Der „Schlüpperladen“ wird volljährig

Das Infit an der Ecke Böhmische/Rothenburger Straße gehört zu den Mode-Pionieren der Neustadt. Als im Techno-Underground des Berliner Dunstkreises Muskelshirts und rosa Plüsch-BHs aufgetragen wurden, brachte das als Gemeinschaftsprojekt gestartete Lädchen frischen Wind zwischen Feinripp und Körbchen im Elbtal.

Andrea Schubert-Fließbach vom "Schlüpperladen" Infit.
Andrea Schubert-Fließbach vom „Schlüpperladen“ Infit.

Im Dezember wird es 18 Jahre alt. Das Erfolgsrezept ist eine Mischung aus Innovation und Tradition.

„Schlüpperladen“ heißt das Infit im Kundenjargon. Der Begriff erhält seinen Reiz durch die derbe Untertreibung: Den fächelnden Spitzen, verspielten Netzen und knackig-bunten Unterhosen wird der sächsische Schlüpper mit seinen ausgeleierten Assoziationen nicht gerecht. Aber was sich liebt, das neckt sich und Inhaberin Andrea Schubert-Fließbach hat den Spitznamen für ihr Geschäft angenommen. Der Flyer des „Schlüpperladens“ wirbt sepiafarben im Retro-Look für „Miederwaren und Untertrikotagen“.

Blick in die Historie: "Boddy" im DRESDNER 8/1998.. Foto: Andrea Schubert-Fließbach
Blick in die Historie: „Boddy“ im DRESDNER 8/1998.. Foto: Andrea Schubert-Fließbach

„Das kannst du in Dresden nicht machen“

So alt wie die Zeit, mit der geworben wird, ist das Infit nicht. Ein Urgestein der Neustadt ist es jedoch fraglos – gegründet 1998 als Boddy auf der Rothenburger Straße, der Neustädter Modemeile, in den Räumen der nunmehr ausgezogenen Suppenbar.


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Damals war der Unterwäscheladen ein gemeinschaftliches Projekt, erzählt Andrea Schubert-Fließbach. Sie und ihr damaliger Partner hatten sich mit einem befreundeten Pärchen zusammengetan. Vorbild war der Chemnitzer Laden Lagatta, von dem man sich ebenso Inspirationen und Tipps holte wie aus Berlin. Es war die Ära der Unterwäsche auf dem Dancefloor: Knallenge, schrill bunte Unterhemden, Netz, Neon und Lack, Plüsch und Leo-Muster. „Wir gingen manchmal auf den Messen an so etwas vorbei und dachten: Nee, das kannst du in Dresden nicht machen“, erinnert sich Andrea.

Männermode anzubieten ist Andrea Schubert-Fließbach ein Bedürfnis: "Das gehört dazu!"
Männermode anzubieten ist Andrea Schubert-Fließbach ein Bedürfnis: „Das gehört dazu!“
Für Dresden mussten es keine Plüsch-BHs sein, um Menschen auf der Suche nach dem Außergewöhnlichen anzulocken. Die Kooperationen, die damals mit Vertreter*innen von Bruno Banani oder Olaf Benz geschlossen wurden, halten zuverlässig bis heute und sorgten dafür, dass sich Boddy schnell zur Anlaufstelle für Überland-Kundschaft herumsprach. Ein Platz im „Gappy“-Modeführer wurde zum Wegweiser. Verspielt, lasziv, körperbetont, jung war das Angebot, das neben Unterwäsche für Damen und Herren bis heute Strümpfe und Nachtwäsche umfasst. Aus der Zusammenstellung des Sortiments nach persönlichem Gusto ergab sich eine eigene Ästhetik, die den „Schlüpperladen“ bis heute auszeichnet.

Spezialisiert ist das Infit auf kleine Größen und Oberflächen-taugliche Optik.
Spezialisiert ist das Infit auf kleine Größen und Oberflächen-taugliche Optik.

Aus „Boddy“ wird „Infit“

„Wir haben das nebenbei als Hobby gemacht“, erzählt Andrea. Nach drei Jahren trennten sich die Wege. Private und berufliche Situationen hatten sich geändert und die vier Betreiber entschieden sich, das nebenberufliche Projekt Unterwäscheladen einvernehmlich aufzugeben. Das Boddy wurde geschlossen.

Andrea stand an einem beruflichen Scheideweg und liebäugelte mit einer Fortführung – allerdings waren die bisherigen Räume für eine Betreiberin allein zu groß. Dass es mit dem Infit weiterging, hatte schon ein bisschen mit Fügung zu tun und ergab sich mit einer unerwarteten Zusage. Zwei Jahre lang hatten die Räume an der Ecke neben der Fleischerei Haberland leer gestanden. „Hier hatte damals die Großmutter der Familie drin gewohnt“, sagt Andrea. Viele Anfragen nach der Nutzung der ehemaligen Wohnräume waren abgewiesen worden. „Ich habe wohl den richtigen Moment erwischt“, vermutet Andrea. Sie bekam den Zuschlag und baute die Räume mit den weiß getünchten Steinmauern aus.


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Blick durch die charakteristischen Schaufenster ins Infit.
Blick durch die charakteristischen Schaufenster ins Infit.
Eingerahmt von den grünen, über und über getaggten Fensterläden stehen seitdem die Rümpfe der Modepuppen wie leicht bekleidete antike Statuen in den Schaufenstern.

Aus einem Zweitladen-Experiment in der Altmarktgalerie ist Andrea laut eigenem Urteil mit einem blauen Auge davon gekommen und um eine Erfahrung reicher: „Diese Art von Sortiment läuft in einem kleinen Viertel besser.“ Nach dem Spagat 2012 ist Infit wieder Neustadt-Unikat. Den 18. Dezember hat Andrea als 18. Geburtstag festgelegt. Die Geburtstagsaktion ab dem 13. Dezember verrät sie allerdings noch nicht. Nur so viel: Die Volljährigkeit wird voll ausgenutzt. Da kommen Neugierige wohl um den Besuch nicht herum, im verführerischsten „Schlüpperladen“ der Neustadt.

INFIT

  • Rothenburger Straße 25, 01099 Dresden
  • geöffnet von Montag bis Freitag 12 bis 20 Uhr, Sonnabend 11 bis 18 Uhr
  • www.underwear-lounge.com

1 Kommentar zu “Der „Schlüpperladen“ wird volljährig

  1. Fachkundige Beratung und guter Geschmack beim Einkauf!
    Andrea hats drauf und deswegen begeisterte Kunden und -innen!

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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