Neustadt Art Kollektivs veranstalten. Ergänzt wird die Reihe durch zwei größere Veranstaltungen im Ost-Pol und in der Chemiefabrik. Das Projekt will Kultur niedrigschwellig zugänglich machen und lokale wie überregionale Künstlerinnen und Künstler vernetzen. Die Atelierkonzerte finden jeweils am ersten Freitag im Monat statt. Der Raum ist rollstuhlgerecht erreichbar, das WC jedoch nicht barrierefrei. Finanziert wird das Projekt durch Drittmittel, Eigenleistung und kommunale Förderungen. Beantragt ist eine Förderung in Höhe von 14.000 Euro. Die Räte stimmten geschlossen für eine Vertagung.
Kindertheater über Klima und Inklusion in Dresden
Die Tanzkompanie the guts company e.V. zeigt im Projekttheater Dresden am 10. Januar und am 2. April 2026 ihr Kindertanzstück „Auf der Suche nach dem verlorenen Schnee“ (Neutadt-Geflüster vom 7. Januar 2026). Drei Tiere führen Kinder von 4 bis 10 Jahren durch Wetterabenteuer und erzählen von Freundschaft, Mut und Klimaerwärmung. Das inklusive Ensemble mit Tänzerinnen sowohl mit als auch ohne Behinderung möchte Berührungsängste abbauen. Begleitet werden die Vorstellungen von einem Vermittlungsangebot mit Bewegung und Austausch. Der Stadtbezirk Neustadt soll das Projekt mit 2.629,24 Euro fördern. Bezüglich der Vertagung wiesen die Veranstalterinnen auf die zeitliche Nähe der Aufführung und die Planungen des Projekttheaters hin. Mehrere Räte äußerten sich positiv für eine Abstimmung am heutigen Tag, am Ende wurde der Förderung geschlossen zugestimmt.
Kultur am Pavillon
Das Veranstaltungsformat „Kultur am Pavillon“ an der Albertbrücke soll auch 2026 stattfinden. Geplant sind bis zu 20 Nachmittagskonzerte zwischen Mai und September, die seit der Corona-Zeit Menschen aller Generationen und sozialer Hintergründe in offener Atmosphäre zusammenbringen. Das Projekt lebt von ehrenamtlichem Engagement, Spenden der Besucherinnen und Besucher sowie lokaler Unterstützung. Für die Umsetzung beantragt Initiatorin Maria Helm eine Förderung von 10.000 Euro. Aufgrund knapper Haushaltsmittel empfiehlt das Stadtbezirksamt jedoch nur eine abgespeckte Variante mit Konzerten im Mai und Juni. Antragstellerin Helm hatte offenbar nicht damit gerechnet, dass ihr Förderantrag so schnell behandelt wird, als sie im Stadtbezirksamt eintraf, hatten die Räte die Förderung ohne Diskussion schon einstimmig vertagt.
Sauberer Alaunpark
Seit mehreren Jahren sind Ordnung und Sauberkeit im Alaunpark ein zentrales Thema. 2012 initiierte das Stadtbezirksamt mit zusätzlichen Reinigungsmaßnahmen (Neustadt-Geflüster vom 3. September 2012). Seitdem kommen in der Hauptsaison regelmäßig zusätzliche Abfallbehälter zum Einsatz. Die Stadtreinigung übernahm bisher die Leerung von Papierkörben und die Reinigung der Wiesen. Aktuell erledigen Teilnehmende des Programms „Chancen für Chancenlose“ diese Aufgaben. Eine begleitende Image-Kampagne informiert Parkbesuchende unter anderem mit Bannern und Mülltüten über die Bedeutung von Sauberkeit.

