Einen Kaffee, aber wie?

Nicolas öffnet die KAFFEEkostBAR am Montag und Sonnabend.
Nicolas öffnet die KAFFEEkostBAR am Montag und Sonnabend.

„Einen Kaffee, bitte“ – man könnte meinen, das sei einfach. Kaffee ist doch gleich Kaffee! Oder? Natürlich nicht. Seit der Gentrifizierung weiß auch die Neustadt: Es gibt mehr als Filterkaffee: Wir trinken Latte Macchiatto, Cappuccino, Espresso, Eiskaffee mit Vanilleeis natürlich ohne Sahne, Kaffee mit indischen Gewürzen, ohne Milch, mit veganer Milch, mit Zucker, Zimt, Kakao, und so weiter und so fort. Die Liste könnte ewig sein.

Nicolas Sihombing setzt noch einen drauf. Er öffnete vor ein paar Wochen einen neuen Kaffeeladen in der Martin-Luther-Straße. Montag und Sonnabend von 11 bis 19 Uhr kann man in die Weiten der Kaffeewelt entschlüpfen. Und diese Welt ist ziemlich groß. In der neuen KAFFEEkostBAR ist das Angebot so groß, da weiß ich als normale Filterkaffeetrinkerin gar nicht mehr, wo ein, wo aus oder besser gesagt: was soll rein, und was lass sein.

Zuerst gibt es da die Auswahl der Kaffeebohnen. Arabica und Robusta sind bekannt, Nicolas Sihombing bietet aber an die zehn Untersorten. Und welche Bohne davon nimmt man jetzt? Dazu stellt der aus Indonesien kommende Kaffeeexperte Nicolas erstmal ein paar Fragen: Lieber mild oder kräftig? Mit Pistazien- oder Schokonote? Würzig oder karamellig? Ich entscheide mich für die Bohne: Yellow Caturra – karamellig, mild und schokoladig, das klingt doch gut.

Der große Test ergibt: Schmeckt schon anders als zu Hause

Aber das ist noch nicht alles, denn dann kommt noch die große Frage der Brühmethode. Filteraufguss oder Syphon und wie lange soll es dauern – auch darin berät Nicolas und verweist auch auf die Brew-it-yourself-Station in seinem Laden, die man ausprobieren kann. Anschließend noch die große Frage mit Milch oder ohne. „Nimm lieber ohne Milch, dann schmeckst du den Unterschied“, erklärt Nicolas. Ergebnis: Schmeckt schon anders als zu Hause, die Milch vermisse ich nicht, etwas schokoladig, die karamellige Note treffe ich nicht auf der Zunge an, aber diese Zunge ist bestimmt auch nicht geübt im Kaffeetrinken.


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Kaffee aus einer anderen Perspektive
Kaffee aus einer anderen Perspektive

Während ich den Kaffee im Gaumen für beste Aromaentfaltung hin und herrolle, kommen immer wieder interessierte Kaffeeliebhaber, skeptische Kaffeekennerinnen, neugierige Nachbarn vorbei, um sich schnell einen guten Kaffee mitzunehmen oder diese besonderen Bohnen von Nicolas Sihombing für zu Hause zu kaufen, denn besonders ist er allemal:

  • Erstens: Nicolas befolgt mit dem Kaffee das Zwei-Könige-Prinzip: Sowohl Kund*in als auch Kaffeebäuer*in sollen sich wie „Könige“ fühlen. Das heißt, die Kaffeebäuer*innen werden fair bezahlt, alles wird transparent aufgeschlüsselt und die Feinschmecker*innen bekommen hochwertigen Kaffee aus ökologischem Anbau, der dem Gaumen schmeichelt.
  • Zweitens: Nicolas kennt die Region. Er selbst ist in Indonesien aufgewachsen und weiß, der beste Kaffee mit den meisten nationalen Preisen kommt von der Insel Flores. Und auch seine Kaffeebohnen kommen von dort.
  • Drittens: Hinter jedem Kaffee steckt eine Geschichte: Wer sind die Kleinbäuer*innen, die die Kaffeekirsche anbauen? Wie leben sie, wie groß ist ihre Anbaufläche? In der KAFFEEkostBAR zeigen Videos die Geschichte der Familien und auch auf der Verpackung steht der Name der Familie dahinter.
  • Und nicht zu vergessen: Auch mit dem Thema Verpackung setzt sich Nicolas auseinander: Seine Verpackung kommt ohne Aluminium aus, ist wiederverwendbar und wer mit eigener Kaffeedose kommt und auffüllt, kriegt 50 Cent Rabatt.
Nicolas zeigt eine Variante, Kaffee zu brühen.
Nicolas zeigt eine Variante, Kaffee zu brühen.

