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Auf Clubkultour mit dem Klubnetz Dresden

Der Mitte Ja­nuar frisch ge­grün­dete Klub­netz Dres­den e.V. lud am ver­gan­ge­nen Sonn­abend aus An­lass des Open Club Day zur Club­kultour durch die Lan­des­haupt­stadt ein. Eine Klas­sen­fahrt in den "Dresd­ner Un­ter­grund". Der Schul­ter­schluss der teils ge­schichts­träch­ti­gen In­sti­tu­tio­nen soll für ei­nen sta­bi­len Stand der Clubs in der Dresd­ner Kul­tur­land­schaft. "Ein his­to­ri­scher Tag", der tief hinab bis an die Wur­zeln der Sub­kul­tur führte.

Treff­punkt für die Club­kultour war das Kul­tur­rat­haus Dresden.

Drei­zehn Clubs in fünf Stun­den – etwa 40 Teilnehmer*innen nah­men die Her­aus­for­de­rung an die­sem lauen Sonn­abend­mor­gen an. Mit da­bei in­ter­es­sierte Zu­ge­zo­gene, Stadt­teil­bei­räte von Linke und Grüne, Vertreter*innen von Amt für Wirt­schafts­för­de­rung, Bau­ge­neh­mi­gungs­amt und Presse, die 2. Bür­ger­meis­te­rin An­ne­kat­rin Klepsch (Linke) und Mit­wir­kende aus der Dresd­ner (Sub-)Kultur.

Der An­lass: Das Klub­netz Dres­den ist ein frisch ge­grün­de­ter ein Ver­ein, des­sen Mit­glie­der Ak­teure aus der Club­kul­tur in Dres­den sind. Sie wol­len ihre In­ter­es­sen und Kräfte bün­deln, um die Szene zu stär­ken und sich für die Lö­sung ge­mein­sa­mer Pro­bleme einzusetzen.

"Die Dresd­ner Club­land­schaft", so Chris­toph Töp­fer (ehe­ma­lig Sa­bo­tage und TBA), "ist ein Schatz. Ein Pfund, mit dem die Stadt wu­chern kann." Um die­sen Schatz nä­her zu er­kun­den, or­ga­ni­sierte der Ver­ein eine Stadt­füh­rung der be­son­de­ren Art.

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Fast pünkt­lich um 11 Uhr rollt der Mys­tery-Dop­pel­de­cker-Bus vom Treff­punkt am Kul­tur­rat­haus ab. Knaut­schige Le­der­sitze, Ge­tränke und Scho­ko­rie­gel, ab­ge­dun­kelte Schei­ben, hin­ter de­nen die ver­traute Stadt selt­sam fremd vor­bei­zieht – die Rei­se­gruppe Club­tour macht sich auf ins un­be­kannte Bekannte.

Erste Sta­tion: Jazz­club Tonne. Dank des schau­keln­den Bus­ses und der ge­gen­über­sei­ti­gen Sitz­auf­rei­hung stol­pern alle kurz­zei­tig des­ori­en­tiert auf das Pflas­ter ge­gen­über der Schießgasse.

Stef­fen Wilde be­ant­wor­tet den Be­su­chern Fra­gen zu Kon­zert-High­lights in der Tonne.

Den Fluten entstiegen: Jazz Club Tonne

Beim Aus­stieg heißt es kurz die Au­gen in der ers­ten Früh­lings­sonne zu­sam­men­knei­fen, dann geht es ab­wärts in das schumm­rige Ge­wölbe der Jazz Tonne. Einst ad­li­ger Par­ty­kel­ler (die Wackerbarth'schen frön­ten hier als "Ge­sell­schaft wi­der die Nüch­tern­heit" dem Suff), ist der Kel­ler wie­der Hei­mat­ort der Tonne, die 2015 auf­grund ei­nes Was­ser­scha­dens ih­ren In­te­rims­stand­ort im Kel­ler des Kul­tur­rat­hau­ses ver­las­sen musste und an ih­ren al­ten Stand­ort zurückkehrte.

Sie ist ex­pe­ri­men­tel­ler Schmelz­tie­gel von Rock, Pop, Elek­tro und Jazz und gilt auch auf­grund ih­rer Ko­ope­ra­tion mit der Mu­sik­hoch­schule als lo­kale Talente-Schmiede.

