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Die Würde des Menschen ohne Mietvertrag

Eine Krise ist eine Prü­fung des Be­stan­des: So­wohl Er­run­gen­schaf­ten als auch Miss­stände tre­ten schär­fer kon­tu­riert zu­tage. In Be­zug auf Dres­den und seine Un­ter­stüt­zung von Ob­dach­lo­sen zieht die Bet­tel­Lobby eine bit­tere Bilanz.

Von der ei­nen auf die an­de­ren Seite ist es nur ein klei­ner Schritt. Es kann ein Strau­cheln sein. Die Ver­ket­tung un­güns­ti­ger Um­stände, für die du noch nicht ein­mal et­was kannst – und du bist drau­ßen. Auf der Straße. Weil du nicht ge­nug Geld, nicht ge­nug Ar­beit, nicht ge­nug Un­ter­stüt­zung hat­test. Ohne fes­ten Wohn­sitz darfst du nicht wäh­len. Du kannst kein Konto er­öff­nen und kei­nen Ar­beits­ver­trag un­ter­schrei­ben. Der Weg auf die an­dere Seite ist ver­blüf­fend leicht, der Weg zu­rück un­sag­bar schwer.

Verdrängung als Antwort

Ob­dach­lose Men­schen ge­hö­ren seit ei­ni­gen Jah­ren ver­stärkt zum Dresd­ner Stadt­bild. Be­son­ders in der be­leb­ten Neu­stadt. Vor zwei Jah­ren koch­ten des­halb die Dis­kus­sio­nen hoch – als Ant­wort auf das Pro­blem setzte die Stadt ein Bet­tel­ver­bot um. Bis zu 1000 Euro Strafe zah­len Men­schen, wenn sie in Dres­den beim Bet­teln mit Kin­dern er­wischt wer­den. Im Pro­test ge­gen das Ver­bot fand sich in Dres­den die Bet­tel­Lobby zu­sam­men. Ein Netz­werk von Pri­vat­per­so­nen, In­itia­ti­ven und Ver­ei­nen, das Men­schen eine Stimme gibt, die durch alle Si­cher­heits­netze des Staa­tes fallen.

Mahnwache zum Gedenken des in Pieschen erfrorenen Menschen. Foto: Bettellobby
Mahn­wa­che zum Ge­den­ken des in Pie­schen er­fro­re­nen Men­schen. Foto: Bettellobby

"Es steht au­ßer Frage, dass Bet­teln für Kin­der furcht­bar ist", sagt Kath­rin bei un­se­rem On­line-Mee­ting. Mit da­bei ist Tim, der sich eben­falls in der Bet­tel­Lobby en­ga­giert. "Wenn die Men­schen nicht mit ih­ren Kin­dern bet­teln dür­fen, war­ten die not­ge­drun­gen in Au­tos oder Haus­ein­gän­gen in der Nähe", schil­dern die bei­den. Ein Ver­bot sorgt nicht da­für, dass El­tern plötz­lich die Mög­lich­keit ha­ben, ihre Kin­der in die Schule zu schi­cken. Schlim­mer noch. Es sen­det das Si­gnal, dass Men­schen, die bet­teln, eine Wahl ha­ben und die schlech­tere ge­trof­fen hät­ten. Das be­stärkt Vorurteile.

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"Den Menschen wird Geschmack abgesprochen"

Beim Thema Ob­dach­lo­sig­keit gebe es schnell ge­fähr­li­che Ver­schrän­kun­gen mit so­zi­al­dar­wi­nis­ti­schem und ras­sis­ti­schem Den­ken. Zu­schrei­bun­gen wie "die sind kri­mi­nell", "die wol­len ja bloß nicht ar­bei­ten", "die sind faul", "die kom­men her, um zu schma­rot­zen" sind weit ver­brei­tet und tief ver­an­kert. Es fehlt an Ein­bli­cken in die Le­bens­rea­li­tät der An­de­ren – und an Em­pa­thie. Auch aus emo­tio­na­len Be­rei­chen sind Men­schen auf der Straße "drau­ßen". Dass Würde nicht Men­schen mit fes­tem Wohn­sitz vor­be­hal­ten ist, ge­rät schnell in Vergessenheit.

Es wird Dank­bar­keit er­war­tet, wenn man Ob­dach­lo­sen Ga­ben zur Ver­fü­gung stellt. Geld zu ge­ben wird ver­mie­den: "Die kau­fen ja so­wieso bloß Al­ko­hol." Der er­zie­he­ri­sche Kom­pass drehe recht schnell durch, wenn es um Ob­dach­lose geht, stellt Kath­rin fest. "Den Men­schen wird Ge­schmack ab­ge­spro­chen." Wenn die Bet­tel­Lobby mehr und viel­fäl­ti­gere An­ge­bote für Ob­dach­lose ein­for­dere, ver­weise die Stadt Dres­den auf die be­stehen­den. Zum Bei­spiel Sam­mel­un­ter­künfte am Rande der Stadt – weit weg von den Ein­nah­me­quel­len, wenn man sich kein Stra­ßen­bahn­ti­cket leis­ten kann oder kör­per­lich ein­ge­schränkt ist.

Hollis Wohnung an der Kamenzer. Holli ist mittlerweile verstorben.
Hol­lis Woh­nung an der Ka­men­zer. Holli ist mitt­ler­weile verstorben.

"Wer nichts hat, soll mit wenig zufrieden sein"

Wie je­der an­dere Mensch auch ha­ben Ob­dach­lose und Bet­telnde in­di­vi­du­elle Be­dürf­nisse. Manch ei­ner fühlt sich in ei­nem Heim ge­bor­gen – an­dere zie­hen eine Ein­zel­un­ter­kunft vor. "Für so eine so he­te­ro­gene Gruppe mit un­ter­schied­li­chen bio­gra­fi­schen Er­fah­run­gen gibt es keine ho­mo­gene, ein­fa­che Ant­wort", macht Kath­rin klar.

