Königsbrücker: Variante 7 fällt im Ortsbeirat durch

Königsbrücker Straße im Berufsverkehr
Königsbrücker Straße im Berufsverkehr
Gestern hat Straßenbauamtsleiter Reinhard Koettnitz im Ortsbeirat die Variante 7 für den Ausbau der Königsbrücker Straße vorgestellt. Diese war nötig geworden, weil im Stadtratsentscheid zum Ausbau von 2011 der Verwaltung die Aufgabe mitgegeben worden war, eine bestandsnahe Variante zu prüfen.

Laut Koettnitz ist diese Variante 7 nun die schmalstmögliche Ausbau-Variante. Das sahen die Ortsbeiräte etwas anders. Ein gemeinsamer Antrag von Grünen, SPD und Schulte-Wissermann fordert nun eine viel schmalere Variante zu prüfen. Nach diesen Plänen, soll die ausgebaute Straße nur etwa zwei bis drei Meter breiter werden als bisher. Die Idee: Straßenbahn und Autos teilen sich eine Spur, daneben gibt es Rad- und Fußweg. Nun sind bekanntlich die Mehrheitsverhältnisse im Ortsbeirat andere als im für Bauplanungen maßgeblichen Stadtrat. Daher lohnt ein Blick auf die Reaktionen der anderen Parteien. Die Linke ließ sich die Vorteile von Variante 7 ausführlich erläutern und bei CDU und FDP war auch Sympathie zu erkennen. Einig waren sich alle Ortsbeiräte (außer der FDP-Vertreterin), dass die vierspurige Variante 5 abzulehnen sei.

Spannend war der Abend vor allem, weil Koettnitz eine tolle Simulation präsentierte. Jetzt kann man die verschiedenen bisherigen Varianten sehr gut miteinander vergleichen.

Königsbrücker Straße im Berufsverkehr
Königsbrücker Straße im Bestand

die "bestandsnahe" Variante 7 ist der schmalste Vorschlag seit Jahren
die „bestandsnahe“ Variante 7 ist der schmalste Vorschlag seit Jahren

breitesmögliche Variante 5 mit vier Spuren
breitesmögliche Variante 5 mit vier Spuren

Auf die neue Idee mit der ganz schmalen Variante angesprochen, sagten sowohl Reinhard Koettnitz als auch der anwesende Marketingchef der Dresdner Verkehrsbetriebe, dass man das erstmal durchrechnen müsse, bevor man Äußerungen zur Machbarkeit und Förderfähigkeit abgeben könne. Diesbezüglich sieht es bei der Variante 7 schon ganz gut aus, entsprechende Signale seien aus dem sächischen Verkehrsministerium zu hören, erklärte Koettnitz.


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27 Kommentare zu “Königsbrücker: Variante 7 fällt im Ortsbeirat durch

  1. Mmmmh – also würde die „V8“ so eine Art Fritz-Reuter-Straße ohne Parken? Vor den Kreuzungen wird man dann trotzdem Aufweitungen brauchen, um die Abbieger zu ermöglichen.

    Ansonsten dürfte es aber schon bestandsnaher sein – denn gegenwärtig ist die Köni eben NICHT (wie von einigen behauptet) eine 4-spurige Straße….

  2. na dann fahr die mal in der hauptverkehrszeit … da wirste aber sehn, wie 4-Spurig die is

    augen auf im strassenverkehr !!!

  3. Gegenwärtig ist die Königsbrücker bestenfalls 3 spurig. 2 Straßenbahnspuren und jeweils eine halbe Spur pro Richtung für Autos. Wobei man durch eines Sanierung sicherlich noch zwei halbe Spuren dazu gewinnen könnte. Ein sechsspuriger Ausbau ist mit Sicherheit verpulvertes Steuergeld an dieser Stelle. Das Verkehrsaufkommen hat sich in den letzten Jahren halbiert und durch die Waldschlösschenbrücke fällt nochmal ein gutes Drittel weg. Schaut man sich die Verkehrsflussgeschwindigkeiten bei Google Earth an sieht man das es in Dresden schlimmere Engpässe gibt als die Königsbrücker. Da muss man nicht zwingend eine Schneise mitten durch ein Kneipenviertel ziehen. Der einzige Vorteil der Autobahn ist wahrscheinlich, dass es einer Gentrifizierung entgegenwirkt und die Wohnattraktivität sinkt. Das bekommt man allerdings auch kostengünstiger mit Hundekot und Grafitis hin. Für Gastwirtschaft, kleine Ladengeschäfte und Wohnungseigentümer ist das eher kritisch zu sehen. Insbesondere weil sich der Parkdruck dadurch noch weiter verschärft.

