Schon im neuen Weltclub gewesen?

Am Sonnabend wurde der Weltclub mit der Ausstellung "Hasan und die Enkel" eröffnet.

Am Sonnabend wurde der Weltclub mit der Ausstellung „Hasan und die Enkel“ eröffnet.

Hasan K. wurde 1931 in einem kleinen Dorf  in Ostanatolien geboren. In den 60ern folgte er der Anwerbung deutscher Firmen und migrierte aus der Türkei ohne Familie nach Hohenlimburg. Dort nahm er eine Tätigkeit als Werkarbeiter bei ThyssenKrupp Hoesch an. Später zog seine Familie zu ihm nach Deutschland. Sie richteten sich ein, kauften eine eigene Wohnung in Dortmund, fühlten sich heimisch. Mit 81 Jahren starb Hasan K. in Dortmund.

Am vergangenen Sonnabend, am 5. Mai 2018, wurde die Ausstellung „Hasan und seine Enkel – Zusammenleben in Dresden“ eröffnet. Sie befindet sich im neuen Weltclubhaus an der Königsbrücker Straße. Von nun an kann sie täglich außer dienstags bis zum 1. Juli besichtigt werden – der Eintritt ist gratis.

Hasan ist einer von vielen Arbeitsmigranten, die in den 60ern in die Bundesrepublik kamen. Sie wurden und werden auch „Gastarbeiter“ genannt. In den alten Bundesländern migrierten vorwiegend Menschen aus der Türkei nach Deutschland, in den neuen Ländern kamen sie mehrheitlich aus Vietnam, Mosambik, Kuba oder China.

Doch wie genau lief die Arbeitsmigration ab? Wie fühlte sich Hasan während der Ankunft? Und wie geht es jetzt seinen Enkeln?

Die Besucher werden im ersten Teil der zweietagigen Ausstellung anhand Hasans Lebensgeschichte durch die Welt der Migration geführt. Fragen der Ankunft, des Heimwehs und des Fremdseins werden thematisiert. Doch nicht nur die Migration an sich ist vielfältiger geworden – auch neue Kinder sind nachgekommen – die Generation der Enkel.

Der zweite Teil der multimedialen Ausstellung zeigt die Herausforderungen der Menschen mit Migrationshintergrund* auf. Ist Glauben meine Sache? Was ist Heimat, gibt es mehrere Heimaten? Kontroversen zwischen Mann und Frau, Kopfbedeckung und traditionellen Hochzeiten werden dabei nicht aus dem Weg gegangen. Am Ende wirft die Ausstellung noch einen Blick auf Dresden. Wer waren die Vertragsarbeiterinnen in der DDR? Wie viele blieben? Welche Migrantenorganisationen gibt es heute in Dresden?

Der Initiator der Ausstellung Wilfried Kruse mit seinem Lieblingsbild.

Der Initiator der Ausstellung Wilfried Kruse mit seinem Lieblingsbild.

Der Arbeitssoziologe Wilfried Kruse initiierte die Ausstellung 2015 in Dortmund. Er wollte der Frage nachgehen, wie es den Enkeln der Gastarbeiter ergeht. Außerdem will er auf die prekären Bedingungen der heutigen Arbeitsmigranten aufmerksam machen. „Die Migranten bekamen früher Wohnungen, Urlaub und Tariflöhne. Das ist im Vergleich zu heute ein Luxus“, sagt Kruse und verweist auf aktuelle Lohndumping-Skandale. Bis Juli 2016 lockte die Ausstellung rund zehntausend Besucher in ganz Dortmund an. Anschließend folgten Ausstellungen in Hagen, Neuss am Rhein, Düsseldorf und Berlin-Pankow.

Zur Eröffnung in Dresden war auch Kulturbügermeisterin Annekatrin Klepsch (Linke) gekommen. Sie fordert, dass Heimat plural gedacht werden müsse. Heimat sei genau wie Identitäten. Davon gebe es viele.

Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch bei der Ausstellungseröffnung.

Kulturbürgermeisterin Annekatrin Klepsch bei der Ausstellungseröffnung.

Sie hofft, dass diese Ausstellung eine Brücke zu allen Dresdner Bürgern schlägt, nicht nur in die Neustadt. Wie sich das anstellen lasse, ist sich der Vereinsvorsitzende Emiliano Chaimite des Verein für afrikanisch-europäische Verständigung (Afropa e.V.) noch unschlüssig.

Emiliano Chaimite selbst kam als Gastarbeiter aus Mosambik nach Deutschland. Er lebt seit 1991 in Dresden. Der Krankenpfleger gründete mit Freunden den Dachverband Afropa. Seiner Meinung nach sollten Migranten mehr in den Prozess der Demokratie einbezogen werden. Es gehe nicht darum, sein Dorf vorzustellen und nach den Maßstäben seines Landes zu leben.  „Die verschiedenen Migrantenorganisationen sollen sich verbinden und nach außen öffnen“, sagt Emiliano Chaimite.

Für ihn ist Heimat vergänglich. „Mosambik war mal meine Heimat, Magdeburg war mal meine Heimat, jetzt bin ich in Dresden heimisch, denn hier habe ich meine Freunde und habe Zugang zur politischen Teilhabe“, sagt Chaimite.

Der Koffer - ein Symbol der langen Reise

Der Koffer – ein Symbol der langen Reise

Mit der Ausstellungseröffnung wurde gleichzeitig der neue Weltclub eingeweiht – ein interkulturelles Stadtteilzentrum in der Äußeren Neustadt. Von nun an gibt es an der Königsbrücker Straße eine Beratungsstelle für Geflüchtete und ein Tagescafé für alle. Der Verein Afropa bekam von der Stadt den Auftrag, sich um Geflüchtete auf der nördlichen Elbseite zu kümmern. In der Beratungsstelle sollen die Menschen Unterstützung bei ganz alltäglichen Problemen bekommen. Mit dem Verbund „Weltclub“ wird allen Migrantenorganisationen ein Dach gegeben, um sich auszutauschen. Es findet im Rahmen des Projektes Samo.fa. Bis Ende Juni wird jeden Sonnabend ab 19 Uhr eine Veranstaltung mit anschließender Livemusik im Weltclubhaus für alle angeboten.

Die Ausstellung „Hasans Enkel“ ist bis zum 1. Juli 2018 für alle geöffnet. Sie wird im Rahmen des Projektes „Stärkung und Unterstützung von Aktiven aus dem Migrationskontext“ (samo.fa) vom Bundesverband Netzwerke von Migrantenorganisationen (NEMO e.V.) getragen.

Die Vereinsvorsitzenden des Afropa e.V.

Die Vereinsvorsitzenden des Afropa e.V.

Weitere Informationen

  • Der Verein Afropa stellt sich vor: www.afropa.org
  • Mehr zur Ausstellung „Hasans Enkel“: www.onkel-hasan.de
  • Öffnungszeiten der Ausstellung „Hasans Enkel“ in der Königsbrücker Straße 13: Montag und Donnerstag von 10 bis 16 Uhr, Mittwoch und Freitag von 10 bis 21 Uhr, Sonnabend von 12 bis 16 Uhr und Sonntag von 14 bis 17 Uhr. An jedem Sonnabend: 19 bis 21 Uhr Veranstaltung und danach dann interkulturelle Musik-und Tanznacht.
linie

1 Kommentar zu “Schon im neuen Weltclub gewesen?

  1. S. Ebnitzer
    8. Mai 2018 at 19:54

    ^ Daumen hoch! ^

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

linie