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Ich wollte auf’s Schiff” – Margot Zäh

Mar­got Zäh arbei­tete 40 Jahre lang auf einem Schiff und bekochte und ver­sorgte die Gäste. Auf der Spree, der Mol­dau, der Elbe war sie unter­wegs. Gebo­ren in der Neu­stadt lebt sie nun wie­der hier, beob­ach­tet das Ver­kehrs­ge­sche­hen am Albert­platz, legt Wert auf pünkt­li­chen Kaf­fee. Wenn sie an der Elbe sitzt, zieht sie noch immer, die Sehn­sucht nach den Schiffen. 

Ich bin 1947 auf der Alaun­straße gebo­ren. Die war sehr belebt, die Alaun­straße. Frü­her, als ich Kind war, war noch die Pro­mi­nenz dort. Da haben lau­ter Rei­che gewohnt. Vorne, wenn man rein­kam in die Alaun­straße, war ein Bäcker­la­den. Dann eine Dro­ge­rie, dann ein Gemü­se­la­den, dann ein Flei­scher­la­den und dann kam ich. Wir hat­ten einen Rie­sen­spiel­platz, auf dem wir uns beschäf­tigt haben. Dann kam die Böh­mi­sche Straße, da war eine Satt­ler­fa­brik. Und wei­ter hoch gab es die Scheune. Das war ein Tanz­lo­kal. Und wei­ter oben gab es ein Restau­rant und ganz oben rechts gab es die Kon­zert­klause. Das war auch ein Tanz­lo­kal. Und wei­ter oben gab es die Hap­pel­diele. Dann kam der Alaun­platz. Dort haben wir uns als Kin­der beschäf­tigt. […] Hand­ball gespielt, Feder­ball gespielt, gemurmelt.

Ich bin in die 13. Grund­schule auf der Rothen­bur­ger gegan­gen. Ich bin mit Mehl­suppe hoch­ge­zo­gen worden. […]

"Ich habe viele gerettet"
“Ich habe viele gerettet”

Zu Weih­nach­ten haben wir unsere Stol­len zum Bäcker gebracht. Bütt­ner hieß der. Davor war ein Blu­men­la­den. Das war schön. Mir hat‘s gefal­len. Meine Mutti war Zap­fe­rin am Bier­hahn im Neu­städ­ter Bahn­hof, mein Vati war Satt­ler auf der Böh­mi­schen Straße. […]

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Ich bin Vor­vo­r­äl­teste. Ich hab noch eine jün­gere Schwes­ter und die bei­den ande­ren sind älter als ich. Die­sen Sonn­tag werde ich 71. […] Ich war Küchen­lei­te­rin, stell­ver­tre­tende und Wirt­schafts­lei­te­rin, stell­ver­tre­tende. Auf dem Schiff. Auf MS Spree, Tou­ris­ten-Kabi­nen-Schiff. Das ver­gess ich nicht. Ein Zusam­men­halt war da… Wir haben See­manns­lie­der gesun­gen und gegrillt, das war das Schönste. Wir sind Ber­lin – Prag gefah­ren mit 87 Gäs­ten drauf. Eine Woche dau­erte die Fahrt. Dort haben wir in Prag ange­legt und sind vier Tage dort geblie­ben. Ich habe viel gesehen. […]

Ich wollte auf‘s Schiff. Meine Mutti hat gesagt, ich soll was ande­res ler­nen. Aber ich hab Köchin gelernt und bin weg. Weil ich das immer beob­ach­tet hatte auf der Elbe. Ich hatte rich­tig Sehn­sucht danach. […] Ken­nen Sie die Prieß­nitz? Da bin ich immer baden gegan­gen als Kind. Dort habe ich mal ein Kind geret­tet. Auf der Wiese haben sich zwei ver­gnügt und haben das Kind baden las­sen. Wenn ich nicht gewe­sen wäre, wäre das Kind ertrun­ken. Ich war auch noch nicht so alt. Acht, neun Jahre. Hab ich es aus dem Was­ser geholt, auf den Popo gehauen, Mund-zu-Mund-Beatmung gemacht. Dann kam das Ehe­paar, der Ret­tungs­wa­gen. Die haben das mit­ge­nom­men das Kind. Ich habe schon viele gerettet.

Als ich 16 war, war ich Ret­tungs­schwim­mer im Arnold­bad. Da hab ich viele geret­tet. Ein­mal ist einer vom Zehn­me­ter­turm gesprun­gen. Ein Russe. Den konnte ich nicht mehr ret­ten. Der war auf den Bauch auf­ge­kom­men und war tot. Er hatte über­all Blut. Das Bad musste geschlos­sen wer­den. Ich hab den wol­len ret­ten. War nichts mehr zu retten. […]

Im Win­ter, wenn das Schiff still stand, hab ich am Alt­markt in der Gast­stätte gear­bei­tet. Ich hab keine Fami­lie, keine Kin­der. Ich geh nur immer zum Albert­platz vor und schimpfe, wenn die bei Rot über die Ampel gehen. Wis­sen Sie, wo der Brun­nen ist? Dort sitze ich, wenn es warm ist. Ich geh auch manch­mal an die Elbe. Sitze im Körnergarten. […]

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Die Sehn­sucht nach den Schif­fen ist noch da. Meine letzte Fahrt? Das kann ich Ihnen sagen. Das Schiff ist kaputt gegan­gen. Da kam ich tsche­chi­scher Frach­ter von oben, der hat das Schiff auf­ge­schlitzt. Wir haben die Gäste geret­tet. Das Schiff ist zur Werft gekom­men. Dann bin ich nach Dres­den auf die gro­ßen Luxus­schiffe gekommen.


Memento

Die Neu­stadt ist Kult, Szene und vor allem eines: jung. Doch im Vier­tel leben auch Men­schen mit Geschich­ten aus einer Zeit, da in Dres­den-Neu­stadt an Szene noch nicht zu den­ken war. Wir stel­len in der Serie „Memento“ immer sonn­abends Per­sön­lich­kei­ten und ihre Vier­tel­ge­schich­ten vor.

  • Haben Sie auch eine span­nende Vier­tel-Geschichte zu erzäh­len? Neh­men Sie mit uns Kon­takt auf.
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2 Ergänzungen

  1. Einen Dank an Mar­got Zäh! Dir kur­zen und prä­gnan­ten Sätze haben gerade viele Bil­der in mei­nem Kopf ent­ste­hen las­sen. Sehr direkt und damit ganz anders, als die sehr schö­nen und poe­ti­schen Texte von Philine.
    Aber auch einen Dank an Phi­line für die Reihe, die bestimmt ohne eine gute Fra­ge­stel­le­rin nicht zu Stande gekom­men wäre. :o)

  2. Vie­len Dank, end­lich wie­der einen Memento-Arti­kel. Frau Zäh wün­sche ich alles, alles Gute. Ich wohne zwar auf der ande­ren Elb­seite, aber ab und an komme ich auch in die Neu­stadt. Sollte ich Frau Zäh tref­fen, würde ich sie gern zu einer Tasse Kaf­fee und einem Stück Kuchen einladen.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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