    Die Visualisierungen vom Stadtplanungsamt sind auf jeden Fall Klasse geworden. Das Stadtplanungsamt ist hiermit nominiert für den Gläsernen Schlüssel des Jahres 2013.

  4. Also Variante 7 ist ja schön und gut. Ich fahre täglich mit dem Auto da lang und glaube nicht, dass sich mit der Variante etwas an der momentanen Verkehrssituation ändern würde, außer dass es dann nicht mehr holpert!Fraglich ist aber dabei, inwiefern die Waldschlösschenbrücke Entlastung bringen wird (wenn Sie denn mal fertig ist). Dann würde diese Variante wahrscheinlich reichen…gibt es denn eigentlich einen Plan, wann es spätestestens losgehen muss mit dem Ausbau?

  5. @Tride: Mal vorsichtig formuliert: Ich halte einen Baubeginn im nächsten Jahr für unwahrscheinlich. Da dann aber Stadtratswahlen anstehen und es eventuell eine politische Verschiebung geben wird, bin ich fest davon überzeugt, dass wir noch Variante 9 erleben werden. Baubeginn unklar.

    Im Gegenzug dazu wird die Waldschlösschenbrücke höchstwahrscheinlich schon in diesem Sommer fertig.

  6. Welches Verkehrskonzept wird eigentlich in Dresden, Sachsen, D-Land verfolgt?
    Scheinbar sind wir im 20.Jh. stehengeblieben, Demographie, peak-oil, Ökologie usw. scheint kaum Berücksichtigung zu finden.
    Individualverkehr innerhalb von Städten ist kaum sinnvoll zu begründen!
    Die vernünftige Alternative wäre ein gut funktionierendes öffentliches Nah- und Fernverkehrssystem einhergehend mit einem gründlichen Hinterfragen des Fetischs Mobilität!

    Mobilität heißt nichts anderes als Bewegungsfreiheit. Begriffen wird sie heute als Recht, überall und zu jeder Zeit hin- und zurückzufahren – wohlgemerkt: zu fahren. Doch wozu bewegt man sich denn und wie? Man hat Bedürfnisse: Essen, Trinken, Kleidung, Unterhaltung, menschliche Nähe, Kunst, Liebe, und dann ist da noch die Arbeit. Um diese Bedürfnisse zu erfüllen, muß man meist das Haus verlassen. Früher geschah das zu Fuß, mit dem Rad, mit der Straßenbahn, dem Bus oder dem Zug. Noch früher mit der Kutsche oder dem Pferd, so man sich’s leisten konnte. Heute überwiegend mit dem Auto.

    Dabei werden mehr km mit höherer Geschwindigkeit zurück gelegt, mehr nicht. Die „im Verkehr“ verbrachte Zeit bleibt seit Jahrhunderten mehr oder weniger gleich…

  7. Anton!
    Wieder zu lang?
    :-(
    Sorry…
    Kann man dann nicht die Kommentarfunktion auf bestimmte Zeichenanzahl begrenzen?
    Oder das Zitat? Zitate mit Quellenangabe sollten doch grundsätzlich kein Problem sein?

    @Was spricht gg. Autos:

    1. viel größerer Rollwiderstand als ein Schienenfahrzeug

    2. Besetzungsgrad 1,4 Personen: 2,5 Tonnen Fahrzeug für zwei Zentner Mensch-widersinnig

    3. Flächenverbrauch

    4. Je höher die Pkw-Dichte, um so geringer die Geschwindigkeit(LA: 20 km/h. Da kann ein sportlicher Radfahrer locker mithalten.)

    5. Tote und Verletzte

    6. Lärm

    7. Feinstaub, CO2, … (Diabetes durch Abgase: http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/kinder-studie-luftverschmutzung-koennte-risiko-fuer-diabetes-erhoehen-a-899483.html)

  8. @Seldon: Die Länge eines Kommentars ist mir egal, solange Du Dir das Geschriebene selbst ausdenkst. Wie lang Zitate sein dürfen, damit sie als Zitate gelten, ist meines Wissens nach noch nicht rechtlich abschließend entschieden. Am Besten aber ist: „Fasse Dich kurz!“ Kürzlich kam mir das Gerücht unter, dass schon das Widergeben von URLs das Urheberrecht verletzen könne. Die gesetzliche Regelung im Paragraphen 51 des Urheberrechtsgesetz berücksichtigt leider keine Kommentare in Blogs. Weitere Informationen dazu liefert die Wikipedia.

