Volle Kneipe und langsame Bedienung

Der Laden ist ordentlich voll. Kein Wunder, eine Ausstellungseröffnung steht an. Schicke Fotos an den Wänden, schicke Leute vor der Bar – wartend.

Hinter der Bar, der Name des Lokals soll hier mal diskret verschwiegen werden, zwei Blondinen. Mit Mühe dränge ich mich durch das Gewühl. Ein großes Plakat zieht meine Aufmerksamkeit an: Strawberry Margarita – ein leckerer Cocktail mit Erdbeeren und Tequilla. Offensichtlich der Drink der Woche, den bestelle ich für meine Begleitung, Frauen mögen so was. Für mich einen Gin-Tonic.

Doch diese Bestellung erweist sich als grober Fehler. Denn jetzt beginnt die eine Blondine hektisch hin und her zu laufen. Der Margarita muss im Mixer ordentlich durchgerührt werden. Also holt sie den Mixer aus dem Hinterraum, dann die Erdbeeren, dann den Alkohol. Als sie alles vorn hat, mixt sie kurz und verschwindet dann mit den Gerätschaften wieder nach hinten. Ich bin reichlich verwirrt. Sollte ich der einzige sein, der den groß beworbenen Drink bestellt?

Nachdem die Kellnerin bestimmt noch fünfmal hin und her gelaufen ist, hat sie den Cocktail endlich fertig. Sichtlich erleichtert, stellt sie das Glas hin. Der Gin-Tonic, schon seit einigen Minuten fertig, kommt dann auch sofort. Um den Laden nachher ohne lange Wartezeit verlassen zu können, zahle ich lieber gleich.

Natürlich musste ich wieder Trinkgeld geben, schließlich kann die Kellnerin auch nichts dafür, dass hier alles so schlecht organisiert ist. Unklar bleibt für mich die Frage, warum der Laden trotzdem voll ist. Denn auch an Tagen ohne Ausstellungseröffnung ist hier eigentlich immer großer Andrang. Lieben es die Gäste, wenn sie nur langsam bedient werden?

Café-Pott auf dem Bischofsweg.

Café-Pott auf dem Bischofsweg.

Anderes Lokal, anderer Tag. Im Café-Pott am Bischofsweg stehen die Zeichen klar auf Rock, Jimi Hendrix, der König der E-Gitarre, hängt als Portrait an der Wand. Hinterm Tresen ein Mann, Mitte 30, mit einem Gesicht, dass Geschichten erzählen könnte. Tätowierte Typen bevölkern den Raum, eine bedrohliche Situation. Doch dann: „Was wollt ihr denn trinken?“ Mit freundlicher Stimme begrüßt uns der Wirt. Zwei Bier – die sind ruck-zuck gezapft, stehen schneller, als wir uns setzen können. Später dann, beim Gehen, schickt er uns einen „schönen Abend noch“ hinterher.

Vielleicht gibt es einen bisher unbekannten Zusammenhang – Um so einfacher die Kneipe, um so freundlicher das Personal?


Nachtrag

2005: Die Bar hieß „Déjà-vu“ und hat inzwischen ihre Pforten dichtgemacht, ein Nachfolger ist schon da. Die Bedienung ist jetzt besser.
2011: Auch der Nachfolger „Pura Vida“ hat inzwischen aufgegeben, im Dezember soll ein Grieche eröffnen.
2017: Aus dem griechischen Restaurant ist inzwischen ein Gasthaus mit sächsischer Küche geworden. Zum Wiegebraten. Den Café-Pott gibt es übrigens immer noch.

Café-Pott-Hymne


Lone Wolf: Pott-Song (feat. Three M-Men)

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