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Eingang zum Projekttheater

„Okay“, sie haucht so zart, dass wir kräftig unsere Ohren spitzen müssen. Doch der leise Hauch beruhigt, denn wir sind durstig. Mit einem Freund sitze ich in einer der geschichtsträchtigsten Kneipen der Neustadt und habe richtig Lust zu lamentieren. Über die Farbe, die Einrichtung und nicht zuletzt über die hauchende Kellnerin, die sich aber inzwischen angeschlichen hat und geräuschlos das erste der bestellten Biere absetzt. „Bitteschön“, mir weht die Höflichkeitsfloskel am Ohr vorbei. Neugierig drehe ich mich um und sehe, warum sie jedes Getränk einzeln bringen muss. Die Halblitergläser sind offenbar so schwer, dass sie beide Hände zur Beförderung braucht.

Ich bin in Stänkerlaune, immerhin haben wir gerade das größte und wohl auch schönste Lästermaul der Neustadt erlebt. Annamateur gab im Projekttheater ihr „kristmäss–späschel“ zum Besten und nun sitzen wir hier, sind durstig vom vielen Lachen. Da kommen neue Gäste hinein, das Kneipchen ist nun gut gefüllt und mein Blick fällt auf die offene Tür. Daran hängt ein Schild. Sollte das der Kneipenname sein? Schwarz auf weiß steht da: „Eingang zum Projekttheater“. Aber irgendwie passt der Name auch wieder, denn bereits vor Jahren, die Kneipe war damals eher eine Bar mit dem wohl besten Espresso der Stadt gab es kein Namensschild. Aber jeder Stammgast wusste, hier war Rinkas Café, natürlich ohne Genitiv-Apostroph, es stand ja nirgendwo geschrieben. Später entstanden wilde Gerüchte über Streitigkeiten zwischen dem Café-Betreiber und den Theaterleuten, klare Informationen waren rar. Herr Rinka jedenfalls packte seine Sachen und verzog sich von diesem Ort. Und dann kam Joschi. Er ließ die Bar fast so wie sie ist, das Rot inspirierte ihn zu einem Namen: Herr Rosso und sein Hund. Die Qualität des Espresso ließ ein wenig nach, dafür stiegen die Preise und es gab neuerdings kleine Leckereien für den Gaumen. Soweit so gut.

Projekttheater in den frühen 1990ern - Foto: Andreas Plundrich
Projekttheater in den frühen 1990ern – Foto: Andreas Plundrich
Das kleine Café etablierte sich und war nahezu ständig voll. Dann wollten es die Brüder Metha, Joschi ist einer von ihnen, aber richtig wissen. Sie schnappten sich das ehemalige Mona Lisa ein paar Häuser weiter und gaben den Herrn Rosso auf. Das Mona Lisa floppte auch als metha, jetzt ist eine Mexiko-Restaurant-Kette an dem Objekt dran. Und Herr Rosso stand leer und stand leer. Fast das halbe Jahr 2004 hing ein kleiner Zettel mit dem Hinweis, dass der Laden zu vermieten sei. Schließlich engagierten sich die Theaterleute selber, bauten den Tresen um und strichen das ehemals rote Kneipchen grün.

Und statt einer richtigen Bedienung gibt es nur dieses Mädchen, die lieber haucht statt zu sprechen. Soeben haucht sie uns ins Ohr, dass das Bier leider jetzt alle sei. Wir müssen aber noch bleiben, denn am Nachbartisch steht Anna und gibt einer begeisterten Verehrerin Auskünfte, also steigen wir um auf Flaschenbier, welches die Haucherin dann auch ziemlich zügig vorbeischwebt. Einen Hauch später verlassen wir das Lokal und schlagen uns kräftig auf die Schenkel. Die Mischung aus Theater und Kneipe ist doch zu komisch.

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Anmerkung Januar 2005: Inzwischen ist das lustige Türschildchen leider verschwunden und es prangt groß Kulturschutzgebiet über dem Café

Kulturschutzgebiet
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Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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