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Zwi­schen 110 und 130 Kon­zerte fin­den jähr­lich in der Tonne statt. Je nach Ver­an­stal­tung fin­den sich im Schnitt zwi­schen 30 und 350 Besucher*innen ein. Zum heu­ti­gen Open Club Day steht ein Schall­plat­ten­spie­ler be­reit, um mit selbst mit­ge­brach­ten Plat­ten die An­lage zu testen.

Flink wu­seln die Gäste durch die Tü­ren mit den "Staff Only"-Hinweisschildern. Da­für ist der Tag schließ­lich da. Schnell hat sich der hei­ßeste Tipp rum­ge­spro­chen: Ein Be­such auf den Toi­let­ten, die be­son­ders stil­voll auf­war­ten. Dann pfeift Pierre Tan­nert (rauze.de) schon wie­der zur Weiterfahrt.

Legendäre Mauern: Der Beatpol holt Bands in die Stadt, die kurz darauf Stadien füllen.
Le­gen­däre Mau­ern: Der Beat­pol holt Bands in die Stadt, die kurz dar­auf Sta­dien füllen.

Urgesteine im Wandel: Beatpol & Scheune werden renoviert

Wei­ter geht es zum Beat­pol (bis 2007/​2008 Star­club), dem "Club mit der schöns­ten Pa­tina der Stadt", wie es Mo­de­ra­to­rin Anika Jan­kow­ski (Ma­na­ge­rin Oh my mu­sic-Mu­sik­ver­lag, music:match) tref­fend for­mu­liert. Das alte Haus blät­tert je­doch. Ebenso wie in der Scheune 2021 muss das Ge­bäude in na­hen­der Zu­kunft brand­si­cher ge­macht werden.

"Der Stadt ist an der Er­hal­tung des Beat­pols ge­le­gen", ver­si­chert An­ne­kat­rin Klepsch. Für den Beat­pol, der seit 1990 Spiel­stätte für nam­hafte Künstler*innen aus dem Rock- und Pop-Spek­trum ist, soll eine Er­satz-Lo­ca­tion ge­fun­den wer­den. Im Ge­spräch sind die ehe­ma­li­gen Räume des tjg, die al­ler­dings im Vor­feld eben­falls ei­ner Sa­nie­rung be­dür­fen, so Klepsch.

Ulla Wacker (links) im Gespräch mit Annekatrin Klepsch im Beatpol.
Ulla Wa­cker (links) im Ge­spräch mit An­ne­kat­rin Klepsch im Beatpol.

Es geht wie­der auf die an­dere Elb­seite, in die Neu­stadt. Die Rei­se­gruppe darf den Mini-Kel­ler­club "Ko­ralle" von au­ßen be­stau­nen, be­vor es fuß­läu­fig in die Scheune geht.

Diese und die nächste Sai­son sind Schau­bu­den­som­mer, Gas­tro­no­mie und Kon­zerte noch ge­si­chert – ab Ende 2021 al­ler­dings wird der alte Kas­ten aus­ein­an­der ge­nom­men und grund­sa­niert. Für zwei­ein­halb Jahre wird das Ge­bäude nicht nutz­bar sein. "Wir zie­hen pünkt­lich zu un­se­rem 70. Ge­burts­tag aus", sagt Romy Ja­eh­nig, Ge­schäfts­füh­re­rin des Scheune-Ver­eins. Für die Zeit der Über­brü­ckung ist ein mo­bi­les Kon­zept in Ko­oper­tion mit an­de­ren Ein­rich­tun­gen vorgesehen."Wir den­ken über eine An­lauf­stelle auf dem Scheu­ne­vor­platz nach", so Jaehnig.

Wie dies ge­löst wird, steht noch nicht end­gül­tig fest. Con­tai­ner ste­hen zur De­batte. Pro­ble­ma­tisch steht es um den Schau­bu­den­som­mer nach der Sa­nie­rung. Dann könnte es an ei­ner ge­eig­ne­ten Flä­che man­geln. Romy Ja­eh­nig sieht die Zu­stim­mung der Anwohner*innen als Pro­blem: "Hier um die Scheune sind die An­woh­ner an den Tru­bel ge­wöhnt." An ei­nem an­de­ren Ort sei mit Be­schwer­den zu rechnen.

