Ein Clara-Zetkin-Platz für die Neustadt

Finanzministerium am Carolaplatz

Finanzministerium am Carolaplatz

Gestern hatte ich eine amüsante Pressemitteilung in meinem Mailfach. Überschrift: „Jusos Dresden fordern Umbenennung des Carolaplatzes – Name einer Königsgemahlin motiviert nicht zum Zahlen von Steuern“.

Glücklicherweise hatte ich in den vergangenen Tagen auch etwas über den Tellerrand der Neustadt hinaus geschaut und so mitbekommen, dass die Dresdner Neuesten Nachrichten über einen Clara-Zetkin-Streit in Pirna berichteten. Grob geht es darum, dass das neue Finanzamt nach Wunsch des Finanzministers Georg Unland (CDU) nicht an der Clara-Zetkin-Straße stehen soll. Die Straßenumbenennung scheiterte am Pirnaer Stadtrat und nun soll wohl ein Platz einen neuen Namen bekommen.

Soweit, so grotesk.

Im Gegenzug fordern jetzt also die Dresdner Jungsozialisten die Umbenennung des Carolaplatzes in der Dresdner Neustadt. Der SPD-Jugendverband schlägt vor, den Platz zukünftig „Clara-Zetkin-Platz“ zu nennen. An diesem Platz steht das Finanzministerium, Adresse: Carolaplatz 1.

Die Begründung liefert Juso-Chef Stefan Engel: „Der Name einer Königs­gemahlin ist doch keine passende Anschrift für das Finanzministerium. Es gibt in der Geschichte wohl kaum eine Gruppe, die weniger Steuern gezahlt hat, als das damals herrschende Königshaus.“ Daher solle es doch, so die Jusos, ein Herzensanliegen von Finanzminister Georg Unland sein, diesen Namen endlich von der Postanschrift zu tilgen. So ein Name motiviere definitiv nicht zum Zahlen von Steuern. Der Name einer demokratisch gewählten Reichstags­abgeordneten und antifaschistischen Widerstandskämpferin passe da doch viel besser, meinen die Jusos.

Ironie? Möglicherweise.

Vielleicht könnte man das Thema aber auch noch ein bisschen weiter denken. Denn bekanntlich war Frau Zetkin seit 1971 auf dem Zehn-Mark-Schein der DDR zu sehen. Wenn dann nun das Finanzministerium an einem Platz mit ihrem Namen logiert, könnte man ja auch die Steuerlast auf zehn Ostmark, sprich 2,50 DM, sprich ca. 1,25 Euro senken. Wäre doch naheliegend, oder?

Und was ist mit der angrenzenden Albertstraße. Der olle Albert war ja auch ein König, und hat bestimmt auch keine Steuern gezahlt, wie wäre es, wenn diese Straße dann nun ihre vormalige Bezeichnung „Straße der Einheit“ zurück bekäme. Ein bisschen mehr Einheit könnte den Dresdnern ja nicht schaden.

Oder vielleicht noch besser. Das Finanzministerium zieht wieder aus, die Bezirksdirektion der Volkspolizei wieder ein. Dann rückt die Einheit in weite Ferne und nach Monarchen würde hier gar nix mehr benannt werden.

Beim Thema Umbenennungen könnte man dann auch gleich in der Äußeren Neustadt weiter machen. Kein Mensch weiß mehr, dass mit Alaun früher Textilien gefärbt worden und sich am Bischofsweg eine Alaunsiederei befand, die später Platz und Straße ihren Namen geben sollte. Wie wäre es dann stattdessen mit Kneipengasse Nord-Süd. Die Louisenstraße, auch nach so ner Hochherrschaftlichen benannt, könnte man dann in Kneipengasse Ost-West umbenennen. Geradezu zwingend müsste auch die Königsbrücker Straße noch einen neuen Namen bekommen. Denn erstens ist da nun ganz deutlich ein König drin und zweitens könnte man dann bei den nächsten Sanierungsplänen von Variante 1 sprechen.

