Die Tannenstraße

Hinter den Kulissen des Alaunparks verbindet die Tannenstraße Neustadt und Hecht miteinander. An der Tannenstraße soll es noch Parkplätze geben – und Kontakt ins All.

Blick in die Tannenstraße in Richtung St. Pauli Ruine. Foto: Philine
Blick in die Tannenstraße in Richtung St. Pauli Ruine. Foto: Philine

„Die Fichte sticht, die Tanne nicht“, schlägt meine botanisch bewanderte Begleitung eine Eselsbrücke, über die wir versuchen, zur Lösung des Rätsels zu gelangen: Sind es Tannen, die neben der Eck-Wirtschaft Sankt Pauli die Tannenstraße säumen? Stechen tun sie schon – in erster Linie ins Auge. Dicke Zapfen wippen am Wipfel und als wollten die Wolken weihnachtliche Gefühle wieder aufwallen lassen, sinken ein paar Schneeflocken hernieder. Ein kühles Lüftchen weht hier, hoch im Norden, wo das Nordlicht elektrisiert.

Besuch aus dem All?

„Fichte“, lautet unser abschließender Tipp. Die dreibögige Eisenbahnbrücke gibt den Weg frei, wir dürfen passieren und gleich versilbert eine Attraktion das Blickfeld! Hinter einem Gartenzaun glänzt eine ungezündete Partyrakete. Start verschoben auf unbekannt. Oder ist hier inmitten unbestimmter Nadelgehölze intelligentes Leben gelandet? Dieses Rätsel brennt natürlich noch heftiger unter den Nägeln als die Fichtengeschichte, lässt sich aber in bester Geheimnismanier noch weniger lüften.

Kosmonautensehnsucht an der Tannenstraße. Foto: Philine
Kosmonautensehnsucht an der Tannenstraße. Foto: Philine

Multiresistente Gehweg-Kobolde

Vor dem Goethe-Institut röhrt ein Laubbläser und lässt den Lärm der Köni zu meditativen Einschlafklängen schrumpfen. Auf den ernsthaften Gesichtszügen seines Trägers spiegelt sich die gnadenlose Geduld eines Erzengels, der mit einem Flammenwerfer Dämonen zurück ins Höllenfeuer blastert.

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Selbst sehr weiche Kothaufen finden ihren Weg durch den Maschendrahtzaun auf den Hang, der hinab in eine unerschlossene Nische des Alaunparks führt. Nur einige wenige multiresistente Gehweg-Kobolde trotzen dem Sturm, indem sie sich an den Draht klammern.

Gehweg-Kobolde an der Tannenstraße. Foto: Philine
Gehweg-Kobolde an der Tannenstraße. Foto: Philine

Hausen- wurde Tannenstraße

Die kriegerische Handlung erinnert an die Zeit, als sich hier noch eine Schützenkaserne befand. Im Jahr 1871 wurde die Tannenstraße um eine Zufahrt östlich der Königsbrücker Straße verlängert. Sie trug den Namen Hausenstraße nach dem Generalleutnant Max Clemens Lothar von Hausen. Der vielgeehrte Ritter farbenfroher Adlerorden vollzog seinen letzten Akt 1922 in Dresden und ruht auf dem Inneren Neustädter Friedhof. Mit der großen Straßenumbenennung 1946 wurde der militärische Abschnitt namentlich aufgeforstet und ebenfalls Tannenstraße getauft.

Auf der Mauer, auf der Lauer: Reihenhäuser an der Tannenstraße. Foto: Philine
Auf der Mauer, auf der Lauer: Reihenhäuser an der Tannenstraße. Foto: Philine

In Reih‘ und Glied stehen keine Bataillone mehr, sondern Reihenhaus-Batterien mit vergitterten Vorgärtchen. Die grauen Betonmauern bieten Gelegenheit zu bunter Kritik. Siehe da, der Sesam steht offen und lädt zu einer Erkundungstour durch die Enklave ein.

Grenzüberschreitende Erkundungen. Foto: Philine
Grenzüberschreitende Erkundungen. Foto: Philine

Auf  einem Trampolin federnd meldet eine Infantin unsere Ankunft an: „Mamaaaaa, ein Mann mit roten Haaren!“ Offene Tore eröffnen eben Horizonte. Nachdem wir unseren Beitrag zur allgemeinen Irritation geleistet haben, lassen wir das Tai Chi-Zentrum rechts liegen und betreten einen weniger prominent bewohnten Winkel der Tannenstraße.

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Auf Abwegen an der Tannenstraße. Foto: Philine
Auf Abwegen an der Tannenstraße. Foto: Philine

Viel Platz für nichts

Wie eine vom Verfall eingenommene Festung erhebt sich der einstige Sitz der Bauplanung Sachsen aus Schutt, Scherben und Geröll in den seifenwasserfarbenen Himmel. Der Parkplatz ist dicht belegt. Das wirkt skurril in Anbetracht des offensichtlichen Leerstandes. Die unteren Fenster sind verrammelt. In der benachbarten Böschung hat sich ein Mensch eine Wohnstatt in einem Betonverschlag eingerichtet.

Zwangsläufig drängt sich ein Gedanke auf, den Aktivist*innen bereits 2019 als offensichtlich empfanden: Warum wird die Bude eigentlich nicht als Wohnraum genutzt? Eine Anfrage an die ehemaligen Besitzer bleibt unbeantwortet.

Labbrige Lamellen künden vom Verfall. Foto: Philine
Labbrige Lamellen künden vom Verfall. Foto: Philine

Entlang der Fassade ziehen sich aufgesprühte Dialoge in Text und Bild. Aus geborstenen Fenstern schaukeln labbrige Lamellen. Ausradierte Klingelschilder, überwucherte Parkplätze, abgeschriebene Zukunft. Viel Platz für nichts. Auf dem Hügel hinter dem welkenden Bürogebäude dreht sich die Garnisonkirche ins Licht. Tja, nicht jedem Gebäude ist es gegönnt, Jahrhunderte zu überdauern, scheint sie zu flüstern.

Der Weg scheint weit. Foto: Philine
Der Weg scheint weit. Foto: Philine

Am IKK-Gebäude schlängelt sich die Tannenstraße entlang von Gärten zurück zu sich selbst. Ungewöhnliche Zaungäste äugen nach draußen. Über den steinernen, noch wasserlosen Springbrunnen, der 2011 endlich seine wohlverdiente Sanierung erhielt, wehen weiße Blütenblätter, als wäre die Vorstellung beendet. Ist sie auch.

Tannenstraße

Straßen und Plätze im Ortsamtsbereich Neustadt

Wo Schaf und Hase guten Tag sagen. Foto: Philine
Wo Schaf und Hase guten Tag sagen. Foto: Philine
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