Tolerade kommt – bunter und größer als je zuvor

Die Tolerade durchstreift am Sonnabend im taufrischen Wahlmonat Mai die Stadt. Im Schulterschluss mit Herz statt Hetze, Weltoffenes Dresden (WOD) und der Parade der Vielfalt größer, vielfältiger und schubkräftiger denn je. Das Motto: „Die Zukunft lässt sich am besten voraussagen, indem wir sie gestalten.“ Unzählige Dresdner Vereine und Initiativen beteiligen sich am Aktionstag „Gemeinsam für Vielfalt!“

Die erste Tolerade zog 2015 durch die Neustadt - Foto: Archiv
Die erste Tolerade zog 2015 durch die Neustadt – Foto: Archiv

Start der Tolerade um 14 Uhr vom Bahnhof Neustadt

Dass die Tolerade, gegründet 2014 von Akteur*innen der Dresdner Elektroszene als Antwort auf PEGIDA und das dahinter stehende Weltbild, mehr als eine einmal im Jahr fahrende Bass-Linie ist, hat sie durch ihr ganzjähriges Engagement in Vermittlungs-, Aufklärungs- und Bildungsarbeit längst unter Beweis gestellt.

Spendengelder in Höhe von 40 000 Euro, die seit der ersten Tolerade gesammelt und an gemeinnützige Vereine und Initiativen gespendet wurden, unter anderem an Mission Lifeline, sprechen für die nachhaltige und unermüdliche politische und kulturelle Arbeit des Tolerave e.V.

Unter dem diesjährigen Slogan „Vote and dance for Tolerance – Müssen wir immer erst laut werden?“ startet die Tolerade um 14 Uhr vom Bahnhof Neustadt. „Wir möchten das Klischee der hedonistischen, unpolitischen, sich hinter verschlossenen Türen abspielenden Feierszene unüberhörbar widerlegen“, so Lennart Happe, Pressesprecher des Tolerave e.V. am Montag.


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Zum gleichen Zeitpunkt startet am Hauptbahnhof die Parade der Vielfalt, die bereits zum zehnten Mal aus Anlass des Europäischen Protesttages zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung stattfindet und für mehr Teilhabe im Alltag, Chancengleichheit und Barrierefreiheit demonstriert. Am Kulturpalast wird es einen Zwischenstopp für ein Grußwort des diesjährigen Schirmherrn OB Hilbert geben.

Die Route der Tolerade
Die Route der Tolerade

„Jahrmarkt der Vielfalt“ am Postplatz

Um 15:45 Uhr ist die Fusion der bunten Feier- und Protestzüge am Postplatz geplant, wo bereits 14 Uhr der „Jahrmarkt der Vielfalt“ mit mobiler Siebdruckwerkstatt, Kunstseecontainer, Tischtheater und Maskenbau, maßgeblich organisiert von WOD, einlädt. Auf der Bühne werden Auszüge aus dem Tanztheaterstück „Freie Radikale“ und dem Stück „Himmel über Berlin gezeigt. Künstler*innen singen Lieder ihrer Heimat und der Bürgerchor „Blaues Wunder“ tritt erneut auf die Bühne.

Am gesamten Programm beteiligen sich Akteur*innen des Deutschen Hygiene-Museums, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, Landesbühnen Sachsen, Ostrale, riesa efau, Semperoper, Societaetstheater, Staatsoperette, Staatsschauspiel, theater junge generation (tjg), Verkehrsmuseum Dresden und der Verbrauchergemeinschaft. Das Bündnis „Gemeinsam für Vielfalt!“ schließt sich zusammen, um ein Zeichen für eine respektvolle, inklusive, lebendige, demokratische, tolerante Gesellschaft zu setzen. Gerechnet wird mit einer Teilnehmerzahl von etwa 20 000.

Tolerade 2018. Foto: Moritz Schlieb
Tolerade 2018. Foto: Moritz Schlieb

Der „Jahrmarkt der Vielfalt“ soll ein Podium für die Vielzahl der Vereine und Initiativen sein, die tagtäglich mit ihrer Arbeit eine virulente, lebenswerte Stadtkultur gestalten. Das Fortbestehen dieser Vielfalt, die besonders den Menschen zugute kommt, die sich „abgehängt“ fühlen oder in Notlagen sind, ist durch eine konträr ausgerichtete Umgestaltung der politischen Konstellation gefährdet. Die Initiative Dresden kippt! warnt seit  geraumer Zeit vor den möglichen Folgen einer schwarzblaugelben Mehrheit im Stadtrat, die u.a. die Abschaffung des Sozialtickets, Kürzungen von Geldern für Jugendhilfe, die Streichung des Budgets für Gleichstellung, das Ende des sozialen Wohnungsbaus nach sich ziehen könnte. „Ein Rechtsruck bedeutet für die Kultur häufig, dass Fördermittel gestrichen oder umgelenkt werden“, warnte am Montag Carena Schlewitt, Intendantin des Europäischen Zentrums der Künste in Hellerau für WOD.