Ines Som­mer be­treut das Bau­vor­ha­ben: "Es wird noch viele Dis­kus­sio­nen ge­ben, weil die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger ein­ge­la­den sind, ihre Ideen zur Ge­stal­tung der Fas­sade ein­zu­brin­gen." Sie äu­ßerte sich zu­frie­den über den Fakt, dass der Stadt­rat sich für die zweite und da­mit kos­ten­in­ten­si­vere, aber auch nach­hal­ti­gere Ver­sion zum Um­bau ent­schie­den hatte. So seien die nächs­ten 70 Jahre an­schlie­ßend ge­si­chert, räumte ihr Kol­lege ein.

Beat- und Bildungsorte: Groovestation und Ostpol

Dass die Groo­ve­sta­tion als Wasch­sa­lon und "Pun­ker­schup­pen mit Hun­den" an­ge­fan­gen hat, lässt sich heute nur noch er­ah­nen. Klaus Kör­ner er­zählt die Ge­schichte sei­nes Clubs, der Kon­zert­saal, Dance­floor, Ju­gend­be­geg­nungs­stätte und Ge­schichts­ort in ei­nem ist.

"Die Angst, ir­gend­wann we­gen An­woh­ner­be­schwer­den schlie­ßen zu müs­sen, be­glei­tet mich seit 25 Jah­ren", sagt er. Das Über­le­ben als Club sei ein stän­di­ger Kampf und eine Her­zens­an­ge­le­gen­heit: "Das grenzt im Prin­zip schon an Selbst­aus­beu­tung", kon­sta­tiert er. Klaus Kör­ner ist Ei­gen­tü­mer des Club­ge­län­des und der zu­ge­hö­ri­gen Ein­fahrt. Zu po­ten­ti­el­len Mie­tern der Woh­nun­gen in Hör­weite der Groo­ve­sta­tion sucht er das Ge­spräch, er­klärt den Club und seine Be­deu­tung und wirbt für Verständnis.

Im Gän­se­marsch in den Ost­pol zum "Open Club Day".

"Clubs sind Orte der Be­geg­nung, die ih­ren Platz im in­ner­städ­ti­schen Be­reich ver­dient ha­ben", sagt er. "Das stän­dige Aus­han­deln ge­hört dazu." Er sieht die Groo­ve­sta­tion über ihre Be­deu­tung als Ver­gnü­gungs­ort hin­aus als Stätte der po­li­ti­schen De­batte, des Aus­tauschs und der in­ter­na­tio­na­len Be­zie­hun­gen an. Bei al­ler Pro­fes­sio­na­li­sie­rung habe die Ent­wick­lung stets zu­sam­men mit dem an­ge­hö­ri­gen Freun­des­kreis statt­ge­fun­den, so Körner.

Wei­ter geht es in den Ost­pol, ein Club mit mu­sea­lem Cha­rak­ter. Für die In­nen­ein­rich­tung durch­stö­ber­ten die Be­trei­ber alte Fe­ri­en­heime und Dorf­knei­pen. Her­aus­ge­kom­men ist Ku­schel­at­mo­sphäre in Senf­gelb und Erb­sen­grün. Re­likte aus den ehe­ma­li­gen Woh­nun­gen sind die Ka­chel­öfen in den Club-Räu­men. Über dem Ost­pol mit Tre­sen, Wohn­zim­mer und Tanz­diele, be­fin­den sich Pro­be­räume und Ate­liers, z.B. das von Thea­ter­ma­le­rin und ‑plas­ti­ke­rin An­ne­kat­rin Här­tel, de­ren Di­plom­stück der Grüne Bo­gen­schütze auf dem Bal­kon des Ost­pols ist.

"Eigentlich wollten wir nur auf ein Bier in den Ostpol …"

"… und dann war es plötz­lich mor­gens um zehn im Sek­tor-Zelt." Ein Nacht­schwär­mer­zi­tat mit Kult­cha­rak­ter, auf des­sen Route sich nun auch der Mys­tery-Bus mit sei­nen Insass*innen macht. Die Sitz­plätze wur­den mitt­ler­weile häu­fig ge­wech­selt und es ent­spin­nen sich Ge­sprä­che. Me­lan­cho­li­sche über Par­ty­hop­ping jen­seits der 30 ("Mehr als zwei Clubs schaffe ich nicht mehr"), eu­pho­ri­sche in Be­zug auf den her­an­na­hen­den Abend ("Wir könn­ten gleich hier blei­ben …") und kon­struk­tive über Lärmschutzverordnungen.

