Schock für Kreative im Drewag-Gelände

Am Mittwoch erreichte die Mieter des Haus 7 im Drewag-Gelände an der Lößnitzstraße die Kündigung. Fristgerecht zum 30. September. Das Haus 7 ist das mit der Nikki-Faktur, der Jeans-Schneiderei und der Siebdruckerei von Lars P. Krause. Insgesamt sind 40 Künstler und Unternehmer betroffen. Der Grund: neben dem Haus soll eine Grundschule entstehen. Dafür war schon ein Gebäude abgerissen worden. Bei der Untersuchung des Untergrundes stellte sich heraus, dass einst hier eine Teergrube war, die muss nun als Erstes saniert werden.

Haus 7 auf dem Drewag-Gelände an der Lößnitzstraße

Haus 7 auf dem Drewag-Gelände an der Lößnitzstraße

Gerlind Ostmann, die Pressesprecherin der Stadtwerke erläutert das Problem: „Weiterführende Untersuchungen ergaben nun, dass die Teergrube eine größere Ausdehnung hat, als bisher angenommen“. Ursprünglich sollte nur ein Anbau am Haus 7, in dem früher Kraftfahrzeuge untergebracht waren abgerissen werden. Den betreffenden Mietern wurde schon Ende vergangenen Jahres die Kündigung ausgesprochen.

Nun muss aber, so Ostmann, ein größerer Gebäudeteil abgerissen werden. „Der bevorstehende erhebliche Eingriff in die Substanz des Hauptgebäudes kann zu unvorhersehbaren baulichen Schwierigkeiten führen, die wir aktuell noch nicht abschätzen können“, erklärt sie. Während der Bauzeit könne die Medienversorgung und die Zufahrt zum Gebäude nicht gewährleistet werden. Daher habe man sich entschieden, das alte Haus komplett zu entmieten, den Teilabriss durchzuführen und im Anschluss das Bestandsgebäude zu ertüchtigen.

Vor einem Jahr waren das Eisenlager und das Kesselhaus abgerissen worden.

Vor einem Jahr waren das Eisenlager und das Kesselhaus abgerissen worden.

Für die betroffenen Mieter war die Kündigung am Mittwoch ein Schock. „Der Grund der Kündigung, nämlich die Beseitigung der Bodenaltlasten im Rahmen der Vorbereitungen des geplanten Schulneubaus, ist zwar nachvollziehbar“, sagt Marco Wildner, Geschäftsführer der Nikkifaktur.

Kündigung überraschend

Dennoch komme die Kündigung überraschend. In einer fünfjährigen Verhandlungsphase hatte sich angebahnt, dass die Akteure des Haus 7 das ausgesprochene Vorkaufsrecht am Gebäude wahrnehmen können und die Drewag die Immobilie an die Mieterschaft verkaufen werde.

„Wir haben den Mietern auch mitgeteilt, dass sie nach der Sanierung bevorzugt wieder einziehen können“, sagt Drewagsprecherin Ostmann. Für die Kreativen ist das ein schwacher Trost. „Vor allem die Kurzfristigkeit des Vorhabens ist ein großes Problem“, sagt Nikkifaktur-Chef Wildner. Er hofft, dass man über eine Verlängerung der Kündigungsfrist verhandeln kann, und Zwischenlösungen während der Sanierungsphase des Haus 7 findet.

Langfristig sei die Sanierung des Haus 7 sinnvoll, da im Falle eines Totalabrisses die unmittelbare Nähe zum angrenzenden Friedhof einen Neubau nicht zulässt. „Gemessen am heutigen Bedarf an innerstädtischen Arbeitsräumen ist es wichtig das Gebäude zu erhalten“, so Wildner.

Gegen eine Verschiebung der Kündigung spricht aber der Zeitdruck für den geplanten Schulneubau. Das Projekt ist wegen der schwierigen Altlastenlage auf dem Gelände schon um ein Jahr im Zeitverzug. Die Eröffnung ist für 2020 geplant.

Rückblick Drewag-Gelände

Für das Gelände zwischen Lößnitzstraße und Innerem Neustädter Friedhof gab es schon verschiedene Pläne. 2012 wurde im Ortbeirat eine Planung vorgestellt, nach der das Gelände komplett umgekrempelt werden sollte mit Grün-Boulevard und Kletterhalle (Neustadt-Geflüster vom 13. November 2012). Dann gab es alternative Pläne von ansässigen Architekten (Neustadt-Geflüster vom 17. April 2013). Beide Großplanungen hatten sich aber zerschlagen, errichtet wurde bisher nur ein Spielplatz und die Planungen für die Grundschule sind vorangeschritten. Nach letztem Stand sollte das ehemalige Kfz-Gebäude (Haus 7) erhalten bleiben.

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6 Kommentare zu “Schock für Kreative im Drewag-Gelände

  1. Ball
    23. März 2018 at 19:03

    eine schule auf ner alten Teergrube zu bauen….klingt richtig logisch. „Sinnlos-Dresden“

  2. Zackbäm
    23. März 2018 at 21:52

    Wo anders macht man ja aus so etwas ein Freiluftmuseum…
    https://de.wikipedia.org/wiki/La_Brea_Tar_Pits

  3. Jens
    26. März 2018 at 14:37

    Ganz üble Sache – ich hoffe, dass die betroffenen Leute schnell eine Alternative finden und nie wieder zurück müssen, denn die DREWAG scheint kein Partner der Kultur&Kunstschaffenden zu sein. Die Kreativraumagentur fängt ja auch erst wieder zu arbeiten an, aber vielleicht gibts dort AkutHilfe http://www.kreativraumagentur.de

  4. Schlimm
    27. März 2018 at 15:43

    Typische Clickbait Überschrift. Wie kann man denn geschockt sein, wenn die Bebauungspläne für das Gelände schon seit Jahren bekannt sind? Stand: 09/2012: http://www.neustadt-ticker.de/wp-content/uploads/2015/04/Rahmenkonzept.pdf

  5. 27. März 2018 at 16:02

    Liebes „Schlimm“, der Link ist, wie Du ganz richtig schreibst, vom Stand 09/2012, zwischenzeitlich hat sich so einiges geändert. Unter anderem eben die konkreten Pläne für Haus 7. Siehe Bericht von 2015.

    Aber danke für den Hinweis, ich werde das im aktuellen Artikel nochmal nachtragen.

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