Von Kunst auf sieben Etagen

Ornö. Um das richtig sächsisch auszusprechen müsste man eigentlich noch ein „h“ hinten dran hängen, denn das „nö“ muss richtig lang gezogen werden, um seinen Missmut auszudrücken. Im Hochdeutschen würde man das vielleicht übersetzen mit: „Lass mich bitte damit in Ruhe.“

Ob das die Veranstalter der legendären Ornö-Parties wirklich wollen, ist zumindest stark in Zweifel zu ziehen. Falls doch, dann war die Feierlichkeit am vergangenen Wochenende ein Reinfall, denn die Neustädter strömten in Scharen durch den strömenden Regen zum Hochhaus am Albertplatz. Auch für mich als ausgewiesenen Kunstbanausen natürlich ein Muss.

Vielleicht ist es das letzte Mal, dass ich mich in diesem Haus noch einmal umschauen kann, denn bald will ein Investor das fast 80 Jahre alte Bauwerk in ein Hotel verwandeln. Außerdem freue ich mich natürlich, dass Partyveranstalter und Fotograf Kay Pyta endlich mal wieder in der Neustadt ist. Schon die erste Ornö-Party stieg auf der Schweppnitzer Straße. Damals, im März 2000, stolperte ich eher zufällig vorbei und ließ mich von der Kombination aus Kunst, Musik und Bier mitreißen. Später als die Veranstaltungen mein gewohntes Terrain verließen, sagte ich nur noch: „Ornöh.“

Doch nun wieder in Mamas Schoß angekommen, muss ich das sehen. Tapfer nehme ich alle sieben Etagen unter die Lupe. Dummerweise gibt es nur in der zweiten Getränke-Nachschub, so dass ich an diesem Abend etliche hundert Stufen steigen muss. Doch ich werde mehrfach belohnt. Zu der Kunst kann ich mich nicht äußern, die nehme ich zur Kenntnis und einige Stücke scheinen mir durchaus dekorativ. Doch spannend wird es als ein Volltrunkener eine Künstlerin damit konfrontiert, dass auf einem Portrait die Augen schief wären. Die Malerin ist ob dieser sehr direkten und nicht gerade kunstverständigen Kritik ziemlich sauer und im Handumdrehen werden wir alle aus der Etage genötigt. Solche Aktionen begeistern mich. Genauso wie ein komplett leerer Raum, der durch eine äußerst ungewöhnliche Konstruktion von Gas- und Wasserleitungen besticht. Solche Kunst wird hier natürlich nicht gewürdigt. Jetzt hätte ich gerne ein kleines Schild zur Hand: „Leitungen im Raum – unbekannter Klempner, wahrscheinlich späte 70er Jahre“.


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