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BRN 2021 – Rückblick statt großer Party III

Der Ge­burts­tag der Bun­ten Re­pu­blik Neu­stadt (BRN) wird auch in die­sem Jahr nicht groß ge­fei­ert. Auch wenn man sich wie­der mit ein paar mehr Men­schen tref­fen darf, Knei­pen öff­nen und Kul­tur statt­fin­den kann. Die Zeit für ein 100.000-Leute-Fest ist es wohl ge­rade nicht. Es wird auf je­den Fall keine gro­ßen Büh­nen und keine au­to­freien Stra­ßen geben. 

Louisenstraße zur BRN 2008 - schon damals waren die Straßen knackig voll. Foto: Stadtteilhausarchiv/Yvonne Graf
Loui­sen­straße zur BRN 2008 – schon da­mals wa­ren die Stra­ßen kna­ckig voll. Foto: Stadtteilhausarchiv/​Yvonne Graf

Ge­mein­sam mit der Che­fin vom Stadt­teil­haus, Ulla Wa­cker, habe ich die fol­gen­den Zei­len ver­fasst, die Ende ver­gan­ge­nen Jah­res in den Dresd­ner Hef­ten er­schie­nen sind und hier noch ein­mal wie­der ge­ge­ben wer­den.

Der anarchistische Staat oder Die gezähmte Widerspenstige

Von Ulla Wa­cker und An­ton Launer

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2002 – 2010 | Fremdregierung aus dem Hinterbrückenland 

Die BRN ist le­bens­ge­fähr­lich“ – so lau­tete das Fa­zit ei­ner Si­cher­heits­stu­die aus dem Jahre 2015. Nein, da­mit wa­ren nicht die Kra­walle ge­meint, die hat­ten sich ver­flüch­tigt, es ging um die schiere Masse an Men­schen. Auf der Kreu­zung Ro­then­bur­ger-/Loui­sen­straße wur­den bis zu sie­ben Per­so­nen pro Qua­drat­me­ter ge­zählt. Der Re­pu­blik­ge­burts­tag war in­zwi­schen aus al­len Näh­ten ge­platzt und man rech­nete mit rund 300.000 Be­su­chern. Doch der Reihe nach.

Die Er­eig­nisse von 2001 wur­den nie auf­ge­ar­bei­tet. Die Or­ga­ni­sa­to­ren zo­gen sich aus den Ver­hand­lun­gen mit der Lan­des­haupt­stadt zu­rück. Das Er­geb­nis: ab 2002 galt, je­der mel­det selbst an. Die Dresd­ner Stadt­ver­wal­tung aus dem Rat­haus hin­ter den El­be­brü­cken legte da­für eine Son­der­nut­zungs­sat­zung auf, die mit An­pas­sun­gen noch heute gilt. 

Das Fest wuchs, die Kra­walle wur­den we­ni­ger, auch dank ge­schick­ter Ein­satz­tak­tik der Po­li­zei und gut plat­zier­tem de­es­ka­lie­ren­dem Re­gen in den Jah­ren 2005 und 2006. Die Ge­burts­tags­feier der einst so an­ar­chi­schen Bun­ten Re­pu­blik, sie be­kam ei­nen Bier- und Brat­wurst­bauch. Zu Höchst­zei­ten wur­den mehr als 100 Bier­wa­gen an­ge­mel­det. Und der halbe Li­ter für 1,50 Euro war keine Sel­ten­heit. Aus den Bier­strö­men wur­den Ur­in­ströme in Haus­ein­gän­gen und Ecken, der Lärm nahm zu. Neu­städ­ter flüch­te­ten vor dem Partywochenende. 

Tanz im Müll 2018 - Foto: Archiv Anton Launer
Tanz im Müll 2018 – Foto: Ar­chiv An­ton Launer

2010 for­derte Ma­gnus Hecht, da­mals Chef der Scheune, die BRN auf­zu­lö­sen. Die For­de­rung führte zu ei­ner Po­di­ums­dis­kus­sion, um den Sinn des Fes­tes zu er­grün­den. Wäh­rend­des­sen er­öff­ne­ten di­verse Mi­kro­na­tio­nen di­plo­ma­ti­sche Ver­tre­tun­gen beim zwan­zig­jäh­ri­gen Fest der Re­pu­blik. Ein­ge­la­den wa­ren sie von Mirko Sen­ne­wald, der mit sei­nem Ver­ein den le­gen­dä­ren Lust­gar­ten zur BRN be­trieb. Pässe er­hiel­ten eine Neu­auf­lage, mit ei­ner Seite für Visa.

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2011 – 2020 | Schwafelrunde (ohne Ritter), der Versuch einer Regierungsbildung, und die Gründung des BRN-Büros

Kon­zert in der Scheune, es spie­len Electric Farm. Im Pu­bli­kum kein Mensch – nur Grün­pflan­zen. Alaun­park – Mit­tags­zeit – ein ge­flü­gel­tes Sofa steht herum – Thron für je­der­mann. Ta­ges­be­fehl Nu­mero 2: Macht mehr Kin­der am BRN-Sonn­tag 12 Uhr mit­tags. Ort: egal.