Von links nach rechts: Christine Mantu, Christoph Töpfer, Felix Buchta, Sascha Moeckel und Pierre Tannert vor dem oka.
Von links nach rechts: Chris­tine Mantu, Chris­toph Töp­fer, Fe­lix Buchta, Sa­scha Mo­eckel und Pierre Tan­nert vor dem oka.

Der Bus er­reicht den Elek­tro-Club ob­jekt klein a, das vor Kur­zem vom Groove-Ma­ga­zin auf Platz 2 der be­lieb­tes­ten Clubs in Deutsch­land ge­wählt wurde – auf Platz 1 steht der Ber­li­ner Club Berg­hain. Das oka stemmt zwei bis drei Ver­an­stal­tun­gen im Mo­nat, etwa 1.000 Men­schen ge­hen mo­nat­lich ein und aus. Ein Kol­lek­tiv von mitt­ler­weile rund 100 Leu­ten or­ga­ni­siert Kon­zerte, Le­sun­gen, Kino, Kin­der­disco, Po­di­ums­dis­kus­sio­nen und na­tür­lich Techno-Partys.

Via Crowd­fun­ding wurde die Fi­nan­zie­rung der le­gen­dä­ren Lambda-An­lage er­mög­licht. Das ma­rode Fa­brik­ge­bäude baute das Kol­lek­tiv in Ei­gen­leis­tung aus. Pro­bleme ha­ben sie, wie na­hezu je­der Club in der Straße E, mit Laut­stär­ke­be­schwer­den. "Die kom­men häu­fig aus Hel­lerau", be­rich­tet Fe­lix Buchta. "Die Leute hö­ren meis­tens eine Free­tek in der Heide und schrei­ben uns das zu." Be­las­tend seien auch die Mietpreise.

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Die il­le­ga­len Par­tys in der Heide, so Chris­toph Töp­fer, seien auch dem Um­stand ge­schul­det, dass es im Stadt­ge­biet keine Frei­flä­chen für Non-pro­fit-Ver­an­stal­tun­gen gebe. Des­halb wei­che man in die Na­tur aus, was der Um­welt nicht zu­träg­lich sei. Er teilt die Vi­sion ei­nes Kul­tur­schutz­ge­bie­tes im In­dus­trie­ge­lände und spricht sich, wie viele Mitstreiter*innen für ei­nen Nacht­bür­ger­meis­ter als Mitt­ler und die Auf­he­bung der Sprech­stunde aus.

Som­mer­be­trieb im Freien nach 22 Uhr – da­von träumt auch Paula-Be­trei­ber Stef­fen Glä­ser. Als Be­trei­ber ma­che lasse man sich Gut­ach­ter und An­wälte viel Geld kos­ten, um dann letzt­end­lich in An­be­tracht von Laut­stär­ke­be­schwer­den den Kür­ze­ren zu zie­hen – im In­dus­trie­ge­lände, wo Fir­men teil­weise nachts Ma­schi­nen be­trei­ben. Die Wirt­schaft­lich­keit der Clubs stehe auf der Kippe und da­mit ihr Po­ten­tial. Die­ses Pro­blem hat auch der Sek­tor Evo­lu­tion, der auf ei­ner Frei­flä­che ei­nen Out­door-Floor in Form ei­nes Zir­kus­zelts betreibt.

Ka­ra­va­nen Rich­tung Sek­tor – um die Mit­tags­zeit nichts Ungewöhnliches.

Das An­lie­gen des Klub­netz-Ver­eins ist des­halb, an ei­nem Strang zu zie­hen, was Lö­sun­gen be­trifft. Erich, Mit­i­ni­ta­tor, er­läu­tert: "Ob­wohl die Clubs na­tür­lich auch in Kon­kur­renz zu­ein­an­der ste­hen, sol­len sie sich aus­tau­schen und zu­sam­men­ar­bei­ten, was ihre ge­mein­sa­men In­ter­es­sen an­geht. Auf diese Weise ist es auch für die Stadt leich­ter, nach­hal­tige Re­ge­lun­gen zu finden."