Angefangen hatte Nicolas mit der KAFFEEkostBAR in Döbeln. „Die kleine Bar in Dresden-Neustadt soll auch die Neustädter in unsere Kleinstadt Döbeln locken“, sagt Nicolas. In Döbeln betreibt er auch weiterhin den Laden. „Ich hab selber große Freude am experimentieren mit den Bohnen.“ So experimentiert er in seiner KAFFEEkostBAR herum und röstet in Döbeln sogar selber die Bohnen. Nun betreibt er noch dazu diesen Pop-Up-Store in der Martin-Luther-Straße, der bald umgebaut werden soll. Der Laden befindet sich in den Räumen des Stoffwechsel e.V. „Der Vorstand des Vereins ist mein Stammkunde und die haben mir sofort die Räume angeboten.“ Eigentlich wollte Nicolas über eine Crowdfunding-Aktion in die Kunsthofpassage einziehen – leider kam die Summe nicht zusammen (Neustadt-Geflüster am 29.12.18). Trotzdem hat er es dank des Stoffwechsel e.V. geschafft nun in die Neustadt einzuziehen. Dafür spendet er für jede Tasse Kaffee 50 Cent an den Verein.

Öffnungszeiten der KAFFEEkostBAR in der Martin-Luther-Straße:

  • Montag und Sonnabend von 11 bis 19 Uhr
  • In der Woche vom 22. Juli bis 27. Juli hat die KAFFEEkostBAR täglich geöffnet.
  • Mehr Infos unter: www.kaffeebatavia.de

4 Kommentare zu “Einen Kaffee, aber wie?

4 Gedanken zu „Einen Kaffee, aber wie?

  1. @Luisa

    „Seit der Gentrifizierung weiß auch die Neustadt: Es gibt mehr als Filterkaffee:“

    BOMBENSPRUCH !

    wir sind ein wenig verwirrt……im Umkehrschluss heisst das also, dass kein Student, kein Punker, kein Senior, kein Sozialhilfeempfänger, kein Künstler, kein kein kein kein….weiss, dass es mehr als Filterkaffee gibt ?

  2. @ Nicolas
    Den Umweltanspruch mit wiederverwendbaren Verpackungen, etc. ist gut und richtig. Aber im nächsten Zug in der ganzen Umgebung (Kamenzer, Louise, Prießnitz, etc.) laminierte Werbezettelchen an Scheibenwischer zu heften, die jetzt die Straßen und Fußwege schmücken, finde ich persönlich überflüssig und widersprüchlich.

    Den Kaffee werde ich trotzdem mal testen, aber nur weil ich auf die Werbung in diesem Artikel anspringe :)

  3. @Friederike

    Danke für den wertvollen Vermerk. Die Aktion mit dem Verteilen des Gutscheins bzw. Werbezetteln wurden deshalb beendet da wir kein Müll auf diese Weise erzeugen wollten sondern als Buchlesezeichen darf diese weiter verwendet werden (sonderbare Format) – siehe instagram @kaffeekostbardresden.

    Lieber gebe ich Strassenpassanten auf Martin-Luther-Strasse direkt auf der Hand oder im Laden wie Unipolar damit diese von Kunden mitgenommen werden können.

    Herzliche Einladung zum Verkosten bei mir in der Bar.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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