Kategorie: Memento

Die Neustadt ist Kult, Szene und vor allem eines: jung. Doch im Viertel leben auch Menschen mit Geschichten aus einer Zeit, da in Dresden-Neustadt an Szene noch nicht zu denken war. Mit freundlicher Unterstützung der Seniorenresidenz Kästner-Passage stellen wir in der Serie Memento immer sonnabends Persönlichkeiten und ihre Viertelgeschichten vor. Haben Sie auch eine spannende Viertel-Geschichte zu erzählen?

 

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Dieter Richter: „Ich muss raus“

„Der ist bestimmt unten“, sagt der Mitbewohner von Dieter Richter und vergewissert sich des Vornamens auf dem Türschild. Ich finde Dieter Richter auf halber Treppe. Er war gerade im Begriff, seinen Stammplatz zu beziehen: Den Vorsprung eines Schaufensters an der…

„Ich wollte auf’s Schiff“ – Margot Zäh

Margot Zäh

Margot Zäh arbeitete 40 Jahre lang auf einem Schiff und bekochte und versorgte die Gäste. Auf der Spree, der Moldau, der Elbe war sie unterwegs. Geboren in der Neustadt lebt sie nun wieder hier, beobachtet das Verkehrsgeschehen am Albertplatz, legt…

„Ich bin die vom Zirkus“ – Mary Belzing

"Es war lustig. Nur die ewig gleichen Fragen haben genervt."

Mary Belzing blickt zurück auf eine abenteuerliche und nicht selten beneidete Kindheit. Als Artistenkind reiste sie mit dem Varieté-Zirkus Schwandtner umher. Heute erinnert sie sich lachend an Eindrücke, Gerüche, Begegnungen, während der Stubentiger ihr um die Beine streicht. Wenn auch…

Anita Krüger: „Ich bereue nichts“

"Wir sind nur noch vier Alte hier auf der Straße"

Anita Krügers Wohnung ist gepflastert mit Bildern. Auf dem Sofa ruhen als bebilderte Kissen Pudel und Pinscher, von der Wand lächelt ein Dutzend Enkelkinder. Über die Schrankwand marschiert eine Elefantenkarawane. „Die sammel ich“, sagt Frau Krüger stolz. „Vergessen Sie auf…

Sylvia Fischer: „Das Viertel war verrufen“

"Ich bin immer wieder gern in der Neustadt. Ich besuche meine Tochter hier"

Sylvia Fischer sagt fröhlich am Telefon: „Ich habe rote Haare, wir werden uns schon finden.“ Nach einer kleinen unfreiwilligen Runde Verstecken im Kunsthof ist es dann so weit. Mädchenhaft wird ihr Gesicht, wenn sie von ihren Kindheitserinnerungen erzählt. Nach dem…

Rolf Töpfer: Von Mörderinnen und betrunkenen Pferden

Wie viele Erinnerungen passen in eine Kindheit und wie wenige auf ein Blatt Papier.

Rolf „Rolli“ Töpfer schlägt ein Treffen im Schwarzmarkt-Café auf der Hauptstraße vor. Zum Beschnuppern. In einem kleinen Büchlein stehen in geschwungener Schrift Notizen. „Sie müssen dann selbst entscheiden, zu was ich etwas erzählen soll“, sagt er und legt gleich los.…

Erhard Sünder „Sehnsucht nach Freiheit“

Im Hof der Kamenzer Straße 25 bei einem späteren Besuch.

Erhard Sünder wurde am 8. Juli 1956 in Guteborn zwischen Ruhland und Senftenberg geboren. 1958 zog die Familie nach Dresden, auf die Kamenzer Straße. Die Gassen der Neustadt wurden sein Abenteuerspielplatz. Später lernte er Schriftsetzer und besuchte Abendkurse der Kunsthochschule.…

Hans Kämpf: „Das war so ein Erlebnis“

"Eigentlich war alles schön."

Hans Kämpfs Kindheit ist vom Bombardement Dresdens überschattet. Doch er schildert heiter und mit viel Lachen. „Eigentlich war alles schön“, sagt er und schlürft an seinem Eiskaffee. Gemeinsam mit seiner Frau wohnt er wieder in der Altstadt, wo er geboren…

Winfried Jäger: „Wir waren eine richtige Bande“

"Das macht man unter Freunden."

Winfried Jäger ist gebürtiger Talstraßler. In seiner Jugend in den 1960er Jahren gehörte er der „Heiderbande“ an. Er war „kein Feiner“, wie er grinsend gesteht. Ein Strolch, Rabauke, Flegel, Lümmel oder was immer ihm die Dampfschiffer hinterher gerufen haben mögen.…

Johannes Stemmler: „Die Welt hat Grenzen“

"Das habe ich alles erlebt. Brauche ich nicht mehr."

Johannes Stemmler zog es immer in die Stadt, in die Mitte von Menschen, ins Getümmel. Mobilität ist gerade ihm als Rollstuhlfahrer ein Grundbedürfnis. In seinem Zimmer steht ein PC, mit dem Smartphone hat er jederzeit Internetzugriff, täglich fährt er lange…

Renate Kruckenberg: „Ich war immer beherrscht“

Renate Kruckenberg beim Besuch der Krokusse auf der Hauptstraße

Renate Kruckenberg kommt aus Zittau und zog 1993 nach Dresden. Sie ist auf ihren Rollstuhl angewiesen. Einmal im Monat verlässt sie mithilfe des Personals das Bett. Auf die Frage, was ihr Kraft gibt erwidert sie: „Ich musste immer Disziplin halten…

Regina Mulke: „Das ist alles, was ich weiß“

Regina Mulke betritt den Raum, begleitet von einem jungen Pfleger. Leise erkundigt sie sich bei ihm: ‚Was soll ich jetzt machen?‘ – ‚Etwas erzählen.‘ – ‚Ach Gott!‘ Darauf raunt ihr der Pfleger verschmitzt ins Ohr: ‚Dann erfinden Sie einfach was.‘…