Seit dem Wochenende ist das Blechschloss an der Alaunstraße vor der Scheune verschwunden. Abgebaut und abtransportiert. Dazu ein paar Fragen an Frank Schöne, Vorstand des Scheune-Vereins.

Neustadt-Geflüster: Wie lange hat das Blechschloss denn nun genau gestanden?
Frank Schöne: Das Blechschloss wurde kurz nach der Abrissparty der Scheune im November 2021 eröffnet und bot damit also gut vier Jahre lang Raum für ein breitgefächertes, niedrigschwelliges Kulturprogramm. Es war damit ein wirklich spannender Ermöglichungsort, den sicher viele jetzt vermissen werden. Allerdings war das Ganze ja von Beginn an als Interim gedacht und damit die Standzeit auch limitiert. Unser Gedanke hinter dem Projekt war es ja an sich nur, die Scheune damit direkt vor Ort über die Sanierungszeit weiter aktiv leben zu lassen, damit der Spirit des Hauses erhalten bleibt und auch nahtlos in die runderneuerten Mauern wieder reinziehen kann. Da die Neueröffnung der Scheune nun endlich in Sichtweite kommt, ist es Zeit „Goodbye“ zu sagen, mit einer Träne im Auge, aber auch voller Vorfreude auf die kommenden neuen Herausforderungen, verbunden mit dem Wissen, dass das Schloss auch eine Nachlebensperspektive hat. Anmerkung der Redaktion: Die Wiedereröffnung ist für das Wochenende vom 18. bis 20. September 2026 geplant.

War es möglich, das Blechschloss zu verkaufen?
Wir haben ein ganzes Jahr lang dieses einzigartige Ensemble zum Verkauf angeboten und sind dabei mit vielen Interessent*innen mit unterschiedlichsten Ideen und Verortungen ins Gespräch gekommen. Das waren spannende Begegnungen mit guten Leuten und wir freuen uns, am Ende dann eine Initiative gefunden zu haben, die das Schloss verantwortungsbewusst übernehmen wird.
Baurecht und Budget waren die Slalomstangen, zwischen denen die Nachnutzerfindung sich über lange Zeit mühsam einen Weg bahnen musste. Uns war es wichtig, dass die neuen Nutzer*innen sich im Klaren sind, worauf sie sich einlassen und auch einen guten Plan haben. Die Komplexität des Objektes und die aus den Bildern schwer vermittelbare Größe flößte dabei vielen erst bei einer Vor-Ort-Begehung gehörigen Respekt ein. Auch wenn wir uns gefreut hätten, das Schloss in Dresden an anderer Stelle weitergeführt zu sehen, so gab die aktuelle Situation knapper Kassen und eines wirklich wahnwitzig diffizilen Baurechts für Containerbauten dies leider nicht her.
Mit dem Gemeinschaftsamt in Halle trat dann ein wirklich spannendes Projekt mit beseelten Personen voller Tatendrang auf uns zu, die genau so einen Container-Interims-Bau suchten, um über die erste Aufbauzeit ihres neuen Objektes in Halle einen temporären Ort zu schaffen, in dem sie der Öffentlichkeit ihr zukünftiges Wirken präsentieren können. Wir sprechen also quasi über ein erstes Schaufenster dieser frisch aufkeimenden Institution. Wir fanden das gut, da damit der Charakter des Schlosses erhalten bleibt und es weiterhin ein offener Ermöglichungsraum an einem Ort sein kann, der noch zum Leben erweckt werden will. Ab März soll es sukzessive dort also wieder aufgebaut werden und wohl noch dieses Jahr seine Pforten öffnen. Genaueres dazu unter: gemeinschaftsamt.de und wenn es denn steht, sind alle gern eingeladen, da mal hinzufahren.

Hat der Scheune-Verein mit dem Verkauf des Blechschlosses Geld eingenommen?
Sagen wir mal so: Konzeption und Bau des Schlosses haben uns als kleinen Verein an die Grenzen unserer Möglichkeiten gebracht und waren damals sicher die größte Investition, die wir je stemmen mussten. Und natürlich kann man das nicht verschenken. Aber man muss auch erstmal jemanden finden, der mit so einem Objekt umgehen kann. Und dazwischen bewegt es sich.

Wie viele Veranstaltungen haben nun insgesamt im Blechschloss stattgefunden?
Wir hatten zuletzt eine Schlagzahl von etwa 100 Veranstaltungen pro Jahr im Blechschloss. Dazu zählten Konzerte, Lesungen, Kinderdiscos und die Chess Fanatics Schachabende für Jedermann, aber eben auch Beratungsangebote, der Kieztreff des Stadtbezirksamtes, die Sketchcorner Malworkshops vom HOUC und diverse andere niedrigschwellige Angebote.
Darüber hinaus war der Raum auch beliebt als barrierearmer, unkomplizierter und kostengünstiger Treffpunkt für Gruppen und Initiativen aller Couleur. Dabei fing das Ganze verhalten an, denn zwei Wochen nach der Eröffnung 2021 mussten wir erstmal wieder schließen wegen des Corona-Lockdowns, sprich der Start war durchaus holprig. Allerdings hatte sich das Schloss zuletzt gut etabliert.
Vielerlei künstlerisches Programm aller Sparten mit teilweise nischigstem Charakter konnte man dort erleben. Wenn ich zum Beispiel an unsere Free-Jazz-Reihe denke, fallen mir wenige Orte ein, wo sowas in Dresden sonst noch möglich gewesen wäre. Viele junge Nachwuchsbands haben bei uns ihre allerersten Auftritte vor Publikum und mit richtiger Technik und werden dies nie vergessen.
Und ja, auch der ein oder andere etablierte Act war sich nicht zu schade, auch mal die wirklich unmittelbare Publikumsnähe zu suchen, wenn ich beispielsweise an Konzerte von DAGOBERT, SON ROMPE PERRA, HELMS ALLEE oder von Roddy Bottum, dem FAITH NO MORE Keyboarder, denke. Und nahezu alle konnte man zum selbstwählbaren Eintrittspreis zwischen 5 und 15 Euro erleben. Ich glaube, ein solcher Ort war einzigartig für die Kultur in dieser Stadt. Mit einem weinenden Auge sehen wir ihn gehen, aber wir sind auch guter Dinge, einiges aus den letzten vier Jahren Blechschloss mit ins neue Haus rüber zu nehmen.
Vielen Dank für das Gespräch.


















