Vom jahrelangen Leerstand über eine zeitweise Besetzung (Neustadt Geflüster vom 29. Juli 2021) bis hin zur fortschreitenden Verwahrlosung: Der Gebäudekomplex an der Lößnitzstraße 5 hat in den vergangenen Jahren einiges hinter sich. Lange schien unklar, was aus den maroden Bestandsgebäuden werden soll. Nun gibt es wieder eine konkrete Perspektive für das Areal, nachdem frühere Pläne zur Wohnraumentwicklung im Jahr 2015 unter anderem an Lärmschutzauflagen gescheitert waren.

Die Stadt Dresden hat das Grundstück im Rahmen einer Konzeptvergabe für Kultur- und Kreativwirtschaft sowie soziokulturelle Nutzungen ausgeschrieben. Den Zuschlag erhielt die Arbeitsgemeinschaft LÖß5 vom Team Zirkuläres Bauen, die das Areal im Erbbaurecht übernehmen möchte und das Projekt erstmals im Hole of Fame vorgestellt hat. Ziel ist es, den Ort schrittweise zu sanieren und wieder nutzbar zu machen.
Nutzungsmix statt Monokultur
Das Nutzungskonzept sieht eine klare Aufteilung des Areals vor. Rund drei Viertel der Fläche sind für soziokulturelle Nutzungen vorgesehen. Hier sollen Vereine, Initiativen und gemeinwohlorientierte Projekte Raum finden wie zum Beispiel für Treffen, Proben oder gemeinschaftliche Angebote, die im Viertel bislang kaum Platz haben.
Der verbleibende Teil des Areals ist für die Kunst- und Kreativwirtschaft gedacht. Geplant sind Ateliers, Studios und Werkstätten, die sowohl dauerhaft als auch projektbezogen genutzt werden können. Damit richtet sich das Angebot insbesondere an kleinere Akteur:innen, die auf flexible und bezahlbare Arbeitsräume angewiesen sind.
Die Mischung der Nutzungen ist dabei bewusst gewählt. Sie soll nicht nur zur wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Projekts beitragen, etwa mit Blick auf den Erbpachtzins, sondern auch verhindern, dass das Areal zu einer reinen Gewerbefläche oder zu einem abgeschlossenen Kulturprojekt wird. Stattdessen ist ein offenes Nebeneinander unterschiedlicher Nutzungen geplant, das Austausch ermöglicht und den Ort langfristig im Viertel verankert.

Sanierung in Etappen
Die bauliche Entwicklung des Areals ist langfristig angelegt. In einem ersten Schritt soll der Bestand gesichert werden und so ertüchtigt werden, dass erste Nutzungen möglich sind. Im Fokus stehen grundlegende Maßnahmen wie die Sicherung der Bausubstanz, die Herstellung von Strom-, Wasser- und Sanitäranschlüssen.
Ziel dieser ersten Phase ist es, möglichst früh wieder Leben auf das Gelände zu bringen. Geplant sind einfache, funktionale Räume für Ateliers, Proberäume, Werkstätten und gemeinschaftliche Nutzungen. Der Innenhof soll dabei bereits als Ort für Veranstaltungen dienen, während der längliche Anbau, auch Haus B genannt, als Pop-up-Café genutzt werden soll.

In einer langfristig angelegten zweiten Phase, perspektivisch über zehn bis fünfzehn Jahre, soll das Areal weiterentwickelt und ergänzt werden. Geplant sind Aufstockungen sowie zusätzliche Flächen wie zum Beispiel Hochbeete oder erhöhten Grünflächen, um den ursprünglichen Gebäudekörpern näherzukommen und mehr nutzbaren Raum zu schaffen.
Dabei entstehen weitere Arbeits- und Nutzungsflächen sowie barrierefreie Zugänge, etwa durch Laubengänge¹ oder Aufzüge. Trotz der baulichen Verdichtung soll das Grundprinzip erhalten bleiben: Der Innenhof soll weiterhin das verbindende Zentrum des Areals in der Lößnitzstraße bleiben.

Selbstverwaltung und Ausblick
Organisatorisch soll das Projekt von einer Genossenschaft getragen werden, ergänzt durch einen Verein für die inhaltliche Arbeit. Beide Strukturen sind offen für neue Beteiligte. Die Stadt räumt der Initiative zunächst eine Reservierungsphase ein, in der Finanzierung, Rechtsform und Nutzungskonzept weiter ausgearbeitet werden können. Vorgesehen ist ein Erbbaurechtsvertrag über 35 Jahre.
Grundlage der Zusammenarbeit soll ein holokratisches Organisationsprinzip sein. Statt klassischer Hierarchien wird die Arbeit in klar definierten Rollen, Kreisen und Unterkreisen organisiert. Verantwortung liegt dabei nicht bei einzelnen Personen, sondern bei Aufgaben und Zuständigkeiten, die transparent verteilt und regelmäßig angepasst werden. Dieses Modell soll es ermöglichen, dass sich Beteiligte je nach Interesse und Kompetenz einbringen können und Entscheidungen dort getroffen werden, wo sie anfallen.
Das Auftakttreffen markiert den Beginn dieses Prozesses. Weitere Treffen sollen folgen, bei denen sich Interessierte informieren und aktiv einbringen können. Zudem sind zwischen Juni und Juli der Launch einer Website sowie die Gründung eines Vereins geplant. Damit sollen wichtige Grundlagen für den anstehenden Erbbaurechtsvertrag, inhaltliche Input-Vorträge und die Arbeit in thematischen Arbeitsgemeinschaften geschaffen werden.
¹Laubengänge sind außenliegende Erschließungsgänge, meist entlang einer Fassade, über die mehrere Räume oder Einheiten erreicht werden.




