"Wer nichts hat, soll mit we­nig zu­frie­den sein, so der Ka­non", sagt Tim. "Ir­gend­wie ist das ja die lo­gi­sche Kon­se­quenz ei­ner leis­tungs­ori­en­tier­ten Ge­sell­schaft, in der der So­zi­al­staat zu­rück ge­drängt wird", stellt er nüch­tern fest. "Wer et­was leis­tet, wird un­ter­stützt. An­dere wer­den abgehängt."

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"Hauptsache raus aus dem Stadtbild"

Co­rona hat die Si­tua­tion für Ob­dach­lose und aufs Bet­teln An­ge­wie­sene ver­schärft. Fuß­gän­ger­zo­nen sind ver­waist, öf­fent­li­che Ge­bäude wie Ein­kaufs­zen­tren blei­ben ge­schlos­sen. Sie er­mög­li­chen bei un­wirt­li­chem Wet­ter we­nigs­tens kleine Auf­wärm- und Ver­schnauf­pau­sen. Wo­her nimmt man eine Maske, ei­nen Co­rona-Test, wenn das Geld ge­rade für Ver­pfle­gung reicht? Wo isst, schläft, wäscht man sich?

Im Stadt­raum herr­sche oh­ne­hin ein Klima der Ver­drän­gung: Auf­ent­halts­mög­lich­kei­ten wer­den so kon­zi­piert, dass sie sich nicht zum Über­nach­ten eig­nen. Draht­zäune und Sta­cheln schir­men ab – auf diese Weise wurde da­mals auch Holli von sei­nem Wohn­platz in ei­nem Haus­ein­gang an der Ka­men­zer Straße ver­trie­ben. Bra­chen und freie Flä­chen, auf de­nen Spiel­ar­ten des dau­er­haf­ten Woh­nens jen­seits der Miet­woh­nung statt­fin­den könn­ten, wer­den rar. Die Stadt bie­tet nicht mehr Platz für alle. "Für Ob­dach­lose gilt: Haupt­sa­che raus aus dem Stadt­bild", sagt Tim.

Forderungen im Stadtbild sichtar machen. Foto: Bettellobby
For­de­run­gen im Stadt­bild sichtar ma­chen. Foto: Bettellobby

Ohne Wohnung kann man nicht zuhause bleiben

"Auf der Straße zu le­ben be­deu­tet per­ma­nen­ten Stress", er­klärt Kath­rin. Stän­dig lebt man in Un­ge­wiss­hei­ten, in Angst und Sorge. Wet­ter, Lärm, an­dere Men­schen – Ob­dach­lose kön­nen keine Tür hin­ter sich zu­zie­hen und sich in ei­nen Schutz­raum be­ge­ben. Und schon gar nicht "zu­hause bleiben".

"Wir un­ter­lie­gen dem Span­nungs­feld zwi­schen aku­ter Hilfe und lang­fris­ti­gen Zie­len", er­läu­tert Tim zur Stra­te­gie der Bet­tel­lobby. Eine akute Hilfe könnte es sein, leer ste­hende Ho­tel­zim­mer für Ob­dach­lose zu öff­nen. Ein Vor­schlag, dem in Deutsch­land et­li­che Städte und Ge­mein­den ge­folgt sind. Eine da­von ist Leipzig.

"Ei­nen si­che­ren Schlaf­platz zu ha­ben be­deu­tet nicht nur, nicht zu er­frie­ren, son­dern auch Zeit zum Pla­nen und Nach­den­ken zu ha­ben. Sich ord­nen zu kön­nen, Ruhe zu fin­den, ge­sund zu wer­den und zu blei­ben", sagt Kath­rin. In der aku­ten Hilfe liegt also auch ein Stück Lang­fris­tig­keit: Ein Wohn­raum ist ein Anfang.

Die Bet­tel­Lobby setzt sich für Men­schen ein, die un­ter­re­prä­sen­tiert sind, weil sie im wahrs­ten Sinne des Wor­tes keine po­li­ti­sche Stimme ha­ben. "So­bald wir den Druck auf die Po­li­tik ver­rin­gern, ge­rät das Thema in Ver­ges­sen­heit." Die Bet­tel­Lobby hatte sich z.B. für ei­nen Dusch­bus in Dres­den ein­ge­setzt und das Geld da­für per Stadt­rats­be­schluss er­hal­ten. "Ir­gend­wie ist das aber ver­sackt und das Geld wurde im ak­tu­el­len Haus­halt nicht ver­aus­gabt", sagt Kath­rin. Die Krise hat die Bet­tel­Lobby re­ak­ti­viert: "Je­der Mensch hat ein Grund­recht auf Woh­nen. Da­bei blei­ben wir."

BettelLobby Dresden

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31 Ergänzungen

  1. "Ob­dach­lose Men­schen ge­hö­ren seit ei­ni­gen Jah­ren ver­stärkt zum Dresd­ner Stadtbild."
    So, so.
    Die An­zahl der be­kann­ten Ob­dach­lo­sen liegt in Dres­den zwi­schen 300 und 400 und für diese Per­so­nen­gruppe gibt es der­zeit 361 Plätze in Über­gangs­hei­men und Wohnungen.
    An die­ser Zahl hat sich seit Jah­ren kaum et­was geändert.
    Und ost­eu­ro­päi­sche Fa­mi­lien, wel­che hier nach EU-Recht auf So­zi­al­hilfe spe­ku­lie­ren und mit bet­teln diese auf­sto­cken, ha­ben da­mit gar nichts zu tun.
    Was die­ser ganze Bei­trag soll, er­schließt sich mir nicht.
    Oder habe ich ver­passt, dass ge­plant ist, das Bet­tel­ein­nah­men zu­künf­tig der Ein­kom­mens­steuer un­ter­lie­gen sollen?