Weitere neue Namen fordere ich für die Kamenzer, Pulsnitzer und Schönfelder Straße, die definitiv nicht in die besagten Orte führen. Ebenso umbenannt werden muss die Katharinenstraße, ebenfalls alter Adel.

Finanzministerium am Carolaplatz

Finanzministerium am Carolaplatz

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30 Kommentare zu “Ein Clara-Zetkin-Platz für die Neustadt

  1. 3. November 2016 at 19:41

    und unsere Talstrasse? Kein Tal weit und breit!

  2. DDHecht (H&K)
    3. November 2016 at 19:46

    Gut zurückgeschossen, in Richtung Sachsensumpf-CDU!
    Das diese „Wasser predigenden, aber Wein saufenden Blockflöten“ für derartig unnütze wie überflüssige Überlegungen überhaupt Zeit haben, gerade in Pirna, zeigt doch sehr markant auf, wie weit sich diese „religiösen“ Polit-Fundamentalisten* in der CDU (deren eigentliches Heiligtum ewiges Wirtschaftswachstum ist) von der Realität entfernt haben. Was sich immer mehr abzeichnet, es wird denen nicht nur auf die Füße fallen, sondern wird ihnen wahrscheinlich die Knöchel zerschlagen. Dann werden sie wohl endlich merken, wie „immun“ die Sachsen sind.

    In einem säkularen Staat, dürfte es zudem eine Cdu gar nicht geben.

    * „Der gemeine Mann betrachtet die Religion als richtig, der Weise als falsch und der Politiker als nützlich.“ (Seneca, röm. Philosoph und Senator)

  3. DDHecht (H&K)
    3. November 2016 at 20:02

    „Kein Mensch weiß mehr, dass mit Alaun…“ Ich schon!

    Und genau, auf der Fichtenstraße, ist nicht eine Fichte auffindbar! Danke Merkel

  4. DDHecht (H&K)
    3. November 2016 at 20:07

    Ich hätte `nen Vorschlag für die Umbenennung der Schießgasse. Wie wäre es mit „Oury Jalloh Weg“?

  5. 3. November 2016 at 20:09

    Heißt die nicht schon längst Grüntalstraße?

  6. DDHecht (H&K)
    3. November 2016 at 20:13

    Fließt die Prießnitz nicht durch ein Tal? Ein kleines, zugegeben, doch geht es von da aus etwa nicht abwärts? Ich denke schon. ;)

  7. 3. November 2016 at 21:11

    Danke für die wunderschöne Zusammenfassung der albernen Situation.

    Ich hatte selbst schon überlegt etwas ähnlich pointiertes dazu zu formulieren, aber das ist besser als was mir bisher dazu eingefallen war (und wahrscheinlich auch noch wäre)

  8. Klaus W.
    3. November 2016 at 21:46

    Ich schlage vor, das Hechtviertel in „H&K-Viertel“ umzubenennen. Ein sinnloserer Kommentar ist mir auf die Schnelle nicht eingefallen.

  9. Lenbach
    4. November 2016 at 00:03

    Bei ideologischen Säuberungen – wie erwartet – sofort dabei, der H&K.

    Über Themen, bei denen er vor ein paar Jahren noch krawallig die Klappe aufgerissen hat, legt er lieber den Mantel des Schweigens.

  10. gibmirstrassennamen24.net
    4. November 2016 at 06:27

    Aber der „Theaterplatz“ on the other side behält bitte seinen äußerst treffenden Namen. Akzeptabel (jedoch nicht so subtil) wäre nur noch „Platz der Schande“.

  11. Yvonne Wagner-Petersen
    4. November 2016 at 06:46

    Als ich meine Kindheit in Dresden verbracht habe gab es doch schon mal einen Clara Zetkin-Platz.Dieser war bekanntlich in Löbtau und die Wende hat er nicht überlebt

  12. 4. November 2016 at 07:42

    Ja, der trägt jetzt den Namen Bonhoeffers.

