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BRN 2021 – Rückblick statt großer Party II

Der Ge­burts­tag der Bun­ten Re­pu­blik Neu­stadt (BRN) wird auch in die­sem Jahr nicht groß ge­fei­ert. Auch wenn man sich wie­der mit ein paar mehr Men­schen tref­fen darf, Knei­pen öff­nen und Kul­tur statt­fin­den kann. Die Zeit für ein 100.000-Leute-Fest ist es wohl ge­rade nicht. Es wird auf je­den Fall keine gro­ßen Büh­nen und keine au­to­freien Stra­ßen geben. 

Rasen statt rasen - Foto von der Louisenstraße zur BRN 1999 - Sammlung: Stadtteilarchiv, Fotograf unbekannt
Ra­sen statt ra­sen – Foto von der Loui­sen­straße zur BRN 1999 – Samm­lung: Stadt­teil­ar­chiv, Fo­to­graf unbekannt

Ge­mein­sam mit Ulla Wa­cker vom Stadt­teil­haus habe ich die fol­gen­den Zei­len ver­fasst, die Ende ver­gan­ge­nen Jah­res in den Dresd­ner Hef­ten er­schie­nen sind und hier noch ein­mal wie­der ge­ge­ben werden. 

Der anarchistische Staat oder Die gezähmte Widerspenstige

Von Ulla Wa­cker und An­ton Launer

2. Teil

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Die Jahre 1994 – 1999 | Eine Republik ohne Regierung

Auf­grund der Kra­walle vom Vor­jahr woll­ten die Organisator*innen rund um die IG Äu­ßere Neu­stadt kein wei­te­res Fest ver­ant­wor­ten. Schuld war auch die re­la­tiv ein­sei­tige Be­richt­erstat­tung über au­to­nome Chao­ten und die feh­lende De­batte über Ursachen.

Doch eine aus­ge­ru­fene Re­pu­blik exis­tiert, selbst wenn nie­mand die Ver­ant­wor­tung ei­ner Re­gent­schaft über­neh­men möchte. Und ei­ner der Mit­or­ga­ni­sa­to­ren von 1993, der Fo­to­graf Lo­thar Lange, wollte nicht auf­ge­ben. Al­ler­dings ge­lang es ihm we­der Kul­tur- noch Ord­nungs­amt der be­nach­bar­ten Lan­des­haupt­stadt zu über­zeu­gen. So hiel­ten sich die Be­hör­den raus und auf dem Mar­tin-Lu­ther-Platz so­wie an ei­ni­gen an­de­ren Or­ten, wie dem künf­ti­gen Stadt­teil­haus, wurde der BRN-Ge­burts­tag den­noch gefeiert.

BRN-Zeitung "Neustadt-Kurier" von 1995 - Archiv Anton Launer
BRN-Zei­tung "Neu­stadt-Ku­rier" von 1995 – Ar­chiv An­ton Launer

Im nächs­ten Jahr, 1995, gab es dann eine Markt­ord­nung für den Mar­tin-Lu­ther-Platz, die un­ter an­de­rem vor­sah, dass Spei­sen und Ge­tränke nur von ge­mein­nüt­zi­gen Or­ga­ni­sa­tio­nen an­ge­bo­ten wer­den durf­ten. Da­mit wollte man dem ur­sprüng­li­chen Ge­dan­ken ei­nes un­kom­mer­zi­el­len Fes­tes wie­der nä­her­kom­men. Ei­nem Sauf­fest wurde die Ab­sage er­teilt, mit dem Motto „Wir blei­ben hier“ an die Wur­zeln er­in­nert. In der Juni-Aus­gabe des Stadt­ma­ga­zins Sax hieß es tref­fend be­züg­lich der jähr­lich auf­kom­men­den Un­si­cher­heit über das Statt­fin­den: „Wir mö­gen sie schon (die BRN, Anm. d. Re­dak­tion), aber ma­chen will sie niemand.“ 

Sicherheitskonzept mit der Stadt

Breit­schla­gen ließ sich dann doch der Kul­tur­stadt e.V. ge­mein­sam mit der In­itia­tive „Häu­ser­tratsch“. Ein Si­cher­heits­kon­zept mit der Stadt und eine För­de­rung durch das Kul­tur­amt er­mög­lich­ten den Rah­men für Ei­gen­in­itia­tive. Ein fried­li­ches Fest war die Folge. 1995 wur­den erste di­plo­ma­ti­sche Be­zie­hun­gen ge­knüpft. In die­sem Fall zur Freien Fes­tung Bres­lau, der Oran­ge­nen Al­ter­na­tive in Wro­cław. Das Thema Mi­kro­na­tion und di­plo­ma­ti­sche Ver­bin­dun­gen sollte spä­ter noch be­deu­ten­der werden.