  9. „Zulässig ist die Vervielfältigung, Verbreitung und öffentliche Wiedergabe eines veröffentlichten Werkes zum Zweck des Zitats, sofern die Nutzung in ihrem Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt ist.“
    Also immerhin erstmal >>zulässig<< Was jetzt "gerechtfertigter Umfang" ist, ist sicher sehr schwammig. Das schon das Einfügen einer URL das Urheberrecht verletzen soll, halt ich aber für'n Gerücht. Da wäre ja jeder Hinweis "Das Buch xy steht da und dort im Regal" auch 'ne Urheberrechtsverletzung…Aber es gibt schon verrückte Dinge unter der Sonne…
    Einen kurzer Absatz aus 'nem 200 Seiten Buch zu zitieren sollte IMHO möglich sein, aber ich bin natürlich auch kein Jurist. Quellenangabe ist natürlich selbstverständlich…
    Naja, what ever…Problem erkannt…

  10. Es ist einfach eine Frage der Prioritäten und ich finde es unglaublich, mit welcher Kaltschnäuzigkeit Teile der Politik immer noch die schnelle Durchfahrbarkeit der Stadt für wichtiger halten als das dort stattfindende Leben. Alle die nicht mit einem Fahrzeug oder gar nicht „unterwegs“ sind, werden als zu vernachlässigend an den Rand gedrängt. Das nennt man dann zynisch Verbesserung der Verhältnisse für alle Verkehrsteilnehmer.

    Der Freistaat, für den eine Stadt nur ein Klecks auf der Landkarte oder ein Verkehrshindernis ist, unterläuft über den Fördermittelhebel die kommunale Planungshoheit. So entsteht eine Stadt nicht nach ihren Bedürfnissen, sondern nach denen des Verkehrsministers.

    Eine bestimmte, in Sachsen staatstragende Splitterpartei wird nie begreifen, dass die Autobahn zwar für die Autos, die Stadt aber für die Menschen da sein muss. Wo sollen sie sonst hin? Hier baut man aber Städte nicht für Menschen, sondern für Fahrzeuge. Die Mittel verdrängen den Zweck.

    Mein Dank geht an Morlok, Koettnitz und alle, die das zu verantworten haben.

  11. @ StattVerwaltung: Ich nehme Herrn Köttnitz eher als „Ausführenden“ wahr – sprich, er setzt um, was vorgegeben wird. Wenn man sich anschaut, wie extrem die Ansprüche an die Straße auseinandergehen, würde ich jedenfalls nicht unbedingt mit ihm tauschen wollen…

    Der Gruß in Richtung Morlok ist da schon richtiger!

  12. Gibt es denn Schätzungen ob/wie sehr die Waldschlösschenbrücke die Königsbrücker entlasten wird?

  13. @ Droba: Eine Kurzrecherche hat nix gebracht – ich finde keine „alten“ Zahlen. Aber der Artikel von Anton sagt was zur Prognose KöBrü allgemein: http://bit.ly/auubyz

    Für die Prognosen veröffentlicht Dresden in letzter Zeit nur noch Zahlen zu den Brücken – und die 45.000 auf der WSB werden wir selbst mit gesperrter Albertbrücke nicht erreichen…

  14. Richtig Anton … den Baubeginn würde ich so auf 2020 schätzen, wenn überhaupt, die Variantenprognose würde ich auf zweistellig forcieren. Wenn überhaupt jemals gebaut wird, hat die Vorplanung soviel Geld verschlungen, dass wir 20 Kindergarten bauen hätten können und 20 Schulen sanieren hätten können. Es ist ein Witz und er ist noch größer als die WSB. Die armen Kinder und Familien, welche tagtäglich diesen Lärm der Holperstraße ertragen müssen … Ich kann nur weiterhin mit dem Kopf schütteln …

  15. Ich kann Seldon nur zustimmen, ein Ausbau in der Art, dass er noch mehr Autoverkehr ins Zentrum zieht, ist nicht zeitgemäß. Heute geht der Trend deutlich in Richtung vernetzter Verkehre, also der möglichst flexiblen Kombination verschiedener Verkehrsmittel je nach Bedarf. Ich denke, insbesondere Modelle mit zeitweiser Nutzung sind sinnvoll – wozu soll ich mir ein Auto hinstellen, wenn ich es 95% der gefahrenen Zeit dazu nutze, zur Arbeit hin und wieder zurückzufahren, wenn ich den gleichen Weg ebensogut mit dem ÖPNV machen kann? Und ich kauf mir ja deswegen auch keine Straßenbahn. Deswegen finde ich den Ausbau und die Verbesserung des ÖPNV-Angebots nur sinnvoll (Mehr S-Bahn-Haltepunkte, Beschleunigung Straba Bautzner Straße, um mal zwei zu nennen). Dafür brauchts aber keine vier Spuren für Autos. Das ist Verkehrsplanung aus dem 20. Jh.