  2. Lie­bes Neustadtgeflüster,
    Ich lese diese Seite wirk­lich sehr gern. Mir er­schließt sich aber nicht, wes­halb hier im­mer wie­der men­schen­ver­ach­ten­den Po­si­tio­nen in den Kom­men­tar­spal­ten ein Fo­rum ge­bo­ten wird. Na­tür­lich ist es wün­schens­wert, wenn Men­schen in ei­nen ho­ri­zont­er­wei­tern­den Aus­tausch tre­ten kön­nen, nur habe ich den Ein­druck, dass es hier eine Hand­voll Le­ser gibt, die nur dar­auf war­ten, dass wie­der ein Ar­ti­kel er­scheint, un­ter den sie ihre dis­kri­mi­nie­ren­den und ste­reo­ty­pen­re­pro­du­zie­ren­den Kom­men­tare schrei­ben kön­nen. Das sind auch im­mer ir­gend­wie die glei­chen. Ich glaube nicht, dass Ti­mur ohne Trupp ein­schät­zen kann, wel­che Fa­mi­lien auf was spe­ku­lie­ren. Ich glaube eher, dass Ti­mur ohne Trupp ein trau­ri­ges, ein­sa­mes We­sen ist, dass zu oft nicht ge­hört und ge­se­hen wird und des­halb gern nach un­ten tritt. So­was sollte beim Psy­cho­lo­gen be­spro­chen wer­den und nicht in den Kom­men­tar­spal­ten ir­gend­wel­cher On­line­for­mate. Diese hier wird auf je­den Fall deut­lich zu oft als Mög­lich­keit ge­nutzt um al­ter­na­tive Le­bens­kon­zepte durch den Schlamm zu zer­ren. Viel­leicht sollte die Kom­men­tar­funk­tion ge­ne­rell mal über­dacht werden.

  3. Ti­mur, falls du Tipps für Lü­cken im Sys­tem kennst, wäre ich dir sehr dank­bar, die hier zu tei­len. Das würde meine Ar­beit im­mens er­leich­tern, denn mei­ner Er­fah­rung nach, ist die Si­tua­tion für EU-Bürger*innen mehr als pre­kär und So­zi­al­hilfe be­kom­men sie in ab­so­lu­ten Ausnahmefällen.

  4. Ti­mur, das ist Ras­sis­mus wie aus dem Lehr­buch – wäre ich Leh­rer würde ich dei­nen Kom­men­tar als ab­schre­cken­des Bei­spiel im Un­ter­richt nut­zen wollen.

  5. Danke Bat­man! Kann man nicht bes­ser for­mu­lie­ren. Mir stößt es auch auf, das die ca. 5 im­mer glei­chen Kom­men­ta­to­ren hier bei jeg­li­chen so­zia­len The­men ihre un­em­pa­thi­sche, men­schen­ver­ach­tende, frem­den­feind­li­che und teils ge­schichts­re­vi­sio­nis­tisch Hetze ver­brei­ten kön­nen. Lie­ber Herr Lau­ner, ich weiß auch wie wich­tig der Dis­kurs ist und dass man man­che Mei­nun­gen in der De­mo­kra­tie auch ein­fach aus­hal­ten muss. Den­noch ist es oft un­er­träg­lich, hier oft Kom­men­tare in schlech­tes­ter AfD Ma­nier zu le­sen. Da wünschte ich mir für man­che Bei­träge auch eine ein­ge­schränkte Kommentarfunktion.

  6. @Batman

    da wäre ich ja vor­sich­tig bei sol­chen Verdächtigungen…wie alle ja wis­sen, ist Bat­man auch ein trau­ri­ges, ein­sa­mes We­sen und zwi­schen­durch ein klei­ner So­zio­path mit psy­cho­pa­thi­schen Zügen.

  7. Ich muss Bat­man lei­der zu 100% Recht ge­ben. Ich kom­men­tier un­ter den meis­ten Threads schon gar nicht mehr, weil meist die glei­chen Per­so­nen ihre stets glei­chen Ste­reo­type im­mer und im­mer wie­der als Kom­men­tare pos­ten. Ich glaube auch nicht, dass eine Dis­kus­sion über­haupt ge­wünscht ist – ei­nige wol­len ein­fach nur eine Bühne zur Selbst­in­sze­nie­rung. Da kann man die Kom­men­tare auch ein­fach ab­schal­ten, bzw. ein­fach nicht mehr le­sen – was dann auch wie­derum die Funk­tion an sich hin­fäl­lig macht.

    Noch et­was zum Thema: Ich finde das durch­aus wich­tig und es ist gut, dass ihr sol­che Ar­ti­kel bringt und dar­auf auf­merk­sam macht. Vie­len Dank!

  8. @Batman
    So be­dau­er­lich dass auch ist, aber es wird im­mer Men­schen ge­ben die ein­zig­ar­tig sind. Da­mit ver­schwende ich nicht meine Zeit und En­er­gie. Die fehlt mir dann an wich­ti­ge­ren Stellen.

    Zur Wende (1990) war ich in Leip­zig über­rascht keine Ob­dach­lo­sen im Stra­ßen­bild zu se­hen. Was im Wes­ten, in Köln, in Mün­chen und auch Kre­feld, Nor­mal­zu­stand war, exis­tierte im Os­ten nicht, war zu­min­dest nicht sicht­bar. Und dann ka­men sie, in den ver­gan­ge­nen Jah­ren wurde es im­mer mehr the­ma­ti­siert. Zu­nächst durch Pres­se­ar­ti­kel über ei­nen Herrn im Hecht­vier­tel der keine übel­rie­chen­den vor sei­nem La­den ha­ben wollte.