  13. Tabea
    4. November 2016 at 10:02

    Und Hoyerswerdaer Straße wieder zurück in Kurfürstenstraße. So wie früher.

  14. ein anderer Stefan
    4. November 2016 at 10:06

    Die ganze Farce um diese Namensgebung ist wieder so ein „Haben die nichts besseres zu tun ?“- Effekt. Wenn es den sächsischen Finanzminister umtreibt, dass er kein Finanzamt an einer nach einer Kommunistin benannten Straße haben möchte, hat Sachsen offenbar keine dringenderen Probleme… Es wirft auch ein bezeichnendes Licht auf besagten Finanzminister, wenn er so einen kleingeistigen Mist auf die Tagesordnung setzt. Manchen Menschen ist offenbar nichts zu peinlich. Die hanebüchene Begründung setzt dem ganzen noch die Krone auf. Es passt ins Bild, was ich von der Sachsen-CDU habe.

  15. Karsten
    4. November 2016 at 10:27

    …und stell dich vor…die Pauli-Ruine ist auch kein Fußballstadion… Danke H&K. Schön mal wieder von dir zu lesen.

  16. goldi
    4. November 2016 at 11:08

    bin dabei, aber nich aufgrund eventueller sinnlosigkeit der kommentare, sondern aus prinzip! :D
    und ausserdem, ich hab noch keinen lebendigen hecht dorte gesehn.

  17. 4. November 2016 at 15:43

    Ja, und der Herr Frintert hat sich ja vorsichtshalber schon vor längerer Zeit umbenannt.

  18. 4. November 2016 at 16:52

    Was wundert Ihr Euch denn alle? Herr Unland hat Geschichte im Westen Deutschlands gehabt. Kommunismus= pfui, oberpfui !
    Die Antrittsrede der Alterspräsidentin des Reichstage 1932 sollte er, vorausgesetzt er sei Demokrat, eigentlich kennen.
    Von einigem zeitbedingtem sozialistischem Geschwurbel abgesehen, ist Clara Zetkins Warnung vor dem aufziehendem Faschismus und seinen Folgen heute aktueller denn je.
    Also „Clara Zetkin Platz“ jetzt !

  19. Wui
    4. November 2016 at 17:00

    Wie wäre das damit, Sachsen in Unland umzubenennen?

  20. Karsten
    4. November 2016 at 17:42

    @asalinse:
    „…Warnung vor dem aufziehendem Faschismus und seinen Folgen heute aktueller denn je.“
    Lach. Und Du hast gleich gar keinen Geschichtsunterricht gehabt? Zumindest vermute ich äußerst marginales Wissen über Faschismus ansich und über die damalige Ära des Faschismus auf größeren Teilen der Erde. Ebenso scheinet Dir keinerlei Zusammenhang zwischen Armut, Elend, Unterdrückung, Unfreiheit und paar Millionen Tote sowie Kommunismus geläufig zu sein. Aber Hauptsache, ein paar oberschlaue linksradikale Parolen nachgeplappert… :-)

  21. 4. November 2016 at 17:59

    Warum so kleinlich mit der neuem Straßbezeichnumg in der Neustadt, da müssen wohlklingende Namen her, wie z. B. Boulevard des Bieres (Luisenstraße) und für dir Alaumstraße schlage ich Aquavitavenue vor…

  22. 4. November 2016 at 18:17

    hi Karsten, lies mal lieber die Rede, bevor Du hier so unwissend rummotzt!

  23. 5. November 2016 at 09:57

    Der Bezug auf Lingner ist stark kapitalistisch geprägt. Ich bin dafür, dass man die sogenannte „Lingner-Stadt“ und alle nach Lingner benannten Gebäude, Schulen, Straßen, und Plätze nach mir benennt – dem wahren Erfinder von ODOL!

