Geistreiche Kampagne

Am Freitagabend haben der Stadtbezirksamtsleiter André Barth und die Neustadt-Kümmerin Manuela Möser die Kampagne „Du bist doch nicht von allen guten Geistern verlassen?!“ zur Ansprache von Partygästen der Neustadt Vorgestellt. Vier gute Geister sollen künftig die Besucher schon bei der Anreise auf humorige Weise darauf hinweisen, dass die Neustadt eben auch ein Wohnviertel ist.

Neustadt-Kümmerin Manuela Möser und Amtsleiter André Barth
Neustadt-Kümmerin Manuela Möser und Amtsleiter André Barth
Dafür werden im Fahrgastfernsehen der Straßenbahnen 30-sekündige Video-Clips gezeigt, in denen gut Geister auf Schwerpunkte Müll, Scherben, Lautstärke und Wildpinkeln hinweisen. Die Geister wollen die Neustadt-Besucher auf die Folgen ihres Treibens hinweisen. Außerdem gibt es Postkarten und Plakate, Bierdeckel sind geplant. Über Fassadenprojektionen und Kinowerbespots wird nachgedacht.

Seit sie ihren Job als Kümmerin für das Szene-Viertel im September 2017 angetreten hat, habe sie Beschwerden von Anwohner*innen bekommen, berichtete Manuela Möser, die am Freitagabend die vier verschiedenen Video-Clips vorstellte.

Vor allem ging es dabei um Lautstärke, Glasscherben, Müll und Urin. Schon bald entstand die Idee für eine Kampagne. Der Eindruck verstärkte sich bei den Anwohnertreffen „Lasst uns reden“.


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Für die Kampagne wurden fünf Werbeagenturen angeschrieben. Die Leipziger Agentur „die superpixel“ gewann die Ausschreibung mit der Idee gute Geister auf die Partybesucher loszulassen. Für jedes Problem soll ein Geist in Erscheinung treten. Die Geister sollen dabei freundlich und als Sympathieträger auftreten. Der Leitslogan lautet „du bist doch nicht von allen guten Geistern verlassen“.

Der Uringeist


Nette Toilette statt Wildpinkeln

Der Müllgeist


Etwas sonderbarer Slogan „Wegwerfen statt Liegenlassen“ – gemeint ist, dass Mülleimer benutzt werden sollen.

Der Lärmgeist


Rücksicht statt Radau – passend gedreht an der sozialen Ecke.

Der Glasgeist


Einstecken statt Stehenlassen – In der Kampagne wird auf die Pfandringe und die Rückgabemöglichkeit in Spätshops hingewiesen.

Die Kosten für die bisher entstandenen Module von rund 12.000 Euro werden aus dem lokalen Handlungsprogramm der Stadt bestritten. Die Stadtbezirksräte stimmten Ende April für weiteren Mittel zur Erweiterung der Kampagne, unter anderem für Anzeigenschaltungen in dem Veranstaltungsheft „Überkreuz“, dem Boulevard-Portal Tag24, Werbespots auf Instagram und im Fahrgastfernsehen, Postkarten und Plakate in Bussen und Bahnen.

Die komplette Kampagne gibt es unter dresden.de

Kopfhörer-Disco

Wie Party richtig leise geht, zeigte gestern die Scheune-Crew auf dem Vorplatz mit einer Kopfhörer-Disco.

Kopfhörer-Disco auf dem Scheunevorplatz
Kopfhörer-Disco auf dem Scheunevorplatz

8 Kommentare zu “Geistreiche Kampagne

  1. Das ist ja bestimmt gut gemeint. Immerhin !!

    Aber:
    Wer rumgröhlt, Flaschen zerdeppert, seinen Müll einfach in die Gegend schmeisst und in die Ecken pinkelt wird sich vermutlich einen feuchten Blumenkohl um die Anwohner scheren und sich vermutlich nicht von einem Video in der Strassenbahn davon abhalten lassen.

    wir finden die Aktion irgendwie rührend !!