    Co­ro­nabe­dingt be­wege ich mich der­zeit kaum in der Öf­fent­lich­keit (was man­che fei­ern, aber das ist eine an­dere Ge­schichte), aber vor we­ni­gen Wo­chen sah ich Men­schen in der Löß­nitz­straße un­ter ei­ner Bahn­brü­cke cam­pie­ren und fragte mich: Sind wir als Ge­sell­schaft wirk­lich so ab­ge­stumpft dass uns dass nicht mehr bewegt?

    Was ein­zelne auf die Straße treibt ist zu­nächst ein­mal un­be­deu­tend. Selbst wenn es nicht ge­lingt die Ur­sa­chen ins­ge­samt zu be­sei­ti­gen, sollte die Ge­sell­schaft sich die­ser wach­sen­den Pro­ble­ma­tik stel­len. Diese Pro­blem ver­schwin­det nicht wenn der So­zi­al­haus­halt ge­kürzt wird und die we­ni­gen, die be­reit sind ge­gen Löhne, die Ent­beh­run­gen be­inhal­ten, fa­den­schei­nige Pro­kla­ma­tio­nen leis­ten müs­sen wie vor we­ni­gen Jah­ren erst: So­zi­al­ar­beit wurde als links­ver­si­fft be­zeich­net und die Be­tei­lig­ten muss­ten, durch Lip­pen­be­kennt­nisse so­wie ei­ner schrift­li­chen Be­stä­ti­gung auf dem Bo­den der frei­heit­lich de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung zu ste­hen, ein Zeug­nis ih­rer Un­ter­wür­fig­keit ab­lie­fern. Erst dann ga­ben die ho­hen Da­men und Her­ren des Stadt­ra­tes in ih­rer Groß­ar­tig­keit öf­fent­li­che Mit­tel frei. Um diese gleich wie­der zu kürzen.

  9. Kin­der, die bet­teln, sind imho ein Fall fürs Ju­gend­amt. Aber wenn das ein­schrei­tet, wird die MEM ruck-zuck weiterziehen.

  10. Hallo Bat­man, Mi­cha, Ro­bin und Die­ter, danke für die Anmerkungen. 

    Ver­mut­lich stumpfe ich nach ei­ner Weile schon ab, so dass mir der Kom­men­tar von Ti­mur gar nicht ins Auge ge­fal­len ist, weil ich vor­her schon ei­nige be­lei­di­gende Kom­men­tare still­schwei­gend ge­löscht habe. 

    Die Über­le­gung, die Kom­men­tar­spalte ganz ab­zu­schal­ten, habe ich schon seit ei­ner Weile. Fällt mir je­doch schwer, da mir der Aus­tausch mit den Leser*innen wich­tig ist.

  11. Nach­lie­fe­rung.
    Dass feh­lende s hat sich un­ter dem Kühl­schrank ver­steckt. Wollte die ge­heizte (Luxus)Wohnung nicht ver­las­sen. Da der Kühl­schrank leer ist war es ein leich­tes die­sen an­zu­he­ben und her­vor zu zerren.

    Ist ja bald er­le­digt, da geht es auch für mich auf die Straße. Geht schnell, gerne bin ich be­reit mal so eine Hütte zu zei­gen. Das schönste Haus in ei­nem No­bel­vier­tel. Ge­hörte mal ei­nem Chef­arzt. Bis zu sei­ner Schei­dung und fol­gen­dem Schei­dungs­krieg und Al­ko­hol als Lö­sungs­an­satz. Hat nicht funk­tio­niert, in seine letz­ten Le­bens­jah­ren grub er im Wald Lö­cher in den Bo­den um im Win­ter nicht zu erfrieren.

    Es ist im­mer leicht Steine auf Men­schen zu wer­fen von de­nen man nichts weiß. Und auch nichts wis­sen will.

  12. @Dieter Schmitz

    Das feh­lende "s" war gar nicht un­term Kühl­schrank. Es hat sich nur wei­ter oben im Text nütz­lich gemacht.….

    ;-)

  13. @Anton Lau­ner
    Klingt viel­leicht ko­misch, aber Zen­sur schafft mehr Pro­bleme als dass diese zu Lö­sun­gen bei­trägt. So schwer man­che Aus­sa­gen auch zu er­tra­gen sind, aber wo be­ginnt die Mei­nungs­frei­heit und wo en­det diese?

    Bei­spiel Pe­gida: Min­der­hei­ten­mei­nun­gen wer­den laut­stark vor­ge­tra­gen und ver­fäl­schen das Ge­samt­bild der Dresd­ner Ge­sell­schaft. Auch hier muss, in fried­li­cher Weise, eine Ge­gen­mei­nung zum Zuge kom­men. Dies be­trifft auch Kom­men­tar­spal­ten, sie spie­geln Mei­nun­gen wie­der. Sich dar­auf ein­zu­las­sen ist im­mer mit der Ge­fahr ver­bun­den selbst zum Troll zu wer­den. Da hoffe ich auf eure Hilfe.

  14. Ti­mur hat ge­nau die Dif­fe­ren­zie­rung vor­ge­nom­men, die bei die­sem Thema not­wen­dig ist und die in die­sem Ar­ti­kel be­zeich­nen­der­weise ver­mie­den wurde.

