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Gründen in der Krise: Das Atelier Zeitgold

Der Schritt in die Selbstständigkeit ist fast immer ein Wagnis, besonders in der Krise. Was also bewegt Menschen jetzt zu gründen?

Das Atelier von Außen - Foto: Jonas Breitner
Das Atelier von Außen – Foto: Jonas Breitner

Am 12. April eröffnete Theresa Heßmann ihr „Atelier Zeitgold“ in der Rothenburger Straße 36. Die dreißigjährige Mutter von zwei Kindern unterschrieb Mitte Dezember 2020 den Mietvertrag. Sie will mit ihrem Laden im Herzen der Neustadt ein Gesamtkonzept aus Kunst, Kaffee und Interieur anbieten. Für sie ist das zugleich die Verwirklichung dreier Leidenschaften und finanzielles Wagnis.

Das „Schmuckkästchen“

Etwas versteckt liegt das Atelier Zeitgold an der Rothenburger. Zwei große Fenster und eine Glastür lassen den neugierigen Blick ins Innere lugen. Einzig ein mit Kreide aufgemalter Schriftzug auf der Glastür verweist auf den Laden selbst. Beim Betreten riecht es nach frischer Farbe, an den hohen, weißen Wänden hängen eine Handvoll Bilder lokaler Künstler, mehr sollen noch geliefert werden.

Der letzte Schliff vor Eröffnung - Foto: Anja Schneider
Der letzte Schliff vor Eröffnung – Foto: Anja Schneider

Weiter hinten im Laden befindet sich rechterhand das Café – ein Tresen mit obligatorischer Siebträgermaschine, linkerhand ein liebevoll „Schmuckkästchen“ genannter Raum, gefüllt mit Schränken, Tischen und Stühlen aus der Gründerzeit, Barock und Jugendstil. Ein kräftiges Moosgrün ist die farbliche Klammer zwischen den Räumen. Weiter hinten geht es hinaus in den Gemeinschaftsgarten, der sonnenbeschienen, zum Verweilen einlädt.

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Die Frau mit dem Grünen Mantel

Theresa Heßmann, Jeans, grauer Pulli, hochgekrempelte Ärmel und nach oben gesteckte Haare, macht den Eindruck einer Macherin. Sie lernte ursprünglich Soziale Arbeit und war in der Ambulanten Familienhilfe tätig. Am Ende war dieses Arbeitsumfeld schlichtweg zu heftig und nur schwerlich mit ihrem Perfektionismus zusammenzubringen. Sie kündigte ihren Job, ein einschneidendes Erlebnis.

Warten darauf, mit ihnen anzustoßen - Foto: Anja Schneider
Warten darauf, mit ihnen anzustoßen – Foto: Anja Schneider

Auf die nachfolgenden Gänge zur Agentur für Arbeit angesprochen, gibt sie zu: „Ich kann mich noch erinnern, als ich diesen Raum betreten habe, und mir dachte: Oh mein Gott“. Doch innerhalb der nächsten drei Monate sortierte und orientierte sie sich. Sie arbeitete ein Konzept für den Laden aus in dem sie heute steht.

Leidenschaft, zum Beruf gemacht

Die Leidenschaft für Trödelhallen und Flohmärkte, das Durchstöbern von Omas Dachboden als Kind, das prägt Theresa bis heute. „Dieser Geruch, dieses Gefühl was zu finden, das liebe ich, schon immer und immer noch“. Sie entschloss sich, diese Leidenschaft zum Beruf zu machen.

Gerade die Kombination von Modernem und Altem reizt sie dabei. Das Standard IKEA-Regal wird mit einem Eye-catcher mit Geschichte kontrastiert und ergänzt. „Ich betrete eine Wohnung und ich seh‘s einfach, das ist was, das ist nichts“ sagt sie stolz.

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Zufälle und Zuschläge

Zufällig spazierte sie an dem Laden vorbei, der heute ihrer ist und „jetzt schon wie ein drittes, viertes Kind“. Ohne jegliche Erfahrung im Bereich Einzelhandel bewarb sie sich beim Eigentümer und „dann kam die Zusage und ich hab damit nicht gerechnet und einen Freudentanz hingelegt“.

Heute kann sie behaupten, dass auch der Vermieter froh sein darf, mit dem, was sie aus dem Laden gemacht hat. Noch dazu, dass Neueröffnungen in Zeiten der Krise wohl eher die Ausnahme als die Regel sind.