  24. Karsten
    5. November 2016 at 12:58

    Hi asalinse, Deinem Link folgend komme ich zu der Vermutung, dass Du mittlerweile 72 Jahre alt bist? Dann hast Du doch schon einiges miterlebt und dürftest es zu einer gewissen Altersweisheit gebracht haben? Dann müsstest Du doch sicher auch schon gemerkt haben, dass politische Reden und Parolen von 1932 zur damaligen Zeit passten, aber nicht unbedingt zur heutigen? Denn Du willst ja sicherlich nicht zu den Ewiggestrigen gehören?

    Falls Du aber meine Sichtweise völlig skurril finden solltest, kannst Du ja mal anstatt politischer Reden von vor 84 Jahren einfach eine Tageszeitung lesen. Also ich meine so eine, wo oben das Datum von heute steht…

  25. Rolf
    5. November 2016 at 13:32

    ach diesen Namen hatte er doch schon…Adolf Hitlerplatz.

  26. 5. November 2016 at 13:52

    Also ich bin – abgesehen davon, dass der Ortsbeirat vor Jahren schon eine gemeinsame Liste für den Fall künftiger Straßen-Neubenennungen vorgelegt hat (überparteilicher Konsens aller damals vertretenen Parteien!) – dafür, doch konsequent bei den Lausitzbezügen zu bleiben. Sehr schön wäre z.B. ein „Dürröhrsdorf-Dittersbacher Dammweg“ und eine „Ottendorf-Okrillaer Allee“ (sehr schön auszusprechen, und das Schild eignet sich besonders für kurze Straßen wie z.B. die Talstraße, müssten halt nur noch ein paar Bäume mehr gepflanzt werden – großkronig, einheimisch!) ;-)

  27. DDHecht (H&K)
    11. November 2016 at 22:20

    @Lenbach Mit dir irgendetwas zu diskutieren ist ja offenbar noch immer nicht möglich und der Rassismus und die widerliche Deutschtümelei ist auch eher schlimmer geworden. Nun ja, war doch irgendwie erwartbar. Und über was bitte lege ich hier denn einen „Mantel“?? Hahaha…
    Etwa, weil ich dir und all den anderen sich hier tummelnden AfD-Verwahrlosten nicht mehr permanent die geistigen Fehltritte vor Augen führe, oder was? Hahaha… spielen die anderen hier etwa nicht mit dir? Ach, wen interessiert`s…

    Nur noch einmal für dich zur Kenntnis: „Wer Deutschland nicht liebt, hat Deutschland verstanden.“

  28. Franzl Lang
    12. November 2016 at 14:02

    Nur noch einmal für dich zur Kenntnis, Hinz: „Du bist Teil der Gründe, weshalb Leute Trump und AfD wählen.“

  29. 13. November 2016 at 19:29

    @Franzl Lang: Kann man Verbitterung durch ein Kreuz bei der AfD abwählen? – Coole Idee – zwar wir, aber interessant. Vielen Dank Franz Lang!

  30. SHARP
    14. November 2016 at 15:06

    @H&K
    Auch wenn ich wohl ebenso wie viele andere Leser/Kommentatoren des Neustadt-Tickers faktisch nie mit den Standpunkten von Lenbach übereinstimme: Aber meinst Du, Hass und Hetze kann durch Hass und Hetze überwunden werden? Mal so ganz grundsätzlich gefragt…
    Nach dem letzten Absatz bedarf es nur noch sehr wenig Böswilligkeit, um bestimmten Teilen der „Linken“ politische Inkompetenz vorzuwerfen.
    Irgendwie schade, aber wenn Ihr Euch dann noch wundert, warum zu den üblichen Demos und Anti-Veranstaltungen immer nur die gleichen paar Hundert Hanseln kommen, solltet Ihr vielleicht einfach mal die „Klassiker“ lesen :-)

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