Schnapphahn und Kallaputschni

Wir schreiben das Jahr 1990, die DDR befindet sich in der Auflösung, die BRN wird nicht anerkannt und mitten im Hecht in einem Hinterhof an der Fichtenstraße tut sich schier Unglaubliches. Rund um den Filmemacher und Künstler Tilo Schiemenz hat sich ein Theater-Ensemble gebildet, die mit ihren wilden Aufführungen eine neue Note in den angestaubten Kulturbetrieb brachten.

Schnapphahn und Kallaputschni  Timo Schiemenz in der Schauburg
Timo Schiemenz in der Schauburg
Aus dieser Theater-Runde entwickelten sich dann mehrere Filme. Der erste „Pilgrim“ – eine in der Neustadt spielende schwarz-weiß Groteske – entstand 1991. Es folgte 1993 „Tigerlilli“, der Film über Frau Westhof, eine Person mit der Originalität einer Hexe. Dann 1995 „Schnapphahn und Kallaputschni“, nicht nur wegen des spektakulären Fällens der Dachrinnen-Birken sehenswert. 2001 folgte dann „Daphnis und Chloe an der Elbe“ – eine klassische griechische Sage, die mitten in Dresden spielt. Und dieser Film bildete den Abschluss einer rund 10-jährigen Betrachtung zum Thema: „Verwandlung der Dresdner Neustadt im Zuge der Totalsanierung.“

Produktionsfoto von
Produktionsfoto von „Daphnis und Chloe an der Elbe“
„Verfallserhaltung ist eine Utopie“, sagt Tilo Schiemenz, der diese Filme nicht nur produziert hat. Zum Teil hat er die Kamera geführt, die 16-Millimeter-Streifen selbst geschnitten, natürlich Regie geführt und das Drehbuch geschrieben. Mit seinen Mitstreitern, namentlich Martin Bochmann, Jürgen Rehberg (beide an der Kamera) und Uwe Busch (Ton) einte ihn der Wille, etwas von diesen aufregenden Umbruchzeiten festzuhalten. Verfallserhaltung – diesen Zustand der Neustadt und des Hechtviertel, in dem es sich in den Häusern mit ein paar Einschränkungen noch gut wohnen ließ, gleichzeitig der Verfall aber etwas sehr romantisches hatte – diesen Zustand hätte Schiemenz gern erhalten. Er erkennt aber, dass diese Utopie nicht funktionieren kann.

15 Jahre nach der Premiere von „Daphnis und Chloe an der Elbe“ wird in der Schauburg nun an diese Filme erinnert. Freitag und Sonnabend Abend, jeweils 22 Uhr. Unter dem Titel „Verfallserhaltung – eine Utopie“ zeigt eine Ausstellung in der Schauburg Dokumente und Fotos aus der Zeit, in der die nun wieder aufgeführten Filme entstanden sind. Die Eröffnung der Ausstellung findet am Freitag um 19 Uhr statt. Die Laudatio hält Frau Gabriele Gorgas, für die musikalische Umrahmung sorgt Dietmar Dießner (Saxophon).


Anzeige

Aust-Konzerte

„Tigerlilli“, „Schnapphahn und Kallaputschni“ und „Daphnis und Chloe an der Elbe“

  • In der Schauburg, Freitag, 2. September und Sonnabend, 3. September, jeweils 20 und 22 Uhr. Das Neustadt-Geflüster verlost jeweils zwei Freikarten. Bei Interesse bitte den Tag in der Kommentarspalte angeben. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

3 Kommentare zu “Schnapphahn und Kallaputschni

  1. Oh, das hört sich ja mega an. Bin selbst in der Neustadt in den Umbruchsjahren aufgewachsen (1985 bis 1992) und kann mich noch gut an unsere Wohnung in der Hechtstraße und an die erste BRN erinnern. Hach, schön war’s und ich vermisse diese „utopische“ Zeit. Ich hab eindeutiges Interesse für die Samstagsveranstaltung (3. September).

  2. Toller Artikel. Ich mag diese Art von Filmen/Produktionen. Demzufolge: Mich interessieren alle 3 Filme, am liebsten am Samstag, bin flexibel und habe großes Interesse.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.