Im­mer alle an ei­nen Tisch zu ho­len sei schwie­rig. Es sol­len je­doch noch viel mehr Clubs zur Teil­nahme ein­ge­la­den wer­den. Durch die Kennt­nis an­de­rer For­mate ent­stehe die nö­tige Sen­si­bi­li­tät für die Be­dürf­nisse an­de­rer Clubbetreiber.

Gallische Dörfer: Chemiefabrik und Kleinvieh

Die Früh­lings­sonne ist mitt­ler­weile in Früh­lings­re­gen über­ge­gan­gen. Wir pas­sie­ren Al­tes Wett­büro und das ehe­ma­lige TBA un­term Bahn­hof Neu­stadt, bis der Bus um die Pe­tri­kir­che kurvt. Beim Ein­tritt in die Che­mie­fa­brik zeigt sich an auf­ge­klapp­ten Mün­dern, wer lange nicht mehr hier war: Die gute alte Chemo ist ge­die­gen sa­niert. Rauch­ver­bot und Ap­plaus-Preis do­tiert mit 40 000 Euro ha­ben der ehe­ma­li­gen Ba­ra­cke ein neues Ge­sicht gegeben.

Be­trei­ber Andi führt durch die Räume. Ein An­bau, in dem sich bald eine zweite Bar be­fin­den soll, wurde aus pri­va­ten Mit­teln fi­nan­ziert. Im Kühl­schrank steht kein Sterni mehr, son­dern Löß­nitz und Ur­quell. Die di­cke Haut aus Sti­ckern und Ed­ding sind im Ki­cker- und Bar­be­reich aber er­hal­ten geblieben.

Die letzte Sta­tion stel­len das Kleinvieh/​Partyreihe Klub Neu und die ehe­ma­lige Show­boxx dar. Hier kommt im Bus die Frage auf: Han­delt es sich um Event­lo­ca­ti­ons oder Clubs …? Fakt ist: Zu kämp­fen ha­ben auch sie. Das Klein­vieh ist zwi­schen Ho­tel­neu­bau­ten ein­ge­klemmt ein letz­tes "Gal­li­sches Dorf", wo­bei doch hier mit der Show­boxx, dem dienst­äl­tes­ten Elek­tro-Clubs Dres­den, die Szene mit­be­grün­det wurde.

Auch hier das Pro­blem: Laut­stär­ke­be­schwer­den. Und ein Strei­fen Ra­sen­grün di­rekt am El­be­r­ad­weg, das laut EU-Vo­gel­schutz­ver­ord­nung nicht mehr für die cha­rak­te­ris­ti­schen Holz-Lie­gen ge­nutzt wer­den darf – zu­min­dest nicht gewerblich.

"Wir sind hier ein gal­li­sches Dorf". Be­such beim Club Klein­vieh an der Go­thaer Straße.

Die wohl an­spruchs­vollste Club­tour des Jah­res en­det am Kul­tur­rat­haus. Die letzte Frage Anika Jan­kow­skis "Wer war heute in ei­nem Club, in dem er noch nie war?" wird von al­len mit Hand­zei­chen be­ant­wor­tet. Bli­cke hin­ter die Ku­lis­sen und in die Le­bens­wel­ten von Be­trei­bern ha­ben ein ge­naue­res Bild da­von ge­zeich­net, dass es in Clubs nicht nur um Rausch und Ek­stase geht, son­dern dass hier Frei­räume des Den­kens und Füh­lens, des Träu­mens und da­mit der Iden­ti­täts­stif­tung ge­schaf­fen wer­den. Eine Viel­zahl von Ge­wer­ben baut an Or­ten der Uto­pie und wirkt – zum gro­ßen Teil aus pu­rem En­ga­ge­ment – an de­mo­kra­ti­sie­ren­den und po­li­ti­sie­ren­den Pro­zes­sen mit. Anika Jan­kow­ski wie­der­holt ihre An­fangs­worte: "Ein his­to­ri­scher Tag" sei der Open Club Day in Dres­den. Es fühlt sich tat­säch­lich so an.

