Von lautstarken Schreiern und leisen Versuchungen

„Hereinspaziert. Hereinspaziert.“ Mir dröhnt das Ohr, den der junge Mann hat mir seine Flüstertüte direkt an selbiges gehalten. Die Flüstertüte, man könnte auch Sprachrohr sagen, ist sein Werkzeug. Mit dem schwarzen Frack könnte er richtig feierlich aussehen, würde ihm die rote Hose nicht wie einen Clown da stehen lassen. Aber närrische ist er dann wohl doch nicht, oder zumindest nicht mehr, als all die anderen hier. Denn hier hinter der Scheune ist mal wieder Schaubudensommer, wie jedes Jahr ein Ereignis mit diversen Theatern und zahllosen Attraktionen.

Ich für meinen Teil muss mir vor dem schrägen Kulturgenuss immer erst einmal ein Bierchen zu Gemüte ziehen. Sensationell haben die Macher und Planer des kleinen Festes den Biergarten in die luftige Höhe einer zweiten Etage verlegt. So kann ich nun gemütlich hinabschauen auf Kleindarsteller und Großmannssucht. Wie von einer Hummel gestochen fährt eine Frau in original Dederon-Kittelschürze im Kreise, hupt permanent und preist die nächste Veranstaltung an. Was war es gleich, vor lauter Hupen konnte ich den Titel gar nicht verstehen. Außerdem haben direkt neben mir zwei Hunde beschlossen, einen tierischen Dialog zu führen, der erst endet, als ein Hundehalter seinen Pudelmischling energisch am Schlawittchen packt und in die Höhe reißt. Jetzt jault er nur noch und mein Bier ist alle. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt eine Entscheidung zu treffen. Auf der einen Seite lockt das panische Not-Theater mit einer 2000-jährigen Zeitreise, auf der anderen prahlt der niederländische Clown Toon Maas mit einem Soloduett oder soll ich doch lieber ins Spiegelkabinett.

Vor lauter Entscheidungsunwilligkeit kaufe ich mir erst einmal ein paar Eintrittskarten, die gelten für alle Veranstaltungen. Dann dreh ich noch eine Runde und lande wiederum am Bierstand. Fast möchte ich meinen, es ist wie verhext. Sollte mich nicht wundern, wenn Baba Yaga persönlich mir den Kulturgenuss vermiesen will. Das zweite Bier sorgt für die entsprechende Müdigkeit und so verlasse ich den Ort und nehme mir fest vor, wieder zu kommen. Immerhin soll das Spektakel noch ein paar Tage andauern.


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