    An­statt re­flex­haft Ras­sis­mus zu blä­ken und Zen­sur zu for­dern, soll­ten sich ei­nige mal mit der Rea­li­tät beschäftigen:

    https://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/roma-clans-elend-als-geschaeftsmodell-12092059.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

    https://www.n‑tv.de/politik/Armutsmigration-in-der-EU-ist-das-Problem-article20566196.html

  15. zu­rück zum Thema :
    Ziel sollte sein, dass nie­mand auf das Bet­teln an­ge­wie­sen ist. Deshalb
    1. beim So­zi­al­amt ei­nen Schein für ei­nen Platz in ei­nem Ob­dach­lo­sen­wohn­heim (mit Kos­ten­über­nahme) holen
    2. mit Ein­zug er­gibt sich eine Post­adresse, Sa­ni­tär­ein­rich­tun­gen wie Du­sche, Ge­mein­schafts­kü­che, Waschm­schine und ein Dach über dem Kopf.
    3. Bank­konto einrichten
    4. beim Job­cen­ter mel­den (Job­su­che, Alg beantragen)
    5. So­zi­al­ti­cket für Nah­ver­kehr besorgen
    6. Ar­beits­su­che (in der Tram lau­fen ab und zu Job­an­ge­bote wie Rei­ni­gungs­ar­bei­ten in Voll- und Teilzeit)
    7. be­zahl­bare Woh­nung su­chen (dazu An­sprü­che und Mög­lich­kei­ten in Ein­klang bringen).
    PS : wer noch an­dere Lö­sungs­vor­schläge hat .. nur raus damit
    "Wer et­was will fin­det Wege. Wer et­was nicht will sucht Gründe."
    Eine Auf­zäh­lung was al­les nicht geht, hilft nie­man­dem weiter.

  16. @Batman et.al.: Es sind (lei­der) nicht nur ras­sis­ti­sche Ste­reo­type. Ein bul­ga­risch­stäm­mi­ger Freund be­rich­tete mir einst vom Nach­barn sei­ner Fe­ri­en­dat­sche in der al­ten Hei­mat. Die­ser lo­kale Roma-Clan-Chef hatte sich dort eine hüb­sche Villa ge­baut und mei­nem Freund leicht grin­send er­klärt, das hät­ten al­les seine Leute in Deutsch­land… – Las­sen wir De­tails, aber ich bin selbst oft mit den Rad durch Ost­eu­ropa ge­fah­ren, und die Welt der Roma, auch wenn ich sie nur am Rande mit­be­komme habe, ist schon eine an­dere und nicht mir hie­si­gen Maß­stä­ben zu messen.

    Was die mehr ein­hei­mi­schen Al­kis be­trifft, die re­gel­mä­ßig vor Su­per­märk­ten la­gern, so wurde ich selbst vorm Netto schon übelst be­schimpft, weil ich höf­lich die Bitte ab­ge­lehnt hatte, ei­nem ein Bier mit­zu­brin­gen, und meine asia­ti­sche Frau wurde der­einst mit ei­nem blö­kend grö­len­den "China, China" be­grüßt, die läuft seit­her vor Angst im­mer große Bo­gen um diese Men­schen. Nicht lustig!

    Wer mal nä­her mit der Sorte Mensch zu tun ge­habt hat, weiß, dass die zeit­weise ganz um­gäng­lich sind, aber auch von ei­nem Au­gen­blick auf den an­dern völ­lig um­schal­ten, brül­len, flu­chen und schimp­fen kön­nen, weil sie sich die müh­sam an­er­zo­gene emo­tio­nale Zu­rück­hal­tung weg­ge­sof­fen ha­ben und in je­dem ei­nen Feind se­hen, wenn es nicht gleich so läuft, wie sie wün­schen. Gleich­zei­tig sorgt der Al­ko­hol für völ­lige Un­ein­sich­tig­keit be­züg­lich der Wir­kung des ei­ge­nen Sozialverhaltens.

    Ob sie nun sau­fen, weil die auf der Straße le­ben, oder um­ge­kehrt, sei mal da­hin­ge­stellt, aber mit der Re­duk­tion auf "arme Men­schen ohne Miet­ver­trag" wird der Si­tua­tion je­den­falls nicht gerecht.

  17. Hallo DS,
    doch, ge­nau das ist ein ras­sis­ti­sche Ste­reo­typ! Ja es gibt Gau­ner un­ter den Sinti und Roma. Es gibt aber auch deut­sche Gauner,die diese in Schlacht­hö­fen oder auf Spar­gel­fel­dern aus­beu­ten. Es gibt so­gar die eine oder an­dere Villa,die von Deut­schen mit zwei­fel­haf­ten Leu­mund be­wohnt wird.
    Von Ein­zel­fäl­len auf ganze Be­völ­ke­rungs­grup­pen zu schlie­ßen ist kaum als dif­fe­ren­zierte Her­an­ge­hens­weise zu be­zeich­nen. Gründe für Kri­mi­na­li­tät gibt es viele.Die Her­kunft ge­hört nicht dazu!