Die Fahrt war für viele eine Klas­sen­fahrt zu den Bau­stei­nen der ei­ge­nen Bio­gra­fie: Zu Or­ten un­ver­gess­li­cher Abende, Be­geg­nun­gen und Ge­sprä­che. Zu Hor­ten der Cha­rak­ter- und Her­zens­bil­dung, der Le­bens- und Schaf­fens­freude. Zu Hei­ma­ten und Zu­fluch­ten. Drau­ßen wird es schon wie­der dun­kel. Alle Gäste pur­zeln fer­tig und über­satt an Ein­drü­cken aus dem Mys­tery-Bus. Eine rich­tig gute Club­tour eben.

Klubnetz Dresden e.V.

Nachtrag/​Korrektur

In der ers­ten Ver­sion hat­ten wir ge­schrie­ben, dass es schon nächs­tes Jahr eng wird für den Schau­bu­den­som­mer. Die Sa­nie­rung der Scheune be­ginnt aber erst Ende des Jah­res. Der Schau­bu­den­som­mer ist also die­ses und nächs­tes Jahr si­cher. Wir ha­ben den Text oben an­ge­passt und bit­ten um Entschuldigung.

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4 Ergänzungen

  1. "Amt für Bau­ge­neh­mi­gung", was für eine wun­der­bare Eigenkreation.
    Da­mit soll wahr­schein­lich das Amt für Hoch­bau und Im­mo­bi­li­en­ver­wal­tung ge­meint sein.

  2. ^nee, Nix­mer­ker, es ist das an­dere Amt ge­meint, was über al­len steht und da­her maß­geb­lich ist, un­ter Füh­rung von Ur­sel, also Urselamt.
    Phi­lin­chen darf gern Ei­gen­aus­drü­cke nut­zen, das paßt scho. Die De­tails sind für krea­tive Ge­mü­ter oh­ne­hin ab­sei­ti­ges Fremdland. 

    Eine sehr schöne Bus-Runde, die auch zeigt, daß die Club­szene vom rei­chen Bra­chen- & Bar­ra­cken­port­fo­lio des Lan­des­haupt­dor­fes gut profitiert.
    Wie die Bil­der zei­gen: lei­der nur wie­der "klei­ner Ver­tei­ler" an die im­mer­glei­chen Na­sen aus Po­lit- und Amts­mief. Ot­to­nor­malarsch bleibt ge­konnt ex­klu­diert, Otto oder Ot­ti­lie darf nur pie­fig DVB-BUS fahren.
    Wün­sche mir die Party-Tram wie­der zu­rück, und daß Lab15 ver­falls­be­dingt ent­eig­net wird und in neue (pri­vate u./o. kom­mu­nale) Hand­habe kommt. Mahlzeit.

  3. @ ne­pu­muk

    als ex-mie­ter auf dem LAB 15 ge­lände kann ich dir sa­gen: Ver­giss es!
    da kommt die Stadt nie­mals ran. Der Typ hat Ma­fiöse struck­tu­ren hin­ter sich. Wir kämp­fen trotz an­walt seit Jah­ren um un­sere Kohle.…Das ist ein Korrupter.….….

  4. Ja, ich weiß. Des­halb ge­rade top ge­eig­net für Ent­eig­nung. Ma­fia braucht Ruhe und Sicht­schutz. Also bis­sel au­uf­mi­schen, mal Hallo sa­gen und Ent­wig­nungs­ver­fah­ren ein­fach durch­zie­hen. Recht­lich ei­gent­lich gut be­gründ­bar we­gen "rui­nöse Ver­nach­läs­si­gung von Denk­mal­sub­stanz" etc. Völ­lig wurscht, ob sol­che "Ei­gen­tü­mer" noch real da sind, ob die noch ge­se­hen wur­den oder wie auch im­mer. Die kom­men nicht, und der Staat machts im Grund­buch klar. Ist es lei­der kein Ort im städ­ti­schen Fo­kus, aber sehr hübsch und wer­tig. Weiß auch nicht, was die Denkmal‑, Lie­gen­schafts- und Bau­auf­sichts­be­hör­den so den lie­ben Tag ma­chen. Die Stadt fun­giert her­nach nur als Mitt­ler zu se­riö­sen Ent­wick­lern, die Kas­sen sind voll, und hier drängt ernst­haft die Zeit. Es geht um den dro­hen­den Ver­lust ei­nes der schöns­ten In­dus­trie­bau­ten – auch auf­grund Nicht­t­uns der Behörden.

Ergänzungen gern, aber bitte recht freundlich.

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