Mit Grünpflanze zum Konzert vom Goldnen Anker - Foto: Archiv Anton Launer 2012
Mit Grün­pflanze zum Kon­zert vom Gold­nen An­ker – Foto: Ar­chiv An­ton Lau­ner 2012

Die Ver­rückt­hei­ten und Ab­son­der­lich­kei­ten der Re­pu­blik­ge­burts­tage lie­ßen sich noch end­los auf­zäh­len. Und schuld ist eine Schwa­fel­runde, die zwar keine Rit­ter, aber da­für or­dent­lich Sitz­fleisch hatte. Sie war als Er­geb­nis der oben be­schrie­be­nen Po­di­ums­ver­an­stal­tung ent­stan­den. Ei­nige Neu­städ­ter, die Pro­bleme wie Wild­pin­keln, Müll und Lärm an­ge­hen wollten. 

Die Schwa­fel­runde trat 2011 das Erbe der O.P.R. an. Die Ge­samt­ver­an­stal­tung die­ses in­zwi­schen über 200 Ein­zel­ver­an­stal­ter um­fas­sen­den Fes­tes konnte und wollte die­ser Kreis je­doch nicht über­neh­men. Mit Hu­mor und jähr­lich aus­ge­ru­fe­nen Ta­ges­be­feh­len sorgte sie für eine kul­tu­relle Be­rei­che­rung. Die BRN wurde wie­der in­di­vi­du­el­ler und kreativer.

Das sorgte je­doch für noch en­gere Stra­ßen und brachte 2015 das Thema Si­cher­heits­kon­zept wie­der auf die Ta­ges­ord­nung. Ob­wohl sich die Schwa­fel­runde als Ver­tre­ter der BRN-Ver­an­stal­ter ge­mein­sam mit Be­hör­den und Stadt­ver­wal­tung den Pro­ble­men stellte, wurde sie bei der Er­stel­lung des Si­cher­heits­kon­zep­tes nicht beteiligt.

Das sonntägliche Straßenfrühstück ist inzwischen fester Bestandteil der BRN-Feste geworden. Foto: Archiv  Anton Launer 2012
Das sonn­täg­li­che Stra­ßen­früh­stück ist in­zwi­schen fes­ter Be­stand­teil der BRN-Feste ge­wor­den. Foto: Ar­chiv An­ton Lau­ner 2012

Die Runde löste sich 2017 dar­auf­hin auf. Als letz­ten Akt schob sie eine er­neute De­batte über die zu­künf­tige Be­trei­bung des Fes­tes an. In der Folge ent­stand das BRN-Büro in Trä­ger­schaft des Stadt­teil­hau­ses. Die Feier zum drei­ßig­jäh­ri­gen Be­stehen der BRN im Jahr 2020 fiel auf­grund der Co­rona Pan­de­mie aus. Statt­des­sen gab es ein BRN-TV mit ei­ner drei­tei­li­gen Talk­show am BRN-Wo­chen­ende mit Gäs­ten aus drei­ßig Jahren.

Un­ge­klärt ist die wei­tere Zu­kunft. Aber si­cher ist, die BRN lebt und auch ihr Ge­burts­tag wird be­stimmt wie­der ge­fei­ert. Auf wel­che Art – das wer­den en­ga­gierte Neustädter*innen entscheiden.

2020 gab es eine BRN-TV-Talk-Runde, die sich mit der Zeit ab 2010 beschäftigte.

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Geschichte der Bunten Republik Neustadt in drei Teilen

Der an­ar­chis­ti­sche Staat oder Die ge­zähmte Wi­der­spens­tige – 1. Teil, 2. Teil, 3. Teil


Anmerkungen

Quelle: Zei­tungs­ar­ti­kel­ar­chiv aus den Jah­ren 1989 – 2020 des Stadt­teil­ar­chivs Dres­den, im Be­stand Dresd­ner Ta­ges­zei­tun­gen und Ar­ti­kel aus über­re­gio­na­len Ma­ga­zi­nen mit Be­zug auf die Dresd­ner Neu­stadt. Zi­tiert wurde aus fol­gen­den Zeitungen: 

  • DIE UNION (spä­ter Dresd­ner Neu­este Nachrichten)
  • SZ (Säch­si­sche Zeitung)
  • SAX – Das Dresd­ner Stadtmagazin 

Die Au­torin ist Be­woh­ne­rin der Neu­stadt seit 1990 und lei­tet das Stadt­teil­haus Dres­den Äu­ßere Neu­stadt. Ei­nige Jahre war sie Mit­or­ga­ni­sa­to­rin der BRN (1998–99, 2011–2017), seit 2018 be­treibt sie das BRN-Büro. Der Au­tor war lang­jäh­ri­ger Be­woh­ner der Neu­stadt und lei­tet das On­line-Ma­ga­zin „Neu­stadt-Ge­flüs­ter“.

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2 Ergänzungen

  1. @Anton

    auf mei­ner Ecke gibt es seit etwa 2 Stun­den sof­ten Jazz. Ohne Al­ko­hol, ohne Par­ty­gäste, ohne Krach. Ein­fach so. Und nie­mand regt sich auf.
    So stel­len wir uns die BRN vor. Lo­cker, un­ge­plant mit lau­ter ent­spann­ten Menschen.….

    Aber das ist wohl Utopie

    Grüße vom Balkon

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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