Für die von der Straße

Treff der Treberhilfe an der Albertstraße 32
Treff der Treberhilfe an der Albertstraße 32
Unmittelbar am Albertplatz in den hässlichen Plattenbauten an der Albertstraße hat die Treberhilfe Dresden ihren Sitz. Ich bin mit dem Geschäftsstelleleiter Thomas Krüger und dem Vereinschef Dieter Wolfer verabredet. Fasziniert stöbere ich durch die Räume, heute ist es hier ganz ruhig. Ein paar Streetworker sitzen über Papierkram. Thomas erzählt mir, dass das dienstags und donnerstags ganz anders aussieht. Dann ist der Begegnungsraum voll.

Hier treffen sich die Jugendlichen, die auf „Trebe“ sind, hier finden sie Ansprechpartner, wenn sie Hilfe brauchen. Hier können sie einen Computer nutzen, ihre Wäsche waschen, duschen, es gibt Kaffee, Bücher und was zu essen. Auf „Trebe“ sein – das bedeutet so viel wie von zu Hause ausgerissen, auf der Straße leben, sich herumtreiben. In den Treff an der Albertstraße kommen Kids und junge Erwachsene, die überwiegend auf der Straße leben. Dazu gehören Punks, Drogenkonsumenten und Ausreißer.

Der Verein will den Jugendlichen helfen im Leben zurecht zu kommen. Dafür sind mehrere Straßensozialarbeiter im Einsatz. Sie beobachten die Szene, sind Ansprechpartner vor Ort und wollen ein Vertrauenspotenzial schaffen. Bei der Treberhilfe Dresden sind 20 Sozialpädagogen beschäftigt, insgesamt mit Praktikanten und Ehrenamtlichen sind es rund 100 Mitstreiter. Außer dem Treff am Albertplatz gibt es noch Anlaufstellen in anderen Stadtteilen, wie Gorbitz und Pieschen. Aber auch der Abenteuerspielplatz Panama an der Seifhennersdorfer Straße und die Siebdruckwerkstatt an der Königsbrücker Straße wird von der Treberhilfe betrieben.

Thomas Krüger (li.) und Dieter Wolfer mit Praktikantin Jana
Thomas Krüger (li.) und Dieter Wolfer mit Praktikantin Jana
„Angefangen hat alles mit einer mobilen Suppenküche für Obdachlose am Hauptbahnhof“, erzählt Dieter Wolfer. Das war in den 90ern. 1996 wurde der riesige Doppeldecker-Bus angeschafft, der zur BRN immer auf der Schönfelder Straße steht und ansonsten an verschiedenen Orten in Dresden Anlaufstelle für Treber-Kids ist. Im Laufe der Jahre wurde der Verein immer größer. Die Treffs in den Stadtteilen entstanden und das Panama wurde übernommen. Die beiden Mitarbeiter sprühen vor Begeisterung als sie mir ihre Räume zeigen und erklären, wie sie die Räume gemeinsam mit den Jugendlichen umgestaltet haben. Ich solle doch mal an einem Dienstag zum Brunch vorbei kommen. „Es ist so schön zu erleben, wie sich die jungen Menschen aufeinander zu bewegen können“, sagt Dieter Wolfer.

Treberhilfe Dresden

  • Treberhilfe Dresden, Albertstraße 32, 01097 Dresden
    Kontaktstelle: Dienstag: Brunch 11 bis 17 Uhr, Donnerstag: Offener Treff 12 bis 15.30 Uhr
    Weitere Infos unter: www.treberhilfe-dresden.de


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14 Kommentare zu “Für die von der Straße

14 Gedanken zu „Für die von der Straße

  1. Also ich finde auch, dass die Buden am Albertplatz noch zu den schöneren Platten in Dresden zählen. Hier kam die Luxus-Variante zum Einsatz! Wenn man die mal generalüberholen würde, wären die bestimmt richtig schön.

  2. Naja, kommt. Hübsch ist echt was Anderes. Mag sein, dass es schlimmere Platten gibt, aber trotzdem. Da müsste schon einiges dran gemacht werden um das Gebäude hübsch zu kriegen und damit meine ich nicht, fette Dämmplatten ranklatschen und gelb streichen. ;)

    So sah es da übrigens mal aus.

    http://www.dresden-lexikon.de/Fotos2/Albertplatz-1910.jpg

    Jugendstil gab’s in Dresden, im Gegensatz zu Prag und Leipzsch, ni so oft. Schade drum. Ob unsere heutigten Architekten etwas annähernd so Hübsches hinbekämen?

  3. Man beachte vor allem die goldene „Krone“ die der Architekt zu tiefsten sozialistischen Zeiten am Albertplatz auf den Turm bekommen hat – als Gegenpol zum Goldenen Reiter. Und ist schon mal jemanden aufgefallen, dass im Herbst passend dazu als erste Bäume die Goldeschen auf dem Platz davor ihre Färbung zeigen? (Es war nicht alles schlecht ;-))

    Der Treberhilfe wünsche ich, dass nicht so bald saniert wird – denn dann kann sie sich gleich wieder was neues suchen!