Aufruf zur Wahl

Die Veranstaltung sei nicht als Wahlkampf zu verstehen, sondern als Motivation, sich mit der persönlichen Möglichkeit zur politischen Teilhabe auseinanderzusetzen. „Wir möchten die Menschen dazu aufrufen am 26. Mai wählen zu gehen und eine fundierte Wahl zu treffen“, sagt Lennart Happe. Mit dem Bündnis „Gemeinsam für Vielfalt“ soll für die Wichtigkeit sozialer und kultureller Arbeit sensibilisiert werden. „Es geht vor allem um den Netzwerkgedanken“, sagt Happe.

Rita Kuhnert von der Initiative Herz statt Hetze berichtet, wie die man mit der Tolerade im vergangenen Jahr das erste Mal in Kontakt kam: „Es war faszinierend, wie sich elektronische Musik und politische Botschaft bei dem Festzug vereinen und Menschen jeden Alters begeistern.“ Auf der Suche nach Gestaltungsmöglichkeiten des Wahlmonats Mai war man sich auch mit WOD schnell einig, eine Kooperation zu gründen. Die Parade der Vielfalt war bereits letztes Jahr Teilnehmer der Tolerade.

Party im gesamten Industriegelände

Vom Postplatz zieht die Tolerade über den Pirnaischen Platz zurück gen Neustadt und mündet am Club Tante JU, wo die lange Nacht mit Konzerten beginnt. Aftershowpartys finden danach im Sektor, Club Paula, TBA und objekt klein a statt. Über 50 Künstler*innen gestalten das Musikprogramm. Alle Musiker*innen verzichten auf ihre Gage. Die Gewinne werden gespendet.

Aktionstag „Gemeinsam für Vielfalt“ am 4. Mai 2019

  • Tolerade ab 14 Uhr vom Neustädter Bahnhof
  • Parade der Vielfalt ab 14 Uhr vom Hauptbahnhof
  • Jahrmarkt der Vielfalt ab 14 Uhr am Postplatz

Video von der ersten Tolerade am 2. Mai 2015

6 Kommentare zu “Tolerade kommt – bunter und größer als je zuvor

  1. „hedonistisch“ ??? lt. Wiki: „Hedon – miasto w Wielkiej Brytanii, w Anglii, w regionie Yorkshire and the Humber, w hrabstwie East Riding of Yorkshire. W 2001 r. miasto to zamieszkiwało …“

  2. Ja, nichts wäre schlimmer, als wenn die Fördermittel nicht mehr fließen, dann müssten wir es ja mal mit Arbeit in der freien Wirtschaft probieren und/oder sich um Spenden in ausreichender Höhe bemühen.

  3. „…dann müssten wir es ja mal mit Arbeit in der freien Wirtschaft probieren…“

    Die freie (haha!) Wirtschaft kommt ja zum Glück ohne Fördermittel aus und arbeitet voller aufrecht Rechtschaffenheit und ohne Menschen durch Schummelsoftware zu betrügen oder Schadstoffe zu schädigen oder durch Werbung zu dauer-nerven bis zum vollständigen Glück der Bevölkerung.

  4. @SteffenDD
    meinen Sie mit (freier) Wirtschaft die Hungerleider die sich hier Arbeitgeber nennen? Wir sind ja hier im Osten, da wird nun mal nicht genug Geld erwirtschaftet um Mieten zahlen zu können. Ist nun mal so! Verbände, die Seminare mit Möchtegerns durchführen wie man Mindestlohn umgeht. Dieses Bundesland ist von Hilfszahlungen abhängig.
    Sachsen leistet sich die drittteuerste Landesregierung aller Bundesländer und keinen interessiert es wo dieses Geld herkommt. Dafür geben wir unser Geld gerne. Und die billigen Lohnempfänger lassen sich mit Heilsversprechungen tagtäglich über den Tisch ziehen.
    Selbst schuld!
    Wo ist denn da die Freiheit in Ihrer Wirtschaft?

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