  16. @ein anderer Stefan
    „wozu soll ich mir ein Auto hinstellen[…]wenn ich den gleichen Weg ebensogut mit dem ÖPNV machen kann?“

    In meinem Fall: Weil ich mit dem ÖPNV dreimal so lange bis zu meiner Arbeitsstelle brauche als mit dem Auto. Aus ~20 Minuten Weg wird so eine Stunde. Zurück muss ich auch noch, wären also ~zwei Stunden pro Tag mit ÖPNV statt ~40 Minuten mit dem Auto.

    Ich bleib beim Auto.

  17. Die ersten Planungen für die waldschlösschenbrücke liegen Jahrzehnte zurück … Wir haben also noch viele Ideen vor uns … Warum nicht mal eine Wasserstraße planen?

  18. @Tom
    Esging ja auch um das Verkehrskonzept. Dazu gehört natürlich auch ein Ausbau des bestehenden unzureichenden Nahverkehrsnetzes. Deine Arbeitsstelle muß aber wirklich ziemlich ungünstig liegen (und ist daher vllt. auch nicht unbedingt repräsentativ). In einer Stunde kannst Du mit Bus und Bahn (inkl. Umsteigen) oder dem Fahrrad fast einmal durch ganz Dresden kommen…
    ES ist vllt. im Einzelfall bequemer, wird dadurch aber im Allgemeinen nicht sinnvoller, 2 Tonnen Blech durch die Gegend zu schieben, im Stau zu stehen, die Luft zu verpesten, Fläche zu verbrauchen (22 von 24h steht das Auto sinnlos rum!) usw. usf.
    Aber bleibt für nächsten paar Jahre beim Auto, dann ist das Öl noch schneller alle bzw. so teuer, dass es sich nicht mehr lohnt, auf Arbeit zu fahren…(nicht dass wir dann nicht eh andere Probleme hätten…)
    http://www.peak-oil.com/

  19. @Tom: deswegen ja „ebensogut“. Wenn es dreimal so lange dauert, ist es natürlich nicht gleichwertig. Und daher sollte mehr für einen vernünftigen Ausbau des ÖPNV getan werden. Dass man, wenn man z.B. in Eschdorf wohnt, wohl weiterhin aufs Auto angewiesen sein wird, steht auf einem anderen Blatt. Aber quer durch die Stadt mit dem Auto zur Arbeit zu pendeln (wenn ich mich recht erinnere, sind die meisten Fahrten unter 5km) ist nicht sinnvoll, schon gar nicht, wenn die Städte weiter verdichtet werden, wie wir es momentan erleben.

  20. @Tom: Manchmal ist es aber auch eine verzerrte Wahrnehmung, dass das Auto um Faktor 3 schneller ist. Wo arbeitest Du denn (grob)?

  21. Zitat: „Ein gemeinsamer Antrag von Grünen, SPD und Schulte-Wissermann…“

    Frage: Wer oder was ist Schulte-Wissermann? Eine neue Partei oder Wählervereinigung ;-)

  22. Danke! Wir verzichten auf alle Vorschläge, denn wir sind mit der aktuellen Lautstärke- und Abgas-Situation einer 2-spurigen Köbrü mit Autos und Tram, sowie S-, Regional und Güterbahnen zur anderen Seite, allnächtlichen Clublärm durch minderbemittelte Rosis-Besucher (Vorsicht! – Normale Besucher sollen sich hier natürlich nicht angesprochen fühlen), als auch einer steigenden Anzahl von lautstarken Kleinkindern bereits gut bedient. Ich mag es laut und lebendig – aber irgendwann ist auch mal Schluss. Es gibt öffentliche Verkehrsmittel. Würden sich nur die Hälfte der Köbrü-Autofahrer besinnen ob sie denn wirklich gezwungen sind mit dem Auto da lang zu tuckern (und anschließend zu der Conclusion kommen, dass die öff. VM ihr Problem wahrscheinlich lösen) wäre dieser unsinnige Ausbau kein Thema mehr. Dabei steht es natürlich außer Frage dass manche Leute auf Auto angewiesen sind – das verstehe ich. … übrigens fahre ich auch Auto. Den 20km Arbeitsweg lege ich jedoch mit öffentlichen VM zurück. (Modernisierung: meinetwegen, Ausbau: NEIN!)

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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