  18. @Batman
    Danke, dass du das an­sprichst, ich möchte mich da auch an­schlie­ßen. Ich habe vor ei­ner Weile mal un­ter ei­nem Ar­ti­kel kom­men­tiert, dass ich ei­nen Co­mic un­an­ge­nehm fand, der in mei­nen Au­gen frau­en­feind­lich war und se­xu­elle Über­grif­fig­keit als was Cle­ve­res, Lus­ti­ges dar­ge­stellt hat. Das hat die üb­li­chen Ver­däch­ti­gen an­ge­zo­gen und ne­ben dem ty­pi­schen "nun hab dich mal nicht so" wur­den von An­ton auch zwei Kom­men­tare frei ge­schal­tet, die ich eben­falls se­xu­ell grenz­über­schrei­tend fand und die mich wahr­schein­lich auch auf diese Art ver­let­zen soll­ten (hier, falls es je­mand nach­le­sen und selbst be­ur­tei­len will: https://www.neustadt-ticker.de/158615/alltag/kultur/endlich-wieder-karikaturen-vom-pinselbuben). Das hat mich sehr be­schäf­tigt, und ich denke Mo­nate spä­ter im­mer noch manch­mal dar­über nach und habe schon öf­ter über­legt, ob ich An­ton des­we­gen ein­fach mal schrei­ben soll. Dass An­ton alle Kom­men­tare per­sön­lich frei­schal­tet, hat es schlim­mer ge­macht. Da­durch hat es sich an­ge­fühlt wie eine Le­gi­ti­ma­tion der Kom­men­tare durch eine Autoritätsperson.
    @Anton
    Ich weiß, du willst hier wahr­schein­lich gar nicht die Au­to­ri­täts­per­son sein und ich ver­stehe auch, dass es eine schwere Auf­gabe ist zu ent­schei­den, was ge­le­sen wer­den darf und was nicht. Zu­mal du al­leine ent­schei­dest und am Ende in Ei­gen­ver­ant­wor­tung den gro­ßen Zen­sur­meis­ter spie­len müss­test. Der Traum vom of­fe­nen, freien WWW ist lei­der schon lange ge­platzt. Kom­men­tar­spal­ten wer­den oft ge­zielt über­nom­men und für po­li­ti­sche Zwe­cke ge­nutzt, der Rest ver­liert die Lust mit­zu­kom­men­tie­ren. Selbst netzpolitik.org muss­ten das schon ein­se­hen. Die ge­hör­ten zu den letz­ten, die eine of­fene Kom­men­tar­spalte ohne An­mel­de­pflicht hat­ten und muss­ten das letzt­lich auch auf­ge­ben. Da­für ha­ben sie neue Kom­men­tar­re­geln auf­ge­stellt, die ich gut finde und die viel­leicht eine In­spi­ra­tion da­für sein könn­ten, wie es wei­ter geht:
    https://netzpolitik.org/kommentare/

  19. Danke Kath, das (Wir wer­den Mei­nungs­bei­träge, die keine in­halt­li­che Er­gän­zung dar­stel­len, ein­fach und ohne wei­tere Er­klä­rung lö­schen.) klingt nach ei­ner mög­li­chen Lö­sung. Ich werde das mal in der Re­dak­tion diskutieren. 

    Tut mir leid, dass dich das sei­ner­zeit so ge­trof­fen hat. Aber Dir ist dann auch be­wusst, dass nach die­ser Re­ge­lung auch Dein ers­ter Kom­men­tar un­ter dem Pin­sel­bu­ben-Bei­trag nicht ver­öf­fent­licht wer­den würde?

  20. @Kath
    Das Pro­blem da­bei ist, dass sich im­mer ir­gend­wer von je­dem Thema ver­letzt füh­len könnte. Schau Dir die Co­me­di­ans an, die neh­men auch je­des er­denk­li­che Thema und be­nut­zen Scherze dar­über als Teil ih­res Pro­gramms. Ma­rio B. zum Bei­spiel fährt auch eine sehr stu­pide alle-Frauen-sind-nur-an-Shop­ping-und-Hand­ta­schen-in­ter­es­siert-Li­nie. Da könnte sich auch die eine oder an­dere Frau an­ge­grif­fen füh­len. An­dere nut­zen auch Krank­hei­ten, Be­hin­de­run­gen etc. als Gag. Auch da könnte sich je­der, der selbst be­trof­fen ist, an­ge­grif­fen fühlen.
    So ge­se­hen müßte man also al­les ver­bie­ten und zen­sie­ren, weil es IMMER min­des­tens ei­nen Men­schen auf der Welt gibt, der sich von ei­ner Sa­che ver­letzt fühlt. Soll das die Lö­sung sein? Die neue po­li­ti­sche Kor­rekt­heit geht ja schon den Weg, al­les mög­li­che zu verbieten.
    Un­be­queme Mei­nun­gen wer­den teils ver­bo­ten, teils diffamiert.
    Der Ein­zelne kann sich die Welt und an­dere Men­schen in­klu­sive de­ren Auf­fas­sung von Hu­mor nicht nach sei­nen Vor­stel­lun­gen zurechtbiegen.
    Man kann sich aber ab­wen­den von Din­gen, die man selbst be­an­stan­den würde, und sich da­von nicht wei­ter be­ein­flus­sen lassen.
    Die Grenze m.E. wäre, wenn eine be­stimmte Per­son per­sön­lich an­ge­grif­fen wird. Aber das ist ja bei die­ser Sa­che nicht der Fall.
    Je­der hat eben an­dere Gren­zen, und wer sind wir, die Gren­zen der an­de­ren de­fi­nie­ren und fest­le­gen zu wollen. 

    @Anton
    Danke noch­mal für den Vor­schlag mit dem A.-Zusatz-Nick, aber da der ja auch ge­hi­jackt wurde, kann ich mir die zu­sätz­li­che Tipp-Ar­beit von ei­nem Buch­sta­ben mehr spa­ren (was er­freu­lich ist).
    Die an­de­ren Fran­zis­kas aka NG-Trolle dür­fen wei­ter­ar­bei­ten, es gibt ja ge­nug zu tun mit den mehr als nur Einzelfalls-Gegenmeinungen.

  21. Viele der ob­dach­lo­sen Men­schen ha­ben keine Woh­nung, weil sie sich zwecks ei­nes vor­lie­gen­den Haft­be­fehls – meist we­gen Schwarz­fah­ren – nicht zum Amt trauen!? Würde der öf­fent­li­che Nah- und Fern­ver­kehr end­lich sei­nem Na­men ge­recht und über Steu­er­geld an­statt Ti­ckets fi­nan­ziert wer­den, hät­ten wir ei­nen gro­ßen Teil der ob­dach­lo­sen Men­schen von der Straße geholt.