Bislang finanzierte das Stadtbezirksamt diese Maßnahmen aus dem eigenen Haushalt. Aufgrund von Kürzungen im Doppelhaushalt 2025/2026 ist dies nicht mehr vollständig möglich. Bereits im März 2025 hatte der Stadtbezirksbeirat 4.000 Euro für die Kampagne beschlossen. Nun belaufen sich die jährlichen Gesamtkosten auf 6.000 Euro.
Die Räte Annegret Gieland (Linke) und Torsten Abel (Grüne) fragten, was es mit der Imagekampagne auf sich habe. Pretzsch erläuterte, dass es um das Banner am Eingang des Parks, die Auftaktveranstaltung und die Papiertüten mit Lageplan der Mülltonnen gehe. Nach Einschätzung des Stadtbezirksamtes habe sich das Projekt bewährt. Dissident*innen-Politiker Veit Johneleit bat darum, den Namen der Kampagne zu überdenken, man wolle ja weg vom Image des Szene-Viertels. Die Räte vertagten die Entscheidung einstimmig.
Antrag der CDU zur Sicherheit am Albertplatz und der Alaunstraße
Stadtbezirksbeirätin Katharina Kern (CDU) stellte den Vorschlag vor. Es geht um den Eingang zur Äußeren Neustadt, die untere Alaunstraße und den angrenzenden Albertplatz. An Wochenenden und in den Sommermonaten entstehen regelmäßig große Menschenansammlungen am Albertplatz. Gleichzeitig verläuft dort motorisierter Durchgangsverkehr. Aus Sicht der CDU stellt das ein vermeidbares Risiko dar.

Kern betonte die Gefahr konkreter Situationen, besonders an warmen Sommerabenden. Die derzeitige Verkehrsführung gefährde Fußgänger*innen. Die CDU spricht sich deshalb für eine temporäre Sperrung des Durchgangsverkehrs zu Stoßzeiten aus. Alternativ sollen verkehrsberuhigende Maßnahmen umgesetzt werden.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die unzureichende Beleuchtung am artesischen Brunnen. Dort entstünden dunkle Bereiche, die Unsicherheit begünstigten. Nach Angaben der CDU lehnt die zuständige Verwaltung eine Erneuerung bisher ab. Diesbezüglich hatte die SPD schon im Oktober 2025 einen Vorschlag eingebracht. Johannes Schwenk, CDU-Stadtrat, erklärt, dass der Bereich für viele ein Angstraum sei. Beleuchtung und Videoüberwachung seien aus seiner Sicht wichtige Bestandteile moderner Sicherheitspolitik.

Bei einer Begehung mit Polizei, Ordnungsamt, Stadtbezirksamt und einem Vertreter der Stadtbeleuchtung im Dezember wurden die Dunkelstellen im Viertel unter die Lupe genommen. Dabei stellte sich heraus, der Platz um den Artesischen Brunnen herum ist eigentlich ausreichend beleuchtet. Er wirkt nur aufgrund der sehr hellen Straßenbeleuchtung an der Bautzner Straße sehr dunkel. Man könne theoretisch die aktuellen Lampen jedoch austauschen und ähnlich helle Lampen einsetzen, wie auf der Hauptstraße, so der Vertreter der Stadtbeleuchtung.
Die Räte stimmten dem CDU-Vorschlag geschlossen zu.
Hochwasser-Konzept für die Prießnitz
Das Umweltamt hat ein Hochwasser-Konzept für die Prießnitz entwickelt. Bis 2031 sollen die Maßnahmen umgesetzt werden. Ein Teil davon ist auch die Sanierung des Prießnitzbogens zwischen Carte Blanche und Hohnsteiner Straße. An der Umgestaltung dieses Areals wird nun schon seit elf Jahren geplant (Neustadt-Geflüster vom 25. Februar 2015). „Es ist ein Trauerspiel“, sagte der Vertreter des Umweltamtes. Man habe die Maßnahme im Juli 2019 bei der Landesdirektion Sachsen eingereicht, bis heute gebe es keine Entscheidung. Weitere Informationen zu den geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen im Ratsinfo auf dresden.de.
18. Sitzung des Stadtbezirksbeirates Neustadt
- Tagesordnung im Ratsinfo der Stadt Dresden
- Mitglieder des Stadtbezirksbeirates




