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In­zwi­schen wa­ren schon erste Spu­ren der so­ge­nann­ten Gen­trif­zie­rung sicht­bar: Häu­ser wur­den sa­niert, Mie­ten stie­gen und erste Neu­städ­ter ver­lie­ßen das Vier­tel. Das Fest 1996 mit neuer Che­fin Co­rinna Küh­ner durch Kul­tur­stadt e.V. wei­ter­ge­tra­gen, öff­net sich den Ge­wer­be­trei­ben­den. Die Ein­nah­men wur­den ge­braucht, da die Or­ga­ni­sa­ti­ons­kos­ten, so­wie Kos­ten für Müll und Si­cher­heit stie­gen und die För­de­rung im­mer ge­rin­ger aus­fiel. Hier be­ginnt der Wan­del hin zur so­ge­nann­ten Kom­mer­zia­li­sie­rung, die seit­dem häu­fig kri­ti­siert wird. Auch das 1996er Fest war von ei­nem Über­fall überschattet.

Neuer Verein BRN e.V.

Der Man­gel an Frei­räu­men durch Be­bau­ung von Bra­chen und die Ver­teue­rung des Le­bens nahm wei­ter zu. Im fol­gen­den Jahr über­nahm die Or­ga­ni­sa­tion dann ein neu­ge­grün­de­ter Ver­ein, der BRN e.V. mit Klaus Kör­ner als Vor­stand. Auch 1997 blieb das Fest nicht frei von Krawallen.

Die An­mel­dung der BRN 1998 durch den Ver­ein zur För­de­rung und Un­ter­stüt­zung der Bun­ten Re­pu­blik Neu­stadt ge­riet fast zum Eklat. Für das künf­tige Di­lemma des Fes­tes wurde hier der Grund­stein ge­legt. Auf der ei­nen Seite die Bü­ro­kra­tie des Ord­nungs­am­tes der Lan­des­haupt­stadt, sie for­derte eine An­mel­dung al­ler Ein­zel­ver­an­stal­tun­gen. Auf der an­de­ren Seite der Ver­ein, der nicht als Ge­samt­ver­an­stal­ter auf­tre­ten, son­dern nur den Rah­men bil­den wollte. Die­ser Ver­ein, mit Ver­tre­tern der ehe­ma­li­gen pro­vi­so­ri­schen Re­gie­rung un­ter Lei­tung von Uli Damm (Sa­nie­rungs­kom­mis­sion) und Wolf­hardt Pröhl (ehe­ma­li­ger Fi­nanz­mi­nis­ter der ers­ten Re­gie­rung) und Neu­städ­ter In­itia­ti­ven ge­grün­det, war an­ge­tre­ten, um der Kom­mer­zia­li­sie­rung und der Ge­walt der Vor­jahre entgegenzutreten.

Straßentheater zur BRN 1998 - Foto: Stadtteilarchiv/Torsten Schumann
Stra­ßen­thea­ter zur BRN 1998 – Foto: Stadtteilarchiv/​Torsten Schumann

Letzt­lich über­nahm der Ver­ein nach zä­hen Ver­hand­lun­gen mit der Stadt dann doch die Ver­ant­wor­tung. Ge­mein­sam mit der Po­li­zei ent­stand ein trag­fä­hi­ges Si­cher­heits­kon­zept. Die BRN 1998 wurde ein gro­ßer Er­folg. Viel­leicht auch auf­grund des gött­li­chen Se­gens. Denn diese Feier be­gann mit ei­ner An­dacht und ge­mein­sa­men Ge­bet für Ge­walt­frei­heit. Der Je­sus-Love-Con­voi trat zum ers­ten Mal in Er­schei­nung. 1999 mit dem­sel­ben Kon­zept durch die Ver­an­stal­ter des Vor­jah­res ko­or­di­niert wurde dann auch die 10. BRN ein fried­li­ches und gut be­such­tes Fest mit rund 30.000 Besuchern.