  22. Ei­nen An­lass zum Bet­teln bie­tet der Um­stand, dass auch in den meis­ten so­zia­len Ein­rich­tun­gen Klei­dungs­stü­cke, Schlaf­sä­cke, Iso­mat­ten, Kaf­fee, Mahl­zei­ten, Du­schen, Wä­sche wa­schen, usw. nicht kos­ten­los angeboten/​abgegeben wer­den. In­ter­es­sant ist, dass es sich hier­bei um Ver­eine mit staat­li­cher Un­ter­stüt­zung handelt.

  23. @Kath
    …da ging es um ei­nen Co­mic, der Dich sehr be­trof­fen ge­macht hat? Die Kom­men­tare finde ich da nicht so hart, wie der Co­mic an sich, aber: es ist ein Comic…(soll lus­tig sein). #HUMOR

    An­sons­ten steht der Rechts­weg of­fen… (mach An­ton das Le­ben mal nicht so schwer, er hat jetzt si­cher Ge­wis­sens­bisse, sel­ber haste ja so­gar noch ne Seite ver­linkt, die so Hu­mor­bil­der postet..)

  24. Wo wird dann die Grenze sein bei den un­zäh­li­gen un­ter­schied­li­chen Befindlichkeiten
    Und warum und wann fühlt sich je­mand durch an­onyme Kom­men­tare ver­letzt und ge­kränkt – aus­ge­rech­net im Internet?
    Ego, per­sön­li­che Ei­tel­keit, oder was spielt da eine Rolle?
    Wäre Kri­tik an dem Thema hier ein persönlicherAngriff?
    Und dürf­ten dann Quer­den­ker ihre The­sen ab­las­sen, die ganz ge­wiss keine in­halt­li­che Er­gän­zung darstellen?
    Was ist mit kri­ti­schen Kommentaren?
    Lus­tige und iro­ni­sche Kommentare?
    We­gen ein­zel­nen Per­so­nen, die sich und da­mit wie­der­hole ich mich, auf den Schlips ge­tre­ten füh­len, weil sie ei­nen an­ony­men Kom­men­tar le­sen und sich per­sön­lich an­ge­grif­fen fühlen?
    Soll­ten die­je­ni­gen, die es be­trifft, dann nicht bei sich sel­ber nach­se­hen, wo das Pro­blem liegt und daran arbeiten?
    So­lange es keine Ge­walt­auf­rufe, Mord­dro­hun­gen und Men­schen­ver­ach­tende Kom­men­tare sind, ist doch al­les schick und es gibt kei­nen An­lass, sich per­sön­lich an­ge­spro­chen zu fühlen.

  25. @Therapist: "So­lange es keine Ge­walt­auf­rufe, Mord­dro­hun­gen und Men­schen­ver­ach­tende Kom­men­tare sind, ist doch al­les schick". 

    Wann ist es ein Ge­walt­auf­ruf? Reicht da schon ein: "Pass auf, wenn Du das nächste Mal die Ein­bahn­straße lang­fährst!" Wann fängt es an, men­schen­ver­ach­tend zu wer­den oder wann ist das noch le­gi­time Kri­tik? Und mit Iro­nie wird es noch schwie­ri­ger, denn die wird ja gern missverstanden. 

    Ich glaube, diese Ent­schei­dung wird nie einfach.

  26. @Seldon:,
    "doch, ge­nau das ist ein ras­sis­ti­sche Stereotyp! […]
    Von Ein­zel­fäl­len auf ganze Be­völ­ke­rungs­grup­pen zu schlie­ßen ist kaum als dif­fe­ren­zierte Her­an­ge­hens­weise zu bezeichnen."

    Bitte: Hin­fah­ren, an­schauen, dif­fe­ren­zie­ren, statt vom deut­schen Sofa aus Ras­sis­mus zu schreien. Nir­gendwo schrieb ich, die seien alle so. Im Ge­gen­teil, als mit­ten in den bul­ga­ri­schen Ber­gen ein deut­sches Ehe­paar ex­tra sein Lu­xus-Wohn­mo­bil an­hielt, um mich vor den "Zi­geu­nern" zu war­nen, musste ich lä­cheln, hatte ich doch ge­rade am La­ger an­ge­hal­ten, mich freund­lich mit den Kids un­ter­hal­ten und ein paar Pho­tos ge­macht, ganz ohne, dass mir je­mand was vom Rad ge­ris­sen hätte.

    Viele sind wirk­lich arm, vor 20 Jah­ren sahst Du noch Plan­wa­gen wie in al­ten Fil­men, Kin­der nackt im Dreck spie­len, Du siehst Leute mit un­ter Le­bens­ge­fahr (Braun­bä­ren!) ge­sam­mel­ten Ei­mern vol­ler Wald­bee­ren am Stra­ßen­rand, um ein we­nig Geld zu ver­die­nen, und Dör­fer mit Le­bens­um­stän­den, die Du eher in Afrika ver­mu­ten wür­dest. Man­che bes­ser­ge­stellte wol­len ein­fach nur eine kur­zen Plausch und in­ter­es­sie­ren sich fürs Rad etc, wie an­dere Leute auch. Arme Äl­tere Fra­gen mal nach was zum Es­sen oder Kip­pen, nor­mal und mit Ges­ten, al­les i.d.R. im Rahmen.