  4. Eine Renovierung von diesen Buden wäre in der Tat angebracht.
    Die Dinger gehören doch aber (noch?) der Gagfah, oder? So lange ist mit keiner Verbesserung zu rechnen. Gewinnmaximierung geht vor.

    @Anton
    Feiner Beitrag, schön dass Du auch mal sowas mit abdeckst. Weiter so.
    (ich hab mich ehrlich gesagt lange gefragt, was die Bude ist)

  5. @Jane: nee, ich hab da nix zu gesagt.
    Die Treberhilfe ist doch nicht unterm Nudelturm? So von wegen Krone und so.

    @auch ein Stefan: hinkriegen würde man das heute ohne weiteres – im Nachbauen hat man in Dresden ja Erfahrung. Allerdings wird heute nur noch billige Investorenarchitektur gebaut, die nach 20 Jahren abgeschrieben ist – schaut euch mal die die Buden aus den 90ern an, die rotten jetzt schon weg. Die würden allesamt keine 50+ Jahre Vernachlässigung überstehen. Der ach so umweltfreundlichen Wärmedämmung sei dank…

  6. Die Frage ist, was würde heute als „schöne“ Architektur bewertet? Darüber gehen die Meinungen sehr auseinander. Architekten haben sich da anscheinend auch sehr weit von der Bevölkerung entfernt (über die Gründe zu diskutieren, führte hier zu weit). Da aber Investoren in der Regel keinen Wert auf Schönheit legen, kommen Kisten dabei raus. Was viele Menschen schön finden, kann man in Neubaugebieten „bewundern“. Dazwischen scheint es nicht viel zu geben.

  7. In den Neubaugebieten kann man meist auch nur bewundern, was per Katalog auswählbar ist. Da steht die Ästhetik dem Fakt sich überhaupt ein Häusl leisten zu können, hintenan. Traurig, aber ist so. Verdienen tut daran die Bank und der Anbieter der Stangenware.

    Klaren gehen die Meinungen auseinander, aber bei etlichen prominenten städtischen Punkten, ist schon sehr ersichtlich, was die Leute überwiegend mögen und was nicht und wenn ich ehrlich bin, ist mir im hochfrequentierten Zentrum die Ästhetik zumindest wichtiger, als in der randstädtischen Peripheriegebieten.

  8. Nur warum haben die Investoren vor 100 Jahren Wert auf Schönheit gelegt. Oder finden wird die Gründerzeit-Häuser nur schön, weil sie schon so alt sind?

  9. Es gibt ja nicht nur schöne Gründerzeithäuser. Ist alles ne Sache der gewählten Proportionen, der Materialität, der Farbigkeit,( Stuktur, Schmuck usw). Mit dem Alter hat es streng gemommen weniger zu tun, auch wenn sich der Zeitgeschmack der Masse innerhalb einer gewissen Schwankungsbreite bewegt. Gemeckert haben die Leute auch damals schon. So waren der Lipsius-Bau oder die sächs. Staatskanzlei anfänglich wegen ihr unmaßstäblichen Größe und damit wegen ihrer Dominanz, gerade in Elbähe, umstritten.

    und…weil auch die Städte wert auf Schönheit gelegt haben, Dresden hatte z.B. ganz strenge Gestaltungsvorschriften. Gerade im schon damals spekulativen Wohnungs-/Geschäftsbau. Da wurde festgelegt, wo offene oder geschlossene Bebauung stattzufinden hat, die Proportionen, welche Materialien, Farben, Dachdeckungen/-formen, Geschosshöhen, Stockwerke, Einfriedungen und und und zu verwenden sind, auch, dass Innenhöfe im Blockrand (anders als in Berlin) freizuhalten sind, wo sich die Industrie anzusiedeln hat ( weit ab der Wohngebiete), und so weiter.

    Da würden viele heute schreien, wahhhh …schrecklich diese Einengung der Kreativität und welch Bevormundung der Investoren. Nichts desto trotz hat dies aber damals zur Schönheit der Stadt maßgäblich beigetragen – weil so harmonische Ensemble und dennoch spannende Stadträume entstanden.

    Die Stadt hatte früher auch einen viel größeren Repräsentationswillen oder könnt ihr euch vorstellen, die Stadt würde heute mit dem Postplatz auf Werbeoffensive für Dresden gehen? Damals gab’s sogar Postkarten von dem, obwohl’s von den Dresdner Plätzen eher einer unterdurchschnittlich schöner war. Ne Postkarte in alle Welt mit dem Willsdruffer Kubus oder der Altmarktgalerie? Irgendwie schwer vorstellbar.

    Das ist jetzt aber ein weit ausladendes Thema.

    Ich empfehle als Einstieg zum Nachlesen:

    Volker Helas:

    „Das Stadtbild von Dresden, Stadtdenkmal und Denkmallandschaft“

    und

    „Architektur in Dresden 1800–1900“

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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