Zwi­schen dem ver­an­stal­ten­den För­der­ver­ein und den Neu­städ­ter Ge­wer­be­trei­ben­den kam es je­doch zu so ei­nem star­ken Zer­würf­nis, dass der Ver­ein es ab­lehnte auch im Jahr 2000 die BRN-Feier zu organisieren.

2000 bis 2001 | BRN, das größte „Open Air Festival“ im Osten der Republik

Hub­schrau­ber im Tief­flug, Hun­dert­schaf­ten schwer be­waff­ne­ter Po­li­zis­ten, bren­nende Müll­ton­nen und Bar­ri­ka­den, ver­ängs­tigte Be­su­cher. Die BRN schaffte es in die­sen Jah­ren bis in die Ta­ges­schau und es dau­erte Jahre, bis das Image der Ran­dale-Party wie­der vor­bei war.

Die Dresd­ner Neu­stadt zu Be­ginn des neuen Jahr­tau­sends. Ein gro­ßer Teil der Häu­ser ist sa­niert. Die Mie­ten klet­tern zwar nur noch lang­sam, aber die Ver­drän­gung setzt ein. Frei­räume für Ju­gend­li­che wer­den rar, si­cher auch ein Er­klä­rungs­an­satz für die Aus­schrei­tun­gen. Eine an­dere Ur­sa­che ist der kom­plett neue An­satz der BRN-Macher.

Video von der BRN 2000

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Der Kul­tur 2000 e.V. um Ste­fan Schulz und An­dreas Preuß er­klärt die BRN zur größ­ten Open-Air-Ver­an­stal­tung im Os­ten und rührt die Wer­be­trom­mel. Es gibt viele Büh­nen, viele Ver­kaufs­stände, Bier­wa­gen und ge­stie­gene Stand­ge­büh­ren. Diese wa­ren nö­tig, um das um­fang­rei­che Kul­tur­pro­gramm zu fi­nan­zie­ren, denn die BRN war nach wie vor eintrittsfrei. 

Das Fest er­lebte ei­nen un­ge­ahn­ten Boom, die Be­su­cher­zahl knackte die 100.000 und ne­ben vie­len tau­send fried­lich Fei­ern­den ka­men auch Ran­da­lie­rer. Die Po­li­zei war dem An­sturm nicht gewappnet.

Die Si­tua­tion es­ka­lierte 2001. Hoo­li­gans und Links­ra­di­kale lie­fer­ten sich mit der Po­li­zei in den Nacht­stun­den Schlä­ge­reien. Die Po­li­zei re­agierte über­grif­fig und un­ver­hält­nis­mä­ßig. Am Sonn­tag be­en­dete sie mit ei­nem mas­si­ven Auf­ge­bot das Fest schon am Nach­mit­tag. Ein üb­ler Ge­ruch aus Trä­nen­gas und Bru­ta­li­tät hing über dem Vier­tel. Be­richte im Spie­gel und der FAZ.

2020 gab es eine BRN-TV-Talk-Runde, die sich mit der Zeit ab 2000 beschäftigte.

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Geschichte der Bunten Republik Neustadt in drei Teilen

Der an­ar­chis­ti­sche Staat oder Die ge­zähmte Wi­der­spens­tige – 1. Teil, 2. Teil, 3. Teil


Anmerkungen

Quelle: Zei­tungs­ar­ti­kel­ar­chiv aus den Jah­ren 1989 – 2020 des Stadt­teil­ar­chivs Dres­den, im Be­stand Dresd­ner Ta­ges­zei­tun­gen und Ar­ti­kel aus über­re­gio­na­len Ma­ga­zi­nen mit Be­zug auf die Dresd­ner Neu­stadt. Zi­tiert wurde aus fol­gen­den Zeitungen: 

  • DIE UNION (spä­ter Dresd­ner Neu­este Nachrichten)
  • SZ (Säch­si­sche Zeitung)
  • SAX – Das Dresd­ner Stadtmagazin 

Die Au­torin ist Be­woh­ne­rin der Neu­stadt seit 1990 und lei­tet das Stadt­teil­haus Dres­den Äu­ßere Neu­stadt. Ei­nige Jahre war sie Mit­or­ga­ni­sa­to­rin der BRN (1998–99, 2011–2017), seit 2018 be­treibt sie das BRN-Büro. Der Au­tor war lang­jäh­ri­ger Be­woh­ner der Neu­stadt und lei­tet das On­line-Ma­ga­zin „Neu­stadt-Ge­flüs­ter“. Mit freund­li­cher Ge­neh­mi­gung der Dresd­ner Hefte.

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