  2. Ja, alles schön und gut.
    Aber wer in dieNeustadt zieht sollte sich doch bitte bewusst sein dass er in ein Szeneviertel zieht.
    Da ist für gewöhnlich nunmal laut und dreckig. Und ich denke ich spreche für viele das doch genau das das gewisse Flair der Neustadt ist. In jeder Ecke andere laute Geräusche Gerüche und verruchte Ecken. Urin Hundekacke und Scherben gut gehe ich mit muss nicht sein. Aber wegen diesen Beschwerden von Ruhestörung mussten schon einige Institutionen schließen die die Neustadt auch mit geprägt haben. Und das finde ich sehr traurig denn damit geht das eigentliche was die Neustadt ausmacht allmählich immer mehr verloren. Denn wer es leise und sauber will sollte vielleicht über ein anderes Wohnviertel nachdenken!

  3. @Sandra Hiebner

    wir können uns mal gerade nicht vorstellen, dass irgendjemand, der noch halbwegs klar bei Verstand ist, gut findet, was irgendwelche Partytouristen am Wochenende aus der Neustadt machen. Das sind nie im Leben Leute, die in der Neustadt leben. Szene hin oder her. Das erlebe ich täglich anders. Die Neustadt ist hoffentlich etwas mehr als Krach und Dreck. Und wir leben hier gerne. Aber nicht wegen vollgepisster Ecken. Sondern wegen Offenheit, Liberalismus und Toleranz.

    Aber jeder, wie er mag…..

  4. Rührend ist ein gutes Wort, aber anderes als solche supersoften Bitte-bitte-Aktionen sind eben in unserer gesetzten Narrenfreiheit nicht drin. Auch klar, daß aus den Federn der Sozialarbeiter/Kümmerer eher pädagogische Ansätze als Handfestes vorgeschlagen sind, fließt doch noch mehr Kohle in die Selbstbeschäftigung und auch die Grafikdesigner fürs Video dürften sich gefreut haben.
    Aber EINES muß klar sein, lieber Herr Stadtbezirksleiter und Amtsentourage: Jetzt gilt „Last Chance Prinzip“! Seit Jahren folgt ein softer Versuchsballon nach dem anderen, bald gilt es sich ehrlich zu machen. Meine Mutmaßung ist: Resultat ungenügend. Fazit: anderes muß her! Ich sehe den ganzen Zaster schon in neuen „City-Haien“ und häufigeren Putz-Turnussen. Horsche ma druff, gähd ähmd ni anorsch!

    Also der Mutbürger meckert hier noch nicht, aber die nächsten 5 Jahre darf sich das Heitschi-bum-beitschi-Trallalallala nicht auch noch fortsetzen.
    Im Übrigen ist die Äuse nun wahrlich KEIN Szeneviertel! Das war es u.U. mal früher in ganz geringen Artungen. Die Neustadt ist ein BIOTOP, ein Sozio-Biotop, und inzwischen auch sich deutlich verbürgerlichender Familien-Kleinkind-Pipikackapopo-Rajon in einem Stadtviertel, welches als einfacher Arbeiter- und Wohnbezirk konzipiert wurde. Nein, nicht die Geplagten müssen wegziehen, sondern Nutzungen gehören dahin, wo sie hingehören. Dorthin wird hoffentlich die Geschichte gehen. Amen.

  5. Der Effekt wird/muss gleich Null sein, da es sich um allen bekannte Grundregeln zivilisierten Zusammenlebens handelt, die aber bewusst ignoriert werden.

    Die Nickis könnten vielleicht ein Renner werden. Die Geister sehen ja ganz fetzig aus.

    @statler & waldorf
    Was soll eigentlich dieses Wir-Gequatsche?

  6. @BBOB

    Wenn man zu zweit ist, benutzt man üblicherweise den Plural. Und das „Gequatsche“ nehmen wir mal als Kompliment.

Kommentieren gern, aber bitte recht freundlich.

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