Möbel, die Geschichte atmen - Foto: Anja Schneider
Möbel, die Geschichte atmen – Foto: Anja Schneider

Der Name entsprang nach langer Suche aus einer riesigen auf dem Wohnzimmerboden ausgebreiteten Mind-Map. Wie bei Scrabble machte es irgendwann „bam“. Aus der Zeit, die die alten Möbel in sich tragen, und dem Gold, das Theresa persönlich schön findet, wurde das Atelier Zeitgold.

Gründen in der Krise

Im Rückblick auf die größten Herausforderungen überlegt Theresa, sie will nicht Corona nennen, „denn Corona hängt wie ein Glocke über allem“. Von der Wandfarbe über den Namen bis hin zum Logo sei ihre größte Herausforderung das ständige und langwierige Abwägen von Entscheidungen. „Du hast manchmal das Gefühl, dass dein Kopf explodiert“.

Auf die Entscheidung des Timings der Gründung mitten in der Krise angesprochen erklärt sie, dass auch sie von Lieferverspätungen, Insolvenzen oder dem plötzlichen Verschwinden von Geschäftspartnern betroffen war und ist.

Letzte auszupackende Kisten - Foto: Jonas Breitner
Letzte auszupackende Kisten – Foto: Jonas Breitner

Dennoch sagt sie, „warten war für mich keine Option“. Nach dem Zuschlag für die Ladenimmobilie wollte sie loslegen und die Euphorie über diese für sie wunderbare Chance mitnehmen. Manche Zeit-Not wird dabei zur Tugend. So können Kunden die Möbel, wenn sie noch nicht ganz fertiggestellt sind, mit eigenen Vorschlägen personalisieren.

Rausch, Risiko und Antrieb

Sie ist sich des Risikos bewusst: „Selbständigkeit ist so viel mehr als dieses Wort, es ist brutal“. Dennoch habe trotz mancher Rückschläge insgesamt alles funktioniert. Die Familie ist extreme Verantwortung und emotionaler Anker zugleich. Sie „hilft den Rausch, die Höhen und Tiefen der Selbstgründung immer wieder zu erden.“

Vorsicht: Sitzen auf zu viele Kissen kann zu Rückenbeschwerden führen - Foto: Anja Schneider
Vorsicht: Sitzen auf zu viele Kissen kann zu Rückenbeschwerden führen – Foto: Anja Schneider

Außerdem ist die Familie Antrieb: „Du musst, du kannst nicht aufgeben, es gibt keinen Weg zurück, also: Durchziehen.“ Die Wertschätzung des persönlichen Umfelds und hoffentlich der Kunden sei schön und wichtig, jedoch muss es sich am Ende auch rechnen. „Ich habe hier viel investiert in den Laden und ich möchte anfangen mein eigenes Geld zu verdienen“.

Das Umfeld macht den Unterschied

Viele tragen den Traum von Selbständigkeit in sich. Einige hätten die Möglichkeit dazu. Die meisten jedoch wagen es nie zu versuchen den Traum wahr zu machen. Auf die Frage was sie von anderen unterscheide, meint Theresa, dass ihr Umfeld den entscheidenden Unterschied mache.

Glückliche Gründerin: Theresa Heßmann - Foto: Anja Schneider
Glückliche Gründerin: Theresa Heßmann – Foto: Anja Schneider

Die Lektüre des Buches „Das Café am Rande der Welt“, eine wunderbare Sachbearbeiterin in der Agentur für Arbeit, der Gründertisch, die Gründer-Rakete Dresden, alle waren hilfreich auf ihrem Weg, jedoch stechen einige Menschen hervor: der bedingungslos unterstützende Ehemann, der versierte Coach Matthias Kreher und die Nachbarin und emotionale Stütze Maria von Blume Salomé, Luise von Sprout und die Mädels von Mjuuk.

Mach das Beste draus

„Wenn du wirklich was willst, entwickelt sich alles positiv“. Sie versucht das Beste aus der Situation herauszuholen, es gehe nicht anders. Eine positive Grundhaltung schadet nicht. Corona schenkt ihr Zeit, falls die Läden bald schon wieder schließen müssen, so habe sie eben zwei Ladeneröffnungen, meint sie.

Zum Abschluss sagt Theresa: „Wir müssen auch in diesen Zeiten mutig sein, und mutig sein heißt, dass Leute sich verwirklichen sollen; dass sie, wenn sie einen Traum haben, und wenn es noch so ein banaler Traum ist, einfach versuchen ihn umzusetzen und für diesen Traum zu leben; sich nicht unterkriegen zu lassen, egal wie schwer es wird.“

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