    Aber es gab halt auch die an­dere Seite. Ag­gres­siv bet­telnde Kids, die Steine schmei­ßen, wenn man ih­nen nichts gibt. Den Ty­pen, der mir gleich eine Frau ver­kau­fen wollte – ob für die Nacht oder dau­er­haft habe ich nicht be­grif­fen. Die vor­ge­scho­bene Au­to­panne am Stra­ßen­rand zum An­ban­deln mit gleich fol­gen­dem Falsch­geld-Be­trugs­ver­such etc…

    Si­cher sind die we­nigs­ten so, aber als Aus­län­der und po­ti­en­ti­el­les Op­fer lernst Du halt ge­nau den Teil der Leute ken­nen. Und al­lein die An­zahl der Er­leb­nisse in we­ni­gen Ur­laubs­wo­chen deu­tet schon dar­auf hin, dass oben be­schrie­bene Ver­hal­tens­wei­sen in die­sem Volk sta­tis­tisch et­was ver­brei­te­ter ist, als bei uns oder auch an­de­ren Einheimischen.

    Warum das so ist? Weiß ich nicht, bin we­der Eth­no­loge noch So­zi­al­for­scher, aber ir­gend­was mit Wer­te­sys­tem, also Er­zie­hung und Her­kunft, muss es wohl zu tun ha­ben, Ar­mut al­lein er­klärt es je­den­falls nicht.

  27. @ An­ton
    Ja, das ist mir be­wusst. Das ist dann auch für mich ein An­stoß, dif­fe­ren­zier­ter zu sein und dar­über nach­zu­den­ken, ob ich mit mei­nem Kom­men­tar ei­nen zu­sätz­li­chen Bei­trag zum Ar­ti­kel leiste oder nicht.
    Vie­len Dank, dass du es wagst und neue Re­geln aus­pro­bierst. Ich drü­cke die Dau­men, dass es die Dinge leich­ter macht.
    Über die Ent­schul­di­gung habe ich mich ge­freut und ich möchte noch hin­zu­fü­gen, dass ich weiß, wo ge­ho­belt wird, da flie­gen Späne. Ich bin dir auf je­den Fall dank­bar da­für, dass du das neu­stadt-ge­flüs­ter auf die Beine ge­stellt hast und die Ar­beit machst, auch wenn es mit­un­ter kom­pli­ziert ist.

    @ HUMOR & Therapist
    In mei­nem Fall stammt die Be­trof­fen­heit aus schlech­ten per­sön­li­chen Er­fah­run­gen. Die meis­ten Frauen ken­nen se­xu­elle Grenz­über­schrei­tun­gen und ich denke, ich bin nicht die Ein­zige, bei der das dazu ge­führt hat, dass ich so­was nicht so wit­zig finde und da sen­si­bel bin. Ich sehe es auch nicht als per­sön­li­che Schwä­che oder meine Auf­gabe, mich ab­zu­här­ten. Ich finde es le­gi­tim, ei­nen sen­si­ble­ren Um­gang mit dem Thema zu for­dern und ei­nen Schutz vor Kom­men­ta­ren, die man auch im ech­ten Le­ben nicht dul­den würde.
    Es gibt keine ein­fa­che Ant­wort dar­auf, wo die Grenze zu zie­hen ist. Fakt ist, wenn man sie sehr nied­rig an­setzt, lan­det man bei "Nur die Har­ten kom­men in den Gar­ten". Man kann auch so fra­gen: Wärt ihr im ech­ten Le­ben zu­frie­den mit ei­ner Dis­kus­sion, in der vor al­lem die Lau­tes­ten, Bis­sigs­ten zu Wort kom­men und der Rest zu­neh­mend die Lust ver­liert mitzureden?

  28. @ Die­ter Schmitz

    "Zur Wende (1990) war ich in Leip­zig über­rascht keine Ob­dach­lo­sen im Stra­ßen­bild zu se­hen. Was im Wes­ten, in Köln, in Mün­chen und auch Kre­feld, Nor­mal­zu­stand war, exis­tierte im Os­ten nicht, war zu­min­dest nicht sichtbar."

    Die DDR war hin­sicht­lich "Nicht­sicht­bar­keitma­chung" ein­fach viel kon­se­quen­ter als alle heu­ti­gen Ver­su­che. Mit dem § 249 StGB er­gab sich die Kri­mi­na­li­sie­rung von Ar­beits­scheuen, Land­strei­chern und Woh­nungs­lo­sen. Das wurde auch gern zur Ver­drän­gung von sons­ti­gen miss­lie­bi­gen Ele­men­ten aus dem öf­fent­li­chen Raum ge­nutzt; Auf­ent­halts­be­schrän­kun­gen wa­ren ne­ben Frei­heits­strafe bis zu 2 Jah­ren mög­lich und häu­fig angewandt.
    (Wer sich auch nur am Rande von Ju­gend-Sub­kul­tu­ren be­wegte, kannte min­des­tens ei­nen Ty­pen mit "Ber­lin-Ver­bot".)

    Das hatte auch nach der Auf­he­bung des § 249 StGB mit dem Ei­ni­gungs­ver­trag 1990 si­cher noch Nach­wir­kung in der "Selbst­zen­sur" der je­wei­li­gen Menschen.

  29. Zum Stich­wort "Die kau­fen ja so­wieso bloß Alkohol":

    Das ist, wenn es sich tat­säch­lcih um ei­nen Al­ko­hol­kran­ken han­delt, das ein­zige, was die­sem ar­men Men­schen in dem Mo­ment hilft. Wenn Du ihm ein be­leg­tes Brot, oder ge­sün­der noch eine vit­amin­rei­che Obst­schale kaufst, lin­dert das seine Ent­zugs­er­schei­nun­gen nicht für fünf Pfen­nig. Und tro­cken wird er da­von, ihm nichts zu ge­ben, auch nicht.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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